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Archiv > Börse > Aktien > Neuemission Premiere |
Neuemission Premiere Was kann Kofler, was Kirch nie konnte? |
| So schnell kann's gehen: Vor drei Jahren stand Premiere am Abgrund und heute als Mdax-Kandidat vor der Börse. Tatsächlich hätte die Wende in München eindrucksvoller kaum ausfallen können. Nun gilt es für die Münchener zum Branchenprimus BSkyB aufzuschließen. Die Geldanlage-Brief-Analyse klärt die Aussichten des viel beworbenen Medienpapiers. |
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Zins-Alternativen für Ihr Erspartes
Geldanlage-Brief −
Unternehmen: Mehr als zehn Jahre mühte sich Leo Kirch, den Deutschen PayTV schmackhaft zu machen. Doch der Erfolg blieb aus und KirchPayTV riss das Kirch-Imperium in die Insolvenz. Das war die Gelegenheit für Georg Kofler und den Risikokapitalgeber Permira. Für mehr als 1 Mrd. Euro kauften sie den Sender aus der Insolvenzmasse und krempelten ihn grundlegend um: Sie holten neue Gesellschafter an Bord, strichen achthundert Arbeitsplätze, handelten mit Produzenten günstigere Lizenzverträge aus und kickten mit einem neuen Dekoder Schwarzseher aus dem Kanal. Lohn der Mühe: Die Münchener mauserten sich zum führenden Abo-Sender in Deutschland und Österreich. Mit 26 TV-Programmen und 21 Audiokanälen berieseln sie etwa neun Millionen Zuschauer in gut 3,2 Millionen Haushalten. Damit gelang dem eloquenten TV-Chef, woran Ziehvater Kirch ebenso medienwirksam scheiterte: Er zeigt, dass das Geschäftsmodell Bezahlfernsehen auch in Deutschland funktionieren kann.
Geschäftszahlen: Premiere kommt von ganz unten. In 2000 und 2001 summierten sich die Verluste auf fast 2,9 Mrd. Euro. Noch vor gut zwei Jahren versenkten die Münchener pro Tag 2 Mio. Euro. Doch mit den eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen begann der Aufstieg: In 2004 drehte der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) mit plus 83 Mio. Euro erstmals in den positiven Bereich. Umsatz: plus 7,2 Prozent auf 985 Mio. Euro. Auf Netto-Basis musste man allerdings trotz 340.000 neuer Abonnenten allein in 2004 Verluste von 80 Mio. Euro einstecken.
Und wie geht es weiter? Die wichtigste Nachricht für Aktionäre: Trotz der mit 14 Prozent immer noch hohen Kündigungsquote, hat Premiere die kritische Masse erreicht. Einnahmen von Neukunden gehen jetzt direkt in den Gewinn. Und hier können Sie tatsächlich hoffen. Die Schweizer UBS, eine der Emissionsbanken, erwartet bis 2006 eine Verdreifachung beim Gewinn und prognostiziert für die nächsten neun Jahre ein Kundenwachstum auf 6,1 Millionen Abonnenten. Das entspräche einer Marktpenetration von 14,5 Prozent (aktuell: 8,3%). Zum Vergleich: Der britische Markt bringt es zurzeit auf gut vierzig Prozent.
Börsengang: Zum Angebot kommen bis zu 42 Millionen Aktien, die Sie noch bis zum 8. März in einer Spanne von 24 bis 28 Euro zeichnen können. Dass mit 12 Millionen Stücken nur knapp ein Viertel in die Abtragung des mit 415 Mio. Euro noch immer hohen Schuldenberges fließt und mit dem Rest der Löwenanteil die Taschen der Alteigner füllt, sollten Sie nicht überbewerten. In Anbetracht des finanziellen Kraftaktes, den die Eigner seitdem vollbracht haben, ist das ein legitimer Vorgang. Wesentlich ist: Der Boss geht trotz fulminanter Wertsteigerung seines eigenen Aktienpaketes nicht von Bord. Er bleibt im Gegenteil auch nach dem Börsengang nennenswert an Premiere beteiligt.
Bewertung: Was die Premiere-Aktie tatsächlich wert ist, können Sie nur in grober Näherung errechnen. Das Kursblatt hält, abgesehen von der spanischen Sogecable lediglich einen Vergleichswert bereit: die britische BSkyB von Rupert Murdoch, mit einem Wert von 16 Mrd. Euro größter PayTV-Anbieter in Europa. Da der Medienmogul in einem reiferen Markt agiert, bringt er es im Vergleich zu Premiere zu einem doppelt so hohen Umsatz pro Kunde.
Den Investoren ist diese Qualität etwa das Elffache des für 2006 erwarteten EBITDA wert. Heißt: Übertragen auf Premiere, impliziert der Vergleich einen angemessenen Preis von rund 26 Euro.
Die Risiken: Mitte 2006 läuft Premieres Vertrag mit der Deutschen Fußballliga aus, der den Münchnern bislang die Übertragungsrechte an der Ersten und Zweiten Bundesliga sicherte. Anschlusskonditionen ungewiss. Risikokreis zwei: Im September vergangenen Jahres brachte Kabel Deutschland ein Paket digital empfangbarer Sender auf den Markt. Eine erste, noch zaghafte Konkurrenz, der weitere folgen könnten.
Fazit: Premieres langfristige Perspektive ist ...
Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 03/2005 (pdf, 263 kB), erschienen am 25.02.2005.
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