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Ökofonds
Spagat zwischen Rendite und Gewissen

"Betreten der Grünanlagen verboten", rieten Fachleute vor einigen Jahren den Anlegern. Sie vertraten die Ansicht, dass es den Nachhaltigkeitsfonds nicht gelänge, Ethik und Ertrag zu vereinen. Der Geldanlagebrief wollte es genauer wissen. Es treten an: Ein grüner Mischfonds und ein grüner Rentenfonds.
Geldanlage-Brief − Irgendwas muss wohl doch dran sein an der abgedroschenen Floskel, Ökologie und Ökonomie gehörten zusammen. Gleichwohl der Satz oft als Ausrede dient, um Unterschiede zwischen Gewinnstreben und Umweltschutz zu kaschieren, locken die Grünanlagen immer mehr Anleger an. Zu erkennen ist das unter anderem an den vielen Marktbarometern für nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, die in letzter Zeit aus der Taufe gehoben wurden. Am bekanntesten sind der 1999 von Dow Jones kreierte Sustainability Group Index, der 2001 aufgelegte FTSE4Good des britischen Indexproviders FTSE, der von der Zeitschrift "natur & kosmos" und dem österreichischen Börsenexperten Max Deml ins Leben gerufene Natur-Aktien-Index (NAI) sowie der Domini 400 Social Index. Letzterer enthält 400 nach sozialen und Nachhaltigkeitskriterien überprüfte US-Unternehmen und hat als einziger Index seiner Art bereits einen Track Record von mehr als zehn Jahren aufzuweisen. Und der kann sich sehen lassen: Legte der S&P500 Index von 1992 bis 2002 um durchschnittlich 15,1 Prozent p.a. zu, brachte es das Nachhaltigkeitsbarometer im gleichen Zeitraum auf 16,3 Prozent pro Jahr. Daraus errechnet sich für den Gesamtzeitraum eine Überrendite von etwa zwölf Prozent.

Ökofonds gibt's in vielen Schattierungen. Die Auswahl bleibt dennoch überschaubar.

Doch: Was ist eigentlich ein ökologisch korrektes Investment? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Die Definitionsversuche der Experten reichen von simplen Ausschlusskriterien - etwa dem Verzicht auf Öl-, Atomstrom-, Tabak-, Rüstungs- oder Gentechnikaktien - über die Suche nach den Umweltengeln jeder Branche bis hin zur Anlage in Unternehmen, die Umwelttechnologien aktiv vorantreiben. Ein weites Feld mit vielen Bewirtschaftern. Zu ihnen gehört der dunkelgrüne Fundi-Fonds ebenso wie der eher konventionelle Fonds mit hellgrünem Anstrich. Für jeden Anspruch gibt es mindestens ein Produkt. Insgesamt sind knapp zwei Dutzend der weltweit gut 180 Ökofonds in Deutschland zum Vertrieb zugelassen.

Der SEB Invest ÖkoRent meistert den Spagat zwischen Ertrag und Ethik vorbildlich

Einer von ihnen ist der weltweit anlegende Rentenfonds ÖkoRent (ISIN: LU0041441808, WKN 971297). Aufgelegt hat den "ethisch-ökologischen Rentenfonds" die Investmentgesellschaft SEB Invest Luxembourg S.A., eine Tochter der schwedischen Investmentbank SEB. Der ÖkoRent zählt zu den "alten Hasen", ging er doch bereits 1989 an den Start. Es war die Zeit, in der die Umweltschutzbewegung ihren Höhepunkt erlebte und von den Werkstoren der Atommeiler ins Parlament einzog.

Der Fonds will Anleger ansprechen, die die Kurschancen der internationalen Anleihemärkte unter Beachtung ethisch-ökologischer Kriterien nutzen möchten. Investiert wird weltweit. Staatspapiere, Unternehmensanleihen und Schuldscheine von Institutionen. Die gesamte Klaviatur des Rentenmarktes. Doch bevor der Fondsmanager Martin Hochstein die Kauftaste drückt, muss der Titel einen langen Auswahlprozess durchlaufen: Das Fondsmanagement schaut beispielsweise, ob das Unternehmen Militärgüter herstellt oder handelt, ob es an den Genen manipuliert, ob der Schuldner Energie aus der Kernspaltung bezieht oder gar Lohntüten an Kinder ausreicht.

Und weiter: Handelt es sich beim Kandidaten um eine Länderanleihe, prüfen die Investmentbanker, ob der Schuldner die Menschenrechte achtet, gegen Korruption und Geldwäsche angeht und seine Bürger nicht mit dem Tode bestraft. Überdies darf das Land, dem Fondsmanager Martin Hochstein einen Teil der Investorengelder anvertraut, nicht mehr als zehn Prozent seines Gesamtenergiemixes aus Atomenergie beziehen - es sei denn, der Atomausstieg ist beschlossene Sache.

Externes Know how: Ein Muss im Öko-Banking

Um all' die Negativkriterien auch tatsächlich anwenden und jederzeit überprüfen zu können, setzen die SEB-Banker auf Expertise von Spezialisten. Zu ihnen gehört die auf ethisch-ökologische Bewertungen spezialisierte Ratingagentur oekom research AG. Anhand von 130 Einzelindikatoren prüft sie Unternehmen und ganze Länder. Das Fondsmanagement sucht sich dann die attraktivsten Kandidaten heraus, vergleicht deren finanzielles und strategisches Potenzial und nimmt die so gerasterte Best-of-Best-Auswahl schließlich in ihr Öko-Portfolio auf.

Der Erfolg des Rentenfonds kann sich sehen lassen: In den letzten zwölf Monaten erzielten die Öko-Banker mit dieser Strategie ein Kursplus von 3,4 Prozent. Zusammen mit der Ausschüttung von 3,56 Prozent stellt sich die Gesamtjahresrendite auf solide sieben Prozent.

Per Mitte Juni wies das Portfolio einen Investitionsgrad von 92,40 Prozent auf. Gut die Hälfte der Rententitel sind in Euro, knapp ein Fünftel in US-Dollar und etwa zwölf Prozent in japanischen Yen investiert.

Aufwändiges Research auch beim Sarasin OekoSar Portfolio

Ein weiterer, bereits seit 1994 bestehender und auf Nachhaltigkeit zielender Fonds, ist der weltweit anlegende OekoSar Portfolio (ISIN: LU0058892943, WKN 973502) der Schweizer Privatbank Sarasin. Mit einem Volumen von 180 Mio. EUR zählt er zugleich zu den Großen der Branche. Doch das macht ihn nicht zwangsläufig interessant. Einen Blick wert ist er vielmehr aus einem anderen Grund: Der Sarasin OekoSar verfolgt einen eher pragmatischen Anlagestil - den so genannten Best-of-Class-Ansatz. Doch zunächst: Um eine Liste mit Ausschlusskandidaten kommt auch dieser Fonds nicht herum. Auf ihr stehen sieben Branchen: Hersteller von Rüstungsgütern, Automobilen, Tabakwaren, Chlor- und Agro-Chemiekalien sowie Atomstromer und Glücksspielanbieter. Damit endet das starre Regelwerk.

Gesucht wird der Klassenbeste

Im Folgenden schaut sich Fondsmanager Andreas Knörzer alles an, was potenziell Rendite verspricht. Dabei interessiert ihn weniger, ob das Unternehmen per se grün ist, sondern vielmehr die Frage: Berücksichtigt das Unternehmen innerhalb seiner Branche Ökologie und Soziales in überdurchschnittlichem Maße? Um das herauszufinden, ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage brief 19/2003 (pdf, 91 kB), erschienen am 25.7.2003.

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