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Währungsoptionsscheine
Dollar-Spekulation für Wagemutige

Nach Monaten der Ruhe ist in das Euro/Dollar-Verhältnis wieder Bewegung gekommen. Binnen zwei Wochen sackte der Euro von 1,20 USD auf 1,09 USD ab. Die Charttechniker haben sogleich "ernsthafte Warnsignale" ausgemacht. Volkswirte dagegen nur eine Korrektur der Hausse. So paradox es klingt: Am Ende könnten beide - technisch und fundamental orientierte Analysten - Recht behalten. Der Geldanlage-Brief erklärt das Phänomen und stellt Derivate vor, mit denen Spekulanten an dem transatlantischen Verhältnis den Hebel ansetzen können.
Geldanlage-Brief − An den 18. August werden sich die Devisenhändler noch lange erinnern. Der Euro/Dollar-Kurs, zuvor ein Musterschüler der Charttechnik, sich sauber trendend in einem aufwärts gerichteten Kanal, schlug plötzlich Haken. Er durchbrach den seit anderthalb Jahren gültigen Trendkanal nach unten, fiel durch die Unterstützungszone bei 1,1091 USD und durchschnitt die bei 1,0947 USD verlaufende Zweihundert-Tagelinie. Damit generierte die Gemeinschaftswährung im Verhältnis zum Greenback ein "ernsthaftes Warnsignal", so die Charttechniker. Mehr noch: Viel beachtete Indikatoren wie der Relative-Stärke-Index (RSI), der MACD und die Stochastik wiesen durchweg Verkaufssignale auf. Sie könnten den Euro in den nächsten Wochen bis auf 1,05 USD abtrudeln lassen. Spätestens auf diesem Niveau solle der Sinkflug durch eine massive statische Unterstützung aufgefangen werden.

Fundamentalanalytisch ist eher der Dollar das Problemkind

Eine andere Gruppe innerhalb der Analystenzunft mag sich mit dem Gedanken an einen schwächelnden Euro nicht recht anfreunden. Die Volkswirte, mehr an Ursachen und am wirtschaftlichen Rahmen, als am Euro/Dollar-Chart interessiert, sehen im US-Dollar eher ein Problemkind. Ihr wichtigstes Argument: Die USA importieren erheblich mehr Güter, als sie selbst ins Ausland exportieren. Prognosen zufolge wird das Handelsbilanzdefizit in diesem Jahr auf mehr als 500 Mrd. USD steigen. Das sind etwa fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Bei jedem anderen Land wäre hier längst der Internationale Währungsfonds eingeschritten. Doch Währungsfonds hin oder her, die Folge ist: Wer mehr bestellt als veräußert, sorgt für Nachfrage nach ausländischer Währung, gegen die die eigene geboten wird. Das vergrößert das Dollar-Angebot und drückt auf den Kurs der eigenen Währung.

Die Niedrigzinspolitik der FED vertagt das Strukturdilemma in die Zukunft

Folgt die Währung dennoch nicht dem Lehrbuch und steigt, liegt das in der Regel an Kapitalzuflüssen abseits des Warenverkehrs.

Durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank kommt Geld ins Land. Indem die FED den Geldhahn für die Wirtschaft aufdreht, lenkt sie den Blick der Marktteilnehmer von den strukturellen Ungleichgewichten hin zu einem positiven Ausblick für die Wirtschaft. Doch das ist mindestens eine Gratwanderung. Denn: Fasst die Wirtschaft wieder Fuß, kann der Niedrigzins rasch in eine Inflation umschlagen.

Wachstumsaussichten verdrängen die Strukturschwächen

Sowohl die Konjunkturindikatoren als auch die Renditedifferenz aus deutschen und amerikanischen Staatspapieren zeigt es bereits an: Während man in der Eurozone im dritten Quartal auf einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von annualisiert 1,2 Prozent hofft, sehen Volkswirte das BIP-Wachstum in den USA bei annualisiert vier Prozent. Folge: US-Staatstitel rentieren rund dreißig Basispunkte über ihren Pendants in Euroland.

Doch das muss keine Entwicklung von Dauer sein. Viele Wachstumsimpulse, so die Volkswirte, seien auf vorübergehende Effekte zurück zu führen. Zu ihnen gehören die Steuergeschenke der Regierung ebenso wie das Auffüllen extrem niedriger Lagerbestände und der Refinanzierungsboom am Immobilienmarkt. Hinzu kommt: Die privaten Haushalte - traditionell die wichtigste Konjunkturstütze - sind nach wie vor extrem hoch verschuldet. Volkswirte sehen die Kursavancen des Greenbacks daher eher skeptisch. In Abwägung aller Faktoren rechnen sie spätestens zur Jahresmitte 2004 mit einer nachlassenden Konjunkturdynamik, in deren Folge dann auch der US-Dollar nachgeben sollte.

Ist der Euro eine Spekulation wert?

Und was heißt das für den Privatanleger? Sollte er jetzt auf einen stärkeren Euro setzen? "Dafür ist es noch zu früh", sagt Hans-Günter Redeker von der französischen Großbank BNP Paribas. Bevor der Euro wieder fester gehen kann, müsse es zuvor ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 25/2003 (pdf, 86 kB), erschienen am 05.09.2003.

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