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›› US-Arbeitsmarkt „brummt“
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Situation an den Märkten in den USA und Europa ist derzeit äußerst freundlich. Die Aktienindizes notieren auf neuen Trendhochs und preisen damit die positiven Wachstumsperspektiven ein, die sich aus den Frühindikatoren wie den aktuellen Einkaufsmanagerindizes ergeben (siehe Geldanlage-Brief vom 7. August).

US-Arbeitsmarktbericht bestätigt positives Bild

Zur jüngsten Stärke der (US-)Märkte beigetragen hat auch der US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag. Demnach wurden im Juli 255.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Das waren nicht nur erheblich mehr als erwartet (180.000). Zudem wurden auch noch die Werte der beiden Vormonate Mai und Juni um insgesamt 18.000 neue Stellen nach oben revidiert.

US-Arbeitsmarkt - neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft

Damit zeigt sich der US-Arbeitsmarkt nach dem vieldiskutierten Einbruch vom Mai (siehe Pfeil in der Grafik) nun zum zweiten Mal in Folge sehr stark. Somit war der Mai wohl der berühmte Ausrutscher in einer Serie positiver Daten.

Das bestätigen auch die weiteren Details des Arbeitsmarktberichts. So stiegen sowohl die Wochenarbeitszeit als auch die durchschnittlichen Stundenlöhne deutlich an – letztere sogar ebenfalls stärker als von den Ökonomen erwartet. Das zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt „brummt“. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass die Anleger dieses positive Konjunkturbild der USA mit kräftigen Kursgewinnen gefeiert haben.

 



›› DAX durchbricht wichtige Widerstände
von Sven Weisenhaus

Der DAX hat inzwischen sogar ein neues Jahreshoch markiert und sendet damit ein wichtiges bullishes Signal. Denn mit dem Überwinden des April-Hochs bei 10.474,38 Zählern wurde auch die obere Linie des Abwärtstrendkanals durchbrochen (grüner Pfeil).

DAX - Chartanalyse

Damit scheint nun die Seitwärtskonsolidierung (blaues Rechteck), die uns einen Großteil des laufenden Jahres 2016 begleitet hat, ein Ende gefunden zu haben.

Aufholjagd zu den US-Indizes hat begonnen

Nun ist es sehr wichtig, dass die kurzfristige Aufwärtsbewegung im DAX ihre Dynamik beibehält und Anschlusskäufe folgen, damit der Ausbruch nachhaltig wird. Dann dürfte die Aufholjagd gegenüber den US-Indizes weitergehen, die sich inzwischen deutlich abzeichnet.

Vergleich der Aktienindizes - 1 Monat
(erstellt mit: Ariva.de)

Während S&P 500 (grüner Kursverlauf) und Dow Jones (rot) binnen eines Monats nur jeweils knapp 2 Prozent zulegen konnten, sprintete der DAX (dunkelblau) um mehr als 7 Prozent aufwärts. Selbst den rasanten Anstieg des NASDAQ 100 (hellblau) mit 5 Prozent konnte der DAX überbieten.

Bleibt der Ausbruch im DAX nachhaltig, dann dürfte diese bereits sichtbare Tendenz anhalten. Fallen hingegen die US-Indizes und/oder der DAX unter das jeweilige Ausbruchsniveau zurück, dann wird damit ein Fehlsignal gesendet. Diesem dürften erneute Rückschläge folgen. Dann ist auch damit zu rechnen, dass der DAX einen Teil seiner jüngsten Outperformance gegenüber den US-Indizes wieder abgibt.

Tradingchancen im DAX

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›› Chinas Wirtschaftswachstum fast ausschließlich staatlich getrieben
von Sven Weisenhaus

Deutlich schwächer entwickelt sich derweil die Lage in China, von wo nach wie vor durchwachsene Daten zur Konjunktur kommen. So fiel der dortige ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Juli von 50,0 auf 49,9 Zähler. Damit notiert er nun, wie schon von August 2015 bis Februar 2016, nach nur vier Monaten wieder unterhalb der Schwelle von 50 Punkten, ab der zukünftig Wachstum signalisiert wird.

ISM-Einkaufsmanagerindex China

Dagegen stieg der Einkaufsmanagerindex für das nicht-verarbeitenden Gewerbe (Dienstleistungen) von 53,7 Punkten im Juni auf nun 53,9 Zähler.

ISM-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in China

Demnach setzt sich der Prozess fort, der bereits in der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom 20. Juli beschrieben wurde: Chinas Wirtschaft steckt in einem Wandlungsprozess, bei dem sich das Land von der „Werkbank der Welt“ wegentwickelt und dafür der Dienstleistungsbereich im Inland einen immer größeren Anteil an der Wirtschaftsleitung des Landes einnimmt.

Chinas Wandlungsprozess: Dienstleistung hui, Produktion pfui

Dieser Eindruck wird von den Einkaufsmanagerindizes des Wirtschaftsmagazins Caixin bestätigt. Zwar stieg der Index hier für das verarbeitende Gewerbe von 48,6 Punkten im Juni auf 50,6 im Juli wieder über die Wachstumsschwelle und der Index für das Dienstleistungsgewerbe fiel von 52,7 auf 51,7 Punkte zurück. Dennoch signalisiert damit auch in diesem Fall der Dienstleistungsindex mit 51,7 Punkten ein stärkeres Wachstum als der Index für das verarbeitende Gewerbe mit 50,6 Zählern.

Chinas Exporte sinken zum 21. Mal in Folge

Und auch die aktuellen Daten zum Außenhandel der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA deuten in diese Richtung. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörde brachen die Importe im Juli binnen Jahresfrist um 12,5 Prozent ein. Es war der inzwischen 21. Rückgang in Folge.

China - Entwicklung der Importe

Die Exporte gingen im selben Zeitraum um 4,4 Prozent zurück.

China - Entwicklung der Exporte

Die Güterproduktion für und die Güternachfrage vom Ausland sind weiterhin stark rückläufig. Bereits im Vormonat waren die Importe um 8,4 und die Exporte um 4,8 Prozent rückläufig.

Schwache Güternachfrage wirkt auf die Preise

Die schwache Güternachfrage wirkt sich auch auf die Preise im Land aus. So fiel die Inflation mit 1,8 Prozent im Juni zum vierten Mal in Folge schwächer aus und entfernte sich damit weiter von der Vorgabe der Regierung, die gerne einen Preisauftrieb von drei Prozent sehen würde.

China - Entwicklung der Verbraucherpreise

Und ein anhaltender Rückgang der Erzeugerpreise, der sich zeitversetzt meist in den Verbraucherpreisen niederschlägt, zeigt, dass hier keine Besserung in Sicht ist.

China - Entwicklung der Erzeugerpreise

Private Investitionen erstmals seit 2004 rückläufig

Was der chinesischen Regierung aber am meisten Sorge bereiten sollte, ist die kontinuierliche Verschlechterung der Investitionen des Privatsektors. Zuletzt sind diese im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit 2004 zurückgegangen – um 0,7 Prozent. Ganz anders dagegen der Staatssektor. Dort stiegen die Investitionen um gigantische 24 Prozent und damit so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Damals bekämpfte die Regierung bereits den Konjunktureinbruch mit riesigen Programmen. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wird also auch jetzt wieder fast nur noch von staatlichen Investitionen getragen.

Wirtschaftswachstum fast ausschließlich staatlich getrieben

Und diese werden natürlich zu einem Großteil auf Pump finanziert. Allerdings geschieht dies in China zumeist nicht direkt durch die Regierung, sondern über Unternehmen, die sich im Staatsbesitz befinden. Daher ist die Verschuldung des Staates offiziell auch mit nur rund 44 Prozent der Wirtschaftsleistung relativ gering. Die Schulden der chinesischen Firmen belaufen sich dagegen inzwischen auf rund 150 Prozent. Zum Vergleich: In Europa oder den USA sind es rund 100 Prozent. Der gesamte Schuldenberg Chinas, von Staat, Unternehmen und Privatpersonen, beträgt fast 280 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland liegt der Wert bei 220 Prozent.

Geschwindigkeit der Verschuldung bereitet Kopfzerbrechen

Mit Blick auf diese (Vergleichs-)Zahlen ist es allerdings nicht so sehr die absolute Höhe der Schulden, die Kopfzerbrechen bereitet, sondern die Geschwindigkeit des Schuldenwachstums, die an die Jahre 2008/2009 (Finanzkrise) erinnert. Immer wenn es in der Geschichte irgendwo einen solch starken Anstieg der Schulden gab, ergaben sich daraus in der Zukunft Probleme.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass 15,5 Prozent der Unternehmenskredite in China in Gefahr sind. Die Firmen verdienen also aus Sicht des IWF zu wenig, um die Kredite bedienen zu können. Dabei geht es um Darlehen in Höhe von umgerechnet mehr als eine Billionen Euro. Zwar lauten 95 Prozent der Verschuldung Chinas auf Yuan, womit die Gefahr einer Ansteckung des weltweiten Finanzsystems eher gering ist, doch sollte man die Zahlen derzeit permanent im Auge behalten. Denn China allein ist derzeit für rund ein Viertel des globalen Wachstums verantwortlich.

Fazit

Was das Wachstum in China angeht, so muss man sich an geringere Wachstumsraten gewöhnen. Und angesichts des Anteils, den China am Weltwirtschaftswachstum hat, muss man auch insgesamt mit geringeren Wachstumsraten rechnen, was eben auch die USA und Europa betrifft. Auch wenn derzeit in diesen beiden Regionen, wie eingangs beschrieben, derzeit alles recht freundlich erscheint, sollte man die Risiken (aus China) nicht außer Acht lassen.

In einer vergleichbaren Art und Weise wurden Sie bereits am 20. Juli gewarnt (siehe „China: Wachstum nach Vorschrift birgt Risiken“). Insofern ist die heutige Analyse ein Update bzw. eine Bestätigung der damals bereits erkennbar negativen Entwicklung in China. Und daher gilt unverändert:

Aktien sind im Vergleich mit anderen Anlageklassen, wie Anleihen und Immobilien, nach wie vor am günstigsten. Das gilt sogar für US-Aktien, selbst wenn diese aktuell etwas überteuert sind. Der DAX ist allerdings mit seinem KGV von rund 12 derzeit ein absoluter Kauf. Und wie wir hier seit Wochen schreiben, könnte es sein, dass wir mittel- bis langfristig das letzte Mal Kurse unter 10.000 Punkten im DAX gesehen haben.
Ich würde also weniger das Allzeithoch im S&P 500 oder Dow Jones kaufen, als vielmehr einen Ausbruch des DAX aus seinem Abwärtstrendkanal – wenn er kommt.

Im heutigen Kapitel 2 („DAX durchbricht wichtige Widerstände“) wurden Sie genau über diesen Ausbruch informiert. Entsprechend sollte klar sein, wohin die Reise geht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhau

 


 

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