US-Wirtschaft und Geldpolitik +++ Elliott-Wellen - Eine faszinierende Methode der Chartanalyse

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Konjunktur-Radar - Dahin steuert die US-Wirtschaft
  2. Börsen-Wissen - Elliott-Wellen - Eine faszinierende Methode der Chartanalyse


›› Konjunktur-Radar
- Dahin steuert die US-Wirtschaft
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefim vorangegangenen „Konjunktur-Radar“ vor einer Woche war das Thema Inflation eine zentrale Rolle. Wir hatten uns die US-Außenhandelspreise und die Preisentwicklung der bei den Produzenten angesehen. In beiden Fällen tendierten die Jahresraten abwärts.

Inflationsraten in den USA erholen sich leicht

Einen Tag später wurden die US-amerikanischen Verbraucherpreise für den Monat Dezember veröffentlicht. Demnach gab es einen Anstieg im Vergleich zum Vormonat um 0,3 %. Im Monat zuvor waren die Preise der Konsumenten unverändert geblieben.

Dieser Anstieg hat zu einer leichten Erholung der Jahresrate geführt. Sie stieg auf 1,5 % an, nach 1,0 % bzw. 1,2 % im Oktober und November.

Verbraucherpreise, Jahresraten seit 1990
(Quelle: Markt-Daten.de) Verbraucherpreise, Jahresraten seit 1990

Es zeigt sich also tatsächlich die von der US-Notenbank Fed erwartete Erholung der Inflationsraten. Dies ist ein positives Signal für die unveränderte Fortsetzung des Plans der Fed zum Ausstieg aus den Anleihekäufen.

Frühindikatoren deuten auf anhaltendes US-Wirtschaftswachstum

Zumal auch die Frühindikatoren weiterhin einen Anstieg der US-amerikanischen Wirtschaftsleistung andeuten. Der Philly Fed Index notiert im Januar bei 9,4, nach 7 Punkten im Vormonat. Werte oberhalb von Null deuten hier auf Wachstum in der Region Philadelphia hin. Und wir sehen nun bereits den 8. positiven Monatswert in Folge.

Philly Fed Index, 1 Jahr
(Quelle: Markt-Daten.de) Philly Fed Index, 1 Jahr

Bereits vor einer Woche konnten wir über einen stark gestiegenen Empire State Index berichten, der als Stimmungs- und damit Frühindikator auf Wachstum im verarbeitenden Gewerbe in der Region New York hindeutet.

Industrieproduktion mit anhaltendem Wachstum

Zumal nicht nur die Stimmungsindikatoren auf Wachstum hindeuten, sondern auch die harten Fakten. Denn die US-amerikanische Industrieproduktion ist im Dezember um 0,3 % gestiegen. Im Vormonat war die Produktion sogar um 1,1 % geklettert.

Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung, 1 Jahr
(Quelle: Markt-Daten.de) Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung, 1 Jahr

In den vergangenen 5 Monaten wurden hier positive Daten gemeldet, wodurch auch die Kapazitätsauslastung einen 12-Monats-Höchststand erreicht hat.

Durchaus positive Zahlen zum US-Immobilienmarkt

Zwar gab es einen leichten Rückgang beim US-amerikanischen Hausmarktindex der National Association of Home Builders/Wells Fargo (NAHB/WF Housing Market Index, HMI) im Januar, der NAHB-Index notiert bei 56 nach zuvor 57, doch bedeuten hier Werte oberhalb von 50 ebenfalls auf anhaltendes Wachstum. Auch hier, genau wie beim Philly Fed Index der 8. Wachstumswert in Folge.

NAHB/WF Housing Market Index, 1 Jahr
(Quelle: Markt-Daten.de) NAHB/WF Housing Market Index, 1 Jahr

Ebenfalls leicht rückläufig waren die Daten zum US-Wohnbau. Die Zahl der US-amerikanischen Wohnbaugenehmigungen liegt im Dezember bei 986.000. Im Monat davor waren es 1.017.000 gewesen. Die Zahl der Wohnbaubeginne liegt in den USA im Dezember bei 999.000, nach 1.107.000 im Vormonat.

Wohnbau in den USA, 1 Jahr
(Quelle: Markt-Daten.de) Wohnbau in den USA, 1 Jahr

Angesichts des rasanten Anstiegs in den Vormonatswerten ist aber auch dieser leichte Rückgang nicht zwingend negativ zu werten.

Solide Verbraucherstimmung

Da verwundert es auch nicht, dass auch die Verbraucherstimmung ordentlich ist. Der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan notiert im Januar bei 80,4. Im Monat zuvor hatte der Index zwar leicht höher bei 82,5 notiert, doch ist auch der aktuelle Wert ganz passabel.

Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan, seit 1990
(Quelle: Markt-Daten.de) Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan, seit 1990

Fazit zur Analyse der US-Konjunkturdaten

Die Daten aus Übersee fallen weiterhin sehr ordentlich aus. Die US-Notenbank Fed wird es freuen und die erste Amtshandlung von Janet Yellen auf der nächsten Sitzung wird nach aktuellem Datenstand wohl eine weitere Reduzierung der Anleihekäufe (um erneut 10 Mrd. US-Dollar) sein.

Davon dürften sich die Finanzmärkte weiterhin unbeeindruckt zeigen. Die langfristigen Aufwärtstrends werden anhalten, eine kurzfristige Korrektur und ein insgesamt nicht mehr ganz so erfolgreiches Jahr werden aber immer wahrscheinlicher.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


›› Börsen-Wissen
- Elliott-Wellen - Eine faszinierende Methode der Chartanalyse
von Sven Weisenhaus

Auf unserer Internetseite www.geldanlage-brief.de haben wir eine Rubrik „Börsen-Wissen“ für Sie eingerichtet. Immer wenn wir hier im Newsletter „Geldanlage-Brief“ etwas Wissenswertes publizieren und Ihnen Grundlagenwissen zur Börse vermitteln, werden wir Ihnen dieses zum Nachlesen auf unserer Homepage anbieten.

Die Kategorie „Börsen-Wissen“ soll kontinuierlich weiter wachsen. Der Vorteil: Wird ein bestimmtes Thema wiederholt besprochen, so brauchen wir in Zukunft die entsprechenden Grundlagen nicht jedes Mal erneut erläutern, sondern können auf die entsprechenden Informationen auf unserer Homepage verlinken.

An der Börse geht es stets um Wahrscheinlichkeiten

An der Börse gibt es keine Sicherheit, hier geht es immer nur um Wahrscheinlichkeiten. Niemand weiß, welcher Kurs sich zukünftig in welche Richtung bewegen wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen Kursanstieg bzw. für einen Kursrückgang liegt aus Sicht eines Anlegers ohne eine Analyse einer bestimmten Aktie oder eines anderen handelbaren Wertpapiers bei 50:50.

Man hat jedoch durch eine umfassende Analyse die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten zu verschieben. Je mehr man über eine Aktie bzw. das börsennotierte Unternehmen oder ein sonstiges Wertpapier weiß, umso leichter lässt sich eine Kursprognose erstellen. Für eine derartige Analyse (siehe auch "Aktien-Analyse") stehen die Methoden der Fundamentalanalyse und die der charttechnischen Analyse zur Verfügung.

Die Elliott-Wellen-Theorie - Eine Methode der charttechnischen Analyse

Die Theorie der Elliott-Wellen ist der charttechnischen Analyse zuzuordnen und wurde vom Amerikaner Ralph Nelson Elliott (1871 - 1948) bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (!) entwickelt. Elliott analysierte über Monate hinweg akribisch den US-Aktienmarkt, vorwiegend den Dow Jones Industrial Avarage (DJIA).

Kursmuster wiederholen sich auf verschiedenen Zeitebenen

Dabei erkannte er, dass sich die Preisschwankungen und Kursmuster bei Aktienmärkten innerhalb von wenigen Tagen verblüffend mit den Verläufen über Monate oder Jahre hinweg ähnelten. Er entdeckte die zyklische und fraktale (selbstähnliche) Ausbreitung von Wellenmustern in Kursbewegungen des Dow Jones-Index (DJIA).

Fraktale Selbstähnlichkeit – ein Phänomen der Natur

„Fraktale“ sind Objekte, die aus mehreren verkleinerten Kopien ihrer selbst bestehen. Die fraktale Selbstähnlichkeit ist eigentlich ein Phänomen aus der Natur:

  • Ein Baumzweig sieht wie ein kleiner Baum aus.
  • Das Teilstück eines Farns sieht ziemlich genau so aus wie das gesamte Blatt.
  • Der Pyramidenblumenkohl (Romanesco) weist fraktale Strukturen und Fibonacci-Spiralen auf.
  • Die Kochsche Schneeflocke ist ein weiteres Beispiel für ein solches Phänomen in der Natur.

Elliott veröffentlichte seine Erkenntnisse und daraus entwickelte Regeln in dem 1938 erschienenen Buch „The Waves Principle" (Das Wellen-Prinzip).

Kursmuster finden, um den zukünftigen Verlauf prognostizieren zu können

Mit diesem Wissen, dass Kursbewegungen immer wieder in denselben Mustern ablaufen, versucht man in der Charttechnik mithilfe einer Elliott-Wellen-Analyse den Beginn eines bestimmten Kursmusters frühzeitig zu finden. Wenn man den Beginn eines solchen Kursmusters gefunden hat und weiß, wie sich das Kursmuster weiter entwickelt, dann kann man den weiteren Kursverlauf bis zur Vollendung der Kursformation und darüber hinaus (Ausbruchsrichtung, etc.) prognostizieren.

Genau wie bei der klassischen Chartanalyse, gilt es also mit der Analyse der Elliott-Wellen die wahrscheinlichste Richtung der nächsten Bewegung zu erkennen.
Es geht also auch hier nur um Wahrscheinlichkeiten und darum, diese zu den eigenen Gunsten zu verschieben.

Wie wird sich die Masse zukünftig verhalten?

Anders ausgedrückt analysieren die Elliott-Wellen das Verhalten aller Marktteilnehmer. Denn das Verhalten aller Marktteilnehmer spiegelt sich stets im Chart wider. Daher könnte man auch sagen: Es geht um die Wahrscheinlichkeit, wie sich die Masse zukünftig verhalten wird.

Elliott-Wellen-Theorie: Eine eigenständige, in sich geschlossene Methode der Chartanalyse

Dabei ist die Elliott-Wellen-Theorie eine in sich geschlossene Methode. Sie ist eigenständig anwendbar. Viele Elliott-Wellen-Anhänger stützen sich daher ausschließlich auf diese Analyseform. Elliott-Wellen sind aber kein Allheilmittel, sondern man sollte sie als ein zusätzliches Werkzeug bei der Analyse der Charts nutzen.
Wir (insbesondere unser Chefanalyst Sven Weisenhaus) haben damit in der Vergangenheit bereits hervorragende Ergebnisse erzielt.

Durch eine Kombination der Elliott-Wellen mit anderen charttechnischen Methoden (wie z. B. den Fibonacci-Marken) lassen sich deutlich treffsichere Prognosen erstellen, als mit einer einzelnen Methode der Charttechnik alleine.

Grundstruktur der Elliott-Wellen-Theorie

Nach der Elliott-Wellen-Theorie verlaufen Kursbewegungen immer nach einem bestimmten Grundmuster ab:

Grundmuster der Elliott-Wellen-Theorie

Zuerst entsteht eine Trendbewegung, die stets in 5 Wellen abläuft. Anschließend folgt eine 3-welligen Gegenbewegung. Die Wellen in Trendrichtung werden dabei mit Ziffern (1, 2, 3, 4, 5) benannt, die Wellen der Gegenbewegung mit Buchstaben (A, B, C).
Die Trendbewegung besteht aus drei Impulswellen (1, 3, 5) und zwei Korrekturwellen (2, 4). Dabei sind folgende drei Regeln zu beachten:
• Die Welle 2 endet nie unter dem Anfang der Welle 1.
• Welle 4 darf nicht unter das Top von Welle 1 fallen.
• Die Welle 3 ist oft die längste Impulswelle, aber nie die kürzeste.

Die fraktale Struktur der Elliott-Wellen

Diese grobe Darstellung von in der Realität deutlich komplexer verlaufenden Kursbewegungen lässt sich in der Elliott-Wellen-Theorie noch deutlich detaillierter darstellen und dadurch auch in kurzen Zeiträumen anwenden. Durch eine ausgeprägte Regelvielfalt kann man genauere Kursprognose abgeben. Ermöglichen tut uns dies unter anderem und insbesondere die „fraktale Struktur der Elliott-Wellen“.

Fraktale Struktur der Elliott-Wellen

Sie sehen hier in der Grafik drei Kursmuster, wobei das untere Muster jeweils eine detailliertere Ansicht des darüber liegenden Kursverlaufs ist. Mit dieser Grafik ist das Prinzip den oben genannten „fraktalen Selbstähnlichkeit“ schnell erklärt. Es bedeutet, dass sich die übergeordneten Wellenformen, also unter anderem das oben dargestellte Grundmuster, in untergeordneten Wellen wiederfinden, genau wie bei den Beispielen der Natur (Baumzweig, Farn, Blumenkohl, Schneeflocke etc.).

Ein wollständiger Marktzyklus (siehe oberer Verlauf in der Grafik) besteht gemäß der Elliott-Wellen-Theorie aus 8 Wellen:

  • 3 Impulswellen (Wellen 1, 3 und 5),
  • 2 Korrekturwellen (2 und 4) sowie
  • einer Gegenbewegung in 3 Wellen (A, B und C).

Dabei besteht die Impulswelle 1 selbst wieder aus 5 Wellen (siehe mittlerer Verlauf): 3 Impulswellen (1, 3 und 5) und 2 Korrekturwellen (2 und 4).
Die (Korrektur-)Welle 2 besteht als Gegenbewegung aus 3 Unterwellen: den Wellen A, B und C. Und so weiter.

Alleine mit diesen Erkenntnissen kann man bereits gute Kursprognosen erstellen. Denn wenn man ein Stück eines der drei oben dargestellten Kursverläufe im Verlauf einer Aktie oder eines Index erkannt hat, kann man den weiteren Verlauf prognostizieren.

Wo beginnt man mit der Zählung?

Es gibt aber dabei ein Problem bei der Analyse der Elliott-Wellen: Man muss feststellen, wo eine 5-wellige Trendbewegung ihren Ursprung hat.
Dieser liegt stets an markanten Tiefpunkten. Daher sollte man über die Zeitebene – also über einen längerfristigen Chartausschnitt – feststellen, wo mit der Elliott-Wellen-Zählung zu beginnen ist.
Man muss eine einmal erstellte Elliott-Wellen-Analyse also verifizieren bzw. bestätigen, indem man überprüft, ob die untergeordnete Wellenzählung zum übergeordneten Chartbild passt.

Am Beispiel des DAX sehen wir die Elliott-Wellen übrigens derzeit wie folgt.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse 

Kombination aus Elliott-Wellen und Fibonacci-Marken

Die Elliott-Wellen alleine funktionieren als Instrument der Chartanalyse schon sehr gut. Doch in Kombination mit weiteren charttechnischen Methoden erhält man noch treffsicherere Prognosen.
Die Fibonacci-Marken zum Beispiel sind ein hervorragendes Instrument um Korrekturpotentiale aufzudecken.
Erkennt man in einem Kursverlauf zum Beispiel das Ende einer vollständigen 5-gliedrigen Trendbewegung, dann weiß man, dass eine ABC-Korrektur folgen wird. Wie weit diese Korrektur reichen könnte, kann man anhand der Fibonacci-Marken (38,20%, 50%, 61,80%, etc.) festlegen.

Am Beispiel des DAX würde dies wie folgt aussehen..

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Die Elliott-Wellen-Regeln können Bücher füllen

Die Elliott-Wellen-Theorie kennt neben den hier dargestellten Grundmustern noch sehr viel mehr Chartformationen und Regeln. Die Elliott-Wellen-Theorie ist deutlich komplexer als das hier bislang dargestellte. Dadurch gibt es leider auch viele Möglichkeiten, die Wellen zu zählen. Drei „Elliott-Waver“ kommen nicht selten zu fünf verschiedenen Ergebnissen.

Und so könnte man das Szenario im DAX auch wie folgt alternativ gezählt werden.

DAX - alternative Elliott-Wellen-Zählung

In diesem Chart erkennen Sie anhand der Buchstaben A, B, C, D und E, dass es neben dem Grundmuster noch weitere Formationen und Regeln gibt. Diese alle auf einmal zu erklären, würde den Rahmen des Newsletters sprengen.

Weitere Regeln zur Elliott-Wellen-Theorie werden hier an dieser Stelle zukünftig noch erläutert.


Hinweis zum Trading:

In den DAX-Charts erkennen Sie aber auch bereits, dass wir von einer größeren Korrektur im DAX ausgehen, die bis zum ehemaligen Allzeithoch zurückreichen kann. Anschließend wird sich der Aufwärtstrend fortsetzen.

Das Jahr 2014 dürfte also günstigere Kaufkurse bereithalten. Setzen Sie also enge Stopps an Ihre Positionen und kaufen Sie in fallende Kurse hinein die ausgestoppten Werte zu günstigeren Kursen zurück.

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