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Microsoft
Microsoft leert seine pralle Kasse

Bill Gates ist einmal mehr für Überraschungen gut. Kaum hat er mit America Online und Erzfeind Sun Microsystems das Kriegsbeil begraben, zeigt er sich in einer Spendierlaune, die selbst scharfe Kritiker der bisherigen Knauserigkeit entwaffnet: In den nächsten vier Jahren lässt er nicht weniger als 75 Mrd. US-Dollar an die Aktionäre verteilen.
Geldanlage-BriefZum Unternehmen: Das Geschäft von Microsoft (WKN 870747, ISIN US5949181045) zu beschreiben, ist ebenso überflüssig, wie einem Japaner den Fotoapparat zu erklären. Die Produkte des Softwareriesen (55.000 Mitarbeiter in 85 Ländern) kennt jeder. Auf Microsofts Internet Explorer etwa greifen immerhin 95 von 100 Internetnutzern zurück. Doch genau darin liegt für die schon seit 1986 börsennotierte Firma ein Problem: 29 Jahre nach ihrer Gründung stößt Microsoft an seine Grenzen. Die Bemühungen der letzten Jahre, Neugeschäft zu erschließen, verliefen weitgehend glücklos. Der jüngste Versuch, mit einer Übernahme von SAP die Sparte Unternehmenssoftware zu stärken, platzte. Im Serverbereich wird das Monopol allmählich vom unabhängigen Linux-System aufgeweicht (Marktanteil 2003: 23%). Und im Spielebereich, wo die Redmonder mit ihrer Xbox trotz Investitionen von 12 Mrd. US-Dollar bislang glücklos agieren, soll es nun Nintendo richten.
Konsequent also, dass Chairman Gates nun umsteuert. Er erklärt die Zeit des Knauserns für beendet und leert die Kasse. 75 Mrd. US-Dollar wollen die Redmonder bis 2008 ausschütten, davon 32 Mrd. US-Dollar als Einmaldividende und 30 Mrd. US-Dollar für Aktienrückkäufe. Mit dem Rest verdoppelt Microsoft die reguläre Dividende.

Fundamentales: Microsoft arbeitet hochprofitabel. Im Geschäftsjahr 2003/04 (30. Juni) schulterte der Softwareriese, den die Börse mit knapp 300 Mrd. US-Dollar bewertet, einen Umsatz von 37 Mrd. US-Dollar (+14%), wovon stolze 8,2 Mrd. US-Dollar als Reingewinn in der Kasse verblieben. Die Marge stellt sich folglich auf ansehnliche 22 Prozent.
Extrapolieren Sie das Wachstumstempo aber bitte nicht in die Zukunft. Zwar stiegen Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Quartal mit 15 bzw. 81 Prozent noch deutlich. Doch fürs Gesamtjahr 2004/05 senkt selbst CFO John Connors schon jetzt den Daumen. Sein Umsatzziel: ein laues Plus von 4,3 Prozent. Folge für die Aktionäre: Mit geschätzten 0,25 US-Dollar je Aktie wird der Gewinn je Anteilschein im laufenden Quartal bestenfalls stagnieren.

Bewertung: Analysten rechnen für das nächste Jahr bei rückläufigem Umsatzwachstum beinahe unisono mit einer Gewinnstagnation. So gesehen ist die Aktie mit einem Gewinnmultiple von derzeit gut 20 gut bewertet und bietet Ihnen vordergründig trotz Kurshalbierung seit 2001 zumindest auf mittlere Sicht ein eher geringes Potenzial. Bedenken Sie aber: Durch das Aktienrückkaufprogramm ist der Aktienkurs gegen allzu starke Ausbrüche nach unten weitgehend immun. Es wirkt sozusagen, zumindest für die Zeit des Aktienrückkaufs, wie ein zusätzliches Sicherheitsnetz.

Fazit: Microsoft sollte in nächster Zeit ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 24/2004 (pdf, 196 kB), erschienen am 13.08.2004.

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