Mit Faktor-Zertifikaten auf die Quartalsberichtssaison reagieren

Inhalt dieser Ausgabe:

In eigener Sache
Marktanalyse
Termine der Woche
Marktüberblick
Gastbeitrag


In eigener Sache

Verehrte Leserinnen und Leser,

wir freuen uns sehr über die vielen Zuschriften von Ihnen, in denen Sie unter anderem auch Ihre persönliche Wunschaktie analysieren lassen wollen.

Der Geldanlage-Brief soll aber zukünftig noch etwas persönlicher werden als er es bislang schon war. Wir suchen bewusst den direkten Kontakt mit Ihnen, weil wir Sie gerne bei Ihren Investmententscheidungen unterstützen und, wenn Sie es wünschen, sogar begleiten möchten. Hierzu ist ein möglichst persönlicher Austausch unabdingbar.

Geldanlage-Brief auf Facebook

Facebook ist ein idealer Ort, um derartige Kommunikation zu betreiben. Hier kann man sich austauschen und sich in bereits bestehende Diskussionen einbringen.
Daher gibt es den Geldanlage-Brief nun auch auf Facebook. Verbinden Sie sich mit uns und treten Sie in den direkten Kontakt mit dem Team vom Geldanlage-Brief.

Ein wesentlicher zusätzlicher Vorteil von Facebook ist aber, dass Sie nicht nur mit uns in Kontakt treten können, sondern dass Sie hier auch "Gleichgesinnte" treffen können. Wir erhoffen uns also auch den Austausch zwischen den Lesern.
"Liken" Sie den Geldanlage-Brief also am besten sofort HIER auf Facebook.

Interview im Deutschen Anleger Fernsehen DAF

Wir möchten Sie an dieser Stelle auch auf ein interessantes Interview hinweisen, welches Ihr Chefredakteur Sven Weisenhaus am Mittwoch der vergangenen Woche im Deutschen Anleger Fernsehen DAF zum Thema Edelmetalle gegeben hat.

Hier wurden Fragen geklärt,
- was die jüngsten Kursverluste im Goldpreis verursacht haben könnte,
- ob dem Goldpreis eine Trendwende wie im Jahr 2008 gelingen kann und
- mit welcher Entwicklung man beim Gold in der zweiten Hälfte des Jahres rechnen muss?
Zudem wird auch ein kurzer Blick auf den Silberpreis geworfen und es werden die wichtigsten charttechnischen Marken genannt.

Sie können Sich das Interview HIER online ansehen.


Nun wünschen wir Ihnen viel Vergnügen mit der aktuellen Ausgabe
Ihr
Team vom Geldanlage-Brief



Marktanalyse

Verehrte Leserinnen und Leser,

am Montag hätte der DAX seinen 25. Geburtstag mit einer ordentlichen Kursrallye feiern können. Am 1. Juli 1988 wurde der offizielle Aktienindex für den deutschen Markt eingeführt – der DAX. Damit bekamen die Anleger endlich eine einheitliche Benchmark an die Hand. Doch die Party wurde leicht verschoben.

Verspätete Geburtstagsparty im DAX

Denn am Montag pendelte das Geburtstagskind lediglich seitwärts, am Dienstag und Mittwoch früh verlor der Index sogar kräftig an Boden mit Verlusten von zeitweise über 3 Prozent. Erst vom Tief bei 7.730 Punkten aus ließ der DAX dann doch noch die Korken knallen und die Partygäste verhalfen ihm sogar zu einer Rückkehr auf das Niveau vom Wochenstart.

DAX - Verlauf der Woche

Allerdings dauerte die Party nicht sehr lange und der Kater kam heftig. Schon am Freitag rauschte der DAX wieder in den Keller und schloss nur etwas mehr als 70 Zähler über dem Wochentief, dafür aber fast 230 Punkte unter dem Wochenhoch.

Doch schauen wir uns einmal genauer an, was die Kurskapriolen der Woche ausgelöst oder verstärkt hat.

Kocht die Schuldenkrise in der EU wieder hoch?

Da wäre zum einen die Regierungskrise in Portugal zu nennen. Aber auch die erneuten Querelen mit Griechenland waren natürlich nicht geeignet, positive Stimmung zu schaffen. Und aus China gab es erneut schwächere Konjunkturdaten. Hier sank der Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungssektor von 54,3 auf 53,9 Punkten. Dies alles dürfte die Märkte zu Wochenbeginn unter Druck gebracht haben.

ADP-Arbeitsmarktbericht leitete Kursrallye im DAX ein

Für Kursgewinne sorgten erst die Zahlen vom Arbeitsmarkt-Dienstleister Automatic Data Processing Inc. (ADP), die am Mittwoch um 14:30 Uhr veröffentlicht wurden. Laut dem Bericht entstanden im Mai 188.000 Stellen. Analysten hatten lediglich mit 160.000 gerechnet, nach 134.000 Stellen zuvor.
Die positive Marktreaktion war etwas ungewöhnlich, denn bislang stieg mit positiven Arbeitsmarktdaten die Wahrscheinlichkeit für ein schnelleres Ende der Anleihekäufe durch die Fed, weshalb es zur Veröffentlichung der Daten in der Vergangenheit regelmäßig zu Kursverlusten kam.

EZB beschleunigte die Aufwärtsbewegung im DAX

Mitverantwortlich für den weiteren Anstieg der Kurse am Donnerstag war die EZB. Deren Präsident Mario Draghi teilte in einer Pressekonferenz nach der Zinssitzung mit, dass die Zinsen in Europa für längere Zeit auf dem aktuellen oder sogar auf einem noch niedrigeren Kurs verharren werden.
Letzteres ließ sogar weitere Zinssenkungen erwarten. Und damit tritt die EZB nun eindeutig NICHT in die Fußstapfen der amerikanischen Notenbank, die bereits über einen schrittweisen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nachdenkt. Die Märkte bejubelten die Möglichkeit, dass die EZB für einen Ausgleich zur Fed sorgen könnte.

Die positive Entwicklung des DAX kam dabei ohne Unterstützung aus den USA zustande. Dort wurde am Donnerstag der Unabhängigkeitstag, also der Nationalfeiertag der USA, feierlich begangen, weshalb die US-Börsen geschlossen blieben.

US-Arbeitsmarktdaten beendeten DAX-Börsenparty

Während am Mittwoch die positive Marktreaktion auf den ADP-Arbeitsmarktbericht etwas unerwartet ausfiel, setzte am Freitag wieder "business as usual" ein. Als der offizielle US-Arbeitsmarkt für Juni veröffentlicht wurde und recht deutlich über den Erwartungen ausfiel, brachen die Märkte aus den gewohnten Motiven ein.

Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag mit 195.000 deutlich über den 160.000 erwarteten Stellen. Auch die Werte für die Vormonate wurden, zum Teil beachtlich, nach oben revidiert. So sind im Mai nun ebenfalls 195.000 Stellen geschaffen worden, nach zuvor lediglich 175.000 gemeldeten Stellen. Und der Wert für April wurde gar von zuvor 149.000 auf nun 199.000 Stellen revidiert.

Zwar wurden die positiven Daten zunächst mit einem Kursanstieg gewürdigt (siehe folgender Chart), doch kurz darauf setzte sich wieder die Angst vor einem Ende der expansiven Geldpolitik durch. In der Folge verlor der DAX rund 200 Punkte.

Reaktion des DAX auf den US-Arbeitsmarktbericht

Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote hat sich dabei nicht verändert. Sie notiert, wie bereits im Vormonat, bei 7,6 Prozent.
Die Fed hat ihr weiteres Vorgehen explizit an diese Arbeitslosenquote gekoppelt. So gesehen, hätten sich die Anleger keine Sorgen machen müssen, aber sie taten es trotzdem. Und zwar weil die neu geschaffenen Stellen mittlerweile auf eine nachhaltigere Erholung des US-Arbeitsmarktes hindeuten.

Ausblick

Auch in Zukunft kann es daher sein, dass der offizielle US-Arbeitsmarktbericht die Märkte immer wieder in den Keller reißt. Trotzdem kann es zwischen der Veröffentlichung dieser monatlichen Daten immer wieder zu steigenden Kursen kommen. Denn wenn sich der Arbeitsmarkt erholt, dann erholt sich auch die US-Wirtschaft. Und dies geht sicherlich einher mit einer Verbesserung der Gewinne der Unternehmen. Das wiederum sollte sich positiv bei den Einzelaktien und damit auch in den US-Indizes auswirken.

Fallende Kurse durch US-Konjunkturdaten und steigende Kurse aufgrund möglicher Gewinnsteigerungen der US-Unternehmen dürften sich in den kommenden Wochen aufheben. Auch das spricht also dafür, dass wir im Sommer eher eine Seitwärtsbewegung erleben werden, so wie wir es in den vorangegangenen Ausgaben bereits erwartet haben und wie sie sich inzwischen abzeichnet.

Nachdem nun die Notenbanken getagt haben und der für die Märkte so wichtige monatliche US-Arbeitsmarktbericht bekannt ist, könnte es bereits in dieser Woche zu einer deutlichen Marktberuhigung und damit zu einer abnehmenden Volatilität kommen. Insbesondere auch, weil der Wirtschaftskalender deutlich leerer ist und die Politik in die Sommerpause geht, womit von dieser Seite ebenfalls kursbewegende Faktoren ausbleiben.

Wegen der Bundestagswahlen im Herbst könnte es allerdings zu entsprechendem "Wahlkampfgetöse" kommen, womit die Sommerpause in Deutschland kürzer als sonst ausfallen dürfte. Mit vereinzelten, plötzlichen und nicht erklärbaren Kurssprüngen, die wir für diese Zeit prognostiziert haben, muss man also weiterhin rechnen. Politische Börsen haben aber bekanntlich kurze Beine, weshalb sich diese Bewegungen im Weiteren meist egalisieren und sich häufig als Fehlsignale herausstellen.

Zudem steht bereits eine Alternative bereit, auf welche die Investoren ab dieser Woche ihren Fokus legen werden. Denn heute startet die Quartalsberichtsaison. Unternehmenszahlen rücken damit in den Vordergrund.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus



Termine der Woche

(KW 28)


Montag, 08.07.2013

  • 08:00 - DE: Außenhandel Mai
  • 12:00 - DE: Produktion prod. Gewerbe Mai
  • 21:00 - US: Verbraucherkredite Mai


Dienstag, 09.07.2013

  • 08:00 - DE: Umsatz verarb. Gewerbe Mai
  • 14:55 - US: Redbook


Mittwoch, 10.07.2013

  • 08:00 - DE: Verbraucherpreise Juni
  • 08:00 - DE: Insolvenzen April
  • 16:00 - US: Großhandel Mai
  • 20:00 - US: FOMC Sitzungsprotokoll


Donnerstag, 11.07.2013

  • 08:00 - DE: Großhandelspreise Juni
  • 14:30 - US: Einfuhrpreise Juni
  • 14:30 - US: Ausfuhrpreise Juni
  • 14:30 - US: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 20:00 - US: Staatshaushalt Juni


Freitag, 12.07.2013

  • 11:00 - EU: Industrieproduktion Mai
  • 14:30 - US: Erzeugerpreisindex Juni
  • 15:55 - US: Verbraucherstimmung Uni Michigan Juli


Marktüberblick

DAX

Nach einer wahren Achterbahnfahrt, in der es zu wilden Auf- und Abwärtsbewegungen kam, beendete der DAX die abgelaufene Handelswoche mit einem Minus von 1,93 Prozent. Aufgrund des tieferen Tiefs am Mittwoch kann man aber trotz der Verluste von einer Seitwärtsbewegung sprechen.

DAX Wochenverlauf

Diese zeichnet sich insbesondere ab, wenn man über den Tellerrand hinausschaut und den DAX-Verlauf (im folgenden Chart) etwas langfristiger betrachtet.

DAX - kurzfristige Chartanalyse

Interessant ist, dass sich der DAX im Rahmen der Seitwärtstendenz (dunkelblaues Rechteck) einkeilt. Von oben drückt eine (rote) Abwärtstrendlinie auf den Kurs, die schon seit dem Hoch bei 8.557,86 Punkten Bestand hat, von unten stützt den Kurs eine Aufwärtstrendlinie, die aber wegen ihrem bislang kurzen Bestehen eine geringere Relevanz hat. Dennoch dürfte der Bruch einer dieser Linien weiteres Potential in die entsprechende Richtung mit sich bringen.

Wir hatten die Etablierung einer kurzfristigen Seitwärtsphase für "sehr wahrscheinlich" gehalten, auch weil sie in Sommermonaten durchaus nicht unüblich ist. Sie könnte sich innerhalb der Trendlinien noch etwas fortsetzen. Kommt es dann zu einem Bruch, dürfte sich die Range etwas ausweiten.

Da wir aufgrund der Fibonacci-Marken jedoch noch weiteres Korrekturpotential für den DAX sehen, halten wir tiefere Kurse in den kommenden Wochen für unvermeidlich. Bis zum Mindestkorrekturkursziel von 38,20-Pozent der vorangegangenen Aufwärtsbewegung hat der DAX noch Platz bis auf 7.548 Zähler.

DAX Chartanalyse - Fibonacci-Kursziele

Zumal Korrekturen häufig in drei Wellen ablaufen. Auf eine erste Abwärtswelle folgt oft lediglich eine Gegenbewegung (die wir aktuell gesehen haben), bevor es im Anschluss daran zu einer zweiten Abwärtswelle kommt. Diese steht noch aus.
Sie könnte allerdings auch erst im Rahmen der saisonalen Herbstschwäche ausgebildet werden und bis dahin könnten die Kurse in den Sommermonaten noch weiter seitwärts tendieren.

S&P500

Interessant ist, dass sich die US-Märkte am Freitag nach den US-Arbeitsmarktdaten deutlich besser halten konnten als der DAX. Damit konnte sich der breit gefasste S&P500 in der abgelaufenen Handelswoche weiter von seinem ehemaligen Allzeithoch nach oben hin absetzen. Doch nun stößt er an einen Abwärtstrend, der sich seit dem neuen All-Time-High Ende Mai gebildet hat. Dieser verläuft bei aktuell 1.633 Punkten und könnte in der kommenden Woche eine kleine Hürde darstellen.

S&P500 stößt an Widerstand

Wenn es, wie von erwartet, zu einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung kommen soll, dann müsste der Kurs nun an dieser Linie scheitern und wieder zurückfallen. Ansonsten bleibt die Möglichkeit, dass die Seitwärtsrange deutlich breiter ausfällt. An einer weitergehenden Aufwärtsbewegung in den Sommermonaten glauben wir nicht.

EUR/USD

Weiterhin ist die Marke von 1,30 US-Dollar Dreh- und Angelpunkt für den Euro. Nachdem der Kurs einige Tage um dieses Niveau pendelte, fiel der Kurs in Folge der Ansage von Mario Draghi und des US-Arbeitsmarktberichts wieder darunter. Damit ist der Wechselkurs lediglich wieder am unteren Ende unserer Seitwärtsrange angekommen.

EUR/USD Chartanalyse

Und letztlich hat der Euro damit nur auf die Aussagen Draghis und den US-Arbeitsmarktbericht sinnvoll reagiert. Denn beides sind gute Gründe für einen schwachen Euro. Während das Angebot der EZB-Währung laut Draghi noch sehr lange hoch bleiben wird, deutet der US-Arbeitsmarktbericht immer mehr darauf hin, dass die Fed die Versorgung mit US-Dollars zurücknehmen wird. Diese veränderte Marktsituation spiegelt sich nun im Wechselkurs wider. Und es ist auch damit kaum mehr zu erwarten, dass er einen Bruch auf über 1,35 US-Dollar schafft. Wahrscheinlicher ist, dass er nun nach unten hin durchgereicht wird.

Gold

Wir sahen in den jüngsten Kursverlusten im Goldpreis eine Übertreibung. Aus unserer Sicht erfolgte der Kursrutsch zu schnell, weshalb eine etwas länger anhaltende Konsolidierung folgen sollte. Gold sollte nach unseren Erwartungen aus der vorangegangenen Ausgabe noch etwas weiter zulegen und dann auf diesem Niveau eine Zeit lang seitwärts tendieren. Beim Blick auf den aktuellen Chart zeigt sich, dass diese Prognose hätte nicht besser ausfallen können.

Gold Chartanalyse

Wir erwarten nun weiterhin eine Bodenbildung, die dann auch im Rahmen des kurzfristigen Abwärtstrendkanals (rot) zu Kursen von über 1.300 USD führen kann. Leider neigt der Goldpreis aber derzeit sehr stark zur Schwäche. Die Bodenbildung bedarf also noch etwas Zeit und das Kurstief ist womöglich noch nicht ganz erreicht.



Gastbeitrag
von Nicolai Tietze

Mit festem Hebel am Markt agieren: Faktor-Zertifikate

Nicolai Tietze ist Director Deutsche Asset & Wealth Management der Deutschen Bank. In seiner Funktion als Investment-Experte der Deutschen Bank ist er mitverantwortlich für die Produktpallette von Hebelprodukten und Zertifikaten und für verschiedene Kundenmagazine von db-X markets.


Nicolai Tietze, Director Deutsche Asset & Wealth Management der Deutschen BankFaktor-Zertifikate erfreuen sich bei spekulativ orientierten Anlegern immer größerer Beliebtheit. Grund genug sich einmal genauer dieses Produkt anzuschauen und die Vor-und Nachteile einmal im Detail zu erläutern:

Mit Faktor-Zertifikaten können Anleger den Basiswert (z.B. DAX oder Gold) mit einem festem Hebel ("Faktor") folgen. Und zwar ohne eine Knock-out-Schwelle, einen Basispreis oder eine Laufzeit beachten zu müssen. Auch ein plötzlicher Totalverlust durch ungünstige Kursbewegungen droht im Gegensatz zu Optionsscheinen und Knock-out-Produkten nicht. Denn dies verhindert eine Anpassung bei extremen Marktbewegungen.

Die Faktor-Zertifikate von der Deutschen Bank gibt es sowohl für steigende Kurse (Faktor-Long) als auch für fallende Kurse (Faktor-Short) auf die Basiswerte DAX, Bund-Future, Gold, Silber, Platin und Palladium.

Besondere Basiswerte

Faktor-Zertifikate bilden die tägliche prozentuale Wertänderung des Basiswertes mit dem gewählten Faktor ab. Der Hebel beziehungsweise Faktor bleibt täglich gleich. Das ist möglich, da sich die Faktor-Zertifikate je auf einen gehebelten DAX beziehen, den die Deutsche Börse anbietet. Die steigende DAX-Entwicklung stellt der LevDAX dar, die inverse DAX-Entwicklung der ShortDAX. Sie bilden auf Tagesbasis die DAX-Entwicklung je mit einem Hebel nach. Ein Faktor-Long-Zertifikat auf den DAX hat also den LevDAX, ein Faktor-Short-Zertifikat den ShortDAX als Basiswert. So folgen die Zertifikate direkt der gehebelten DAX-Entwicklung.

Das bringt gleich mehrere Vorteile, allen voran eine hohe Transparenz. Denn bei den Faktor-Zertifikaten zu Grunde liegenden Index handelt es sich um offizielle, veröffentlichte Strategie-Indizes, die zum Beispiel von der Deutschen Börse berechnet werden.

Die Faktorwirkung

Ein Beispiel: Angenommen, ein Anleger erwartet, dass der DAX steigen wird, und investiert daher in ein Faktor 4 × Long Zertifikat auf den DAX. Dieses Faktor-Zertifikat kostet im Beispiel 100 Euro. Binnen eines Tages steigt der DAX um ein Prozent. Dann notiert das Faktor-Zertifikat am Abend bei 104 Euro. Am Folgetag steigt der DAX wieder um ein Prozent. Und auch der Wert des Faktor-Zertifikats nimmt um vier Prozent zu – dieses Mal jedoch ausgehend von 104 Euro. Am zweiten Tag steigt der Wert des Zertifikats also um 4,16 Euro statt vier Euro.

Im umgekehrten Fall, wenn der DAX also am ersten Tag um ein Prozent fallen sollte, notiert das Faktor-Zertifikat bei 96 Euro. Fällt der DAX am zweiten Tag wieder um ein Prozent, sinkt auch der Wert des Faktor-Zertifikats um vier Prozent. Allerdings dieses Mal ausgehend von nur noch 96 Euro. Am zweiten Tag fällt der Wert des Faktor-Zertifikats demnach um 3,84 Euro und nicht mehr vier Euro.

Das heißt: Wenn sich die Kurse in die gewünschte Richtung entwickeln, gibt es einen positiven kumulativen Effekt.

Der Anpassungsmechanismus

Eine Besonderheit an Faktor-Zertifikaten ist der Anpassungsmechanismus bei extremen Marktbewegungen. Sollte sich der Basiswert deutlich entgegen der erwarteten Entwicklung bewegen, greift ein spezieller Mechanismus: Wenn z.B der DAX im Laufe eines Handelstages die Verlustschwelle von 25 Prozent bei Faktor 2 × Zertifikaten oder 12,5 Prozent bei Faktor 4 × Zertifikaten oder 8,34% bei Faktor 6x erreicht, wird ein neuer Handelstag simuliert und damit die Berechnungsgrundlage angepasst. Das ist dann der Fall, wenn einer der gehebelten Indizes 50 Prozent an Wert verlieren sollte. Damit beziehen sich alle weiteren Kursbewegungen nicht mehr auf den Schlusskurs des Vortages, sondern auf den letzten DAX-Stand, der galt, bevor der Anpassungsmechanismus ausgelöst wurde. Die Berechnungsbasis, auf die sich jede weitere Veränderung des DAX bezieht, wird also halbiert. Bei gleicher prozentualer Veränderung verringert sich dadurch der absolute Betrag.

Chancen in trendstarken Phasen

Faktor-Zertifikate können besonders in trendstarken Phasen Chancen bieten. Denn der kumulative Effekt kann dann seine volle Wirkung entfalten. In trendstarken Phasen können sich Faktor-Zertifikate auch für Buy-and-Hold-Strategien eignen. Immerhin führen auch größere Kursrückgänge nicht zum plötzlichen Totalverlust, wie es etwa der Fall wäre, wenn ein Knock-out-Produkt eine Knock-out-Schwelle berührt. Wegen der Berechnung auf täglicher Basis entspricht dann allerdings die Entwicklung, die sich daraus ergibt, nicht mehr exakt der doppelten Wertentwicklung des DAX über den gleichen Zeitraum.

Risiken in volatilen Seitwärtsphasen

Nachteilig sind hingegen volatile Seitwärtsphasen. Denn in diesen Phasen kann das Faktor-Zertifikat an Wert verlieren, obwohl der Basiswert am Ende der Seitwärtsphase wieder sein ursprüngliches Kursniveau erreicht.

Auf einen Blick

Zusammenfassen lässt sich sagen, das Faktor-Zertifikate für risikofreudige Anleger mit kurz- bis mittelfristigem Investitionshorizont interessant sein könnten. Die potenziellen Gewinne sind insbesondere in trendstarken Phasen höher als bei Knock-out-Produkten mit anfänglich gleich großem Hebel. Im Gegensatz zu Knock-out-Produkten gibt es aber keine Knock-out-Schwelle, bei deren Berühren der Totalverlust droht.

Die täglichen Preisänderungen sind transparent und leicht zu prüfen. Die implizite Volatilität, die die Preiskalkulationen bei klassischen Optionsscheinen erschwert, spielt bei Faktor-Zertifikaten ebenfalls keine Rolle. Allerdings erhalten Anleger während der Laufzeit keine laufenden Erträge wie etwa Zinsen. Anlegern stehen zudem keine Ansprüche aus dem Basiswert, etwa Stimmrechte und Dividenden, zu. Außerdem sollten Anleger beachten, dass auch ein Faktorzertifikat eine Inahberschuldverschreibung ist und somit dem Emittentenrisiko unterliegt.

In Faktor-Zertifikaten steckt also definitiv viel Energie. Anleger müssen nur entscheiden, welches Kraftpaket für sie das Richtige ist.

 

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...