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Zertifikate Hochprozentige Anlage mit Tücken: J.P. Morgan bittet zum Hedge Fund-Tanz |
| Zwar werden Hedge Funds hierzulande erst ab 2004 zugelassen. Doch schon heute, vor der Freigabe durch den Finanzminister, kann man indirekt an ihrer Entwicklung partizipieren. Beispielsweise über den Kauf eines Zertifikates. Zuletzt hat die Investmentbank J.P. Morgan ein derart "strukturiertes Produkt" aufgelegt. |
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Geldanlage-Brief −
Noch knapp fünf Monate, dann ist es soweit: Ab Januar können erstmals auch deutsche Privatanleger ohne Umwege in Hedge Funds investieren. Möglich macht dies ein Gesetzentwurf der Bundesregierung. Die Legalisierung der Königsdisziplin unter den Anlagestrategien soll allerdings zunächst nur indirekt erfolgen. In einer ersten Stufe dürfen Privatanleger ausschließlich in Dachfonds investieren. Diese müssen, so die Vorlage des Finanzministers, aus mindestens fünf Einzelfonds bestehen - eine Restriktion, mit der Hans Eichel das Risiko für den Anleger begrenzen will.
Raus aus der Schmuddelecke: Für Hedge Funds erwärmen sich immer mehr Privatanleger
Die Initiative der Bundesregierung, übrigens ein Teil des Finanzmarkt-Förderplans 2006, kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren wächst die Begeisterung für die unkonventionelle Anlageform - besonders bei spekulativ ausgerichteten Anlegern. Inzwischen gibt es weltweit rund 6.600 Hedge Funds. Per Ende März 2003 verwalteten sie ein Volumen von 618 Mrd. USD. Das wichtigste Barometer der Branche, der CSFB Tremont Index, liegt im Jahresvergleich mit zehn Prozent vorn.
Es sind Entwicklungen, die zeigen: Nach der LTCM-Pleite von 1998 und der Asienkrise, die mutmaßlich den Hedge Funds-Aktivitäten zugeschrieben wird, ist dieses Segment endgültig aus der Schmuddelecke herausgetreten. Ihr neuer Glanz strahlt bis in den Zertifikate-Markt hinein. Seit geraumer Zeit sind dort einige Papiere notiert, mit denen der Anleger bereits vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes indirekt an der Entwicklung von Hedge Funds teilhaben kann. Zu ihnen gehört unter anderem auch die Comas-Produktreihe der Commerzbank.
Deren Erfolg hat nun anscheinend auch J.P. Morgan angesteckt. Die amerikanische Investmentbank bot interessierten Anlegern bis zum 31. Juli ihr Man Multi-Strategy Index Zertifikat (WKN 327459, ISIN XS0169218582) zur Zeichnung an. Wie auch bei den Vorgängern, koppelt der Emittent die Wertentwicklung des Zertifikates nicht direkt an die eines Hedge Funds. Vielmehr repräsentieren die Papiere einen Anteil am Man Multi-Strategy Index. Dieses Barometer wiederum reflektiert die Entwicklung des Man Multi-Strategy CH Fund - einem nach Schweizer Recht aufgelegten Dachfonds, der seinerseits in konkrete Hedge Funds investiert. Verantwortet wird der Dachfonds von der britischen Man Group. Mit einem verwalteten Volumen von rund 28 Mrd. USD zählt das Unternehmen zu den größten Anbietern von Hedge Funds-Produkten. Das Frappierende: Mit den erstklassigen Namen, die hinter dem Produkt stehen, erschöpfen sich die frohlockenden Rahmendaten größtenteils.
Gebührenstruktur setzt einen großen Anlagehorizont voraus
Dazu ein Blick in die Ausstattungsmerkmale. Ein Ausgabeaufschlag von fünf Prozent passt weniger in die Zertifikatelandschaft als in den Bereich geschlossener Fonds. Das Agio reduziert sich jedoch bei Anlagesummen, die über die Mindestanlagesumme von 5.000 EUR hinausgehen, auf bis zu zwei Prozent. Die erreicht der Anleger dann, wenn ihm das Hedge Fund-Investment 75.000 EUR wert ist. Offenkundig: die Investmentbank hat nicht den Kleinanleger im Visier. Gleichheit und Brüderlichkeit sind hingegen bei der jährlichen Managementvergütung Programm. Sie beträgt, Anlagesummen unabhängig, 0,925 Prozent pro Jahr.
Auffällig ist zudem die lange Kapitalbindung: Vor September 2004 hat der Zertifikateinhaber keine Verkaufsmöglichkeit. Auch Neuinteressenten werden enttäuscht, denn vor genanntem Datum bietet J.P. Morgan - zumindest auf Käuferseite - keinen Handel an. Und an den hiesigen Marktplätzen ist das Zertifikat seltsamerweise nicht gelistet. Hinzu kommt: Möchte sich der Anleger vor dem Laufzeitende (30.09.2012) partout von den Stücken trennen, werden teilweise stolze Rücknahmegebühren fällig. Für den Verkaufszeitraum vom 30. September 2004 bis einschließlich 30. September 2005 beträgt der Abschlag 4,40 Prozent. Anschließend reduziert sich die Gebühr sukzessive. Ab dem 30. September 2009 nimmt der Emittent die Papiere dann endlich kostenfrei zurück.
Kauf und Verkauf erfolgen über einen Vermittler. Ihm muss der Verkäufer bereits zum zehnten eines Monats die geplante Veräußerung anzeigen, will er die Stücke zum Monatsende verkauft haben.
Durchschnittliche Aktienrendite mal zwei: Die Hedge Fund-Manager verfolgen ehrgeizige Anlageziele
Stellt sich abschließend die Frage, welche Renditen dem Aufwand und den Kosten gegenüberstehen. Der Dachfondsmanager, dem die Auswahl und Reallokation der einzelnen Hedge Funds obliegt, peilt eine jährliche Rendite von 14 bis 16 Prozent an. Das entspricht in etwa dem Zweifachen dessen, was langfristig an den Aktienmärkten zu holen ist. Gleichzeitig möchte er die Schwankungsbreite auf etwa zwölf Prozent pro Jahr begrenzen.
Derartige Zielvorgaben mögen ungewohnt erscheinen, doch muss man wissen: Im Gegensatz zu den konventionellen Publikumsfonds haben Hedge Funds generell feste Renditemarken im Blick. Denn ihr Ziel ist es nicht, besser als eine Benchmark oder ein Index abzuschneiden. Sie verbuchen es also nicht als Erfolg, wenn der Index übers Jahr um dreißig Prozent einbricht und sie einen Verlust von "nur" 25 Prozent hinnehmen müssen.
Für Hedge Fund-Manager interessant ist dabei so ziemlich alles, was der Finanzmarkt aufzubieten hat: Aktien, Anleihen, Optionen, Futures, Währungen, Devisen und Rohstoffe: die gesamte Spannweite des Marktes also. Dennoch haben sich im Laufe der Jahre, seit Alfred Jones 1949 den weltweit ersten Hedge Fund auflegte, verschiedene Anlagestile herausgebildet. Sie tragen klingende Namen wie Convertible Arbitrage Strategy, Distressed Strategy, Event-Driven oder Short Selling.
Eklatante Bewertungsklüfte sind das Eldorado vieler Hedge Funds
Distressed Strategy bedeutet beispielsweise, dass der Fondsmanager vornehmlich Wertpapiere angeschlagener Unternehmen handelt - eine Gratwanderung zwischen Traumrenditen bei gelungenem Turn Around und Totalverlust im Falle einer Insolvenz. Am bekanntesten ist jedoch die Convertible Arbitrage Strategy. Hier spürt das Management Bewertungslücken auf, um sie für die Anleger Gewinn bringend auszunutzen. Das geschieht sowohl innerhalb ...
Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage brief 21/2003 (pdf, 64 kB), erschienen am 8.8.2003.
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