Werden die Schwellenländer zu einem echten Problem? +++ Chart-Check: DAX, S&P500, EUR/USD, Gold

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse - Werden die Schwellenländer zu einem echten Problem?
  2. Chart-Check - Chartanalysen zu DAX, S&P500, EUR/USD und Gold
  3. Termine der kommenden Woche

›› Marktanalyse
- Werden die Schwellenländer zu einem echten Problem?
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Kapitalflucht aus Schwellenländern, die als Grund für die Kursverluste in DAX & Co. herangezogen wurden, ist real und könnte zu einem echten weltweiten Problem werden.

Notenbanken der Schwellenländer stemmen sich gegen Währungsprobleme

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins (1-Wochen-Repo) deshalb in dieser Woche auf einen Schlag von bisher 4,5 % auf 10 % mehr als verdoppelt. Die Zentralbank Südafrikas hob den Schlüsselzins am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt auf 5,5 % an. Indien reagierte ebenfalls geldpolitisch.

Probleme sind nicht erst seit kurzem bekannt

Dennoch sind die starken Kursrückgänge an den Aktienmärkten aus unserer Sicht rein technischer Natur. Es hat lediglich irgendeiner Nachricht bedurft, um die Verkäufe auszulösen.

Türkische Lira verliert gegenüber US-Dollar dramatischZumal die aktuell viel diskutierte Kapitalflucht nicht von heute auf morgen begonnen hat, sondern schon zu beobachten war, als die Aktienmärkte noch stiegen. Die Ursache ist den Märkten schon länger bekannt und zumeist hausgemacht.

Die Probleme der Türkei zum Beispiel sind politischer sowie wirtschaftlicher Natur. Und die Lira wertet schon seit Mitte 2008 deutlich gegenüber dem US-Dollar ab (siehe Chart).

US-Notenbank erwähnt Probleme der Schwellenländer mit keiner Silbe

Auch die US-Notenbank Fed scheint das Problem nicht so hoch zu gewichten wie derzeit die Märkte. Denn sie erwähnte im Anschluss an die jüngste FOMC-Sitzung am Mittwoch die Turbulenzen in den Schwellenländern mit keiner Silbe.

Geldpolitische Wende der Fed könnte die Probleme verschärfen

Dabei könnten sich die Kapitalflucht und die Währungsprobleme sogar noch verschärfen, weil die US-Notenbank verkündete, ihre Anleihekäufe ein zweites Mal um 10 Mrd. US-Dollar pro Monat auf nun 65 Mrd. (Staatsanleihen für 35 Milliarden Dollar und Hypothekenwertpapiere für 30 Milliarden Dollar) zu reduzieren. Und den nächsten Schritt in gleicher Höhe hat die Fed-Spitze bereits angekündigt.
Sie zeigt sich damit fest entschlossen, kontinuierlich auf den nächsten Sitzungen die Käufe wie geplant um jeweils 10 Mrd. US-Dollar zu drosseln.

Fed erwartet stärkeres BIP-Wachstum

Selbst wenn kurzfristig einzelne Konjunkturdaten schlechter ausfallen: Nachdem sich für das Gesamtjahr 2013 ein Zuwachs des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,9 % errechnet, erwartet die Fed für 2014 mehr als 3 % BIP-Wachstum. Der Aufschwung der US-Wirtschaft soll also weiter an Fahrt gewinnen.

US-Arbeitsmarktdaten könnten weiter an Schrecken verlieren

Deshalb könnten auch die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten weiter an Schrecken verlieren. Die Währungshüter hatten sich für eine neuerliche Drosselung des Ankaufvolumens entschieden haben, obwohl im Dezember nur 74.000 neue Arbeitsstellen geschaffen wurden. Dies untermauert, dass auf einzelne enttäuschende Konjunkturdaten kein allzu großes Gewicht gelegt wird.

Entsprechend dürfte auf die Januarzahlen geachtet werden, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Der Konsens erwartet ca. 180.000 neue Stellen. Erst wenn diese Zahl erneut deutlich unterboten wird und damit mehrere aufeinanderfolgende Werte Zweifel an einer nachhaltigen Erholung des US-Arbeitsmarkts aufkommen lassen, dürfte die Fed von ihrem Plan abrücken.

Solange dies nicht der Fall ist, werden die Märkte nicht mehr so stark auf die US-Arbeitsmarktdaten reagieren, wie es in der Vergangenheit der Fall war, als die Märkte noch Angst vor dem Beginn des sogenannten Tapering hatten.

Auch der Euro leidet unter dem Kurswechsel der Fed

Auch der Euro verliert gegenüber US-Dollar an WertEs war zu erwarten, dass die geldpolitische Wende Anlagegelder zurück in die USA holen würde. Dies lässt sich auch am EUR/USD-Wechselkurs ablesen. Denn seit die Fed im Dezember den Beginn des Tapering verkündet hat, verliert auch der Euro zum US-Dollar.

Muss auch die europäische Zentralbank reagieren?

Hinzu kommt, dass im Gegensatz zur Türkei höhere Leitzinsen in der Euro-Zone derzeit kein Thema sind. Im Gegenteil: Die jüngst gemeldeten vorläufigen Inflationsdaten heizten wieder einmal Spekulationen an, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte auf der Sitzung am kommenden Donnerstag eine noch lockere Geldpolitik beschließen.

Die jährliche Inflationsrate lag im Januar bei 0,7 %, nach 0,8 % im Dezember. Und durch die Abwertung der Währungen in den Schwellenländern werden weitere deflationäre Tendenzen nach Europa importiert.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chart-Check
- Chartanalysen zu DAX, S&P500, EUR/USD und Gold
von Sven Weisenhaus

DAX

Der DAX ist inzwischen aus dem (gelben) Aufwärtstrend herausgerutscht, der seit Juni 2013 Bestand hatte (siehe folgender Chart).

DAX - langfristige Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) DAX, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Dadurch wurde weiteres Abwärtspotential ausgelöst, welches zunächst bis zur psychologisch wichtigen Marke von 9.000 Punkten reicht - dort liegt auch ein Tief von Mitte Dezember 2013 - und später bis zur unteren Linie des grünen Aufwärtstrends, welcher aktuell bei 8.664 Punkten verläuft, reichen kann.

DAX bildet Keil
(erstellt mit: tradesignalonline.com) DAX, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Im kurzfristigen Bereich hat es der DAX derzeit mit einem Keil zu tun. Aktuell stößt der Kurs an die obere Begrenzungslinie, weshalb auch hier ein erneuter Kursrutsch befürchtet werden muss.
Kann der Kurs allerdings auf über 9.326 Punkte steigen, würde dies ein Potential auf bis zu 9.537 Punkte auslösen – dort hat der Keil seinen Hochpunkt.

S&P500

Der S&P500 ist mit der Kerze vom Freitag exakt auf der seit Ende 2012 gültigen Aufwärtstrendlinie aufgesetzt. Genau auf diesem Niveau verläuft auch die blaue Aufwärtslinie, die den Kursanstieg des US-Index im Jahr 2013 mehrfach verhindert hatte.

S&P500 - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) S&P500, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Dieser Rücksetzer bedeutet bislang, dann noch alle Aufwärtstrends völlig intakt sind. Doch wenn der Index unter das Unterstützungsbündel rutschen sollte, wäre die Lage ernst. Dann müsste auch ein weiterer Kursrutsch bis auf die untere Trendlinie des seit Oktober 2011 gültigen Aufwärtstrendkanals einkalkuliert werden.

Es bleibt spannend, wie viel von dem Abwärtspotential, welches wir auf 300 Punkte beziffert haben, sich die Bären zu Nutze machen können.

Ob sich aus den bisherigen Verlusten eine ausgewachsene Korrektur erwächst, wird man am Verhalten an wichtigen Trendlinien feststellen können, schrieben wir vor einer Woche. Der Index hat diese nun erreicht. Daher wird es sehr bald eine Entscheidung geben.

Das Chance/Risiko-Verhältnis zwischen Short- und Long-Positionen ist durch das erreichen wichtiger Unterstützungen nun wieder etwas ausgeglichener. Es könnte zumindest zu einer stärkeren Gegenbewegung kommen.

EUR/USD

Der Euro ist wieder unter die Aufwärtstrendlinie gerutscht, nachdem er sich in der Woche zuvor noch zurückarbeiten konnte.

EUR/USD - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) EUR/USD, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Unsere Erwartung an den Euro lautete: „Der Kurs dürfte mal nach oben, dann wieder ein wenig nach unten tendieren. Insgesamt dürfte er sich aber wenig weit von der 1,35er Marke entfernen.“ Nachdem er sich von der Marke entfernt hatte, hat er sie nun wieder exakt angesteuert. Perfekter kann eine Prognose also kaum lauten.

Gold

Der Goldpreis zeigte sich von der Entscheidung der US-Notenbank belastet und konnte nicht mehr von den schwachen Aktienmärkten profitieren.

Gold - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) Gold, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Solange der ehemalige Widerstand bei 1.250 US-Dollar seine Funktion als Unterstützung meistern kann, sollte das Bild beim Goldpreis klar bullisch bleiben, so unsere Analyse vor einer Woche. Und weiter schrieben wir: „In dieser Woche könnte die US-Notenbank den nächsten Schritt verkünden. Wenn der Goldpreis hier nicht negativ reagiert, … wird die Gegenbewegung weiter anhalten können.
Leider hat Gold negativ reagiert und der Preis ist unter den wichtigen Widerstand gerutscht. Deshalb gilt die Gegenbewegung als vorläufig beendet.

Diese Entwicklung hatten wir bereits einkalkuliert. Im Interview für das DAF äußerte ich bereits am Mittwoch, dass es zu diesem Zeitpunkt schon danach aussah, dass der Kurs am Widerstand aus der Target-Trend-Analyse bei 1.265 US-Dollar stärker nach unten abdrehte. Und allzu viel Kurspotential billigten wir Gold in den vorangegangenen Analysen auch nicht zu. Gold-Käufe, bei denen man auf einen erneuten Preisanstieg auf 1.900 US-Dollar oder mehr setzt, waren dem Prinzip Hoffnung (oder eher Hoffnungslosigkeit) zuzuordnen.

Bearish wird es jedoch erst, wenn das jüngste Tief bei 1.231 US-Dollar unterschritten wird. Dann wäre ein erneuter Rutsch auf das markante Tief bei rund 1.180 US-Dollar möglich.

Unsere Gold-Investition im „Geldanlage Premium Depot“ hat weder unter dem Rückgang des Goldpreises noch unter den Verlusten am Aktienmarkt gelitten. Im Gegenteil: Sie erreichte einen neuen Gewinnrekord und liegt nun schon fast 15 % im Plus innerhalb von nur 6 Wochen. Hier zeigt sich, dass man mit unserer Strategie in jeder Marktphase Gewinne erzielen kann.

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 06: Handelswoche vom 03.02. bis 07.02.2014)

Sie können die „Termine der Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 03.02.2014

  • 09:55 - DE Einkaufsmanagerindex Januar
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Eurozone Januar
  • 15:00 - US ISM Index Januar
  • 16:00 - US Bauausgaben Dezember


Dienstag, 04.02.2014

  • 11:00 - EU Erzeugerpreise Industrie Dezember


Mittwoch, 05.02.2014

  • 09:55 - DE Dienstleistungsindex Januar
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen Januar
  • 11:00 - EU Einzelhandel Dezember
  • 14:15 - US ADP-Arbeitsmarktbericht Januar
  • 16:00 - US ISM Dienstleistungsindex Januar


Donnerstag, 06.02.2014

  • 11:00 - DE ifo Wirtschaftsklima Euroraum 1. Quartal
  • 12:00 - DE Auftragseingang Industrie Dezember
  • 13:00 - GB BoE Sitzungsergebnis
  • 13:45 - EU EZB Sitzungsergebnis
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 14:30 - US Handelsbilanz Dezember


Freitag, 07.02.2014

  • 08:00 - DE Außenhandel Dezember
  • 12:00 - DE Produktion prod. Gewerbe Dezember
  • 14:30 - US Beschäftigte ex Agrar Januar
  • 14:30 - US Arbeitslosenquote Januar
  • 21:00 - US Verbraucherkredite Januar

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...