Gold: Comeback in 2014?

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Konjunktur-Radar - Dahin steuert die US-Wirtschaft
  2. Einzel-Analyse - Gold: Comeback in 2014?

›› Konjunktur-Radar
- Dahin steuert die US-Wirtschaft
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefüber die US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Mittwoch und Freitag haben wir außerhalb des „Konjunktur-Radars“ bereits am Sonntag in der „Marktanalyse“ berichtet. Diese Daten fielen sehr uneinheitlich aus, so dass die Börsenwelt nun rätselt, wie die US-Notenbank angesichts eines schwächeren Stellenwachstums bei gleichzeitig gesunkener Arbeitslosenquote weiter vorgehen könnte.

Alleiniger Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten ist nicht ausreichend

Wir halten es für falsch, alleine auf die US-Arbeitsmarktdaten zu blicken. Denn die US-Notenbank hat inzwischen eingeräumt, dass die Arbeitslosenquote alleine die Entwicklungen am US-Jobmarkt nur unzureichend widerspiegelt. Sie stützt sich also längst nicht alleine auf die Quote, sondern betrachtet die US-Wirtschaft ganzheitlich. Und genau dies tun wir hier im Geldanlage-Brief auch und sind damit bislang extrem gut gefahren.

Inflation spielt ebenfalls eine zentrale Rolle

In der vergangenen Woche wurden, abgesehen von den bereits besprochenen Zahlen, keine weiteren aus unserer Sicht relevanten Daten mehr veröffentlicht. Daher können wir direkt auf die aktuell laufende Woche schauen. Und hier wurden interessante Zahlen veröffentlicht.

Denn auch die Inflation spielt bei der Geldpolitik der Fed eine zentrale Rolle. Am 23. Dezember berichteten wir in einer ausführlichen Darstellung zum gerade begonnenen Tapering, dass die Fed für das Jahr 2014 von einer Inflation zwischen 1,4 % und 1,6 % ausgeht, nach ca. 1,0 % in 2013. Sollte sich abzeichnen, dass die Inflationsraten schwächer ausfallen und sogar Richtung Deflation tendieren, könnte die Fed genötigt sein weiterhin auf dem geldpolitischen Gaspedal zu bleiben.

Geringe Nachfrage kann keine Inflation hervorrufen

Der US-amerikanische Umsatz im Einzelhandel ist im Dezember um +0,2 % gestiegen. Im Vormonat war der Umsatz des Einzelhandels in den Vereinigten Staaten noch um 0,7 % gestiegen. Angesichts des Weihnachtsgeschäftes erscheint ein Anstieg von nur 0,2% etwas gering. Und eine zu schwache Nachfrage wird keinen Preisanstieg hervorrufen können.

Importpreise steigen nicht

Hinzu kommt, dass die US-amerikanischen Importpreise im Dezember lediglich unverändert geblieben sind, nach zuvor -0,9 %. Ohne einen leichten Anstieg beim US-Öl wären die Einfuhrpreise sogar erneut gefallen, um 0,1 %.

US-amerikanische Außenhandelspreise
(Quelle: Markt-Daten.de) Außenhandelspreise, Jahresraten seit 1995

In der Grafik ist erkennbar, dass die Importpreise schon seit 2012 in der Jahresrate tendenziell rückläufig sind.

Erzeugerpreise – erster leichter Anstieg seit 3 Monaten

Ähnlich schwach haben sich die Erzeugerpreise in den USA entwickelt. Hier gab es zwar im Dezember einen Anstieg um 0,4 %, wie die aktuellen Zahlen von heute Mittag um 14:30 Uhr zeigen, doch in den drei Monaten zuvor waren die Preise der Erzeuger jeweils gefallen und der übergeordnete Trend zeigt keine Anzeichen einer anziehenden Inflation.

US-amerikanische Erzeugerpreise
(Quelle: Markt-Daten.de) Erzeugerpreise, Jahresraten seit 1975

Empire State Index springt deutlich an

Unterdessen wurde heute ebenfalls um 14:30 Uhr bekannt, dass der New York Empire State Index der New York Fed im Januar überraschend stark angezogen hat. Nach nur 1,0 Punkten im Vormonat schnellte der Stimmungsindikator für das verarbeitende Gewerbe in der Region auf 12,51 Punkte nach oben. Er erreicht damit den höchsten Stand seit Mai 2012 (in der folgenden Grafik ist der aktuelle Wert noch nicht eingezeichnet).

New York Empire State Index
(Quelle: Markt-Daten.de) New York Empire State Index

Der Empire-State-Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Ein Indexstand über Null deutet einen Anstieg der Aktivität an.

Fazit zu den US-Konjunkturdaten

Am Beispiel der heute analysierten US-Daten dieser Woche zeigt sich, dass die US-Arbeitsmarktdaten alleine nicht ausreichend sind, um auf das weitere Vorgehen der US-Notenbank Fed abstellen zu können. Die Währungshüter blicken über den Tellerrand des US-Arbeitsmarktes hinaus - und genau dies haben wir heute auch getan.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Preisentwicklung in der Vergangenheit sehr moderat verlaufen ist und in den kommenden Wochen und Monaten beobachtet werden muss. Die Entwicklung der Preise ist ein weiterer Baustein für die Geldpolitik der US-Notenbank. Nur wenn die Währungshüter der Auffassung sind, dass Ihre Projektion von einer Inflation zwischen 1,4 % und 1,6 % in 2014 tendenziell eingehalten wird, kann sie Ihre eingeleiteten Maßnahmen wie geplant fortsetzen.

Der New York Empire State Index ist unterdessen ein weiterer Hinweise dafür, dass es der US-Wirtschaft auch in 2014 gut gehen wird. Dies spiegelt sich inzwischen auch schon am Aktienmarkt wider, denn dieser hat erneut Fahrt aufgenommen nach einer Konsolidierung zum Jahresbeginn.



›› Einzel-Analyse
- Gold: Comeback in 2014?
von Sven Weisenhaus

Das Interesse an Gold ist nach dem mehr als 10-jährigen Anstieg von 2001 bis 2011 ungebrochen. Trotz des starken Kursrückgangs um knapp 40 % seit dem Hoch im Herbst 2011 (siehe folgender Chart) erwartet die Mehrheit der Anleger, dass es ein Comeback des Edelmetalls geben wird.

Gold - langfristige Chartanalyse
(erstellt mit: Tradesignalonline.com) Gold, Candlestick-Chart, Wochenkerzen

Wir lesen auch noch genügend Prognosen, die dem Goldpreis schon sehr bald wieder eine rosige Zukunft und Kurse von mindestens 2.000 US-Dollar versprechen. Doch ist dies realistisch?

Charttechnik ist hinreichend besprochen

Über die charttechnische Situation in dem Edelmetall haben wir im „Geldanlage-Brief“ mehrfach ausführlich berichtet. Zudem gab es dazu am 8. Januar im Deutschen Anleger Fernsehen DAF ein Interview, über das wir hier am 12. Januar berichteten. (Sie können sich die Aufzeichnung als Video HIER noch einmal ansehen.) Damit ist zur Charttechnik eigentlich alles gesagt und wir werden hier im Geldanlage-Brief weiterhin regelmäßig im „Chart-Check“ über die Kurs-Entwicklung berichten. Konzentrieren wir uns daher heute auf die fundamentale Situation.

Inflation spielt auch beim Goldpreis eine zentrale Rolle

Auch beim Goldpreis spielt die Inflation, die wir eben im „Konjunktur-Radar“ aufgegriffen haben, eine große Rolle. Ein Argument für steigende Goldpreise war in der Vergangenheit, dass die expansive Geldpolitik der Notenbanken einen rasanten Preisanstieg hervorrufen wird. Entsprechend könne man die Kaufkraft des Geldes nur mit Gold erhalten, so die Aussagen vieler „Experten“.

Beim Blick auf die oben präsentierte Grafik zur Entwicklung der US-amerikanischen Außenhandels- und Erzeugerpreise zeigt sich, dass es zu einer gegenteiligen Entwicklung kam. Die Inflationsraten sind seit 2012 tendenziell gefallen. Diese Entwicklung hat es nicht nur in den USA gegeben, sondern auch in anderen Regionen, insbesondere in Europa. Ungefähr im selben Zeitraum hat den Goldpreis dasselbe Schicksal ereilt.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Inflation und Goldpreis

Es gibt also tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Inflations- und Goldpreisentwicklung, allerdings lagen die Goldbullen mit ihrer Erwartung an steigende Preise (sowohl bei Gütern und Dienstleistungen als auch bei Gold) vollständig daneben.

Und die aktuelle Preisentwicklung ist auch rein logisch gedacht nur völlig normal, denn in Zeiten schwerer konjunktureller Probleme, in denen eine hohe Arbeitslosigkeit und geringes Wirtschaftswachstum herrscht, kommt es zu einer geringen Güternachfrage. Und Volkswirtschaftler im 1. Semester wissen, dass bei geringer Nachfrage die Preise tendenziell sinken und nicht steigen.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Letztlich bestimmen die Nachfrage und das Angebot den (Gold-)Preis. Der World Gold Council, eine globale Lobby-Organisation der Goldminenindustrie, die das Ziel hat, die Nachfrage nach Gold zu stimulieren und zu erhalten, berichtet regelmäßig über den weltweiten Goldmarkt und damit über das Angebot und die Nachfrage.

Nachfrage ist im Jahresvergleich um mehr als 20 % eingebrochen

Der aktuellste Bericht der Organisation befasst sich mit dem 3. Quartal 2013. Und hier zeigt sich, dass die Nachfrage nach Gold im Vergleich zum Vorjahresquartal um 21 % zurückgegangen (um nicht zu sagen eingebrochen) ist. Von 1.101,4 Tonnen im 3. Quartal 2012 ist die Nachfrage um 232,9 auf 868,5 Tonnen gesunken.

Gold-Nachfrage Jahresvergleich 3. Quartal

Massive Mittelabflüsse aus ETFs ursächlich für Nachfragerückgang

Ursächlich für den Rückgang ist ein massiver Mittelabfluss aus ETFs, der insbesondere durch die westlichen Länder initiiert war. Rund 256,4 Tonnen wurden hierdurch innerhalb eines Jahres auf den Markt geworfen. Die physikalische Nachfrage ist hingegen um 41,7 Tonnen angestiegen, wobei hier die östlichen Märkte die treibende Kraft der Nachfrage nach Goldschmuck, Barren und Münzen waren.

Wenn Sie also lesen, dass die physikalische Nachfrage nach Gold Rekorde erreicht, dann mag das zwar stimmen, es ist aber kein ausreichendes Argument für steigende Goldkurse. Wenn man die Preisentwicklung erklären oder Preisprognosen abgeben möchte, dann sollte man unbedingt den GESAMTEN Goldmarkt betrachten.

Spekulative Anleger flüchten, langfristige Anleger kaufen hinzu

Bei einer Preisprognose könnte man allerdings aufgrund der vorliegenden Daten argumentieren, dass die Spekulanten bald vom Markt verschwunden sind und dann die ETF-Abflüsse versiegen oder sich sogar umkehren in ETF-Käufe, während die physikalische Nachfrage der langfristigen Anleger hoch bleiben wird. Dies könnte zu zukünftig wieder steigenden Notierungen führen.

Doch wer sagt, dass die physikalische Nachfrage nicht bald gesättigt ist?! Selbst wenn bald sämtliche ETF-Bestände auf den Markt geworfen wurden, könnte es sein, dass dann die physikalische Goldnachfrage abnimmt und es NICHT zu steigenden Preisen kommt.

Diese Argumentationen sind reine Mutmaßungen und die tatsächliche Entwicklung der Nachfrage völlig ungewiss. Vielleicht kehren ja auch bald die Spekulanten in Scharen zurück in den Goldmarkt – unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.

Es ist also schwer, Prognosen zum Goldmarkt abzugeben. Ich erwarte aber ebenfalls, und damit gebe ich auch gerne meine persönliche Meinung ab, dass sich der Kursrückgang verlangsamt (hat) und das aktuelle Niveau (ca. 1.200 US-Dollar) derzeit durchaus attraktiv für Long-Trader ist. Zumal die Geschwindigkeit der ETF-Abflüsse tatsächlich auch bereits deutlich abgenommen hat.

Entsprechend haben wir im „Geldanlage Premium Depot“ bereits investiert und liegen alleine mit unserer Gold-Investition bereits mehr als 5 % im Gewinn innerhalb von weniger als 4 Wochen.

Goldpreismanipulation durch Notenbanken?

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht im Markt, die Notenbanken würden den Goldpreis nach unten manipulieren. Ich persönlich sehe hierfür überhaupt keine Anhaltspunkte. Die Entwicklung der Inflation und der Rückgang der Nachfrage sind für mich viel realistischere Argumente für den gesunkenen Goldpreis.

Zumal mir bislang niemand erklären konnte, wie die Notenbanken den Goldpreis drücken können, wenn sie gleichzeitig als Nettokäufer am Markt auftreten (siehe folgende Tabelle). Immerhin haben die Zentralbanken der Welt in Summe im 3. Quartal 2013 netto 93,4 Tonnen Gold gekauft (nach 79,3 Tonnen im 2. Quartal) und damit zur Nachfrage beigetragen, auch wenn sie im Jahresvergleich 18,9 Tonnen bzw. 17 % weniger Gold gekauft haben. Sie lagen mit dieser Nachfrage aber immer noch weit über dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre. Müssten die Notenbanken nicht als Verkäufer auftreten, um den Goldpreis sinken zu lassen?!

Gold-Nachfrage nach Sektoren

In der Tabelle ist ganz klar zu erkennen, dass einzig und allein die Investmentnachfrage für den gefallenen Goldpreis verantwortlich gemacht werden kann, die innerhalb eines Jahres um 56 % (!) zurückgegangen ist.

Gold-Angebot stabil

Während die Nachfrage um 21 % im Jahresvergleich rückläufig war, konnte sich das Angebot übrigens relativ stabil halten. Die Versorgung des Marktes mit Gold lag im 3. Quartal 2013 bei 1.145,5 Tonnen. Zwar bedeutet dies einen leichten Rückgang um 3 % zum Vergleichszeitraum im Jahr 2012, doch lag damit im 3. Quartal ein klares Überangebot vor: Einer nachgefragten Menge von 868,5 Tonnen stand ein Angebot von 1.145,5 Tonnen gegenüber – ein Überangebot von mehr als 30 %!

Damit haben wir ein weiteres sehr deutliches Argument für fallende Preise, was die Verschwörungstheorie der Goldpreismanipulation durch Notenbanken wie einen Witz erscheinen lässt.

Minenproduktion und Gold-Recycling

Zwei Faktoren bestimmen das Gold-Angebot: Die Minenproduktion und das Gold-Recycling.

Das Angebot an recyceltem Gold ist im 3. Quartal um 13 % bzw. 158 Tonnen gefallen, was die sinkende Bereitschaft widerspiegelt, physisches Gold aus den Händen zu geben. Der gesunkene Goldpreis dürfte dafür ein Grund sein -zu derartigen Preisen will niemand sein Gold mehr hergeben-, aber auch die hohe Nachfrage nach physischem Gold.

Gold-Angebot durch Recycling
(Quelle: Thomson Reuters GFMS, World Gold Council)

Dafür legte die Minenproduktion um 4 % bzw. 70 Tonnen zu. Es scheint sich also auch auf ermäßigtem Preisniveau noch zu lohnen, nach Gold zu schürfen. Einige der großen Player können auch noch bei Preisen unter 1.000 US-Dollar profitabel arbeiten (z. B. Barrick Gold oder Newmont Mining).

Gold-Angebot ist seit Jahren stabil, Nachfrage erreicht Mehrjahres-Tief

Übrigens hält sich das Gold-Angebot seit Jahren stabil zwischen 1.000 und 1.200 Tonnen pro Quartal (siehe folgende Grafik).

Gold-Angebot
(Quelle: Thomson Reuters GFMS, World Gold Council)

Währenddessen befand sich die Nachfrage im 3. Quartal 2013 auf einem Mehrjahres-Tief (siehe folgende Grafik).

Gold-Nachfrage
(Quelle: Thomson Reuters GFMS, World Gold Council)

In dieser Grafik zeigt sich übrigens daher auch eine entsprechende Korrelation aus Nachfrage- und Preisentwicklung.

Fazit zum Goldpreis

Ich hoffe Sie sehen den Goldpreis und den Goldmarkt am Ende dieser Analyse mit etwas anderen Augen. Auch wenn Ihnen andere Analysten und Medien stets vorpredigen, dass die physikalische Nachfrage ach so hoch ist – bei einer Analyse des Gesamtmarktes sieht man, dass es gute Gründe für den eingebrochenen Goldpreis gibt. Und diese Gründe sind weitaus nachvollziehbarer als die diversen Verschwörungstheorien, die sich um den Goldpreis ranken.

Allerdings kann es gut sein, dass es in der zukünftigen Nachfrageentwicklung dazu kommt, dass die hohen Abflüsse aus den ETFs abebben und gleichzeitig die physikalische Nachfrage hoch bleibt. Dies wäre ein guter Nährboden für wieder langsam steigende Goldnotierungen.

Diese Erwartung spiegelt auch unsere Meinung wider, weshalb wir, wie oben bereits angegeben, im „Geldanlage Premium Depot“ entsprechend positioniert sind.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

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