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Nachhaltige Trendwende bei Infineon?

Die Infineon-Aktie kletterte seit Mai um mehr als achtzig Prozent. Verglichen mit dem Niveau vom März hat sich ihr Kurs sogar verdoppelt. Viele Anleger fragen sich nun, ob ein Einstieg in das volatile Papier noch lohnt oder die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen ist. Der Geldanlagebrief bilanziert Chancen und Risiken.
Geldanlage-Brief − Für Ulrich Schuhmacher war es ein Pressetermin der angenehmen Art. Endlich, nach neun Verlustquartalen in Folge, die in der Summe eine tiefrote Zahl von fast 2 Mrd. EUR produzierten, konnte der Vorstandschef von Infineon (ISIN DE0006231004, WKN 623100) am vorletzten Dienstag mit positiven Nachrichten aufwarten. Verhalten positiv, aber immerhin: Die Umsätze erhöhten sich zum Vorquartal ordentlich um elf Prozent auf 1,47 Mrd. EUR. Der Nettoverlust, die von Analysten mit Spannung erwartete Größe, stieg nicht weiter an. Statt der von Analysten befürchteten 200 Mio. EUR, weist der weltweit sechstgrößte Chipproduzent für das dritte Quartal nur mehr einen Fehlbetrag von 116 Mio. EUR auf - gut 64 Prozent weniger, als im Vorquartal zuvor. Und: Trifft die Unternehmensprognose ein, wird den Aktionären zum Geschäftsjahresende am 30. September sogar wieder ein Gewinn winken.

Prompt macht sich unter den Auguren Optimismus breit. Die Aktie liegt fest im Markt und die Presse jubelt: "Schumis Chips laufen wieder!" Dabei ist gerade in der Chipbranche ein nüchterner Blick angeraten.

Kaum zuverlässiger als Wettervorhersagen: Die Prognose der Speicherpreise

Denn in kaum einem anderen Sektor liegen Gewinnchance und Verlustrisiko so dicht beieinander. Für die Mannschaft um Schuhmacher gilt es nicht nur, auf die stark schwankenden Chippreise zu reagieren. Das allein wäre Herausforderung genug. Doch es geht um mehr: Um im richtigen Moment mit der neuen Technologie zu punkten, muss das Unternehmen gewaltige Mittel freimachen. Kostete eine Chipfabrik 1983 noch 200 Mio. USD, so beläuft sich die Investition nach Berechnungen von Gartner Dataquest inzwischen auf fast 3 Mrd. USD.

So gesehen hat Infineon nicht die schlechtesten Chancen, um von einem möglichen Preisaufschwung bei den Speicherchips, die immerhin vierzig Prozent der Umsätze generieren, zu profitieren. Der Grund: In den letzten Jahren haben die Münchener Milliardenbeträge investiert, in deren Folge sie die Stückkosten der Speicherbausteine auf aktuell 4,90 USD reduzieren konnten. Im Vorquartal waren es noch 5,40 USD. Dazu kommt: Um die Abhängigkeit von der Chippreisentwicklung - Stichwirt "Schweinezyklus" - zu senken, wollen die Münchener ihren Eigenanteil an der reinen Produktion von derzeit achtzig auf fünfzig Prozent drosseln.

Künftig heißt die Devise: Produzieren lassen

Das geschieht folgendermaßen. Gemeinsam mit anderen Unternehmen verteilt Infineon die Kapitallast der Investitionen auf mehrere Schultern. Dazu bedient man sich so genannter Foundries. Das sind hoch spezialisierte Unternehmen, die (anstelle neue Chips zu entwickeln) ihr gesamtes Know-how in eine effiziente Fertigung stecken. Zuletzt konnte Schuhmacher mit Nanya und Winbond zwei namhafte asiatische Foundries gewinnen. Vorläufiger Höhepunkt der Kapazitätsausweitung bei gleichzeitiger Begrenzung des Kapitaleinsatzes ist zudem ein anderes Projekt: Im März vergangenen Jahres vereinbarte Infineon mit der chinesischen Semiconductor Manufacturing International Corporation eine weit reichende Kooperation. Beide Unternehmen wollen noch im Herbst mit dem Bau einer Chipfabrik in der Nähe von Shanghai beginnen. Das Ziel dahinter: Die Münchener wollen in China einen Marktanteil von zehn Prozent erreichen. Marktforscher prognostizieren, dass das Reich der Mitte schon in drei Jahren aufnahmebereit ist für einen Halbleiterumsatz von 31 Mrd. EUR. Im letzten Jahr waren es noch 16 EUR. Realisieren sie ihr Ziel, winkt - womöglich schon bald nach Inbetriebnahme der neuen Fabrik in zwei Jahren - ein deutlicher Umsatzschub.

Unterstützt die Konjunktur die ehrgeizigen Vorhaben?

Bevor allerdings die strategischen Planungen im Reich der Mitte greifen, könnte eine andere Entwicklung die Einnahmeseite beleben. Nachdem es Ende 1999 aus Angst vor dem digitalen Weltuntergang zu einem Kaufrausch bei neuer Hard- und Software kam, verharrt die Nachfrage nach IT-Produkten nun schon seit drei Jahren auf niedrigem Niveau. Das gilt insbesondere für die PC-Nachfrage - einer der wichtigsten Umsatztreiber für Infineon. Experten erwarten nunmehr, dass sich der Stau bei den Ersatzinvestitionen spätestens im nächsten Jahr auflösen und die IT-Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen wird. Der ifo-Geschäftsklimaindex, wichtigster Gradmesser für die Geschäftsaussichten in Deutschland, zeigt bereits in die richtige Richtung. Nach monatelangem Abwärtstrend stieg er zuletzt drei Mal hintereinander an. Platzt also der Knoten im nächsten Jahr tatsächlich, dürfte sich das für Infineon auszahlen. Immerhin macht die Chip produzierende Branche fast die Hälfte ihrer Umsätze mit der IT-Industrie.

Eine Bewertung, die Raum schafft: Infineon ist erheblich günstiger als die Konkurrenz

Folglich sprechen sowohl die strategische Ausrichtung auf lukrative Märkte, als auch das konjunkturelle Umfeld eher für ein Investment in das Wertpapier. Aber: Hält auch die aktuelle Börsenbewertung dieser Einschätzung stand? Immerhin ist der Dax-Wert in risikofreudiger Vorwegnahme eben dieser Aussichten schon kräftig gestiegen.

Der Blick in die Peergroup zeigt: Ein Vergleich auf Basis der Gewinnbewertung lässt sich derzeit nicht durchführen, denn Infineon kämpft bislang noch mit der Nulllinie. Aufschlussreicher ist da schon das Verhältnis zwischen dem Börsenwert der Unternehmen und dem Umsatz, den sie mit Halbleiterprodukten zuletzt erwirtschafteten. Branchenprimus Intel ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage brief 20/2003 (pdf, 64 kB), erschienen am 1.8.2003.

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