Darum könnte die EZB morgen für ein Kursfeuerwerk sorgen

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse – Die EZB könnte morgen für ein Kursfeuerwerk sorgen
  2. Börsen-Wissen - So analysiert man Volkswirtschaften
  3. Börsen-Wissen – Daten zur Analyse der europäischen Wirtschaft
  4. Konjunktur-Radar - Dahin steuert die europäische Wirtschaft

›› Marktanalyse
– Die EZB könnte morgen für ein Kursfeuerwerk sorgen
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

bisher haben wir uns hier im "Geldanlage-Brief" insbesondere mit den Konjunkturdaten aus den USA beschäftigt. Wir wollten durch eine ausführliche und kontinuierliche Analyse der Daten in Erfahrung bringen, wie sich die US-Wirtschaft entwickelt und ob sich die begonnene konjunkturelle Erholung fortsetzt.

Von den Wirtschaftsdaten auf die Aktienmärkte schließen

Ziel des Ganzen war es einerseits, anhand der Wirtschaftsdaten Rückschlüsse auf die langfristige Aktienmarktentwicklung zu ziehen. Wir suchten Antworten auf die Fragen, ob der allgemeine Kursanstieg fundamental gerechtfertigt war und ob wir es mit einer Korrektur oder einer Trendwende zu tun bekommen könnten. Unser Fazit war, dass die fundamentale Grundlage für steigende Aktienmärkte vorhanden ist und dass es sich bei den aktuellen Kursverlusten lediglich um eine Korrektur handelt, die insbesondere (chart-)technischer Natur ist.

Von den Wirtschaftsdaten auf die Geldpolitik der Fed schließen

Andererseits wollten wir anhand der Analyse der US-Wirtschaftsdaten aber auch eruieren, auf welchen geldpolitischen Pfaden die US-Notenbank Fed zukünftig wandeln könnte. Dies abschätzen zu können war wichtig, weil die Liquidität der Notenbank zu einem Großteil die Kursentwicklung an den weltweiten Börsen (mit)beeinflusst hat.
Hier ist es uns dank der ausführlichen Analysen unter anderem gelungen, den richtigen Starttermin für das sogenannte Tapering zu identifizieren.

Wechsel des Fokus aus gegebenem Anlass

Inzwischen haben sich die Märkte darauf eingestellt, dass die Anleihekäufe schrittweise reduziert werden und diese im Laufe des Jahres vollständig eingestellt werden. Unser Job ist damit nicht erledigt, denn eine Kursänderung der US-Wirtschaft dürfte auch zu einer Verschiebung im Plan der Fed führen. Insofern gilt es, die US-Daten weiterhin im Auge zu behalten. Die Intensität der Betrachtung kann aber etwas zurückgenommen werden.

Und aus gegebenem Anlass kann man den Fokus weg von den US-Daten und hin zur Entwicklung in Europa richten. Denn wegen niedriger Inflationsraten, einer zu geringen Kreditvergabe und einer nur sehr schleppend verlaufenden Bodenbildung im europäischen Konjunkturzyklus, könnte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser Woche konträr zum US-amerikanischen Pendant verhalten. Es wird inzwischen erwartet, dass die Hüter unserer Gemeinschaftswährung nach der Sitzung am morgigen Donnerstag eine Senkung des Leitzinses von aktuellen 0,25 % auf 0 % verkünden werden. Andere Experten sehen keine Änderung der Zinsen, dafür aber alternative monetäre Maßnahmen.

Eine Analyse der europäischen Konjunkturdaten könnte Klarheit bringen

Werfen wir daher nun einen Blick auf die Konjunkturdaten in Europa. Wie steht es wirklich um die Wirtschaft auf unserem heimischen Kontinent und ist ein Eingreifen der EZB wirklich nötig und damit wahrscheinlich? Beachten Sie: Wenn die EZB die Liquiditätsschrauben tatsächlich morgen lockert, könnte dies das vorläufige Ende der Korrektur am Aktienmarkt bedeuten und zumindest eine stärkere Gegenbewegung einsetzen.


Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit der Lektüre
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Börsen-Wissen
- So analysiert man Volkswirtschaften
von Sven Weisenhaus

Will man eine Volkswirtschaft analysieren, dann steht man zunächst vor der Frage, was man da überhaupt betrachten soll und welche Informationen es überhaupt gibt.

Die Bereiche einer Volkswirtschaft

Im Grunde kann man jede Volkswirtschaft nach einem bestimmten Grundmuster analysieren. Eine Volkswirtschaft lässt sich immer in die Bereiche
- Staat (BIP, Verschuldung),
- Finanzsektor (Währungen, Zentralbanken, Leitzins),
- Unternehmen (Industrie und Dienstleistung) und
- Verbraucher
unterteilen.

Zudem gibt es in jeder Volkswirtschaft einen Arbeitsmarkt, einen Immobilienmarkt und Preisentwicklungen. Und es gibt Umfragen unter bestimmten Gruppen von Wirtschaftsteilnehmern (Verbraucher, Einkaufsmanager, Firmenlenker) die als Stimmungsindikatoren bezeichnet werden.

Frühindikatoren und Spätindikatoren

Zu allen diesen Faktoren einer Volkswirtschaft werden Daten erhoben und veröffentlicht. Diese Daten lassen sich wiederum in Frühindikatoren und Spätindikatoren einteilen.
Zu den Frühindikatoren zählen zum Beispiel die Stimmungsindikatoren oder der Auftragseingang in der Industrie. Zu den Spätindikatoren gehören zum Beispiel die Arbeitslosenquote oder insbesondere auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Sich wiederholende Prozesse einer Volkswirtschaft

Wieso diese Aufteilung? Warum gehören der Auftragseingang zu den Frühindikatoren und das BIP zu den Spätindikatoren? Dazu müssen Sie sich einfach einen Produktionsprozess vorstellen oder die Entwicklungen in einer Volkswirtschaft. Dazu ein Beispiel:
- Wenn die Stimmung der Verbraucher gut ist oder steigt, wird zukünftig mehr konsumiert.
- Wenn mehr konsumiert wird, muss mehr produziert werden.
- Wenn mehr produziert werden muss, muss man mehr Aufträge erteilen.
- Wenn mehr Aufträge erteilt werden, steigt der Auftragseingang.
- Diese Aufträge gehen bei Einkaufsmanagern ein, und es werden Rohstoffe bestellt.
- Die Aufträge werden produziert. (Industrieproduktion)
- Wenn mehr produziert werden muss, müssen mehr Leute eingestellt werden. (Arbeitsmarkt)
- Wenn mehr produziert wurde, ist am Ende das BIP gestiegen.

Wenn die Stimmungsindikatoren und die Auftragseingänge (Frühindikator) bereits steigen, kann es sein, dass die Arbeitslosenquote (Spätindikator) noch fällt – und umgekehrt.

Diese Beispiele sollten Ihnen ausreichen, um den Unterschied und die Systematik hinter den beiden Begriffen zu erkennen.
Anhand der einzelnen Früh- und Spätindikatoren kann man sehr gut erkennen, an welcher Stelle man sich in einem Konjunkturzyklus (Boom, Abschwung, Rezession, Aufschwung) gerade befindet.

Daten zur Analyse der US-amerikanischen und der europäischen Wirtschaft

Vergleichen Sie das hier Geschriebene einmal mit der „Liste der Daten zur Analyse der US-Wirtschaft“, die Sie auf unserer Homepage finden. Genau über diese Daten konnten Sie hier im „Geldanlage-Brief“ in der Vergangenheit bereits sehr viel lesen.

Analog dazu haben wir Ihnen nachfolgend eine Liste von Konjunkturindikatoren zusammengestellt, die regelmäßig zur europäischen Wirtschaft veröffentlicht werden.
Sie werden feststellen, dass die beiden Aufstellungen viele Parallelen haben, was ein Hinweis darauf ist, dass man tatsächlich jede Volkswirtschaft nach einem bestimmten Grundmuster analysieren kann.

 



›› Börsen-Wissen
– Daten zur Analyse der europäischen Wirtschaft
von Sven Weisenhaus

Bei der folgenden "Liste der Daten zur Analyse der europäischen Wirtschaft" handelt sich um eine geordnete Aufstellung der Daten, anhand derer man eine Analyse der wirtschaftlichen Situation in Europa vornehmen kann.

Mit dieser Auflistung erhalten Sie einen Eindruck darüber, wie viele Daten regelmäßig zur Wirtschaft in Europa bzw. im Euroraum veröffentlicht werden und welche Daten man betrachten sollte, um einen vollständigen Eindruck über die wirtschaftliche Verfassung Europas zu erhalten.

Diese Liste enthält dabei noch nicht einmal alle Daten, sondern nur die, die wir für besonders relevant und aussagekräftig halten.

Liste der Daten zur Analyse der europäischen Wirtschaft


Grundlegende Daten

  • Staatshaushalt / Verschuldung
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP)


Geldpolitik

  • Leitzins der EZB


Arbeitsmarkt

  • Arbeitslosenquote


Verbraucher

  • Einzelhandelsumsatz


Industrie

  • Industrieproduktion
  • Produktion im Baugewerbe


Stimmungsindikatoren

  • ZEW-Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
  • Einkaufsmanagerindizes
  • Geschäftsklimaindex für die Eurozone
  • Gesamtindex zur europäischen Geschäfts- und Verbraucherstimmung


Preisentwicklung

  • Verbraucherpreise
  • Erzeugerpreise
  • Immobilienpreise

Um ein Gesamtbild über die Konjunktur einer jeden Volkswirtschaft zu erhalten, ist es absolut wichtig:

  • einerseits eine zeitraumbezogene Betrachtung vorzunehmen. Das bedeutet, dass Sie berücksichtigen müssen, wie sich die einzelnen Konjunkturdaten für sich genommen in der Vergangenheit entwickelt haben und auf welchem Stand sie sich aktuell befinden.
  • Andererseits müssen Sie die Konjunkturdaten in einen systematischen Zusammenhang bringen. Das bedeutet, Sie sollten zwischen Früh- und Spätindikatoren bzw. zwischen pro- und antizyklischen Daten unterscheiden und zudem die Wechselwirkung der Daten zueinander beachten.

Hierzu dienen Ihnen unsere ausführlicheren Berichte im Geldanlage-Brief.

 



›› Konjunktur-Radar
- Dahin steuert die europäische Wirtschaft
von Sven Weisenhaus

Wir werden in dieser Ausgabe des Geldanlage-Briefs nicht alle Daten zur europäischen Wirtschaft besprechen. Dies würde den Rahmen des heutigen Newsletters sprengen. Wir beschränken uns stattdessen auf einige wenige Daten die ausreichend sind, um eine Prognose zur morgigen Notenbanksitzung der EZB abgeben zu können.

Denn der EZB-Chef Mario Draghi stützt sich derzeit auf zwei wesentliche Kriterien: Zunehmende Spannungen an den Geldmärkten und eine weiter sinkende Teuerungsrate. Beide Faktoren können die Notenbank zu weiteren Zinsschritten oder Sondermaßnahmen veranlassen.

Das Problem der Staatsanleihen ist aktuell unter Kontrolle

Einer der Gründe für die Euro-Krise waren stark gestiegene Renditen von Staatsanleihen insbesondere südeuropäischer Länder (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien). Da sich die Regierungen zu den hohen Zinsen nicht mehr refinanzieren konnten, mussten Sie durch die Rettungsschirme geschützt und gestützt werden.

Inzwischen haben sich diese Spannungen aber längst wieder abgebaut. Die Renditen haben wieder erträgliche Niveaus angenommen und sind seitdem nicht mehr stark gestiegen, wie die folgende Grafik zeigt.

Renditen europäischer Staatsanleihen, seit 1995
(Quelle: Markt-Daten.de) Renditen europäischer Staatsanleihen, seit 1995

Italien hat zum Beispiel erst Mitte Januar die Kapitalmärkte mit einem so geringen Risikoaufschlag wie noch nie seit der Euro-Einführung angezapft. In diesem Bereich findet sich also kein Grund für neue Maßnahmen der EZB.

Zu schnelle Normalisierung der Geldmarktzinsen könnte zum Problem werden

Mit „Spannungen an den Geldmärkten“ hatte Draghi aber auch nicht die Zinsen für Staatsanleihen gemeint. Stattdessen wurde die „zu schnelle Normalisierung des (Referenzzinssatzes) EONIA“, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen, damit kritisiert. Der EONIA-Satz lag zuletzt bei rund 0,19 % und damit nur noch leicht unter dem Leitzins von 0,25 %. Eine Erhöhung der Geldmarktzinsen und die damit einhergehende ungewollte Straffung der Geldpolitik seien für die EZB „unvertretbar“, so Draghi.

Mögliche Gegenmaßnahmen der EZB

Um diesem Problem entgegenzugehen wären massive Geldspritzen der Notenbank in das Finanzsystem denkbar. Diese würden nach dem Vorbild erfolgen, nach dem die EZB über zwei je drei Jahre laufende Refinanzierungsgeschäfte den Banken auf dem Höhepunkt der Euro-Krise Ende 2011/Anfang 2012 gut eine Billion Euro zugeführt hatte.

Die schrittweise Rückzahlung dieses Geldes ist einer der Gründe für den jüngsten Anstieg der Zinsen auf dem für die Refinanzierung der Institute wichtigen Geldmarkt.

Das Problem der zu niedrigen Inflationsraten

Das zweite wesentliche Kriterium, wonach sich die weitere Geldpolitik der EZB aktuell richtet, ist, wie oben beschrieben, das Thema der Preisentwicklung. Informationen zur Preisentwicklung in Europa erhält man von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union.

Am Sonntag berichteten wir bereits hier im Geldanlage-Brief, dass die jährliche Inflationsrate im Januar nur 0,7 % vorausgeschätzt wurde, nach 0,8 % im Dezember und 0,9 % im November (siehe Grafik).

Europa - jährliche Inflationsrate
(Quelle: Eurostat) jährliche Inflationsraten im Euroraum

Einer Pressemitteilung vom 4. Januar konnte man entnehmen, dass die Erzeugerpreise der Industrie im Dezember 2013 gegenüber Dezember 2012 sogar gesunken sind, im Euroraum um 0,8 % und in der EU28 um 0,6 %.
Bereits im November 2013 fielen die Erzeugerpreise der Industrie gegenüber November 2012 im Euroraum um 1,2 % und in der EU28 um 1,0 %. Und im Oktober 2013 fielen die Erzeugerpreise der Industrie gegenüber dem Vorjahresmonat im Euroraum um 1,4 % und in der EU28 um 1,1 %.
Es ist eine Tendenz hin in zum positiven Bereich zu erkennen, doch Fakt ist, dass die Preise seit Monaten fallen. Und dieses Phänomen betrifft nicht nur die Erzeugerpreise.

Am 21. Januar wurde bekanntgegeben, dass die Hauspreise, gemessen durch den Hauspreisindex (HPI), im dritten Quartal 2013 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal im Euroraum um 1,3 % und in der EU um 0,5 % gefallen sind (siehe Grafik).

Europa - Hauspreisindex (HPI)
(Quelle: Eurostat) Hauspreisindex (HPI)

Hauptsächlich geht dieser Rückgang natürlich auf die Problemkinder Europas zurück. In Zypern betrug der Rückgang zum Beispiel 8,0 %, in Spanien 6,4 %.

Fazit

Warum die Teuerung in Europa deflationäre Tendenzen aufweist, obwohl wir Verbraucher hier in Deutschland ständig über steigende Preise schimpfen, das erfahren Sie in einer der nächsten Ausgaben des Geldanlage-Briefs.

Das Fazit der heutigen Analyse - und die besprochenen Daten reichen aus, um eine Prognose zur morgigen EZB-Entscheidung abgeben zu können - lautet, dass die EZB angesichts steigender Geldmarktzinsen einerseits und deflationärer Tendenzen andererseits durchaus morgen eine deutliche Reaktion zeigen dürfte.

Aktionäre dürfte dies freuen – wir erinnern in diesem Zusammenhang an den bullishen Keil, den wir in der Chartanalyse vom Sonntag im DAX entdeckt haben. Dieser könnte sich, unterstützt durch die EZB, idealtypisch nach oben hin auflösen. Profitieren könnte auch der Goldpreis, den Euro hingegen sollte dies belasten.

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