Börsen verhalten sich wie Spielbälle der Notenbanken +++ Chartanalysen zu DAX, HeidelbergCement, ThyssenKrupp, Dürr und EUR/USD

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse - Börsen verhalten sich wie Spielbälle der Notenbanken
  2. Chart-Check - Chartanalysen zu DAX, HeidelbergCement, ThyssenKrupp, Dürr und EUR/USD (DAF-Interview)
  3. Konjunktur-Radar - Dahin steuert die US-Wirtschaft
  4. Termine der Woche
  5. Einzelwert-Analyse - ThyssenKrupp: Wie kann man jetzt von der Aktie profitieren?

 

›› Marktanalyse
- Börsen verhalten sich wie Spielbälle der Notenbanken

von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin der abgelaufenen Woche wurde insbesondere das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed mit Spannung erwartet, welches am Mittwochabend (MEZ) veröffentlicht wurde.

Keine Einigkeit bei Notenbankvertretern

Darin war zu lesen, dass viele der Notenbankvertreter bei einer Aufhellung der Wirtschaftslage damit beginnen wollen, die Anleihekäufe zu drosseln. Einige Mitglieder des FOMC sprachen sich sogar dafür aus, bereits auf „einer der nächsten Sitzungen“ damit zu beginnen, andere schlugen dagegen vor, die Märkte vor einem Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes zuvor verbal darauf vorzubereiten.

Immer wieder nur die gleichen Absichtserklärungen

Diese Vorhaben sind zwar interessant, aber nicht wirklich neu. Und verbale Vorbereitungen haben die Märkte längst erhalten. Wirklich spannend wäre die Benennung eines konkreten Termins gewesen. Alles andere sind nur immer wieder die gleichen Absichtserklärungen, über die wir hier auch schon diverse Male berichtet haben.

Aus Sicht der Börsen wurde rückte der Dezember wieder in den Fokus

Dennoch haben die Märkte auf das Fed-Protokoll stark reagiert. Sie haben es dahingehend interpretiert, dass der Dezember-Termin für das Tapering wieder wahrscheinlicher geworden ist, und den DAX am Donnerstag daher mit einer riesigen Abwärtslücke (siehe rote Markierung im folgenden Chart) in den Handel geschickt.

DAX - Abwärtslücke am Donnerstag

Aktuelle Wirtschaftsdaten aus den USA sprechen gegen den Dezember-Termin

Betrachtet man die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA, über die wir bereits jeweils zeitnah in der vergangenen Woche auf unserer Facebook-Seite berichtet haben, und die ich auch nachfolgend noch im „Konjunktur-Radar“ sehr genau unter die Lupe nehmen werde, dann muss man dagegen eher davon ausgehen, dass die Fed mit der Eindämmung der Geldflut erst Anfang kommenden Jahres beginnen wird. Entsprechend war die Reaktion der Märkte aus unserer Sicht übertrieben.

Dies realisierten wohl auch die Märkte sehr schnell und sie egalisierten die anfänglichen Kursverluste im Handelsverlauf des Donnerstags wieder.

Börsen verhalten sich wie Spielbälle der Notenbanken

Grund für die Kurserholung dürften aber auch Aussagen der EZB gewesen sein, wonach ein negativer Einlagenzins vorstellbar sei. Weil durch einen negativen Einlagenzins noch mehr Geld in die Märkte fließen könnte und Liquidität derzeit die Triebfeder und der Motivator der Börsen ist, war diese Meldung klar positiv für den Aktienmarkt.

Weiterhin die US-Daten sehr genau beobachten

Obwohl die jüngsten Konjunkturdaten mehrheitlich schwächer ausfielen, ist ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen in den USA im Dezember noch nicht vom Tisch. Es hängt von den weiteren Konjunkturdaten ab, die wir für Sie beobachten und über die wir auch weiterhin ausführlich berichten werden. Insbesondere der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für den Monat November, der Anfang Dezember und damit noch vor der nächsten Fed-Sitzung (17./18. Dezember) veröffentlicht wird, kann das Pendel noch deutlich ausschlagen lassen – in beide Richtungen: pro und contra Tapering im Dezember. Für die Börsen (und damit auch für uns) gibt es derzeit nichts Wichtigeres.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chart-Check
- Chartanalysen zu DAX, HeidelbergCement, ThyssenKrupp, Dürr und EUR/USD (DAF-Interview)

von Sven Weisenhaus

Gewöhnlich erhalten Sie hier an dieser Stelle eine charttechnische Analyse zum DAX, zum S&P500, zum Wechselkurs EUR/USD und zum Goldpreis.

Ihr Chefredakteur hat am vergangenen Donnerstag allerdings wieder ein Experten-Interview für das Deutsche Anleger Fernsehen DAF geben. In der Sendung „Börse live“ ging es zwar auch um die charttechnische Einschätzung des DAX und des Währungspaares EUR/USD, doch statt des S&P 500 und des Goldpreises wurden die Aktien von HeidelbergCement, ThyssenKrupp und Dürr beurteilt.
Statt des üblichen Chart-Checks erhalten Sie daher dieses Mal die Wiedergabe des Interviews.


Frage1:
Der DAX konnte sich gestern ganz knapp über die Marke von 9.200 Punkten retten. Wie könnte es jetzt weitergehen?

Nach unten! So sieht es zumindest heute erst einmal aus. Gestern sind die US-Börsen bereits nach unten tendiert, der DAX wird daher heute folgen. Und dafür gibt es charttechnisch auch beste Gründe:

Wir haben seit Herbst 2011 einen schönen Aufwärtstrend (blau im Chart) gesehen. Aktuell ist der DAX an die obere Begrenzung des Trendkanals gestoßen.

DAX - Chartanalyse

Innerhalb dieses Trendkanals ist es zu Trendbeschleunigungen gekommen und nun ist einfach eine Korrektur notwendig. Ich rechne damit, dass zumindest die rote, steile Aufwärtstrendlinie gebrochen wird und wir einen kleinen Rücksetzer bekommen.


Frage 2:
Schauen wir uns auch einige Einzelwerte an und beginnen wir mit HeidelbergCement. Wie ist denn der Konzern oder die Aktie im Moment charttechnisch positioniert?

Auf der Aktie liegt derzeit ein Deckel bei ca. 60 Euro (rote horizontale Linie im folgenden Chart). Wir haben auch hier (Anmerkung: genau wie im DAX) seit Herbst einen schönen Aufwärtstrendkanal (grün im Chart) gesehen.
Innerhalb dieses Trendkanals bildet sich im kurzfristigen Bereich, also seit etwa Anfang dieses Jahres, ein aufsteigendes Dreieck aus (blaue Linien).

Chartanalyse - HeidelbergCement

Beim aufsteigenden Dreieck handelt es sich in der Charttechnik um eine trendbestätigende Formation, so dass wir hier einen Ausbruch auf über 60 Euro bald sehen können.

Dennoch wird die Aktie von HeidelbergCement, wenn wir im Gesamtmarkt bald eine Korrektur sehen, noch einige Zeit für diesen Ausbruch benötigen. Höhere Kurse sind aber dann möglich.

Ein zusätzliches Problem lässt sich im längerfristigen Bereich sehen, das heißt vor 2010, da sich ab dort ebenfalls ein Trendkanal einzeichnen lässt (rot im folgenden Chart), der zusätzlich Druck auf den Kurs ausübt. Die Widerstandsmarke von 60 Euro wird dadurch zu einem extrem hartnäckigen Widerstand.

Chartanalyse - HeidelbergCement langfristig

Wenn diese Marke von 60 Euro allerdings überwunden werden kann, dann sollte sich entsprechendes Aufwärtspotential entladen und dies dann der Startschuss für einen ordentlichen Kursanstieg sein.


Frage 3:
Dann schauen wir mal auf ThyssenKrupp. Der Konzern sollte eigentlich heute seine Quartalszahlen veröffentlichen, hat dies aber nun verschoben. Was sagt die Charttechnik zu ThyssenKrupp?

Charttechnisch sind wir seit ungefähr Mitte 2012 bei ThyssenKrupp in eine Seitwärtsbewegung übergegangen, die im Hoch bei 19,25 Euro liegt und im Tief der Kurs Richtung 12 Euro tendiert (blaues Rechteck im folgenden Chart).

Chartanalyse - ThyssenKrupp

Die Marke von 12 Euro ist bei der Aktie von ThyssenKrupp auch eine „magische“ Grenze, weil dies die massivste Unterstützung ist, die wir im Chart sehen können. Wir hatten hier auch bereits vor 2009 und im Jahre 2009 schon Anlaufpunkte, wo die Marke von 12 Euro gehalten hat. Daher glaube ich, dass wir in jedem Fall über 12 Euro bleiben werden.

Die Frage ist jetzt, da wir uns aktuell mit dem Kurs von 19,25 Euro am oberen Ende der Seitwärtsrange befinden, ob die Aktie nicht ebenfalls mit nach unten gerissen wird, wenn wir im Gesamtmarkt eine Korrektur erleben werden.

Aber grundsätzlich würde ich hier versuchen, diese Seitwärtsrange zu traden. Das heißt, bei fallenden Kursen immer wieder Aktien einzusammeln und im Bereich der oberen Begrenzung dieser Range beim aktuellen Kursniveau eher zu verkaufen.


Frage 4:
Dann schauen wir noch auf Dürr. Welchen Trend sehen wir denn bei dieser Aktie?

In der Charttechnik nennt man so einen Trend wohl eine „Fahnenstange“. Der Kurs hat hier enorm Gas gegeben. Sowohl in 2012 als auch im aktuell laufenden Jahr haben wir Kursverdopplungen gesehen. Der Kurs hat sich von unter 10 Euro im Jahr 2010 bis auf aktuell über 60 Euro hochgearbeitet.

Chartanalyse - Duerr AG

Eine solche „Fahnenstange“ ist eigentlich immer ein Anzeichen für eine Übertreibung. Bei der Aktie von Dürr haben wir aber das Phänomen, dass der Kurs eigentlich nur in die fundamentale Entwicklung hineingewachsen ist.

Wir haben hier einen sehr kontinuierlichen Umsatzanstieg gesehen und wir haben hier sehr hohe Auftragseingänge gesehen, die sich auch für das letzte Quartal dieses Jahres fortgesetzt haben.

Man kann also bei der Dürr-Aktie eigentlich sagen, dass der Kursanstieg vielleicht übertrieben ist in der Geschwindigkeit, aber an sich gesund, weil er in die fundamentale Entwicklung des Unternehmens hineingewachsen ist. Der Kurs hing der fundamentalen Entwicklung lange Zeit hinterher und hat diese nun lediglich aufgeholt.

Dennoch muss man davon ausgehen, dass hier bald Gewinnmitnahmen erfolgen, weil der Kurs, gemessen beispielsweise am Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), inzwischen ein recht faires Niveau erreicht hat.

In dem Chart sind die Fibonacci-Marken eingezeichnet, und da zeigt sich, dass selbst bei einem Kursrutsch auf knapp über 40 Euro der Aufwärtstrend noch intakt wäre.
Insbesondere daher auch hier der Tipp: Wenn die Kurse zurückkommen, dann kann man auf einem günstigeren Niveau einsteigen.

Aber im Moment muss man einfach sagen, der Trend war so steil und lief so weit, dass hier einfach Kursrücksetzer aktuell wahrscheinlicher sind, als dass sich der Trend in der bisherigen Form fortsetzt.


Frage 5:
Der Euro musste gestern deutlich Federn lassen, nachdem es die Nachrichten rund um die EZB gab. Wie steht es momentan um das Währungspaar EUR/USD?

Die aktuelle Belastung wird sich weiter in dieser Form fortsetzen. Während die Europäische Zentralbank (EZB) nochmals die Zinsen senken musste, angesichts der gesunkenen Inflationsraten, steht gleichzeitig die US-Notenbank „Gewehr bei Fuß“ und will die auch dort extrem expansive Geldpolitik etwas moderater gestalten. Das Ganze nennt sich dann „Tapering“ und meint die Reduzierung der Anleihekäufe. Dies stützt tendenziell den US-Dollar und belastet auf der anderen Seite gleichzeitig den Euro. Wir haben hier also eine Belastung aus fundamentaler Sicht.

Wenn man das Ganze nun charttechnisch betrachtet, dann sieht man einen „Kernbereich“ im Rahmen einer Seitwärtsbewegung, in dem sich der EUR/USD-Wechselkurs die meiste Zeit seit Herbst 2011 aufhielt. Dieser reicht von unter 1,35 bis runter auf 1,28 US-Dollar (blauer Bereich im folgenden Chart).

Chartanalyse - EUR/USD

Ich glaube nun, dass sich der Kurs wieder unterhalb von 1,35 US-Dollar einpendeln und in den nächsten Wochen und Monaten in Richtung 1,32 oder gar 1,30 US-Dollar abwärts tendieren wird.


Das Interview wurde bereits ausgestrahlt. Sie können es sich jederzeit HIER als Video ansehen.

 



›› Konjunktur-Radar
- Dahin steuert die US-Wirtschaft

von Sven Weisenhaus

Vor einer Woche berichteten wir an dieser Stelle über gesunkene Ölpreise, welche fallenden Außenhandelspreisen geführt haben. Da dies die Deflationsgefahr erhöht, könnte die US-Notenbank gezwungen sein, die Geldschleusen weiter offen halten.

Auch der seit Monaten sinkende New York Empire State Index, der sogar in den negativen Bereich gesunken ist, und der Rückgang der Industrieproduktion waren vor einer Woche für mich Anzeichen dafür, dass die Erholung der US-Wirtschaft ins Stocken geraten ist und die Notenbank daher erst im kommenden Jahr die Geldpolitik ändern könnte.

Sinkende Preise in den USA auch auf Verbraucherpreisebene

In der abgelaufenen Handelswoche setzte sich diese Tendenz fort. Auch die Preise auf Verbraucherebene sind gesunken – im Oktober um 0,1 Prozent zum Vormonat. Die Jahresrate liegt hier bei nur noch 1,0 Prozent.

Entwicklung Verbraucherpreise in den USA, seit 1990
(Quelle: Markt-Daten.de) Entwicklung Verbraucherpreise in den USA, seit 1990

Und die US-amerikanischen Erzeugerpreise sind im Oktober um 0,2 Prozent zum Vormonat gesunken. Bereits im Monat zuvor waren die Preise der Erzeuger um 0,1 Prozent gefallen.
Hier liegt die jährliche Rate sogar nur noch bei 0,3 Prozent.

Dazu schrieben wir bereits auf unserer Facebook-Seite: „Solange die Preise fallen und damit mögliche deflationäre Tendenzen drohen, wird die Fed nicht mit dem Tapering beginnen können.“.

Ebenfalls gegen den Dezember-Termin spricht der Philly Fed Index, welcher, genau wie oben erwähnt der New York Empire State Index, gefallen ist. Bereits am Donnerstag berichteten wir den Lesern auf Facebook, dass dieser ebenfalls zu den Frühindikatoren gehörende Index im November sogar stark auf nur noch 6,5 gesunken ist. Im Vormonat hatte er noch bei 19,8 gestanden.

Philly Fed Index
(Quelle: Markt-Daten.de) Philly Fed Index

Zwar deuten hier Werte im positiven Bereich auf eine sich ausweitende wirtschaftliche Aktivität hin, doch nimmt die Geschwindigkeit der Erholung merklich ab.
Die Fed will aber die Anleihekäufe unter anderem erst reduzieren, wenn der Aufschwung stabil ist. Die Werte der jüngsten Wirtschaftsdaten signalisieren eher das Gegenteil.

Erholung am US-Immobilienmarkt ist ins Stocken geraten

Zumal auch die Verkäufe bestehender Häuser in den USA, wie am Mittwoch bekanntgegeben wurde, bereits den zweiten Monat in Folge gesunken sind. Die Zahl fiel um 3,2 Prozent auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 5,12 Millionen, nach noch 5,29 Millionen im September.

Verkäufe bestehender Häuser in den USA, 1 Jahr
(Quelle: Markt-Daten.de) Verkäufe bestehender Häuser in den USA, 1 Jahr

Zwar liegen die Verkäufe damit immer noch um 6,0 Prozent über der Zahl aus dem Vorjahresmonat Oktober 2012 und die Umsätze sind damit bereits zum 28. Mal im Vergleich mit dem Vorjahresmonat gestiegen, doch sind diese statistischen Schönredereien wenig hilfreich. Es ändert nichts daran, dass es sich nun um den zweiten Rückgang in Folge handelt und damit Fakt ist: die Erholung am Immobilienmarkt stockt.

Verkäufe bestehender Häuser in den USA, seit 1999
(Quelle: Markt-Daten.de) Verkäufe bestehender Häuser in den USA, seit 1999

Entsprechend muss die Fed reagieren bzw. eben eventuell keine Änderung an der Geldpolitik im Dezember vornehmen.

Ausblick ist aber noch positiv

Es gab aber auch kleinere Lichtblicke: Bereits am vergangenen Montag wurde der der aktuelle Wert des US-amerikanischen Hausmarktindex der National Association of Home Builders/Wells Fargo ("NAHB/WF Housing Market Index", HMI) für November veröffentlicht. Und dieser ist mit 54 Punkten zumindest unverändert geblieben. Dafür wurde aber der Wert des Vormonats abwärts revidiert – nur deshalb ist der aktuelle Wert nicht gesunken.

NAHB/WF Housing Market Index
(Quelle: Markt-Daten.de) NAHB/WF Housing Market Index

Werte über 50 sind bei diesem umfragebasierten Index aber immerhin positiv zu werten. Und der Index steht mit dem aktuellen Wert für November bereits zum 6. Mal in Folge oberhalb dieser Schwelle, was einen positiven Ausblick auf den Markt für neu gebaute Einfamilienhäusern in den USA signalisiert.

Verbraucher konsumieren wieder mehr

Und der US-amerikanische Umsatz im Einzelhandel ist im Oktober um 0,4 Prozent gestiegen. Im Vormonat war der Umsatz des Einzelhandels in den Vereinigten Staaten noch um 0,1 Prozent gefallen.

Wenige Lichtblicke unter überwiegend schwächeren US-Wirtschaftsdaten

Diese kleineren Lichtblicke werden im Vergleich zu den vielen schwächeren US-Daten kaum ausreichen, damit die Fed am 17./18. Dezember den Beginn des Endes der Anleihekäufe einleitet. Für den Aktienmarkt ist dies eher positiv zu werten.

 



›› Termine der Woche

(KW 48: Handelswoche vom 25.11. bis 29.11.2013)

Sie können die folgenden „Termine der Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.


Montag, 25.11.2013

  • 16:00 - US Anstehende Hausverkäufe Oktober


Dienstag, 26.11.2013

  • 14:30 - US BIP 3. Quartal
  • 14:30 - US Wohnbaugenehmigungen Oktober
  • 14:30 - US Wohnbaubeginne Oktober
  • 15:00 - US Case Shiller Composite-20 Hauspreisindex August
  • 16:00 - US Verbrauchervertrauen November
  • 16:00 - US FHFA Hauspreisindex September


Mittwoch, 27.11.2013

  • 10:00 - DE GfK Konsumklima Studie Dezember
  • 14:30 - US Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter Oktober
  • 14:30 - US Chicago Fed National Activity Index Oktober
  • 15:45 - US Einkaufsmanagerindex Chicago November
  • 15:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan November
  • 16:00 - US Frühindikatoren Oktober


Donnerstag, 28.11.2013

  • - US Feiertag - Thanksgiving Day
  • - US Nasdaq geschlossen
  • - US New York Stock Exchange geschlossen
  • - DE Verbraucherpreise November
  • 08:00 - DE Einzelhandelsumsatz Oktober
  • 08:00 - DE Außenhandelspreise Oktober
  • 09:55 - DE Arbeitsmarktdaten Oktober
  • 10:00 - EU Geldvolumen Eurozone Oktober
  • 11:00 - EU Geschäfts- u. Verbraucherstimmung Oktober
  • 11:00 - EU Geschäftsklimaindex Eurozone November
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)


Freitag, 29.11.2013

  • 08:00 - DE Großhandelsumsatz 3. Quartal
  • 11:00 - EU Vorabschätzung Inflation Eurozone November
  • 11:00 - EU Arbeitslosigkeit Oktober

 



›› Einzelwert-Analyse
- ThyssenKrupp: Wie kann man jetzt von der Aktie profitieren?

von Sven Weisenhaus

An dieser Stelle komme ich noch einmal zurück auf meine Einschätzung der ThyssenKrupp-Aktie, die ich in dem Experten-Interview für das Deutsche Anleger Fernsehen DAF abgegeben habe. Die ThyssenKrupp-Aktie war auch schon mehrfach Thema hier im Geldanlage-Brief.

Mit der ThyssenKrupp-Aktie konnte man bereits ordentliche Gewinne erzielen

Am 18.03.2013 war dieses Unternehmen das erste, welches wir im neuen Geldanlage-Brief-Design präsentiert haben. Damals hieß unser Fazit: Kauf bei 15,50 bis 16,50 Euro, Verkauf bei 19 Euro. Rückblickend betrachtet sicherlich kein schlechter Tipp: Auch wenn der Kurs zwischenzeitig noch tiefer lag, wäre dennoch bis heute ein derartiger Trade gewinnbringend gewesen. Der Einstiegskurs wurde erreicht und auch das Kursziel (siehe blauer Pfeil im Chart).

ThyssenKrupp - Analyse vom 18.03.2013

Zumal wir am 22. April unsere Einschätzung bei einem Kurs von unter 14 Euro noch einmal bekräftigten. Im Idealfall waren Kursgewinne von mehr als 35 Prozent möglich.

„ThyssenKrupp - Bei fallenden Kursen noch Gewinn machen“

Da unser Kursziel von rund 19 Euro erreicht war und man somit innerhalb der von uns identifizierten Seitwärtsrange zunächst wieder mit fallenden Kursen rechnen musste, griffen wir die Aktie am 7. Oktober noch einmal auf und stellten Ihnen eine alternative Investment-Idee vor, mit der man auch bei fallenden Kursen noch Gewinne erzielen konnte („ThyssenKrupp - Bei fallenden Kursen noch Gewinn machen“).

Und tatsächlich konnte der Kurs seitdem kaum noch zulegen. Vom Kurs am 7. Oktober bei 18,30 Euro konnte die Aktie nur noch auf etwa 19,60 Euro zulegen, klebt unterhalb der oberen Begrenzung der großen Seitwärtsrange fest und hat dabei eine engere, neue Seitwärtsrange zwischen ca. 18,30 und 19,50 Euro etabliert (blaues Rechteck im folgenden Chart).

ThyssenKrupp - Analyse im Oktober 2013

Mit Aktienanleihen der Deutschen Bank, welche wir im Geldanlage-Brief genau für diesen Fall vorgestellt haben, konnte man der Entwicklung ganz entspannt zuschauen. Die Aktienanleihe mit der WKN DX4QX9 hat eine Laufzeit bis zum 17.12.2013 und einen festen Zinssatz pro Jahr von recht ordentlichen 9 Prozent. Und da der Kurs der Anleihe im Oktober nur bei 95 Euro stand, die Rückzahlung aber zu 100 Prozent erfolgt, war alleine dadurch ein zusätzlicher Gewinn, neben dem Zinsertrag, von über 5 Prozent möglich.

Aktuell steht die Anleihe bei über 98 Prozent. Ein Kauf lohnt sich nun nicht mehr, weil die Laufzeit bald endet und man nur noch einen geringen anteiligen Zins von den 9 Prozent Zinsen pro Jahr erhält.

Wie kann man jetzt noch von der ThyssenKrupp-Aktie profitieren?

Daher stellt sich nun die Frage: Wie kann man jetzt noch von der ThyssenKrupp-Aktie profitieren? Steigt die Aktie zukünftig oder fällt sie eher? Welches ist das geeignete Trading-Instrument? Sollte man direkt auf die Aktie setzen oder einen Umweg über alternative Investmentprodukte gehen?

In dem Interview hatte ich angegeben, dass die Aktie wohl über 12 Euro bleiben wird, weil wir hier eine massive Unterstützung haben. Zumal das Unternehmen bei 12 Euro gemessen am aktuellen Kurs von fast 19 Euro durch den dann bereits erfolgten Kursverlust schon um mehr als ein Drittel günstiger bewertet wäre.

Massive Probleme belasten den Aktienkurs

Aber wie viel ist das Unternehmen eigentlich wert? Wäre ein derartiger Kursverlust vielleicht sogar gerechtfertigt? Schließlich haben sich die Stahlwerke in Brasilien zu einem Milliardengrab entwickelt und die Substanz des Unternehmens gewaltig angegriffen, weshalb jüngst sogar über notwendige Kapitalmaßnahmen spekuliert wurde. Und in einer Meldung vom 19. November teilte das Unternehmen dem Kapitalmarkt mit, dass die Aufstellung des Jahresabschlusses bis zum 2. Dezember 2013 verschoben werden muss. Keine guten Gründe für einen Kauf der Aktie.

Verkauf eines Stahlwerks steht kurz bevor

ThyssenKrupp befindet sich allerdings in exklusiven Verhandlungen über einen möglichen Verkauf der US-amerikanischen Stahlwerke in Calvert/Alabama. Damit stünde aber auch fest, dass das defizitäre Werk in Brasilien weiterhin im Konzern verbleibt.

Doch diese Lösung könnte sogar vorteilhaft sein. Denn man könne zunächst den Turnaround in Brasilien vollziehen und erst dann den Verkauf. Dies könnte den Wert des dortigen Stahlwerks erhöhen und die Verluste insgesamt dadurch verringern.

Geschäftsentwicklung

Schauen wir uns noch einmal die Kennzahlen zur ThyssenKrupp-Aktie, über die wir am 17. März berichteten, in aller Kürze an:

ThyssenKrupp - Kennzahlen zur Aktienanalyse

Das KBV war nicht sonderlich günstig, das KUV und das KGV dagegen schon, angesichts der rückläufigen Geschäftsentwicklung mussten diese Werte aber relativiert werden.

Wie sich die Geschäfte entwickelt haben, zeigt die folgende Übersicht, in der ich die Daten aus der Analyse im März den aktuellen Unternehmenszahlen für die ersten 9 Monate des Geschäftsjahres 2012/2013 gegenübergestellt habe.

ThyssenKrupp - fundamentale Analyse

An der Veränderung des Vermögens sieht man, dass einige Aktivitäten eingestellt wurden. Das Vermögen ist gesunken, vermutlich durch Verkäufe. Denn es wurde gleichzeitig ein positiver CashFlow generiert, der die liquiden Mittel deutlich erhöht und die Verbindlichkeiten reduziert hat.

Die Konsolidierung der Geschäftsaktivitäten hat auch zu einem geringeren Auftragseingang geführt, was auf weiter sinkende Umsätze hindeutet. Dies spiegelt sich auch bereits in der Umsatzentwicklung wider: der Umsatz der ersten 9 Monate ist um 16 Prozent gesunken und der Umsatz des Gesamtjahres soll nach unternehmenseigenen Angaben unter dem Umsatz des Vorjahres von 40 Mrd. Euro liegen.

Auch der Unternehmensgewinn ist noch belastet. Das EBIT ist um 28 Prozent gesunken, ist aber zumindest noch positiv, nach Steuern fiel aber ein Verlust an. ABER: im 3. Quartal ist das EBIT bereits wieder um 38 Prozent auf 332 Mio. EUR angestiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal und das Ergebnis nach Steuern lag mit 403 Mio. Euro wieder deutlich im positiven Bereich.

Geschäftsausblick

Für das Geschäftsjahr 2012/13 erwartet ThyssenKrupp, dass der Konzernumsatz im 4. Quartal gegenüber dem 3. Quartal zulegen, jedoch im Gesamtjahr unter dem Niveau des Vorjahres (Umsatz 2011/2012: 40,1 Mrd. EUR) bleiben wird.

Das bereinigte EBIT aus fortgeführten Aktivitäten des Konzerns soll 2012/2013 bei rund 1 Mrd. EUR liegen.

Fazit

Das operative Ergebnis und der Free Cash Flow im laufenden Geschäftsjahr zeigen eine deutlich positive Entwicklung.

Die Eigenkapitalquote ist zwar mit nur 8 Prozent sehr gering, doch mit flüssigen Mitteln und freien, zugesagten Kreditlinien in Höhe von insgesamt 7,2 Mrd. Euro zum 30. Juni 2013 ist ThyssenKrupp solide finanziert. Die Liquiden Mittel machen alleine schon 38,5% der Marktkapitalisierung aus.
Ein Verkauf der Stahlwerke in den USA würde die Bilanz und die Finanzierung des Konzerns noch einmal deutlich verbessern.

Aktuellere Informationen wird man voraussichtlich heute in einer Woche erhalten. Am 2. Dezember wird es eine Bilanzpressekonferenz geben, zu der auch der verschobene Jahresabschluss veröffentlicht werden soll. Ich vermute, dass dann auch der Verkauf der US-Stahlwerke bereits in Trockenen Tüchern sein wird und der Geschäftsbericht bereits die aktuellen Zahlen dazu beinhalten wird.

ThyssenKrupp wurde in der jüngeren Vergangenheit viel kritisiert. Abschreiben sollte man das Unternehmen und die Aktie aber nicht. Letztlich sehen das wohl auch einige Anleger ganz ähnlich, denn die Aktie befindet sich seit Mai in einem Aufwärtstrend.

ThyssenKrupp - Aktie im Aufwärtstrend

Mein Rat in dem DAF-Interview (siehe oben) lautete: „Aber grundsätzlich würde ich hier versuchen, diese Seitwärtsrange zu traden. Das heißt, bei fallenden Kursen immer wieder Aktien einzusammeln und im Bereich der oberen Begrenzung dieser Range beim aktuellen Kursniveau eher zu verkaufen.

Sobald ein Verkauf eines Stahlwerks zu guten Konditionen gemeldet wird, könnte der Kurs einen Freudensprung machen, weil dies die angeschlagene Bilanz des Unternehmens deutlich entlasten würde. Dann wäre sogar ein nachhaltiger Ausbruch aus der Seitwärtsrange über das jüngste Hoch bei 19,60 Euro möglich.

Investmentidee

Ob sich ein Direktinvestment in die Aktie von ThyssenKrupp aktuell anbietet oder wie genau man die Aktie derzeit handeln sollte, haben wir unseren Abonnenten im neuen Börsendienst „Geldanlage Premium Depot“ bereits am Sonntag verraten.

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Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

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