Darum griff die EZB so tief in die Trickkiste

Inhalt dieser Ausgabe

  1. EZB überraschte die Märkte mit dickem Maßnahmenpaket
  2. Buy the rumour, sell the facts!
  3. DAX bricht „Make-or-break“-Linie
  4. Tradingchancen im DAX
  5. China bricht der Außenhandel weg
  6. Termine der kommenden Woche

 

›› EZB überraschte die Märkte mit dickem Maßnahmenpaket
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Erwartungen der Märkte waren hoch, die EZB wusste sie aber sogar zu übertreffen. Experten waren im Konsens davon ausgegangen, dass die Notenbank eine weitere Senkung des Bankeneinlagensatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,40 Prozent sowie ein um rund 15 Milliarden Euro höheres monatliches Volumen der Anleihekäufe beschließen wird. Einige skeptische Naturen hatten dabei gewarnt, dass diese hohen Erwartungen enttäuscht werden könnten, was entsprechende Kursreaktionen zur Folge hätte. Doch die EZB schnürte ein Paket, das direkt ein ganzes Bündel an Maßnahmen enthielt.

Das Maßnahmenpaket der EZB

Getroffen wurden die Markterwartungen, indem ab dem 16. März 2016 einerseits der Einlagensatz wie erwartet von minus 0,30 auf minus 0,40 Prozent gesenkt und andererseits das QE-Programm ab April 2016 von monatlich 60 auf 80 Mrd. US-Dollar aufgestockt wird. Letzteres war bereits ein wenig mehr als der Konsens erhofft hatte. Völlig übertroffen wurden die Erwartungen aber, weil die EZB auch noch überraschend den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent und den Ausleihungssatz von 0,30 auf 0,25 Prozent senkt. Daneben wurde der Katalog der kaufbaren Wertpapiere erweitert. Nun zählen auch auf Euro lautende Investment-Grade-Anleihen von Unternehmen (ohne Banken) im Euro-Währungsgebiet zu den Vermögenswerten, die bei regulären Ankäufen zugelassen sind. Zudem wird das Limit für den maximalen Anteil an einzelnen Anleihechargen von 30 auf 50 Prozent erhöht. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch weitere vier gezielte, längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO II) jeweils mit einer Laufzeit von vier Jahren, beginnend im Juni 2016.

Darum griff die EZB so tief in die Trickkiste

Auf der Pressekonferenz begründete EZB-Chef Mario Draghi die beschlossenen Maßnahmen mit einer Reduzierung der Wachstums- und Inflationserwartungen. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum wurde für 2016 von 1,7 auf 1,4 Prozent und für 2017 von 1,9 auf 1,7 Prozent gesenkt, die Inflation werde 2016 statt 1,0 nur 0,1 Prozent und 2017 statt 1,6 mit 1,3 Prozent etwas weniger betragen. Die nun beschlossenen Maßnahmen würden der gesunkenen Wachstumsdynamik entsprechen, so Draghi.

 



›› Buy the rumour, sell the facts!
von Sven Weisenhaus

An den Börsen löste das Maßnahmenbündel der Währungshüter zunächst ein Kursfeuerwerk in die erwartete Richtung aus, dann kam es aber zu Gewinnmitnahmen und einer Trendumkehr in quasi sämtlichen Märkten. Der Grund für die Kurskapriolen: Zuerst sagte Draghi, weitere Zinssenkungen seien möglich, nur um die neuen Zinssenkungsfantasien dann wenig später direkt wieder im Keim zu ersticken.

Weitere Zinssenkungen möglich, aber derzeit unwahrscheinlich

Während der Verlesung der Pressemitteilung äußerte er zudem den Satz, dass „die Zinsen für längere Zeit auf diesem oder niedrigerem Niveau“ verbleiben werden. Dies wurde zunächst dahingehend interpretiert, dass weitere Zinssenkungen möglich seien. Entsprechend stark entwickelte sich der DAX und entsprechend schwach der Euro – zunächst jedenfalls. Auf Nachfrage der Reporter räumte Draghi nämlich ein, dass die Zinsen nicht beliebig weit gesenkt werden könnten, ohne negative Folgen für Banken zu haben. Damit wurden die gerade erst hervorgerufenen neuen Zinssenkungsphantasien bereits wieder erstickt und die Märkte drehten.

Buy the rumour, sell the facts!

Getreu dem klassischen Börsenmotto „Buy the rumour, sell the facts!“ (Kaufe das Gerücht, verkaufe die Fakten!) waren die Aktien- und Anleihenkurse in Erwartung neuer geldpolitischer Maßnahmen bis zur EZB-Zinsentscheidung am vergangenen Donnerstag angestiegen und dann dramatisch zurückgefallen, als die Fakten auf dem Tisch lagen.

Dramatisches Hin und Her im DAX

Der DAX schoss in den ersten Minuten nach Bekanntgabe der historischen Zinsentscheidung zunächst um rund 270 Punkte nach oben (grüner Pfeil) und verfehlte mit einem Hoch bei 9.995,84 Punkten die magische 10.000er Marke nur um Haaresbreite. Anschließend sackte der Kurs noch während der Pressekonferenz dramatisch ab (gegen 15:10 Uhr binnen drei Minuten um fast 200 Punkte auf zwischenzeitig nur noch 9.725 Punkte).

DAX - Reaktion auf EZB-Zinsentscheid

Am Ende ging es mit dem Index vom Tageshoch bis zum Xetra-Schlusskurs satte 500 Punkte abwärts. Und im Späthandel wurde sogar noch zwischenzeitig die 9.400er Marke unterschritten, bevor sich die Notierungen am späten Abend etwas und am folgenden Tag deutlich erholen konnten.

Spiegelbildliche Entwicklung im EUR/USD

Im Euro war es umgekehrt (siehe folgender Chart). Der Wert des EUR/USD sackte zunächst binnen Sekunden steil ab (roter Pfeil), nur um sich bereits während der Pressekonferenz noch stärker zu erholen.

EUR/USD - Reaktion auf EZB-Zinsentscheid

Trendumkehr nach Kursfeuerwerk nicht überbewerten!

Man sollte die charttechnischen Signale, die an solchen Tagen generiert werden, zunächst nicht überbewerten. Die Entwicklung in den kommenden Tagen ist entscheidender. Die Anleger müssen die Zinsentscheidung und die Aussagen Draghis verdauen und bewerten. Dann wird sich zeigen, für welche Richtung sich die Märkte endgültig entscheiden. Welche Kursmarken es dabei zu beachten gilt, erfahren Sie im Folgenden…

 



›› DAX bricht „Make-or-break“-Linie
von Sven Weisenhaus

Auch wenn es zeitlich gesehen etwas länger gedauert hat, als noch vor einer Woche erwartet (siehe „DAX – Erholungsbewegung ging in die zweite Runde“), so haben wir die Elliott-Welle 5 inzwischen doch wie prognostiziert gesehen.

DAX - Kursziel nur knapp verfehlt

DAX verfehlte Kursziel nur um knapp 12 Punkte

Statt bei 10.007,35 Punkten (rote Linie) lag das Hoch im DAX bei 9.995,84 Zählern. Damit wurde das Kursziel bis auf weniger als 12 Punkte genau getroffen, was absolut beeindruckend ist. Das „Prinzip der Wellengleichheit“ hat damit wieder einmal hervorragend funktioniert.

Prinzip der Wellengleichheit

Denn was das Kurspotential des DAX angeht, so ergab sich das Kursziel von rund 10.000 Punkten wie folgt: Das hellblaue Rechteck im Chart hat eine Spanne von 8.699,29 bis auf 9.581,45 Punkte – der DAX legte also in der ersten Aufwärtsbewegung eine Strecke von 882,16 Zählern zurück. Überträgt man dies als Kurspotential auf die zweite Aufwärtsbewegung (dunkelblaues Rechteck), die bei 9.125,19 Punkten begann, dann lautet das Kursziel exakt 10.007,35.

10.000er Marke konnte ihre Anziehungskraft entfalten

Auch wenn zeitlich betrachtet die beiden Aufwärtsbewegungen nicht gleich verlaufen sind (das dunkelblaue Rechteck ist breiter als das hellblaue), so ist dennoch die Höhe der Bewegungen bzw. deren Ausmaß nahezu exakt gleich. Und es war absolut nicht ungewöhnlich, dass die psychologisch wichtige (weil runde) Marke von 10.000 Punkten ihre Anziehungskraft entfalten konnte.

Bruch der „Make-or-break“-Linie aktivierte bärisches Szenario

Aufgrund der dynamischen Kursverluste nach der Zielerreichung, die den DAX unter das Hoch der ersten Aufwärtsbewegung (hellblaues Rechteck) bei 9.581,45 Punkten führte (rote Linie), ist nun das bullsiche Szenario aus der vorangegangenen Geldanlage-Brief-Ausgabe Geschichte (siehe „DAX - Ein bullisches und ein bärisches DAX-Szenario“).

DAX - Bullisches Szenario hinfällig

Denn dazu hatte ich die Elliott-Wellen-Regeln beschrieben, wonach unter anderem das Tief einer Welle 4 nicht unter dem Hoch der Welle 1 liegen darf. Da aber der DAX am Donnerstag unter das Hoch der Welle1 rutschte, ist nun das Szenario einer abgeschlossenen ABC-Gegenbewegung im Abwärtstrend aktiv.

DAX - Bärisches Szenario aktiv

Wir müssen nun also heftige Kursverluste fürchten, die den DAX auch wieder unter 9.000 Punkte bzw. sogar auf ein neues Trendtief unter 8.700 Zählern führen können.

Entwicklung der kommenden Tage abwarten

Ich wiederhole: „Man sollte die charttechnischen Signale, die an solchen Tagen generiert werden, zunächst nicht überbewerten. Die Entwicklung in den kommenden Tagen ist entscheidender. Die Anleger müssen die Zinsentscheidung und die Aussagen Draghis verdauen und bewerten. Dann wird sich zeigen, für welche Richtung sich die Märkte endgültig entscheiden.

Dies gilt insbesondere mit Blick auf den folgenden Chart: Der DAX befindet sich nach den heftigen Kursauschlägen wieder in die Seitwärtsrange (blaues Rechteck im Chart) zurückgekehrt, in der er vor der EZB-Sitzung übergegangen war.

DAX - Seitwärtstendenz

Das wilde Auf und Ab kann damit quasi als vorübergehende Marktreaktion auf die EZB-Maßnahmen und als kurzzeitige Übertreibung nach oben und unten gewertet werden.

Fazit

Aufgrund der Elliott-Wellen-Analyse ist zwar von fallenden Kursen ausgehen, kann der DAX aber dennoch weiter zulegen, dann gilt: Dass der Kurs an der 10.000er Marke im ersten Anlauf abgeprallt ist, war durchaus zu erwarten. Entscheidend wird sein, ob diese Marke in einem eventuell zweiten Anlauf geknackt werden kann.

 



›› Tradingchancen im DAX
von Geldanlage-Brief-Team

Für eine anhaltende Gegenbewegung im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein: DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 8,47, Briefkurs: 10,94 Euro

Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten: DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 3,42, Briefkurs: 27,05 Euro.

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„Geldanlage Premium Depot“ erneut besser als der DAX

Der DAX konnte zwar in dieser Woche von 9.751 (Schlusskurs am 03.03.2016) auf im Hoch 9.995 Punkte zulegen,musste aber durch die Kursverluste gestern bis auf 9.498,15 Punkte (Schlusskurs gestern) Verluste in Höhe von 2,6 Prozent hinnehmen.

Unser „Geldanlage Premium Depothat sich dank einer geringen Aktienquote, der Erholung der Ölpreise und der Verluste im Bund-Future deutlich stabiler gehalten. Von dem Gesamtgewinn der Vorwoche in Höhe von stolzen 1.206,66 Euro mussten wir gerade einmal 148,28 Euro wieder hergeben. Das sind auf das Gesamtdepotvolumen von 30.000 Euro bezogen lediglich 0,5 Prozent. Wieder einmal hat sich unser Depot also deutlich besser entwickelt als der DAX. - Melden Sie sich jetzt hier an.

 



›› China bricht der Außenhandel weg
von Sven Weisenhaus

Sollte der DAX tatsächlich noch ein neues Korrekturtief markieren, dann würde dies gemäß unserer vorangegangenen Analysen bedeuten, dass auch das Konjunkturtief in sechs bis neun Monaten etwas später liegen wird. Dazu passen die Daten, die Anfang dieser Woche aus China gekommen sind:

Exporte -25,4%, Importe -13,8%

Chinas Exporte sind (auf Dollarbasis gerechnet) im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um stolze 25,4 Prozent eingebrochen und damit rund doppelt so stark, wie von Experten im Vorfeld erwartet. Zudem war dies der stärkste Rückgang seit der globalen Finanzkrise 2009. Zeitgleich gingen die Importe um 13,8 Prozent und damit ebenfalls stärker als die im Durchschnitt vorhergesagten 10,0 Prozent zurück.

Bei den dramatischen Rückgängen handelt es sich um eine deutliche Verschärfung der bereits seit längerem anhaltenden Entwicklung. Schon im Januar waren die Exporte um 11 Prozent zurückgegangen. Und bereits seit gut einem Jahr sind Importe und Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt kontinuierlich stark rückläufig.

Hat die EZB auch auf die schwachen Daten aus China reagiert?

Vielleicht hat die EZB in den Daten aus China auch eine Gefahr für das zarte Wachstumspflänzchen der Eurozone gesehen und daher die Geldschleusen entsprechend weiter geöffnet.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 11: Handelswoche vom 14.03.2016 bis 18.03.2016)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Terminkalender

Die weiteren Termine der Woche finden Sie auf unserer Internetseite im Wirtschaftskalender.


 

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