Daumen runter für die Märkte

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Daumen runter für die Märkte
  2. DAX neigt immer wieder zur Schwäche
  3. USD/JPY – Aufwärtsbewegung wieder in Gang gesetzt
  4. Termine der kommenden Woche

 

›› Daumen runter für die Märkte
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefvor einer Woche war es die Europäische Zentralbank (EZB), die die Märkte bewegt hatte, nun waren es die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Bank von Japan (BoJ). Dabei sorgte nur letztere für eine stärkere Versorgung der Märkte mit Liquidität. Während sowohl die EZB als auch die Fed keine neuen Maßnahmen beschlossen, führte die BoJ in der Nacht zum Freitag (MEZ) einen negativen Zinssatz von 0,1% ein. Dieser wird für Guthaben fällig, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Damit folgt die japanische Notenbank dem Weg europäischer Zentralbanken.

Keine Spur von Stärke

Zwar konnten sich die Aktienmärkte in dieser Woche von Ihrem Tief, das sie am Mittwoch der Vorwoche markierten, etwas erholen, doch von einer starken Gegenbewegung kann man dabei nicht sprechen. Wahrscheinlich würden die Aktienkurse noch deutlich tiefer stehen, wenn sich der Ölpreis nicht wesentlich erholt hätte.

Ölpreise und Unterstützungen geben Halt

Daher bleibt es bei unserer Aussage von vor einer Woche, dass der Kursanstieg bisher lediglich mit den höheren Öl-Notierungen und den charttechnischen Unterstützungen begründet werden kann, die die großen Indizes jeweils erreicht hatten. Ob sich an diesen Marken ein tragfähiger Boden etablieren kann, muss angesichts der sehr schwachen Erholung bezweifelt werden.

Wie Sie vielleicht wissen, hatten wir vor einer Woche geschrieben, dass die weitere Entwicklung vom Ablauf der Gegenbewegung abhängt. Bisher zeigt der Daumen leider noch nach unten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› DAX neigt immer wieder zur Schwäche
von Sven Weisenhaus

Das Handeln der japanischen Notenbank konnte dem DAX am Freitag früh etwas unter die Arme greifen und die Kurse wieder deutlich nach oben treiben (siehe grüne Ellipse im Chart). Doch wie so oft in den vergangenen Tagen zeigte der Index anschließend wieder Schwäche. Schon am Mittwoch konnte der DAX nicht von einem neuen Bewegungshoch (grüner Pfeil) profitieren. Er rutschte wieder deutlich ab, weil sich die Anleger wohl von der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed etwas mehr Klarheit erhofft hatten.

DAX - kurzfristige Chartanalyse

Märkte werten Fed-Statement in erster Reaktion negativ

Zwar folgten die Währungshüter um Janet Yellen der Markterwartung in Sachen Leitzins, indem sie das Zinsniveau in der Bandbreite von 0,25% bis 0,5% beließen, doch das Statement zu dieser Entscheidung enthielt nur zwei kleine Änderungen und damit nicht mehr Klarheit bezüglich der zukünftigen Geldpolitik. So wurde die Passage gestrichen, wonach die Gefahren für den Ausblick ausgeglichen seien. Hinzu fügte die Fed, dass sie die Entwicklung an den Finanzmärkten und das globale Konjunkturumfeld genau beobachten wolle.

Dies kann man sicherlich unterschiedlich interpretieren. Die Märkte jedenfalls sahen darin in einer ersten Reaktion offenbar die Aussage, dass die Gefahren wieder zugenommen haben. Denn die Aktienmärkte drehten exakt ab 20:00 Uhr (MEZ) und damit ab Veröffentlichung des Fed-Protokolls nach unten und verloren kräftig. Mit den US-Indizes rutschte der DAX im Späthandel von über 9.920 auf im Tief unter 9.720 Punkte ab.

Ölpreise stabilisieren

Am Donnerstag war zur Handelseröffnung (9.826 Punkte) von diesem Einbruch nicht mehr viel zu sehen. Der DAX konnte sogar erneut auf über 9.900 Punkte zulegen. Der Grund: Die Ölpreise konnten ihr im Rahmen der leichten Erholung erreichtes Niveau halten, was die Anleger derzeit mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. Doch ab ca. 9:30 Uhr bröckelten die Kurse wieder ab, wobei das Tempo der Verluste immer weiter zunahm. So rutschte der DAX erneut von grob 9.900 in Richtung 9.700 Zählern ab. In einer zweiten Abwärtswelle steuerte der Index sogar auf unter 9.600, bevor die japanische Notenbank ihm heute wieder kurzzeitig auf die Beine half (grüne Ellipse im Chart oben).

Fazit

Man kann nur hoffen, dass die Erholung bei den Ölpreisen anhält. Ansonsten muss man wohl damit rechnen, dass die Schwäche des DAX zunimmt und es mit fallenden Öl-Notierungen auf neue Korrekturtiefs geht.

Wir hatten am vergangenen Mittwoch bereits angemahnt, dass es sich aufgrund zuvor massiv gestiegener Short-Positionierungen bei der derzeitigen Kurserholung lediglich um einen „Short-Squeeze“ handeln könnte. Weiter schrieben wir: „Eine Trendwende oder ein Ende der Korrektur muss das nicht sein, insbesondere weil die US-Indizes große Top-Formationen („rounding top“) ausbilden. Entsprechend hängt nun viel vom Verlauf der Gegenbewegung ab. Sie wird uns Aufschluss darüber geben, wie die Kräfte der Bullen und Bären derzeit verteilt sind.“ (Siehe: Vom Ablauf der Gegenbewegung hängt viel ab)

Aktuell scheinen die Bullen nur wenig Kraft zu haben. Es fehlt deutlich an Aufwärtsdynamik. Geht ihnen bald die Puste vollständig aus, werden die Bären wieder das Ruder übernehmen. Bleiben Sie sehr vorsichtig!


P.S.:
Der Leiter von Chinas Statistikamt wurde wegen Korruptionsvorwürfen in Haft genommen. Die Sorgen darüber, dass die von offizieller Stelle gemeldeten Wachstumszahlen nicht der Realität entsprechen (wir berichteten) dürfte dies nicht schmälern.

 



›› USD/JPY – Aufwärtsbewegung wieder in Gang gesetzt
von Sven Weisenhaus

Die japanische Notenbank hat ihre Geldpolitik in der Nacht zum Freitag (MEZ) weiter gelockert. Zwar ließ sie die quantitative Lockerung vorerst unverändert und wird damit wie zuvor weiter Staatsanleihen im Volumen von 80 Billionen Yen (610 Milliarden Euro) pro Jahr kaufen, jedoch beschloss der geldpolitische Rat mit 5:4 Stimmen, einen negativen Zinssatz von 0,1% einzuführen. Der negative Zins wird auf Teile der Guthaben gelegt, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Die Bank von Japan folgt damit dem Weg europäischer Zentralbanken.

Niedrige Ölpreise zwingen Bank of Japan zum Handeln

Grund für den Zinsschritt war die deutliche Reduzierung der Inflationsprognose für das im April 2016 beginnende Fiskaljahr. Nach bisher prognostizierten 1,4% erwarten die Währungshüter nun nur noch eine Inflationsrate von 0,8%. Erst Mitte 2017 soll die Inflationsrate das Ziel von etwa 2% erreichen. Bisher hatte die Bank erwartet, das Inflationsziel Ende 2016 zu erreichen. Es ist inzwischen das dritte Mal seit dem Frühjahr 2015, dass der Notenbankchef Gouverneur Haruhiko Kuroda den Zielzeitpunkt verschoben hat. Die Bank begründet die niedrigere Inflationsprognose mit dem Verfall des Ölpreises. – An dieser Stelle sitzen wir alle im selben Boot.

Japans Außenhandel eingebrochen

Ein weiterer Grund für den Zinsschritt dürfte aber sicherlich auch die zuletzt sehr schwachen Konjunkturdaten gewesen sein. Obwohl der Yen seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Shinzo Abe bereits mehr als ein Drittel zum US-Dollar abgewertet und das japanische Waren im Ausland billiger gemacht hat, sank deren Absatzvolumen im Dezember um 4,4% und damit einerseits so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr und andererseits bereits den sechsten Monat in Folge.

Japan macht dafür die derzeit schwache Nachfrage aus Asien verantwortlich, wohin mehr als die Hälfte der Exporte gehen. Die Ausfuhren nach China brachen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,6% ein, was nicht nur das höchste Minus seit September 2012 war, sondern bereits das dritte in Folge. Die Exporte nach Gesamt-Asien gaben sogar um mehr als 10% nach. Für 2015 steht allerdings insgesamt noch ein Exportplus von 3,5% zu Buche.

Die Importe fielen im Dezember um 18%. Insgesamt nahmen sie in 2015 um 8,7% ab. Grund für den ersten Rückgang seit sechs Jahren ist vor allem der Einbruch der Ölpreise. Und mit dem Ölpreisverfall hat die Bank of Japan nun ihre Inflationsprognosen zum dritten Mal innerhalb eines Jahres anpassen müssen.

Gebremstes Wachstum bei Mehrwertsteuererhöhung

Die Wachstumserwartungen blieben derweil weitgehend unverändert. Für das im März endende Fiskaljahr rechnet die Bank mit einem BIP-Wachstum von etwa 1,1% und für das kommende Fiskaljahr mit 1,5%. 2017 soll die Konjunktur aufgrund einer von der Regierung geplanten Mehrwertsteuererhöhung mir nur 0,3% wachsen.

USD/JPY – Geldpolitik spricht für steigende Kurse

Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass wir am 18. November 2015 schrieben: „…wie die japanische Regierung vorgestern bekanntgab, sank das Bruttoinlandsprodukt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt im dritten Quartal 2015 um eine hochgerechnete Jahresrate von 0,8 Prozent und fiel damit in die Rezession zurück. Zwar wird im laufenden Quartal wieder mit einem Wachstum gerechnet, dennoch könnte mit dem erneuten Schwächeanfall der Druck auf die Notenbank steigen, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Weil aber die US-Notenbank die Zügel früher oder später straffen wird, ist eine weitergehende Aufwärtsbewegung von USD/JPY die wahrscheinlichste Variante.“ Inzwischen hat sowohl die US-Notenbank im Dezember den Leitzins angehoben und damit die Zügel gestrafft als auch die Bank of Japan die Geldschleusen weiter geöffnet.

USD/JPY – Aufwärtsbewegung wieder in Gang gesetzt

Weil die japanische Notenbank aber erst jetzt auf die schwache Konjunktur reagierte, folgte der USD/JPY-Wechselkurs nicht unserer Erwartung (grüner Pfeil im Chart), sondern fiel noch einmal in die (blaue) Seitwärtsrange zurück. Doch exakt an deren unterem Ende fand die Gegenbewegung ein Ende und nun strebt der Kurs wieder nach oben. Die Aufwärtsbewegung wurde also wieder in Gang gesetzt.

USD/JPY - Chartanalyse

Im Chart sieht man sehr schön, wie der Wechselkurs durch die Zinsentscheidung von 118,5 auf über 121,4 Yen nach oben geschossen ist und dabei genau das obere Ende der Seitwärtsrange angesteuert wurde. Hier wird sich entscheiden, ob es mit der Seitwärtsrange weitergeht oder die nächsten Widerstände bei 123,76 und 125,8555 Yen angesteuert werden.

Seitwärtsbewegung zwischen 116 und 125 Yen wahrscheinlich

Zumindest ist es wahrscheinlich, dass sich die Seitwärtstendenz zwischen grob 116 und 125 Yen noch eine Weile fortsetzt. Denn auf absehbarer Zeit werden wohl weder die Bank of Japan noch die US-Notenbank Fed an ihren jeweils erst kürzlich beschlossenen Maßnahmen rütteln. Beide Zentralbanken werden sicherlich erst einmal die Wirkung der Maßnahmen und die weitere konjunkturelle Entwicklung abwarten. Eine anhaltende Seitwärtsbewegung des Wechselkurses aus Yen und US-Dollar ist daher die logische Konsequenz. Aber auch eine Seitwärtsrange bietet Trading- und Gewinnchancen.

Tradingchancen im USD/JPY-Wechselkurs

Für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung könnte folgendes Produkt interessant sein: USD/JPY WAVE Unlimited Call, WKN: DX1PAD, aktueller Hebel: 3, Briefkurs: 29,69 Euro

Für wieder fallende Kurse könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten: USD/JPY WAVE Unlimited Put, WKN: XM6EBW, aktueller Hebel: 4,71, Briefkurs: 19,59 Euro

Um eine anhaltende Seitwärtsbewegung zu nutzen, kann man sich einen Inline-Optionsschein ansehen: USD/JPY Inline Optionsschein, WKN: XM9K54, obere Barriere: 128, untere Barriere: 113, Laufzeit: 04.03.2016, Briefkurs: 9,41 Euro, mögliche Rendite: 6,2%


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›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 05: Handelswoche vom 01.02.2016 bis 05.02.2016)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 01.02.2016

  • 02:00 - CH CFLP Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar
  • 02:00 - CH CFLP Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Januar
  • 02:35 - JP Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar (endgültig)
  • 02:45 - CH Caixin Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar
  • 09:55 - DE Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar (endgültig)
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar (endgültig)
  • 14:30 - US Konsumausgaben Januar
  • 14:30 - US Persönliche Einkommen Januar
  • 15:45 - EU Volumen der EZB-Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und ABS
  • 15:45 - US Markit Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar (endgültig)
  • 16:00 - US ISM-Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Januar
  • 16:00 - US Bauausgaben Dezember m/m

Dienstag, 02.02.2016

  • 00:50 - JP Geldbasis Januar
  • 09:55 - DE Arbeitslosenzahl Februar (saisonbereinigt)
  • 09:55 - DE Arbeitslosenquote Februar
  • 11:00 - EU Arbeitslosenquote
  • 11:00 - EU Erzeugerpreise Dezember

Mittwoch, 03.02.2016

  • 02:45 - CH Caixin Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Januar
  • 06:00 - JP Verbrauchervertrauen Januar
  • 09:55 - DE Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Januar (endgültig)
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Januar (endgültig)
  • 11:00 - EU Einzelhandelsumsatz Dezember
  • 14:15 - US ADP-Beschäftigtenzahl ex Agrar Januar
  • 15:45 - US Markit Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Januar (endgültig)
  • 16:00 - US ISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Januar
  • 16:30 - US Rohöllagerbestände

Donnerstag, 04.02.2016

  • 10:00 - EU EZB-Wirtschaftsbericht
  • 14:30 - US Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe
  • 16:00 - US Auftragseingang Industrie

Freitag, 05.02.2016

  • 06:00 - JP Index der Frühindikatoren Dezember
  • 08:00 - DE Auftragseingang Industrie Dezember
  • 14:30 - US Handelsbilanzsaldo Dezember
  • 14:30 - US Neugeschaffene Stellen ex Agrar Januar
  • 14:30 - US Arbeitslosenquote Januar
  • 21:00 - US Verbraucherkredite Dezember

 


 

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