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Börsenrezepte gegen zu hohe Benzinpreise
So tanken Sie Trost und Kraft

Urlaubszeit, Zahlzeit. Wer mit dem Wagen in die Ferien startet, erlebt oft schon an der Tankstelle den ersten Frust: Noch nie verdunstete an Zapfsäulen so viel Kapital wie derzeit. Um dreihundert Prozent stieg der Preis fürs Benzin seit 1999. Interpretiert man Auslastung der Raffinerien und Lagerbestände als Frühindikator, dürfte Benzin bald noch teurer werden. Was liegt da näher, als die Börse anzuzapfen, und sich mit einem Derivat die Kosten zurückzuholen?
Geldanlage-Brief − Geeignete Finanzprodukte auf Diesel, Benzin und Öl gibt es schließlich zuhauf. Doch bringen Sie auch tatsächlich Schub ins Depot und die Freude am Fahren zurück? Der Geldanlage-Brief hat drei Papiere exemplarisch für Sie inspiziert.

Diesel ohne Ende
Das erste schickt ABN Amro ins Rennen. Es basiert auf dem von der London Petroleum Exchange berechneten Gas-Oil-Future und steht als Endlospapier (WKN ABN0TM) zur Verfügung. Um den Preis des Papiers zu verstehen, ist Mathematik erforderlich: Während der Terminkontrakt den Preis für eine Tonne misst, bezieht sich das Zertifikat auf eintausend Liter. Eintausend Liter Diesel wiegen 845 Kilogramm. Demnach repräsentiert ein Dieselpapier 84,5 Prozent des Futures. Dieser Future kostet zurzeit 527 US-Dollar, das Zertifikat 370 Euro (0,845 x 527 US-Dollar, geteilt durch den Euro/Dollar-Kurs).
An Gebühren kommen auf Sie zu: ein Spread von 1,5 Prozent sowie eine Rollgebühr von 0,1 Prozent. Sie fällt immer dann an, wenn ABN Amro vom jeweils auslaufenden Future in den neuen wechseln muss. Das passiert vier Mal im Jahr.
Stellt sich die Frage, ob das Dieselpapier teure Kraftstoff-Rechnungen kompensieren kann? Antwort: leider nur bedingt. Der Dieselpreis, den Sie an Tankstellen zahlen, enthält von Mineralöl- über Ökosteuer bis zur Gewinnmarge Kostenposten, die Sie im Future nicht finden. Sowohl im Future als auch im Zertifikat enthalten sind dagegen die Launen des US-Dollars. Da kann es schon mal passieren, dass Sie mit dem Zertifikat Verluste einfahren, obwohl sich die Preislettern an der Tankstelle nicht bewegt haben.

Benzin mit Preisgarantie
Ein wirksamerer Trost beim Tanken ist das Benzin Protect-Zertifikat von Barclays Capital (WKN BC0A5H). Das Derivat der Briten basiert auf dem Barclays Gasoline Preis-Index, als dessen Referenz wiederum ein Future dient. Diesmal der an der New York Metal Exchange gehandelte Kontrakt auf eine Gallone bleifreies Benzin. Zwar wird auch er in US-Dollar berechnet. Doch Barclays eliminiert das Währungsrisiko und veredelt das Papier überdies an anderer Stelle: Sofern der Gasoline-Index bis zur Fälligkeit des Zertifikates (20.12.2010) sechzig Prozent seines anfänglichen Niveaus behauptet, können Sie nichts verlieren. Auch Managementgebühren erheben die Briten nicht. Nach oben hin sind Sie an Gewinnen schrankenlos beteiligt. Einzig, wenn die Gallone zur Fälligkeit um mehr als vierzig Prozent gefallen sein sollte, mutiert das Protect-Papier zu einem faden Indexzertifikat. Ein unwahrscheinlicher Fall, wie die Rückrechnung der Briten bis zurück ins Jahr 1990 zeigt. Demnach erwirtschaftete das Zertifikat im Schnitt eine Rendite von mehr als acht Prozent pro Jahr. Allerdings: Mit dem nun stark erhöhten Ölpreis-Niveau ist das Risiko für Rückschläge deutlich gestiegen. Verglichen mit dem Zeitraum, auf den Barclays die Rückrechnung anwendete, war es nie so hoch wie heute.

Dem Schmetterling folgen?
Um von steigenden Kraftstoffpreisen zu profitieren, können Sie sich freilich auch in den Urgrund aller Preisbildungsfaktoren einkaufen: das Öl. JP Morgan hat dazu unter dem Namen Schmetterlings-Zertifikat (WKN JPM0D0) ein kreatives Papier entworfen, das am 29. Juli in den Handel startet. Ähnlich wie beim Victory-Mechanismus von Sal. Oppenheim (Geldanlage-Brief, 10/2005), verdienen Sie an beiden Kursrichtungen, wobei Sie an Anstiegen dank des Hebels von zwei bis zu einem Cap von 110 Prozent gleich doppelt profitieren. Die Sache hat nur zwei Haken: Während der Hebel nach oben auch nach zwischenzeitlichen Kursverlusten immer wieder aufleben kann, profitieren Sie nach unten (mit einfachem Hebel) nur solange, wie der Ölpreis eine zuvor festgelegte Barriere nie berührt. Diese liegt bei 55 Prozent des Preises, zu dem die Sorte Brent Cruide zur Emission zu haben ist (stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest).
Die Laufzeit fällt mit fast fünf Jahren sehr lang' aus. Schluss ist erst im Dezember 2010. Bis dahin kann viel passieren. Mehr noch: Sollte der Ölpreis zur Fälligkeit also dort stehen, wo er heute notiert, haben Sie nur Geld gewechselt. Das Schmetterlings-Zertifikat ist demnach nur dann erste Wahl, wenn Sie à la long mit stetigen Zuwächsen beim Öl rechnen. Dass der Cap dank des Hebels schon bei einem Ölpreis-Plus von 55 Prozent erreicht ist, stört uns indes weniger.

Fazit: Langfristig ziehen am Ölpreis zwei Kräfte. Steigt er ... Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 14/2005 (pdf, 269 kB), erschienen am 29.07.2005.

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