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Medion
Ist Medion nun eine Spekulation wert?

Das Geschäftsmodell von Medion war über Jahre ein Selbstläufer: Die Kunden standen Schlange, die Margen stimmten und Analysten hoben regelmäßig den Daumen. Doch damit ist es nun vorbei. Zum zweiten Mal schocken die Essener die Börse. Analysten reagieren verschnupft und die ohnehin gebeutelte Aktie geht abermals auf Tauchstation. Grund genug für den Geldanlage-Brief, die Perspektiven auszuloten.
Geldanlage-BriefZum Unternehmen: Es gibt wohl kaum einen Konsumenten, dem der Name Medion (WKN 660500) kein Begriff ist. Kein Wunder. Medions Geschäftsmodell besteht gerade darin, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Auftrag von Aldi, Tesco, Carrefour, Tchibo und Co. organisiert das Unternehmen punktuelle Verkaufsaktionen. Mit echtem Mehrwert für alle Beteiligten: Markenhersteller profitieren von neuen Absatzkanälen, Händler wiederum locken durch die Erweiterung ihres Sortiments neue Kunden ins Haus. Und Ausfallrisiken gibt es schon allein deshalb nicht, weil Medion die Aufträge an die Produzenten erst erteilt, nachdem das Ordervolumen mit den Händlern fest vereinbart ist.

Fundamentales: Sechzig Prozent ihres Umsatzes erzielt Medion in Deutschland, gut 37 Prozent im europäischen Ausland. In 2005 setzte man 2,53 Mrd. Euro um. Ein Jahr zuvor waren es noch gut 2,6 Mrd. Euro. Gleichzeitig brach der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) um rund achtzig Prozent auf 22 Mio. Euro ein. Folge: Aktionäre erhalten eine um zwei Drittel auf 0,19 Euro gekürzte Dividende. Und dazu einen mauen Ausblick auf 2006: Demnach soll der Gewinn lediglich stagnieren, der Umsatz auf 2 Mrd. Euro schrumpfen und die Marge kaum 1,5 Prozent erreichen. Kein Ruhmesblatt, wenn Sie bedenken, dass der Markt für Unterhaltungselektronik in 2005 um fast acht Prozent gewachsen ist.

Kernprobleme: Medions Kunden liefern sich einen harten Preis- und Verdrängungswettbewerb. Sie ordern in immer kürzeren Abständen und in immer kleinerer Stückzahl. Das treibt Medions Vertriebskosten in die Höhe. Hinzu kommt ein Margenkiller aus eigener Züchtung: Um ihre Umsatzziele zu erreichen, haben die Essener ihr Sortiment vom Toaster bis zum CD-Rohling mit Klein-Artikeln überfrachtet. Vorstandschef Gerd Brachmann lässt nun das gesamte Sortiment nach unrentablen Artikeln durchforsten. Wie zu hören ist, stehen 300 bis 500 Mio. Euro Umsatz zur Disposition.

Bewertung: Die Restrukturierungs-Anstrengungen sind folgerichtig. Ob sie allerdings ausreichen, um das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen, ist zum jetzigen Zeitpunkt kaum abschätzbar. Die Chancen stehen freilich nicht schlecht, haben die Essener doch ein erfahrenes Management an Bord - das überdies für seine konservativen Prognosen bekannt ist. Insofern wundert es nicht, dass der Vorstand in seinem Geschäftsausblick kaum auf die Chancen der zahlreichen in 2006 anstehenden Sonderfaktoren eingeht. Zu nennen sind hier insbesondere Kaufimpulse durch die anstehende Fußball-WM und die Einführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows Vista.
Daneben sollten neue Produkte á la Blu Ray und HD DVD dem Markt für Unterhaltungselektronik und damit auch Medion neue Impulse verleihen.

Fazit: Das Gros der Analysten straft das Management für den schwachen Ausblick - und senkt den Daumen für das Papier. Betrachtet man die Ergebnis-Prognosen für 2006 (36 Cent/Aktie) und 2007 (58 Cent/Aktie) ist dies nur allzu verständlich, denn das Papier ist auf Kurs-Gewinn-Basis reichlich teuer. Wer genauer hinschaut, ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 05/2006 (pdf, 281 kB), erschienen am 17.03.2006.

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