Apple - Unter diesen Bedingungen sind 30% Kursgewinn drin

Inhalt dieser Ausgabe:

Marktanalyse
Termine der Woche
Marktüberblick
Einzelwert-Analyse



Marktanalyse

von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

jede Rede von Ben Beranke wird derzeit "mit Spannung erwartet", wie es immer so schön heißt. Dies ist auch verständlich, denn in der jüngeren Vergangenheit haben seine Aussagen des Öfteren zu kleinen Markturbulenzen geführt (wir berichteten). Das Kuriose dabei ist, dass er eigentlich kaum Neues verkündet. Die Kurskapriolen im Zusammenhang mit seinen Worten beruhten daher zuletzt lediglich auf unterschiedlichen Interpretationen der Märkte und Medien.

Nichts Neues von Ben Bernanke

Auch in dieser Woche hat Ben Bernanke wieder einmal geredet, unter anderem vor Vertretern des Repräsentantenhauses. Und erneut hat er nichts Neues gesagt. Er gab an, dass die niedrigen Hypothekenzinsen, die eines der Ziele der aktuellen Geldpolitik der Fed sind, den Immobilienmarkt unterstützt hätten. Dies habe nicht nur zu einer Stärkung der US-Wirtschaft und des Arbeitsmarktes geführt, sondern auch noch zu einer Verbesserung der US-Haushaltskassen.

Über den Immobilienmarkt zu Wirtschaftswachstum

Und genau diese Wechselwirkungen hat die Fed immer fördern wollen. Wenn sich der US-Immobilienmarkt weiter belebt, wird sich dies auch positiv auf andere Wirtschaftsbereiche auswirken und zu einer weiteren Erholung der gesamten US-Wirtschaft beitragen. Wirtschaftswachstum führt zu neuen Arbeitsplätzen und die neu in Lohn und Brot stehenden Arbeitnehmer können dann wiederum neue Häuser kaufen. Ein positiver Kreislauf entsteht. Das alles wird durch die aktuell niedrigen Zinsen begünstigt.

Über Wirtschaftswachstum zur Inflation

Neben dem Immobilien- und dem Arbeitsmarkt legte Bernanke aber auch den Fokus ganz deutlich auf die zu niedrige Inflation. Sie sei ein Risiko für die Wirtschaft. Die Fed werde aber alles tun, damit sich die Inflation wieder der Zielmarke von 2 Prozent nähert.

Und damit passt eigentlich alles zusammen. Die Fed wird solange die Geldschleusen offen halten, bis die Wirtschaft, stimuliert durch den US-Immobilienmarkt, nachhaltig wächst und dadurch die Inflationsrate wieder anzieht.

Die Fed hat keinen festgelegten Zeitplan

Aus heutiger Sicht geht Bernanke davon aus, dass die Fed die Anleihekäufe in etwa ab Ende dieses Jahres reduzieren kann, allerdings nur, wenn sich die Arbeitslosenquote und die Inflationsrate entsprechend der Erwartung entwickeln. Ist dies nicht der Fall, werden der Plan und die geldpolitischen Maßnahmen entsprechend angepasst. Es gibt also keinen festgelegten Zeitplan, so Bernanke.

Sommerpause setzt sich fort

Da aus seinen Worten keine deutlicheren Aussagen herauszulesen waren, blieben neue Kurskapriolen aus und die Sommerpause (geringere Volatilität) setzte sich weiter fort. In der vorangegangenen Ausgabe hatten wir Sie bereits auf kleiner gewordene Stundenkerzen hingewiesen, dieses Mal schauen wir im folgenden Chart auf die wöchentlichen Handelsspannen (blaue Rechtecke). Und auch hier erkennt man eindeutig, dass wir inzwischen in der Sommerpause angekommen sind. Mit einer Kursdifferenz von nur noch rund 200 Punkten war die Handelsspanne der abgelaufenen Woche deutlich kleiner als die der Vorwochen.

DAX - Volatilität nimmt im Sommer ab

Selbst positive US-Daten konnten nicht für Schwung sorgen

Selbst sehr positiv ausgefallene US-Konjunkturdaten konnten nicht mehr Schwung in den Markt bringen. Wir hatten Sie über unsere neue Facebook-Seite zeitnah unterrichtet. So zum Beispiel am Dienstag über den US-amerikanischen Umsatz im Einzelhandel, der im Juni um 0,4 Prozent anstieg, nachdem er bereits im Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen war.
Oder über den New York Empire State Index der New York Fed, welcher auf eine weiter anziehende Industrieaktivität hindeutete, weil er im Juli bei 9,5 notierte, während er im Vormonat noch bei 7,8 stand.
Und die US-Industrieproduktion ist im Juni um 0,3 Prozent gestiegen.

US-Immobilienmarkt erholt sich weiter

Vom US-Immobilienmarkt kamen ebenfalls aktuelle Zahlen. Der NAHB/WF Housing Market Index, der quasi das Vertrauen im Markt für neu gebaute Einfamilienhäuser misst, stieg für Juli um satte 6 auf 57 Punkte. Dies war der dritte Anstieg in Folge und zugleich erreichte der Index damit den höchsten Wert seit Januar 2006!

Am Mittwoch berichteten wir dann unseren "Facebookern", dass die US-amerikanischen Wohnbaugenehmigungen ("Building Permits") im Juni nur bei 911.000 lagen. Im Monat davor waren es noch 985.000 gewesen. Und die Wohnbaubeginne sind im Juni ebenfalls gesunken, auf 836.000 nach noch 928.000 im Vormonat.

Dies sind auf den ersten Blick zwar keine guten Daten, doch scheinen sich die Zahlen nun auf diesem monatlichen Niveau leicht unterhalb von 1 Millionen einzupendeln, nachdem sie zuvor recht ordentlich vom Tief im Jahre 2009 zulegen konnten (in etwa verdoppelt).

US-Inflation zieht leicht an

Zwischendurch gaben wir noch auf Facebook bekannt, dass die Inflation in den USA im Juni um 0,5 Prozent angestiegen ist. Dazu schrieben wir, dass die US-Notenbank Fed beides benötigt, sowohl bessere Konjunkturdaten als auch Inflation, um ein Ende der expansiven Geldpolitik herbeiführen zu können. Dies deckt sich mit dem, was wir etwas weiter oben heute geschrieben haben.

(Sie sehen, es kann sich lohnen, sich auf Facebook mit uns zu verbinden, wenn Sie Interesse an noch aktuelleren Informationen und entsprechenden Einschätzungen dazu haben.)

Der Plan der Fed scheint aufzugehen

Der Plan der Fed scheint also aufzugehen. Da sich beides (Wirtschaftswachstum und anziehende Inflation) derzeit abzeichnet, dürften die Aktienkurse deshalb bald wieder aus Furcht vor einem Ende der Anleihekäufe fallen. In dieser Woche ist allerdings aufgrund der Sommerpause nicht mit großen Überraschungen oder Kursausschlägen zu rechnen. Die Tendenz geringerer Volatilität dürfte sich noch unverändert fortsetzen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

 


Termine der Woche

(KW 30: Woche vom 22.07. bis 28.07.2013)


Montag, 22.07.2013

  • - - DE: Bundesfinanzministerium Monatsbericht Juli
  • 12:00 - DE: Bundesbank Monatsbericht Juli
  • 14:30 - US: Chicago Fed National Activity Index Juni
  • 16:00 - US: Verkäufe bestehender Häuser Juni


Dienstag, 23.07.2013

  • 15:00 - US: FHFA Hauspreisindex Mai


Mittwoch, 24.07.2013

  • 09:30 - DE: Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe Juli
  • 09:30 - DE: Dienstleistungsindex Juli
  • 10:00 - EU: Dienstleistungs-Einkaufsmanager-Index Europa
  • 10:00 - EU: Eurozonen Herstellungsindex PMI (Einkaufsmanagerindex)
  • 15:00 - US: Einkaufsmanagerindex Produktion
  • 16:00 - US: Verkäufe neuer Häuser Juni


Donnerstag, 25.07.2013

  • 10:00 - DE: Ifo-Geschäftklimaindex
  • 10:00 - EU: Geldvolumen M3 Eurozone Juni
  • 14:30 - US: Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter Juni
  • 14:30 - US: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)


Freitag, 26.07.2013

  • 00:30 - JP: Verbraucherpreise Juni
  • 00:30 - JP: Verbraucherpreise Tokio Juli
  • 08:00 - DE: Außenhandelspreise
  • 15:55 - US: Verbraucherstimmung Uni Michigan Juli

 


Marktüberblick

von Sven Weisenhaus


DAX

Nach einer Aufwärtslücke zum Handelsbeginn am vergangenen Montag (grüne Ellipse im folgenden Chart) kam es im DAX bis zur Mitte der Woche erst einmal zu leicht fallenden Kursen. Der Schlusskurs der Vorwoche lag bei 8.212,77 Punkten, das Tief der Woche am Mittwoch bei 8.137,53 Zählern.

DAX - Verlauf der Vorwoche

In den Aufwärts-Gaps, die auch in der Vorwoche an diversen Stellen gerissen wurden (wir berichteten, siehe folgender Chart), sahen wir ein großes Problem für bullische Anleger, denn häufig werden Kurslücken wieder geschlossen, was fallende Kurse im DAX bedeuten würde. Mit dem Mittwochs-Tief wurden zumindest schon zwei dieser Kurslücken geschlossen.

Ab Mittwochmittag erholten sich die Kurse aber schon wieder und am Ende der Woche stand in Summe ein Plus von 1,45 Prozent auf der Anzeigetafel. Damit haben wir nun vier Wochen in Folge Kursgewinne im DAX gesehen, die sich zu einem Gesamtzuwachs von rund 540 Punkten bzw. 7 Prozent addieren.

DAX - +7 Prozent in 4 Wochen

Damit steigt nun die Wahrscheinlichkeit, dass auch noch die große Abwärtslücke von Mitte der vorangegangenen Woche bald geschlossen wird, denn eine Konsolidierung ist nun nach den starken Kursgewinnen fällig. Zumal die US-Indizes an Ihren neuen Allzeithochs vom Mai und damit einem starken Widerstand angekommen sind.


S&P500

Sowohl der Dow Jones als auch der deutlich breiter gefasste S&P500 konnten am Donnerstag neue Allzeithochs markieren. Das bisherige Hoch im S&P500 wurde am 22. Mai bei 1.687,18 Punkten markiert. Das neue Intraday-Hoch lag bei 1.693,12 Zählern.

S&P500 stößt an Widerstand

Ein nachhaltiger Ausbruch ist damit jedoch noch nicht gelungen. Vielmehr stellt sich die Mai-Marke, wie in der vorangegangenen Ausgabe vermutet, als Widerstand heraus. Wir hatten erwartet, dass der Kurs noch leicht überschießen kann, "da aber kurzfristig betrachtet bereits ein starker Anstieg im S&P500 hinter uns liegt, dürfte es spätestens danach zu einer Konsolidierung kommen", schrieben wir. Genau danach sieht es nun aus.


EUR/USD

Im Euro gibt es nichts Neues. Die Range von 1,28 bis 1,32 ist weiterhin kursbestimmend. Aktuell hält sich die Gemeinschaftswährung noch im oberen Bereich der Range auf.

EUR/USD Chartanalyse

Langfristig sehen wir bei einem Auseinanderdriften der jeweiligen Notenbankpolitik von EZB und Fed einen schwächeren Euro. Denn während das Angebot der EZB-Währung laut Draghi noch sehr lange hoch bleiben wird, deutete die Fed an, die Versorgung mit US-Dollars Ende dieses Jahres etwas zurückzunehmen. Diese veränderte Marktsituation sollte sich spätestens dann auch im Wechselkurs widerspiegeln.

Bis dahin sind zwar noch leicht höhere Kurse denkbar, doch sollte man diese dann eher dazu nutzen, Positionen auf fallende Kurse aufzubauen. Denn weiterhin ist wegen der Notenbank-Perspektiven kaum damit zu rechnen, dass der Euro dauerhaft einen Kursanstieg auf über 1,35 US-Dollar schafft. Zumal es auch der US-Konjunktur deutlich besser geht als der europäischen, was ebenfalls den US-Dollar attraktiver macht.


Gold

Die Erholung im Goldpreis setzt sich wie erwartet fort. Wir sahen in den jüngsten Kursverlusten eine Übertreibung, weshalb Gold aus unserer Sicht noch etwas weiter zulegen und dann auf diesem Niveau eine Zeit lang seitwärts tendieren sollte. Heute konnte Gold bereits die Marke von 1.300 US-Dollar nach oben hin knacken.

Gold Chartanalyse

Unser Kursziel von Gold-Notierungen oberhalb der 1.300 USD-Marke wurde damit endlich erreicht. Nun steht der Fortsetzung der Bodenbildung nichts mehr im Wege und die obere Abwärtstrendkanalbegrenzung scheint nun definitiv erreichbar.

 


Einzelwert-Analyse (Gastbeitrag)

von Matthias Mecina

Die Apple-Aktie aus Sicht eines Volume-Profilers

Matthias Mecina ist Trader und Experte auf dem Gebiet des Volume Profiling und der Auktionsmarkt-Theorie. Er ist auf den US-amerikanischen Märkten aktiv, wo er Aktien, Futures und ETFs analysiert und handelt.

Matthias Mecina, Trader und Experte auf dem Gebiet des Volume ProfilingDie Auktionsmarkt-Theorie (aus dem US-amerikanischen: Auction Market Theory), in Deutschland nahezu unbekannt, ist hervorragend geeignet, um objektive Aussagen über die Motivation der an der Börse agierenden Teilnehmer zu treffen und daraus fundierte Hypothesen für Trading- und Anlageentscheidungen herzuleiten. Eine Kernaussage der Theorie ist, dass jeder Markt – auch die Börse – ein simpler Auktionsmechanismus ist, dessen einzige Aufgabe darin besteht, den fairsten Preis für ein Gut (also auch eine Aktie, ein ETF, einen Future-Kontrakt etc.) zu ermitteln. Und wie bei jeder Auktion reagieren die Teilnehmer auch an der Börse unterschiedlich auf unterschiedliche Preise – das Spektrum reicht von kompletter Ablehnung ("ist mir vieeeel zu teuer") bis zur Wühltisch-artigen Euphorie ("muss ich haben, ich kaufe gleich 100 Stück davon!").

Die Motivation der Markt-Teilnehmer lässt sich direkt an der Anzahl der getätigten Trades messen – je "fairer" ein Preis ist, umso mehr wird er gehandelt – und vice versa. Der Clou: Was einmal ein fairer Preis war, wird bei Preiskorrekturen gerne wieder angesteuert und getestet – genauso wie im "echten Leben". Daher lässt die Visualisierung dieses Handels durch die Volume Profiling-Methode präzise Rückschlüsse auf die potenziellen Kursbewegungen und -ziele zu. Ein aktuelles Beispiel soll dies verdeutlichen.

Im Wochenchart der Apple-Aktie sehen wir, dass sich diese zwischen Juli 2011 und Januar 2012 in einer Seitwärts-Konsolidierung befand (siehe rechteckige Markierung). Das Histogramm im Chart zeigt das jeweilige Handelsvolumen der Aktie in diesem Preisbereich. Und wir sehen, dass sie sich am liebsten bei rund 390 US-Dollar aufhielt (der meistgehandelte Preis war 392,91 US-Dollar).

Apple - Chartanalyse
(Quelle: Investor RT) Der Apple-Wochenchart (NASDAQ) zeigt deutlich, wie die Aktie (Apple, WKN: 865985 / ISIN: US0378331005) am zuvor akzeptierten Preisbereich um 390 US-Dollar abprallt und aktuell eine Bodenbildung versucht.

Vom Hoch im September 2012 machte sich die Aktie im Rahmen eines Abwärtstrends direkt auf den Weg zu diesem Preis und verlor dabei nahezu die Hälfte Ihres Werts. Nach einem erfolgreichen Test des historisch akzeptierten Preises prallte die Aktie im April 2013 nach oben ab.
Es ist kein Zufall, dass Apple gerade hier eine starke Gegenreaktion zeigte: Der einst faire Preisbereich um 390 US-Dollar schien auch nach Jahren noch immer angemessen und der Volume Profiler konnte hier guten Gewissens eine Long-Position eingehen.
Tatsächlich überschoss der Titel den historisch fairen Preis nur um wenige Dollar (das lokale Tief liegt bei 385,10 US-Dollar), bevor er anschließend um 17 % auf 465,75 US-Dollar zulegte.

Ende Juni wurde die 390 US-Dollar-Marke noch einmal präzise getestet und wieder zeigte die Aktie eine entsprechende Gegenbewegung. Die Apple-Bullen sollten deshalb aktuell auf Zeichen einer lokalen Bodenbildung bzw. Trendumkehr achten. Apple wird morgen, am 23.07.2013, im Rahmen der aktuell laufenden "Earnings Season" seine Quartalszahlen veröffentlichen – möglicherweise mit neuen Impulsen für die Aktie.

Aus Theorie-Sicht wäre ein nachhaltiger Rückfall unter 390 US-Dollar negativ, denn dies würde eine Veränderung des Sentiments signalisieren und tiefere Preise, im ersten Schritt um 340 US-Dollar, ermöglichen.

Übrigens, sollte dies tatsächlich das Ende der Korrektur gewesen sein, liegt das erste Kursziel nach der Volume-Profiling-Methode bei rund 545 US-Dollar mit einer Widerstandmarke um 480 US-Dollar. Längerfristig sind 570-650 US-Dollar durchaus möglich. Eine Long-Position kann sich also auf dem aktuellen Preisniveau unter Chance-Risiko-Gesichtspunkten lohnen­.


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