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Archiv > Finanzen > Börsenhandel > Händleralltag |
Händleralltag Kein Tag gleicht dem anderen |
von Rune Hoffmann, Börse Stuttgart
Gleich einem Organisten bedient ein Börsenhändler bis zu zwei Tastaturen gleichzeitig. Das Ergebnis flackert anschließend auf bis zu sechs Bildschirmen auf. Was Außenstehenden kaum überschaubar erscheint, ist für den Händler Routine. Den Markt stets im Blick, ist er auf alles gefasst, was die Märkte bewegen könnte. |
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Geldanlage-Brief −
Es ist kurz vor neun Uhr morgens und damit kurz vor Handelseröffnung an den deutschen Börsen. Im Handelssaal der Börse Stuttgart sind die Reihen gefüllt. Die Händler sitzen vor ihren Handelsbildschirmen und warten, dass ihr computergestütztes Limit-Kontroll-System ihnen pünktlich um neun Uhr die ersten Orders weiterleitet. Tatsächlich beginnt der Tag für die Händler jedoch viel früher.
Handeln ist keine Arbeit nach dem Stechuhr-Prinzip. Lange vor Börseneröffnung haben sich die Akteure auf den Tag eingestimmt. Meistens beginnt das bereits kurz nach dem Aufstehen. Im Fernsehen werden die Marktentwicklungen aus der vergangenen Nacht nachvollzogen. Wie hat die Börse in Japan geschlossen? Wo notiert der Euro? Was machen die Index-Futures? Gibt es wichtige Meldungen aus einzelnen Unternehmen, die geeignet sind, den Gesamtmarkt in eine Richtung anzuschieben?
Stress vor dem Start
Kurz nach Ankunft an der Börse wird die aktuelle Bewegung im Bund-Future, dem deutschen Rentenindex, nachvollzogen. Während der reguläre Handel erst um neun beginnt, eröffnet der Bund-Future bereits um acht Uhr und gibt seinerseits Hinweise auf den Start im Dax. Eine weitere Hilfestellung sind Schätzungen der Banken für den Dax-Start. Dabei wird der Dax modelltheoretisch aufgrund der Kursbewegungen der Weltmärkte seit dem letzten Handelsschluss von den Banken nachgerechnet. Absolut verlässlich sind diese Dax-Indikationen zwar nicht, aber sie geben zumindest eine Tendenz für die Markteröffnung vor. Die letzte wichtige Information vor Handelsbeginn ist ein Überblick über Unternehmens- und Konjunkturdaten, die für den heutigen Handelsverlauf angekündigt sind. Die Händler versuchen stets auf alles, was der Tag für sie bereit hält, gefasst zu sein und kaum ein Tag gleicht dem anderen.
Der Handel beginnt
Dann ist es soweit. Die ersten Orders werden übermittelt. Wer um neun Uhr das Läuten einer Glocke ähnlich der Wallstreet erwartet hat, wird in Stuttgart enttäuscht. Dass der Handel begonnen hat, merkt der Außenstehende nur daran, dass sämtliche Händler plötzlich anfangen, hektisch auf ihren Tastaturen herumzutippen. Bis zu vier davon stehen an jedem Handelsplatz, von denen nicht selten auf zweien gleichzeitig getippt wird. Die Markteröffnung ist auch gleichzeitig eine der stressigsten Phasen im Tagesablauf eines Händlers. Plötzlich müssen mehrere hundert Kauf- und Verkaufsorders, die noch vor Markteröffnung von den Anlegern an der Börse eingestellt wurden, so schnell wie möglich ausgeführt werden. Gleichzeitig befindet sich der Dax quasi noch in seiner Selbstfindungsphase, in der er jederzeit einige Punkte auf- oder abspringen kann.
Aufgabengeschäfte sichern die Liquidität
Meistens ist der erste Stress nach 15 Minuten erledigt. Der computergestützte Handel in Stuttgart hilft den Händlern dabei, die Orders innerhalb weniger Sekunden auszuführen. Auf bis zu sechs Monitoren hat jeder Händler die für ihn relevanten Märkte im Blick, aus denen er für die Anleger in Stuttgart den jeweils besten Kauf- beziehungsweise Verkaufspreis für ein Wertpapier ermittelt. Zudem ist es den Händlern gestattet, so genannte Aufgabengeschäfte zu tätigen. Das heißt, er darf Bestände in Aktien und anderen Wertpapieren aufbauen und kann diese bis zu zwei Tage halten.
So wird für den Anleger Liquidität im Markt bereitgestellt. Dieses Halten von Beständen ist natürlich mit einem Kursrisiko für den Händler verbunden. Dieses gilt es zu überwachen. Der Händler muss immer darauf achten, dass ...
Den vollständigen Beitrag finden Sie im Geldanlage-Brief 11/2005 (pdf, 259 kB), erschienen am 17.06.2005.
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