Notenbanken und US-Arbeitsmarkt - Das kommt jetzt auf Sie zu

Inhalt dieser Ausgabe:

Marktanalyse
Termine der Woche
Marktüberblick
Einzelwert-Analyse



Marktanalyse

von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

erst in der vergangenen Ausgabe des Geldanlage-Briefes haben wir sehr ausführlich darüber berichtet, dass in der jüngeren Vergangenheit jede Rede vom Fed-Chef Ben Beranke "mit Spannung erwartet" wurde und was die Gründe dafür waren.

Die Notenbanken haben das Wort

In dieser Woche tagt die US-amerikanische Notenbank erneut und das Federal Open Market Committee berät über seine zukünftige Geldpolitik. Am Mittwoch wird das Ergebnis dieser Sitzung bekanntgegeben. Der Markt wird dann Bernankes Worten wieder sehr genau folgen.

Doch dies wird nicht das einzige Ereignis sein, welches die Anleger in den kommenden Tagen in Atem halten wird. Zwei weitere wichtige Notenbanken informieren die Börsen über ihren weiteren geldpolitischen Weg: Sowohl die Bank of England (BoE) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) legen am Donnerstag ihre Beratungsergebnisse offen.

Der Markt erwartet nichts Neues von den Notenbanken

Allerdings erwartet der Markt von keinem dieser Gremien neue Erkenntnisse. Sollte dies so kommen, könnten die Termine für die Kurse wirkungslos bleiben und sich die geringe Volatilität der beiden Vorwochen fortsetzen. Wie zufällig erreichte die vergangene Woche mit rund 200 Punkten exakt die schon deutlich verkürzte Handelsspanne der Vorwoche. Die Sommerpause setzte sich also wie erwartet fort.

DAX - Volatilität nimmt im Sommer weiter ab

US-Arbeitsmarktdaten könnten den Markt bewegen

Allerdings stehen noch weitere sehr wichtige Termine auf der Agenda und diese waren zuletzt stets gut für stärkere Kursausschläge: die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten am Mittwoch (ADP-Bericht) und Freitag (offizielle Zahlen vom Bureau of Labor Statistics). Experten erwarten einen Zuwachs bei den privat Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft in den USA im Berichtsmonat Juli von im Durchschnitt 175.000. Werden diese Erwartungen getroffen, ist auch hier nicht mit gravierenden Kursausschlägen zu rechnen.

Wie werden die Märkte die Arbeitsmarktdaten interpretieren?

Doch wie auch immer der tatsächliche Wert ausfällt - die anschließende Kursbewegung hängt davon ab, wie der Markt diese Daten interpretiert. Positive Daten sind natürlich gut für die Wirtschaft und damit eigentlich gut für die Aktienkurse, doch bedeuten sie auch ein mögliches Ende der expansiven Geldpolitik, was wiederum eher schlecht von den Börsen aufgenommen wird (und umgekehrt).

Es scheint wieder Druck von oben auf die Kurse aufzukommen

Tendenziell scheint aber im Moment eher wieder Druck von oben auf die Kurse aufzukommen. Und dies hat Gründe. Zum einen passt dies zum saisonalen Muster, wonach es spätestens ab Ende Juli zu fallenden Kursen kommt, es gibt aber auch fundamentale Ursachen. Bislang haben zum Beispiel rund 50 Prozent der S&P500-Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt. Daraus ergibt sich kurzgefasst folgendes Bild: Die Erwartungen der Analysten an die Ergebnisse des vergangenen Quartals wurden im Großen und Ganzen erfüllt. Für die weitere Entwicklung wichtiger sind aber die Ausblicke der Firmen.

Berichtssaison - Schwacher Ausblick sollte Erwartungen dämpfen

Die meisten Analysten gehen immer noch davon aus, dass sich im Jahresverlauf eine deutliche Verbesserung bei den Umsätzen und den Gewinnen der Unternehmen ergibt. Die Firmen hingegen sehen die Zukunft – gemessen an den Erwartungen – bisher äußerst verhalten. Damit ergibt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den Hoffnungen der Börsianer und den Prognosen der Unternehmen.

Sofern diese Tendenz in den kommenden Wochen mit Veröffentlichung weiterer Firmendaten nicht noch dreht, müssen wir damit rechnen, dass die Analysten nach und nach ihre Schätzungen für das zweite Halbjahr 2013 (weiter) nach unten korrigieren. Fundamental orientierte Anleger dürften daraufhin vorsichtiger am Aktienmarkt werden und ihre Positionen verringern.

Der Kursdruck, der derzeit schon zu sehen ist, würde sich damit noch verstärken und sich mit dem saisonalen Muster eines typischen Jahresverlaufs decken: Während die Sommermonate gewöhnlich lethargisch verlaufen, kommt es im Herbst oft zu deutlichen Korrekturen unter anziehender Volatilität.

7 Prozent Wirtschaftswachstum in China sind auf Dauer nicht zu halten

Ein weiterer Belastungsfaktor sind die Wachstumsprobleme in China. Zwar äußerte sich der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang im Zusammenhang mit den Sorgen, dass sich das Wirtschaftswachstum in China abflaut, dahingehend, dass ein Wachstum unterhalb von 7 Prozent nicht toleriert werde. Doch ein solches Wachstum wird auf Dauer in keinem Fall zu halten sein.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2012 wurde ein Wachstum von 7,6 Prozent erreicht. Das war der niedrigste Wert seit 13 Jahren und lag dementsprechend deutlich niedriger als das Rekordwachstum von 14,2 Prozent fünf Jahre zuvor. Und dass sich dieser Trend abnehmender Wachstumsraten fortsetzen dürfte, zeigt folgende anschauliche Betrachtung: Bei 7 Prozent jährlicher Steigerung des Wirtschaftswachstums verdoppelt sich die wirtschaftliche Leistung alle 11 Jahre. Nach 37 Jahre entspräche dies einem Wirtschaftswachstum von 1.000 Prozent – also einer Verzehnfachung – und das gleicht dem Märchen des Weizenkorns auf dem Schachbrett.

Wir müssen uns also auch mit weiterhin schlechten Nachrichten zum chinesischen Wirtschaftswachstum anfreunden, und auch dies wird auf die Kurse drücken.

US-Immobilienmarkt als treibende Kraft für die US-Wirtschaft

Langfristig dürfte sich die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten allerdings fortsetzen. Dabei sollten Sie aber in den kommenden Monaten genau den US-Immobilienmarkt im Blick behalten. Nur wenn sich die Stabilisierung dort fortsetzt, wird auch die Erholung der US-Wirtschaft weitergehen. Passend dazu gab es in der abgelaufenen Handelswoche hierzu neue Zahlen:

Auf unserer Facebook-Seite konnten Sie bereits am vergangenen Montag lesen, dass die Verkäufe bestehender Häuser leicht gefallen sind. Den Rückgang um -1,2 Prozent auf 5,08 Millionen hätten Sie auf den ersten Blick zwar negativ interpretiert können, doch wir erläuterten Ihnen dazu, dass es sich dabei immer noch um den zweithöchsten Wert der vergangenen 12 Monate handelte. "Nur der Wert im Vormonat lag höher und es zeichnet sich weiterhin ein glasklarer Aufwärtstrend in den Verkäufen ab", war von uns auf Facebook zu lesen. Und: "Zumal die aktuelle Zahl um 15,2 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats Juni 2012 liegt".

Am Dienstag berichteten wir dann, dass der US-amerikanische Hauspreisindex der Federal Housing Finance Agency ("FHFA Housing Price Index") für Mai 2013 bei 0,7 Prozent notiert. Im Vormonat hatte er bei 0,5 gestanden. Wir schrieben dazu, dass der Index quasi seit 2011 unaufhörlich steigt. Das Tief wurde bereits Ende 2008 markiert, so dass wir in Summe seit mehr als 4 Jahren einen Anstieg sehen (dazu konnten Sie diese Grafik sehen).

Am Mittwoch wurde dann noch die Zahl der US-Neubauverkäufe veröffentlicht. Im Juni gab es hier im Vergleich zum Mai einen Anstieg um 8,3 Prozent auf einen saisonbereinigten Jahreswert von 497.000. Und das ist mal eben der höchste Wert seit fünf Jahren.
Noch eindrucksvoller wird das Bild, wenn man sich die Veränderung auf Jahressicht anschaut. Hier sind die Neubauverkäufe im Juni um satte 38,1 Prozent gestiegen und das bei steigenden Häuserpreisen. Diese lagen, ebenfalls auf Jahressicht und gemessen im Median, um 7,4 Prozent höher bei 249.700 Dollar.

Dies bestätigt das Bild, welches wir auf Facebook bereits seit einigen Tagen und hier im Geldanlage-Brief in den vorangegangenen Ausgaben zur US-Wirtschaft zeichneten.

DAX - Sommerpause wird sich fortsetzen

Damit dürften Sie als Leser des Geldanlage-Briefes nun ein längerfristiges Bild für die kommenden Wochen (Sommermonate, Herbstschwäche) und Monate (langfristig steigende Kurse) haben.
Kurzfristig, also in den kommenden Tagen, gehen wir davon aus, dass es im Anschluss an die jeweiligen Termine in dieser Woche (Notenbanken, US-Arbeitsmarkt), nach eventuell kurzzeitig stärkeren Kursausschlägen, wieder ruhig an den Börsen wird und sich die Sommerpause fortsetzt.

Das Geldanlage-Brief-Team geht ebenfalls in die Sommerpause

Daher gönnt sich auch der Geldanlage-Brief eine kurze Sommerpause. Den nächsten Börsennewsletter erhalten Sie aber bereits am 12. Juli, so dass nur die Ausgabe am kommenden Montag (5. Juli) entfällt.


Wir wünschen Ihnen bis dahin viel Erfolg an der Börse,
aber auch ein paar erholsame Tage
Ihr
Sven Weisenhaus und das Geldanlage-Brief-Team

 


Termine der Woche

(KW 31: Woche vom 29.07. bis 04.08.2013)


Montag, 29.07.2013

  • 16:00 - US: Anstehende Hausverkäufe Juni


Dienstag, 30.07.2013

  • 11:00 - EU: Geschäfts- u. Verbraucherstimmung Juli
  • 11:00 - EU: Geschäftsklimaindex Eurozone Juli
  • 14:00 - DE: Verbraucherpreise Juli
  • 15:00 - US: Case Shiller Composite-20 Hauspreisindex April
  • 16:00 - US: State Street Investor Confidence Index Juli
  • 16:00 - US: Verbrauchervertrauen Juli


Mittwoch, 31.07.2013

  • 08:00 - DE: Einzelhandelsumsatz Juni
  • 09:55 - DE: Arbeitsmarktdaten Juni
  • 11:00 - EU: Arbeitslosigkeit Juni
  • 11:00 - EU: Vorabschätzung Inflation Eurozone Juli
  • 14:15 - US: ADP-Arbeitsmarktbericht Juli
  • 14:30 - US: BIP 2. Quartal
  • 15:45 - US: Einkaufsmanagerindex Chicago Juli
  • 18:30 - US: Federal Reserve Bank Sitzungsergebnis


Donnerstag, 01.08.2013

  • 09:55 - DE: Einkaufsmanagerindex Juli
  • 10:00 - EU: Einkaufsmanagerindex Eurozone Juli
  • 13:00 - GB: BoE Sitzungsergebnis
  • 13:45 - EU: EZB Sitzungsergebnis
  • 14:30 - US: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 16:00 - US: ISM Index Juli
  • 16:00 - US: Bauausgaben Juni


Freitag, 02.08.2013

  • 11:00 - EU: Erzeugerpreise Industrie Juni
  • 14:30 - US: Arbeitslosenquote Juli
  • 14:30 - US: Beschäftigte ex Agrar Juli
  • 16:00 - US: Industrieaufträge Juni

 


Marktüberblick

von Sven Weisenhaus


DAX

Der DAX erreichte in der abgelaufenen Handelswoche mit 8.415,33 Punkten erst einmal ein neues Zwei-Monats-Hoch, bevor es dann ab Mitte der Woche wieder nach unten ging. Am Ende stand mit einem Schlusskurs von 8.244,91 Punkten ein moderates Wochenminus von rund einem Prozent auf der Anzeigetafel.

DAX - Verlauf der Vorwoche

Da wir bereits in der vorangegangenen Ausgabe schon vier Wochen in Folge Kursgewinne im DAX gesehen hatten, die sich zu einem "Gesamtzuwachs von rund 540 Punkten bzw. 7 Prozent" addierten, stieg aus unserer Sicht die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung. Diese dürfte mit dem Hoch bei knapp über 8.400 Punkten nun begonnen haben.

Eine große Abwärtslücke von Mitte der vorangegangenen Woche (grüne Ellipse im folgenden Chart), wurde noch nicht geschlossen.

Kurzfristige Trendwende im DAX?

Der Markt neigt aber gewöhnlich dazu, solche Gaps noch einmal anzusteuern. Dies würde ein Kursziel von mindestens 8.065 Punkten bedeuten und es könnte schon in dieser Woche, abhängig vom Ausgang der eingangs genannten wichtigen Termine, der Fall sein. Fällt der DAX unter die Marke von 8.137,53 Punkten, steigt hierfür die Wahrscheinlichkeit enorm.


S&P500

Das neue Allzeithoch, welches der S&P500 bei 1.693,12 Zählern am 18. Juli intraday erzielen konnte, wurde am vergangenen Dienstag noch einmal leicht überboten (1.698,78). Doch so richtig absetzen kann sich der US-Index damit vom Mai-Hoch nicht. Auch hier zeigen sich also nach dem rasanten Kursanstieg Anzeichen von Schwäche und die erwartete Konsolidierung setzt sich, wie schon in der Ausgabe zuvor berichtet, fort.

Kurzfristige Trendwende im S&P500?

Dieses Kursverhalten passt hervorragend zum saisonalen Muster. Demnach kann der S&P500 im Juli noch ein neues Jahreshoch erreichen, muss dann jedoch wieder nachgeben. Auch in diesem Jahr scheint sich dieser durchschnittliche Verlauf der letzten 30 Jahre wieder durchzusetzen. Ein deutlicherer Rücksetzer, vielleicht sogar bis auf das ehemalige Allzeithoch bei 1.576 Punkten würde uns nicht wundern oder gar schocken.


EUR/USD

Der Euro konnte sich aus seiner Range zwischen 1,28 und 1,32 US-Dollar befreien und sich leicht nach oben hin absetzen.

Ausbruch im Euro?

Es wird nun sehr spannend, welche Perspektiven die Notenbanken EZB und Fed den Anlegern in dieser Woche aufzeigen. Hiervon wird sehr stark abhängen, ob dem Euro der nachhaltige Ausbruch gelingt oder er wieder in die Range zurückfällt und die Marke von 1,30 US-Dollar erneut ihre Anziehungskraft unter Beweis stellt.
Derzeit heißt es leider, diese Entwicklung zunächst von der Seitenlinie aus abzuwarten.


Gold

Der Goldpreis hat nun, wie erwartet, die obere Trendkanalbegrenzung des kurzfristigen Abwärtstrends erreicht (rot im folgenden Chart). Aus unserer Sicht stand dem auch nach dem ersten erfolgreichen Bodenbildungsversuch nichts mehr im Wege.

Gold - Wie weit geht die Gegenbewegung?

Nun wird es natürlich spannend, ob dem Goldpreis im dritten Anlauf (rote Kreise) der Ausbruch über die Abwärtstrendlinie gelingt und es zu einer größeren Gegenbewegung kommen kann. Wir halten dies in Anbetracht der aktuell recht niedergeschmetterten Marktstimmung bezüglich des Goldes für durchaus möglich.

Letztlich haben wir es damit aber lediglich mit einem Versuch einer Bodenbildung zu tun, die wohl noch einige Zeit benötigen wird. Aktuell testet der Markt wohl erst einmal das mögliche Tief und das Hoch einer wohl erst einmal stattfindenden Seitwärtskonsolidierung aus.

 


Einzelwert-Analyse
- Vivacon AG – Kaufen trotz negativem Eigenkapital?

von Sven Weisenhaus

Mit dem heutigen Unternehmen, der Vivacon AG, erstellen wir wieder eine Aktienanalyse, um die uns ein(e) Leser(in) mit folgender kurzer E-Mail gebeten hat:

"Sehr geehrter Herr Weisenhaus,
auch ich zähle zu Ihren Lesern und eine Analyse der Vivacon (negatives Eigenkapital, aber Erbbauzinszahlungen als langfristige Einnahme) würde mich sehr interessieren
Mit freundlichen Grüßen
"
(Die Namen der Leser werden nur bei ausdrücklicher Genehmigung veröffentlicht.)

Dieser Bitte kommen wir hiermit gerne nach und schauen uns die Aktie des Unternehmens einmal genauer an. Für uns besonders spannend ist diese Analyse, weil Vivacon auch in der Stadt unseres Firmensitzes, in Mülheim an der Ruhr, Projekte bearbeitet.

Gerne können auch Sie uns ein Unternehmen anbieten, welches wir an dieser Stelle dann für alle Leser unter die Lupe nehmen. Senden Sie uns dazu einfach eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .


Kurzportrait

Die Vivacon AG ist ein Unternehmen der Immobilienbranche mit Fokussierung auf das Nischensegment Erbbaurecht. Die Vivacon AG investiert dabei in Erbbaurechtsgrundstücke, welche entweder neu bestellt werden oder bereits bestehende Erbbaurechtsgrundstücke sind. Die darauf befindlichen Gebäude werden über ein "Co-Investoren Modell" von dritten Marktteilnehmern übernommen.
Neben den Investitionen in eigene Erbbaurechtsgrundstücke agiert die Vivacon als Verwalter und Asset Manager für die Erbbaurechtsbestände Dritter.

Das Angebot des Unternehmens bewegt sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Immobilie. Sowohl im Bereich der Projektentwicklung und Revitalisierung, als auch in der Bestandshaltung sowie der Privatisierung und dem Verkauf von Immobilien bietet sich die rechtliche Trennung von Grundstück und Gebäuden als Möglichkeit zur Finanzierung und Hebung stiller Reserven an.

Die Geschäftstätigkeit der Vivacon AG liegt dabei auf dem deutschen Immobilienmarkt.
Das Unternehmen ist im Gesamt-Konzern als Mutterunternehmen von zum Stichtag 31. Dezember 2012 104 Tochtergesellschaften verankert und beschäftigte zu diesem Stichtag 27 Mitarbeiter. Marco Meyer leitet die Vivacon AG derzeit als alleiniger Vorstand.


Geschäftsentwicklung

Der Inhalt der Leser-Mail lässt schon nichts Gutes erahnen. Ein "negatives Eigenkapital" klingt irgendwie nicht nach einer gesunden Bilanz. Und dieser Eindruck verstärkt sich bereits, wenn man auf die Internetseite des Unternehmens geht und dort die Rubrik "Investor Relations" aufruft. Dann erhält man als erstes eine "Information zum Status des Restrukturierungsprogramms der Vivacon AG".

Fakt ist: Der Vivacon-Konzern befindet sich in der Sanierung, seitdem er in 2009 in eine Unternehmenskrise geraten war. Das Eigenkapital ist mit -38,353 Mio. Euro tiefrot (also negativ). Die Anzahl der Tochterunternehmen wurde bereits auf ein Drittel der ursprünglichen Anzahl reduziert. Zur Sicherung der Liquidität und im Rahmen der strategischen Portfoliobereinigung veräußerte die Gesellschaft im ersten Quartal 2012 ein Portfolio bestehend aus 15 Erbbaurechtsgrundstücken zu einem Veräußerungserlös in Höhe von 4,22 Mio. Euro.
Hauptziel des Managements ist es bis heute, eine gesicherte Finanzierung der zukünftigen Aktivitäten zu erreichen, um die strategische Neupositionierung des Unternehmens zu vollziehen.

Sollte dem Unternehmen dies gelingen, dann sind sicherlich extreme Kursgewinne möglich. Doch bis dahin sind die Risiken ähnlich hoch. Offene Forderungen wurden im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013 von Seiten der Kreditinstitute weiter gestundet. Ansonsten wäre es wahrscheinlich bereits zur Insolvenz des Unternehmens gekommen.

Über die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre gibt es kaum gesicherte Informationen. Die Geschäftsberichte zu den Jahren 2010, 2011 und 2012 befinden sich noch in der Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, so dass sie nur ungeprüft als vorläufige Berichte veröffentlicht werden konnten. Der Fokus für das laufende Geschäftsjahr 2013 liegt daher für die Unternehmenslenker insbesondere darauf, die Voraussetzungen einer Testierung der Jahresabschlüsse zu erfüllen. Mit Erlangung der ausstehenden Testate dürfte es der Vivacon AG wesentlich leichter fallen, Finanzierungszusagen und –partner zu finden und Ankäufe neuer Bestände zu tätigen.

Laut dem vorläufigen Geschäftsbericht 2012 verdeutlichen die Veränderungen in den einzelnen Posten der Ertragslage die durchgeführten Maßnahmen im Rahmen der Restrukturierung und Sanierung der Gesellschaft. Insbesondere konnte der betriebliche Aufwand im Vergleich zum Vorjahr um 4,442 Mio. Euro bzw. um 41 Prozent vermindert werden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von 2,764 Mio. Euro konnte im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 Mio. Euro verbessert werden. Der Jahresüberschuss betrug 4,35 Mio. Euro. Das Unternehmen schiebt allerdings einen Verlustvortrag von 198 Mio. Euro vor sich her.

Der CashFlow belief sich in Summe auf -9,171 Mio. Euro. Er wurde im Wesentlichen positiv beeinflusst durch den Abbau von Rückstellungen sowie aus dem Verkauf von Vermögensgegenständen. Beides ist natürlich langfristig nicht positiv zu werten, zumal insgesamt ein dickes Minus unter dem Strich stand. Dieses entstand allerdings wiederum auch aufgrund von Kredittilgungen (9,313 Mio. Euro), was wiederum positiv gewertet werden kann.


Geschäftsausblick

Über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens gibt es natürlich bislang überhaupt keine Informationen, weil bis heute nicht einmal klar ist, ob das Überleben des Konzerns überhaupt gesichert werden kann.

Das Unternehmen arbeitet jedoch an einer möglichst offenen Kommunikationspolitik und man gewinnt insgesamt den Eindruck, dass die Geschäfte in der Zukunft fortgeführt werden könnten. Auch, weil in 2013 nicht nur Altlasten beseitigt werden sondern auch bereits Neugeschäft generiert wird.

Nach bisherigen Angaben soll das Restrukturierungsprogramm bis Ende des Geschäftsjahres 2013 vollständig und abschließend umgesetzt worden sein. Zu hoffen bleibt daher, dass die Geldgeber nicht die Geduld verlieren.


Bewertung

Wenn wir nun vor dem Hintergrund der oben genannten Daten in die Analyse der Bewertung gehen, dann dürfte die inzwischen geringe Marktkapitalisierung von 5,37 Mio. Euro kaum verwundern. Vor nicht einmal einem Jahr lag diese noch gut 5x so hoch.
Die Aktienanzahl liegt bei 25.985.216 Stück und der aktuelle Aktienkurs liegt bei rund 20 Cent.
Und das bei Umsätzen von weniger als 700.000 Euro, die aus den Erbbauzinsen erzielt werden.

An dieser Stelle können wir die Bewertungsanalyse auch bereits beenden, denn angesichts des immensen Verlustvortrags von rund 200 Mio. Euro und der Ertragszahlen, die zwar für die Vergangenheit bekannt, aber in der Zukunft völlig ungewiss sind, ist es kaum möglich, einen fairen Wert für die Aktie zu beziffern. Gewinne wurden zwar unterm Strich erzielt und Barreserven bzw. frei verfügbare liquide Mittel sind vorhanden, doch sie können kaum zum heutigen Stand genau beziffert werden, weil nicht bekannt ist, welche Vermögensänderungen sich inzwischen wieder ergeben haben.


Chartanalyse

Entsprechend sieht der Kursverlauf der Aktie aus. Im Jahreshoch lag der Kurs noch bei knapp über einem Euro. Inzwischen hat er sich auf 20 Cent reduziert - und ein Ende des Kursverfalls scheint nicht in Sicht.

Der tiefe Sturz der Vivacon-Aktie

Zuletzt belastete den Kurs, dass sich auch noch die Pleite der Conergy AG auf Vivacon auswirken und den Restrukturierungsprozess belasten wird. Hintergrund ist, dass die Vivacon AG Eigentümerin der Grundstücke ist, auf welchen die Produktionsstandorte Frankfurt (Oder) und Rangsdorf der Conergy AG stehen.
Immer wieder scheinen sich neue Baustellen aufzutun.


Fazit

Eine Chartanalyse ist bei einem solchen Kursverlauf genauso sinnlos, wie die Festlegung eines fairen Wertes. Jederzeit kann eine neue negative Nachricht zu einer Kurshalbierung oder eine positive zu einer Kursverdopplung führen.

Es handelt sich hier ganz klar um einen "Zock" auf eine erfolgreiche Restrukturierung, die aber noch viele Monate benötigen wird, falls sie überhaupt gelingt.

Unklar ist zudem während der Analyse geblieben, weshalb es bei dem Unternehmen überhaupt zu einer derartigen Krise kommen konnte.
Natürlich hatten wir eine Immobilienkrise in den USA, doch das Unternehmen ist schwerpunktmäßig in Deutschland unterwegs. Und hier haben wir es seit 2010 mit einem herrschenden Aufschwung sowie sinkender Arbeitslosigkeit zu tun. Der Immobilienmarkt zeigt hierzulande deutliche Stärke. Sowohl Kaufpreise als auch Mieten zogen in allen Segmenten des Immobilienmarktes an. Verstärkt wurde die Nachfrage in Immobilieninvestments natürlich durch das niedrige Zinsniveau.
Das gesamte Transaktionsvolumen betrug nach Schätzungen im Jahr 2012 36 Mrd. Euro im Vergleich zu 28 Mrd. Euro im Vorjahr, wobei im 4. Quartal 2012 alleine rund 1/3 des Volumens des Gesamtjahres gehandelt wurde.

Wir haben uns auch nicht die Mühe gemacht, noch herauszufinden, was die Probleme verursacht. Es würde nicht wundern, wenn es sich um hausgemachte Probleme handelte. Diese wurden und werden zwar nun angegangen, doch der Prozess dauert uns einfach noch zu lange.

Wir sehen hier ein rein spekulatives Investment. Und dabei stellt sich die Frage, warum man bei 20 Cent einsteigen sollte, wenn man vielleicht in einem Monat schon nur noch 10 Cent zahlen muss. Schließlich stand der Kurs Mitte Juni noch bei 30 Cent und hat sich dann auch in wenigen Wochen noch halbiert - und im Mai 2006 stand der Kurs sogar bei 50 Euro! Kurse unterhalb von einem Euro bedeuten also nicht, dass es nicht noch um 50 Prozent runter gehen kann.

Finger weg, bis sich hier klare Tendenzen zur Besserung abzeichnen!


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