China-Wachstum auf 25-Jahres-Tief, negative Ölpreise – Wie Medien überdramatisieren

Inhalt dieser Ausgabe

  1. China-Wachstum auf 25-Jahres-Tief – Wie Medien überdramatisieren
  2. Vom Ablauf der Gegenbewegung hängt viel ab
  3. Rohöl – Bekommen wir negative Ölpreise?

 

›› China-Wachstum auf 25-Jahres-Tief – Wie Medien überdramatisieren
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefes kommt immer wieder vor, dass bestimmte Kursbewegungen von Medien und vermeintlichen Experten mit irgendwelchen Fakten begründet werden, die letztlich aber keinen Zusammenhang haben. Ein Beispiel dafür hatten wir am vergangenen Sonntag erst geliefert (siehe „Der wahre Grund für die aktuellen Kurserholungen“). Und es kommt häufig vor, dass eigentlich positive Meldungen sehr negativ dargestellt werden – und umgekehrt. So kam es zu Beginn der vergangenen Woche zu Horrormeldungen über das vermeintlich schwache Wirtschaftswachstum in China. „China-Wachstum auf 25-Jahres-Tief“ lautete da zum Beispiel eine Schlagzeile. Gleichzeitig konnte man woanders „Chinesische Wachstumsdaten stützen Börsen in Asien“ lesen. Beide Meldungen sind nicht falsch, sie klingen aber auf den ersten Blick völlig gegensätzlich.

„China-Wachstum auf 25-Jahres-Tief“

Fakt ist, dass das chinesische BIP im Schlussquartal des vergangenen Jahres mit 6,8% und im gesamten Jahr 2015 um 6,9% gewachsen ist. Letzteres traf exakt die Erwartungen. Allerdings wurde damit tatsächlich das niedrigste Wachstum seit einem Viertel-Jahrhundert ausgewiesen (siehe Chart). Im entsprechenden Vorjahresquartal lag der Zuwachs noch bei 7,3%.

Entwicklung der chinesischen BIP-Wachstumsraten

Fakt ist auch, dass der chinesische Dienstleistungssektor zwar erstmals mit 50,5% (Vorjahr: 48,1%) zu mehr als der Hälfte der Wirtschaftsleistung beitrug, was das Statistikamt als Erfolg der Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft wertete, sich dabei jedoch sowohl der Industriesektor als auch der Dienstleistungsbereich weiter abgeschwächt haben. Die landesweite Industrieproduktion ist in der Jahresrechnung nach +6,2% im Vormonat während des Dezembers auf +5,9% zurückgegangen.

Auch die Investitionsaktivitäten haben sich im Berichtsmonat als wenig dynamisch erwiesen und fielen im Jahresvergleich mit nur +6,8% (November: +10,8%) auf ein Rekordtief. Zugleich bleibt das Deflationsrisiko weiter hoch, wie der BIP-Deflator signalisiert, der nach -0,7% im Herbstquartal 2015 auf -0,8% und damit den niedrigsten Stand seit der Weltwirtschaftskrise 2009 gesunken ist. Und neueste Daten zeigten, dass chinesische Banken im Dezember weniger Kredite ausgegeben haben als erwartet und auch weniger als im Monat zuvor.

Wachstumsraten werden weiter sinken

Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen also, dass der chinesische Wachstumsmotor weiter ins Stocken gerät. Die Weltbank rechnet 2016 mit 6,7% Wachstum in China. Andere Analysten gehen davon aus, dass sich das Wachstum im weiteren Jahresverlauf auf 6,6% und 2017 auf 6,3% reduzieren wird. Und Chinas Führung selbst strebt mit einem neuen Fünf-Jahres-Plan durchschnittlich 6,5% pro Jahr an. Viele Anleger und Experten zweifeln jedoch die offiziellen Zahlen an und gehen - bei Betrachtung des Frachtvolumens oder des Energieverbrauchs - von lediglich 4% bis 6% Wachstum aus.

Sind die Wachstumszahlen aus China ein plausibler Grund für den Kurssprung?

Somit waren die neusten China-Daten doch eigentlich nicht dazu geeignet, die übergeordneten Wachstumssorgen der Anleger zu entkräften und am Dienstag für einen Kurssprung zu sorgen. Zumal die Daten zum Teil lediglich die Erwartungen trafen bzw. die Zahlen zum Schlussquartal 2015 sogar leicht unter den Expertenschätzungen lagen. Ist das Wirtschaftswachstum in China nun also schwach oder immer noch beeindruckend hoch?

Märkte werten Chinas Wachstumszahlen positiv

Für die Märkte war es angesichts der Kursreaktion offenbar immer noch hoch genug. Denn einerseits hätten die Zahlen schlechter ausfallen können, weshalb etwas Unsicherheit aus dem Markt genommen wurde, was grundsätzlich positiv für die Börsen ist. Andererseits sind Wachstumsraten von 6,9% immer noch sehr ansehnlich. Auf Dauer wären höhere Raten schon allein aufgrund des exponentiellen Wachstums (siehe blaue Linie im Chart) nicht zu halten gewesen. Denn die Wirtschaft in China ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen.

Entwicklung des chinesischen BIP

Im Jahr 2000 betrug das BIP in China 8.947 Mrd. Renminbi (Rmb), im Jahr 2004 schon 15.988 Mrd. Rmb. Die Wirtschaft war in 4 Jahren also um +78,7% gewachsen. In den folgenden 4 Jahren stieg das BIP sogar um 15.416 Mrd. Rmb auf 31.404 Mrd. Rmb (4,56 Bio. USD). Das prozentuale Wachstum legte in diesem Zeitraum also noch einmal auf 96,4% zu. Und von 4,56 Bio. USD in 2008 wuchs die Wirtschaft bis Ende 2015 auf 11,38 Bio. USD, ein erneuter Anstieg um rund 150%. Wenn nun also die Wachstumsraten seit 2007 kontinuierlich fallen, ist das nicht dramatisch, sondern eher normal.

Zumal das schwächere Wachstum die Hoffnungen auf weitere konjunkturstützende Maßnahmen Chinas schürte. Experten rechnen nach den aktuellsten BIP-Zahlen damit, dass die Regierung in Peking den Geldhahn weiter aufdrehen wird. Weitere Zinssenkungen seien beschlossene Sache. Wie neue Geldspritzen auf die Märkte wirken können, haben wir in der Vergangenheit oft am Beispiel der EZB erleben dürfen.

Fazit

Die Stimmung war zuletzt extrem schlecht. Das chinesische Wirtschaftswachstum und die sinkenden Ölpreise wurden, obwohl damit auch durchaus positive Aspekte verbunden werden könnten, zuletzt fast nur negativ bewertet. Dies ist oft ein guter Nährboden für eine stärkere Gegenbewegung. Und genau diese haben wir nun gesehen. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht früh genug vor allzu viel Pessimismus gewarnt (siehe u. a. „DAX – Korrektur lädt ein zu Schnäppchenkäufen“)!


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Vom Ablauf der Gegenbewegung hängt viel ab
von Sven Weisenhaus

Da die Short-Positionierungen zuletzt massiv angestiegen waren, könnte es sich bei der derzeitigen Kurserholung in DAX & Co. sowie den Ölpreisen lediglich um einen „Short-Squeeze“ handeln. Eine Trendwende oder ein Ende der Korrektur muss das nicht sein, insbesondere weil die US-Indizes große Top-Formationen („rounding top“) ausbilden (siehe „US-Indizes wechseln in den Korrekturmodus“). Entsprechend hängt nun viel vom Verlauf der Gegenbewegung ab. Sie wird uns Aufschluss darüber geben, wie die Kräfte der Bullen und Bären derzeit verteilt sind.

Der DAX hat seit Anfang Dezember mittlerweile vom damaligen Hoch bis zum jüngsten Tief vom vergangenen Mittwoch fast 19% verloren (siehe roter Abwärtstrendkanal). Eine Erholung bis zum 38,20%-Fibonacci-Retracement dieser Abwärtsbewegung bei 10.122,81 Punkten (blaue Linien) sollte nun mindestens drin sein.

DAX - Chartanalyse

Tradingchancen im DAX

Für eine Fortsetzung der Gegenbewegung im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein: DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 5,94, Briefkurs: 16,46

Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten: DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 4,52, Briefkurs: 21,84 Euro.


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›› Rohöl – Bekommen wir negative Ölpreise?
von Sven Weisenhaus

Erinnern Sie sich, dass ich vor einer Woche schrieb: „Fehlt beim Ölpreis nur noch, dass jemand ankündigt, wir würden bald fürs Betanken unserer Autos bezahlt“?! Wie n-tv am 19. Januar berichtet, hielt Gail Tverberg, eine Expertin in Sachen Energie, tatsächlich einen Preis von unter Null Dollar für möglich. Sie begründete dies damit, dass es bald Schwierigkeiten geben könnte, Öl zu lagern.

Negative Ölpreise – Nur eine düstere Exoten-Meinung?

Was zunächst wie eine düstere Exoten-Meinung scheint, ist in Teilen des Ölmarkts aber offenbar schon fast Realität. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, dass die Spezial-Ölsorte „North Dakota Sour“ inzwischen für nahezu umsonst verkauft wird. Eine US-Raffinerie hat laut dem Bericht nur noch 1,50 US-Dollar für ein Barrel der stark schwefelhaltigen Rohölsorte geboten. Vor zwei Jahren hatte der Preis noch bei rund 47 US-Dollar gelegen.

Bester Nährboden für eine Trendwende

Weiter schrieben wir vor einer Woche zum Ölpreis: „Das ist bester Nährboden für eine baldige, stärkere Gegenbewegung“. Und genau so kam es. Kaum waren derartige Nachrichten über die Ticker gelaufen, erreichten die Ölpreise ihren Boden.

Rohöl - Kursanstieg nach Meldung der Lagerbestände

Es ist immer das gleiche Spiel an den Börsen. Die Baisse stirbt in der Panik. Hoffen wir nun, dass die Gegenbewegung noch eine Weile anhält und unsere Öl-Long-Positionen, die wir im „Geldanlage Premium Depot“ haben, dann Gewinne abwerfen.

Tradingchancen im Ölpreis

Für eine Fortsetzung der Gegenbewegung in den Ölpreisen könnte folgendes Produkt interessant sein: Brent Crude Oil Future (ICE) X-pert Zertifikat, WKN: DB3CTQ, aktueller Hebel: 1, Briefkurs: 18,23

Für wieder fallende Kurse im Ölpreis könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten: Brent Crude Oil Future (ICE) WAVE Unlimited Put, WKN: XM5H7X, aktueller Hebel: 1, Briefkurs: 29,03 Euro


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