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Paion
Neuemission mit Nebenwirkungen

Nach einem Schlaganfall zählt bekanntlich jede Minute. Je früher die Hilfe, umso höher die Überlebenschance. Spätestens nach drei Stunden, so eine Faustregel, ist auch mit Medikamenten kaum mehr was zu machen. Doch ein neuer Wirkstoff der Firma Paion aus Aachen könnte bald Abhilfe schaffen. Um ihn zur Marktreife zu führen, zapft das 55 Mitarbeiter zählende Unternehmen nun den Kapitalmarkt an.
Geldanlage-BriefUnternehmen: Paion geht zurück auf einen Vampir. Genauer: auf die mexikanische Vampirfledermaus, lateinisch Desmodus Rotundus. Ihr Speichel lieferte der Berliner Schering die Basis für das Herzmittel Desmoteplase. Doch die Berliner gaben ihre Herzsparte auf. Das war die Gelegenheit für Mariola und Wolfgang Söhngen. Die Gründer von Paion erkannten das Potenzial des Proteins, erwarben von Schering eine Lizenz und entwickelten den Wirkstoff weiter. Ihr Clou: Statt auf den umkämpften Markt für Herzmedikamente zu setzen, konzentrierten sie sich auf den Nischenmarkt für Schlaganfallprävention und -behandlung. Die Entscheidung kam nicht von ungefähr. Obwohl der Schlaganfall nach Krebs und Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache ist, die hierzulande 200.000 Menschen im Jahr ereilt, gibt es gerade einmal zwei Medikamente zu deren Behandlung. Ihr Nachteil: Werden Sie nicht binnen drei Stunden verabreicht, versagt ihre Wirkung. Anders bei Desmoteplase. Das Medikament wirkt selbst noch nach acht oder neun Stunden. Ein Vorteil, den auch die US-Gesundheitsbehörde erkannte. Im Juni 2004 sicherte sie Paion daher eine beschleunige Zulassung zu. Das wiederum rief den Pharmakonzern Forest auf den Plan. Einen Monat später schloss das US-Unternehmen mit Paion eine weit reichende Kooperation. Darin enthalten: Zahlungen über 47 Mio. US-Dollar. Im Gegenzug erhält Forest die exklusiven Vertriebsrechte für Nordamerika.

Geschäftszahlen: Paion hat bis 2003 kaum Umsätze erzielt. Das änderte sich erst in 2004: Nach der ersten Zahlung von Forest weisen die Aachener für die ersten neun Monate Erlöse von 16,6 Mio. Euro aus. Gewinnseitig sieht es, typisch für einen Start Up der Biotech-Branche, freilich noch mau aus. Forschung und Entwicklung verschlingen pro Jahr gut 10 Mio. Euro. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Im Gegenteil: Nach Schätzung des Konsortialführers UBS dürfte der Fehlbetrag in 2005 fast 21 Mio. Euro betragen. Rechnen Sie mit der endgültigen Gewinnschwelle daher nicht vor 2008. Erst dann dürften aus Verkäufen von Desmoteplase etwa 4 Mio. Euro in der Kasse bleiben. Und, so alles gut geht: bis 2005 ein strammes Wachstum einsetzen, das den Gewinn bis 2015 auf 90 Mio. Euro nach oben führt. Umsatz dann: gut 400 Mio. Euro bzw. knapp sechzig Prozent des Marktvolumens für Schlaganfall-Medikamente.

Börsengang: Paion bringt rund ein Drittel des Grundkapitals an die Börse. Die Preisspanne lag ursprünglich bei 11 bis 14 Euro je Aktie. Da sich die Nachfrage aber in Grenzen hielt, senkten die Verantwortlichen die Spanne auf 8 bis 14 Euro. Am gestrigen Donnerstag setzten sie den Ausgabepreis auf 8 Euro fest. Erfreulich: Die Altaktionäre, darunter die renommierten Risikokapitalgeber 3i und Schroders, geben keine Stücke aus der Hand. Sie verpflichten sich im Gegenteil, ihre Anteile mindestens sechs Monate lang zu halten. Ebenfalls positiv: Da sämtliche Stücke aus einer Kapitalerhöhung stammen, fließt der Emisionserlös vollständig in die Weiterentwicklung von Desmoteplase.

Bewertung: Wir stufen die Aktie als hochriskantes Investment ein. Der wesentliche Grund: Paions Hoffnungsträger kann immer noch scheitern. Das Risiko, dass die bevorstehende klinische Phase III nicht erfolgreich abgeschlossen wird und sich die Zulassung mindestens verzögert, ist hoch. Bedenken Sie: Seit 1995 wurden ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 02/2005 (pdf, 218 kB), erschienen am 11.02.2005.

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