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Archiv > Börse > Anleihen > Unternehmensanleihen |
Unternehmensanleihen Rendite-Anstieg am Rentenmarkt - Tagesgeldkonto adé? |
| Einigen Schuldnern steht das Wasser bis zur Halskrause. Sie sind gezwungen, trotz sinkender Anleihekurse neue Schuldscheine auszugeben. Der Geldanlagebrief hat einige der hoch und höchst verzinslichen Papiere unter die Lupe genommen. Ergebnis: Wer nicht auf den Kurs schielt, sondern den steten Einnahmestrom im Blick hat und die Anleihe bis zum Laufzeitende hält, findet nun wieder interessante Einstiegschancen. |
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Geldanlage-Brief −
Der Rentenmarkt ist kräftig in Bewegung geraten. Nach dem pausenlosen Höhenflug, der zuletzt durch Befürchtungen um eine mögliche Deflation weiteren Auftrieb erhielt, sind die Rentenkurse in den letzten Wochen auf breiter Front abgestürzt. Abzulesen ist das am Euro-Bund-Futures: Die Benchmark der lang laufenden Anleihen gab um mehr als 400 Basispunkte nach. Aktuell notiert sie nur noch bei rund 115 Prozent. Zuvor hatte das Kursbarometer ein historisches Hoch von fast 120 Prozent markiert. Die Folge: Mit dem Kursrückgang stiegen auch die Renditen. Wem 3,2 Prozent für eine zehnjährige Bundesanleihe noch vor Monatsfrist nicht locken konnten, kann heute mit annähernd vier Prozent zum Zuge kommen. In den mittleren Ratings, wo die Unternehmensanleihen mit gerade noch überschaubaren Risiken siedeln, sind bereits wieder zwischen sechs und sieben Prozent zu holen.
HeidelbergCement: 700 Mio. Euro für risikobereite Anleger
Beispielsweise bei HeidelbergCement. Der Zementproduzent, viertgrößter weltweit, belieferte in der letzten Woche den Kapitalmarkt mit einer voluminösen Anleihe (ISIN XS 0172 006 156, WKN 896521) im Umfang von 700 Mio. EUR. Das sind gut 100 Mio. EUR mehr als ursprünglich geplant. Allerdings: Von den Rating-Agenturen erhalten die Heidelberger nur magere Noten am Rande des Ramschniveaus (S&P: BB+, Moody's: Ba1). Grund: Dem Umsatz des Baustoffproduzenten von gut 6 Mrd. EUR stehen Nettoschulden von 4,5 Mrd. EUR gegenüber. Neben den Schulden kratzen auch niedrige Zementpreise und eine Strafe des Kartellamtes über 250 Mio. EUR an der Bilanz. Dennoch sind die Jungs für den Bau nicht per se Wackelkandidaten. Hinter HeidelbergCement stehen finanzkräftige Großaktionäre. Knapp zwei Drittel des Kapitals befinden sich in festen Händen.
Um Anleger für die neuen Titel zu gewinnen, wird man tief in die Tasche greifen. Beobachter erwarten, dass die Papiere zur Börseneinführung eine Rendite von 7,5 bis 7,75 Prozent aufweisen werden. Fällig wird die Anleihe erst am 15. Juli 2010.
General Motors: Große Laufzeit, kleiner Zins
Kräftig Kasse machte zuletzt auch General Motors (GM). Die neue Anleihe des weltweit größten Autobauers hat ein Volumen von insgesamt 17 Mrd. EUR. Das macht sie zur größten jemals begebenen Unternehmensanleihe. Da ein solcher Brocken nicht ohne weiteres am Rentenmarkt unterzubringen ist, zerlegten die Verantwortlichen ihren Kapitalhunger in bekömmliche Happen. Herausgekommen sind eine Dollar-, eine Pfund Sterling- und eine Euro-Anleihe. Letztere (ISIN XS 0171 943 649, WKN 894451) läuft bis zum 5. Juli 2033. Da die Bonds mit mehr als 30 Mrd. USD massiv überzeichnet waren, konnte GM die Rendite deutlich unter das ursprünglich geplante Niveau drücken. Aktuell rentiert das 30jährige Papier bei 8,66 Prozent. Wer hier bis zum Laufzeitende engagiert sein möchte, muss angesichts des enormen Wettbewerbes auf dem US-Automarkt, schon eine gehörige Portion Optimismus mitbringen. Die Rating-Agenturen jedenfalls können sich nur zu einer Einstufung von BBB (S&P) bzw. Baa1 (Moody's) durchringen.
Ihre Kritikpunkte: Mit Verbindlichkeiten in Höhe von 212 Mrd. USD zählt der Autobauer zu den größten Industrieschuldnern weltweit. Ferner soll der Erlös aus der Anleihe nicht in das originäre Kerngeschäft fließen. Die Mega-Anleihe dient vielmehr zur Sanierung der Pensionskassen. Sie hatten per 31.12.2002 eine Unterdeckung von 25,4 Mrd. USD angesammelt.
Attraktiver präsentiert sich da schon ein anderer GM-Bond (ISIN XS 0171 922 569, WKN 894453). Das Papier ist so etwas wie ein Ausreißer unter den Anleihen: Es verfügt über keinen festen Kupon. Stattdessen koppelt der Emittent die Ausschüttungshöhe an einen Referenzzins. Bei GM hat man sich für den Drei-Monats-Euribor als Referenz entschieden. Euribor steht für "European Interbank Offered Rate" und ist ein Barometer für den unter europäischen Banken gehandelten Drei-Monats-Zinssatz. Zurzeit liegt er bei 2,19 Prozent. Doch damit ist die tatsächliche Höhe des Zinskupons noch nicht ermittelt. Der Grund: GM legt noch einen Schnaps drauf. Der ist umso hochprozentiger, je schlechter das Urteil der Rating-Agenturen ausfällt. Berechnet wird er ein Mal je Auszahlungsperiode. Für dieses Jahr liegt er bei 1,75 Prozent. Folglich verzinsen sich die Papiere der Detroiter aktuell mit 3,94 Prozent (2,19% plus 1,75%).
Für Anleger heißt das: Kommt es im nächsten Jahr zu der erhofften Konjunkturwende, und mit ihr zu einer Erhöhung der Leitzinsen, dürfte auch der Kupon der GM-Anleihe an Attraktivität gewinnen. Das ist nicht uninteressant, zumal: Gewöhnliche Anleihen müssen in Zeiten konjunktureller Erholung, die in der Regel mit einer strafferen Geldpolitik einher gehen, oft deutliche Einbußen hinnehmen.
EMMA: 5,3 Prozent für Euroland-Enthusiasten
In vier Jahren ist es soweit. Dann werden Bulgarien, Rumänien und Kroatien der Europäischen Union beitreten. Doch der Weg für sie ist noch weit - zu hoch ist bislang noch die Staatsverschuldung und zu hoch ist die Inflation. Gelingt es den Kandidaten jedoch, die Aufnahmekriterien zu erfüllen, ist eines sicher: Ihre Zinsen werden deutlich fallen. Das ist Treibstoff für die Anleihenkurse. ...
Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage brief 18/2003 (pdf, 81 kB), erschienen am 18.7.2003.
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