Kursfeuerwerk blieb aus - Die Korrektur könnte sich bald fortsetzen

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse - Kursfeuerwerk blieb aus
  2. Chart-Check - Chartanalysen zu DAX, S&P500, EUR/USD und Gold
  3. Termine der kommenden Woche

›› Marktanalyse
- Kursfeuerwerk blieb aus
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefder EZB-Rat hat auf der Sitzung in dieser Woche beschlossen, den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sowie die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität unverändert bei 0,25%, 0,75% bzw. 0,00% zu belassen.

EZB: Unveränderte Geldpolitik trotz diverser Probleme

Die Notenbank begründete den Verzicht auf neue geldpolitische Maßnahmen damit, dass die Lage sehr ungewiss sei und man zunächst weitere Informationen benötige. Sie betonte, dass der Leitzins längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigerem Niveau bleiben wird. Dies bedeutet, dass eine Zinssenkung (oder andere Maßnahmen) auf einer der nächsten Sitzungen durchaus noch möglich ist. Zumal die EZB derzeit diverse Probleme im Auge behalten muss.

Problem 1: Verhaltenes Geld- und Kreditwachstum

Sie bemängelte zum Beispiel, dass das Geld- und Kreditwachstum verhalten sei. Die Entwicklungen auf dem Geldmarkt werde genauestens beobachtet und die EZB sei bereits, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, sofern nötig.

Problem 2: Zu niedrige Inflationsraten

Was die niedrigen Inflationsraten angeht, so rechnet die EZB auf mittelfristiger Sicht mit einem anhaltenden Preisdruck und einer längeren Phase von niedriger Inflation. Langfristig sei mit einer Erholung der Inflation auf unter aber nahe 2% zu rechnen. Eine Deflation sei derzeit nicht zu sehen, da keine Preisrückgänge auf breiter Basis stattfinden. Die niedrige Inflation sei durch Nahrungsmittel- und Energiepreise bedingt.

Problem 3: Schleppende Wirtschaftserholung

Die moderate wirtschaftliche Erholung in Europa setzt sich aus Sicht der EZB fort. Insbesondere soll sich die Binnennachfrage positiv entwickeln. Bilanzbereinigungen im öffentlichen Sektor und bei Unternehmen werden das Wachstum aber weiterhin bremsen. Und die Schwellenländer könnten die Erholung in der Eurozone belasten. Die Eurozone zeige sich aber widerstandsfähig gegenüber den Turbulenzen, so Mario Draghi auf der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Sitzung.

Wie geht es der europäischen Wirtschaft?

Über die Probleme auf dem Geldmarkt und die geringen Inflationsraten hatten wir am Mittwoch ausführlich berichtet. Wir kamen zu dem Fazit, dass die EZB angesichts steigender Geldmarktzinsen und deflationärer Tendenzen durchaus eine deutliche Reaktion zeigen dürfte. Leider blieb diese aus und damit auch das mögliche Kursfeuerwerk.

Was wir noch nicht betrachtet haben ist die Situation der Wirtschaft in Europa. Geht es der Eurozone bereits so gut, dass trotz der anderen Problemherde neue Liquiditätsspritzen nicht nötig sind? Dies werden wir uns am Mittwoch im „Konjunktur-Radar“ genauer ansehen, wenn wir die Analyse der Daten zur europäischen Wirtschaft fortsetzen.

Enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten

DAX - Reaktion auf US-ArbeitsmarktdatenEin weiteres wichtiges und kursbewegendes Thema in dieser Woche war der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag. Die neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft in den USA beliefen sich im Januar nur auf 113.000. Erwartet wurden 185.000 neue Stellen. Dafür wurden die Daten der beiden Vormonate um insgesamt 34.000 nach oben revidiert. Die US-Arbeitslosenquote ist im Januar von 6,7% auf 6,6% und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gesunken.

Arbeitsmarktdaten haben an Schrecken verloren

So kam es zu einer Patt-Situation – die Zahl der neugeschaffenen Stellen enttäuschte, die Arbeitslosenquote wusste dagegen zu überzeugen. Entsprechend fiel die Marktreaktion aus: Nach einem ersten Kursrutsch erholten sich die Kurse schnell wieder. Die Arbeitsmarktdaten sorgten damit zwar kurzzeitig für Wirbel an den Märkten, insgesamt haben die Daten aber, wie am Sonntag im Geldanlage-Brief beschrieben, weiter an Schrecken verloren.

Ausblick

In der kommenden Woche könnte es etwas gemächlicher zugehen. Wichtige Wirtschaftsdaten stehen, außer der für die Euro-Zone anstehenden Statistiken zum Bruttoinlandsprodukt, nicht auf der Agenda. Zwar wird zudem die neue Fed-Chefin Janet Yellen am Dienstag ihre erste Rede vor dem US-Kongress halten, doch neue Erkenntnisse dürften die Anleger hier nicht erhalten. Die Frage lautet daher, wie es charttechnisch weitergehen könnte. Antworten erhalten Sie im nachfolgenden „Chart-Check“.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chart-Check
- Chartanalysen zu DAX, S&P500, EUR/USD und Gold
von Sven Weisenhaus

DAX

Vor einer Woche hatten wir im kurzfristigen Bereich über eine Keilformation im DAX berichtet. Der Kurs stieß zu diesem Zeitpunkt gerade an dessen obere Begrenzungslinie, weshalb ein erneuter Kursrutsch befürchtet werden musste. Aus dem bullish zu wertenden Keil ergab sich aber auch ein Potential auf bis zu 9.537 Punkte – dort hat der Keil seinen Hochpunkt.

Tatsächlich kam es zuerst zu einem Kursrutsch (roter Pfeil im folgenden Chart) und anschließend zu einem bullishen Ausbruch aus dem Keil (grüner Pfeil). Der Ausbruch erfolgte daher idealtypisch.

DAX - bullishe Keilformation
(erstellt mit: tradesignalonline.com) DAX, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Die Gegenbewegung beträgt damit allerdings aktuell erst weniger als 38,20% der vorangegangenen Abwärtsbewegung, womit die Korrektur noch nicht als beendet gilt. Dies wäre erst dann der Fall, wenn der DAX auf über 9.517,94 Punkte steigen kann – genau dort wäre aber das Potential aus der Keilformation aufgebraucht. Wir gehen daher davon aus, dass es sich lediglich um eine Gegenbewegung handelt und eine zweite Abwärtswelle folgen wird.

Dies passt auch zur Elliott-Wellen-Theorie, wonach eine Korrektur immer in 3 Wellen abläuft (A, B und C). Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass wir am 22. Januar sehr ausführlich über diese Methode der Chartanalyse berichteten und im DAX eine Korrekturwelle 4 erwarteten (roter Pfeil im folgenden Chart). Diese Welle 4 könnte nun in der ABC-Formation (siehe blaue Pfeile) ablaufen.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) DAX, Candlestick-Chart, Wochenkerzen

Wir erwarten, dass der DAX die psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten noch erreichen und unterschreiten wird - dort liegt auch ein Tief von Mitte Dezember 2013 sowie die untere Trendlinie eines Aufwärtstrends, welcher aktuell bei 8.664 Punkten verläuft.

S&P500

Der S&P500 hat inzwischen sowohl die grüne Aufwärtstrendlinie als auch die blauen Unterstützungen verletzt, auch wenn sich der Kurs wieder erholen und der Index am Freitag oberhalb dieser Linien schließen konnte.

S&P500 - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) S&P500, Candlestick-Chart, Wochenkerzen

Vor einer Woche schrieben wir: „Doch wenn der Index unter das Unterstützungsbündel rutschen sollte, wäre die Lage ernst. Dann müsste auch ein weiterer Kursrutsch bis auf die untere Trendlinie des seit Oktober 2011 gültigen Aufwärtstrendkanals einkalkuliert werden.“ Dieses Szenario ist nun aktiviert und wird besonders wahrscheinlich, wenn der US-Index erneut unter die Linien rutscht.

Auch fundamental besteht durchaus noch Korrekturbedarf. Laut einem Handelsblatt-Bericht stieg das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den S&P 500 in 2013 von 14 auf 17. Das entspricht einem Anstieg um knapp 18% innerhalb eines Jahres. Im gleichen Zeitraum legten die Gewinne der Unternehmen aber nur um 7% zu.

Es bleibt spannend, wie viel von dem Abwärtspotential, welches wir auf 300 Punkte beziffert haben, sich die Bären zu Nutze machen können. Das Chance/Risiko-Verhältnis zwischen Short- und Long-Positionen ist durch das Verletzen der Trendlinien nun wieder in Richtung der Bären ausgeschlagen.

EUR/USD

Der Euro hält sich brav an unser erwartetes Szenario, wonach der Kurs mal nach oben, dann wieder ein wenig nach unten tendieren dürfte. Insgesamt sollte er sich aber „wenig weit von der 1,35er Marke entfernen“, so unsere Erwartung in den vorangegangenen Ausgaben.

EUR/USD - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) EUR/USD, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Mit Blick auf den Chart stellt sich diese Prognose ein weiteres Mal als goldrichtig heraus.

Gold

Apropos Gold: Auch hier liegen wir weiterhin voll im Plan. Der Goldpreis kann sich weiterhin in Reichweite des Widerstands bei 1.250 US-Dollar halten.

Gold - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) EUR/USD, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Da der Goldkurs keine Anstalten macht, deutlich abzurutschen, besteht eine sehr hohe Chance, dass ihm bald der nachhaltige Ausbruch über diese Widerstände gelingt, was sehr bullish zu werten wäre. Ein Kursziel von 1.300 US-Dollar wäre dann erreichbar. Wir präferieren dieses Szenario.

Kommt es aber dennoch zu einem Rutsch unter das letzte Zwischentief bei 1.231 US-Dollar, wäre ein erneuter Rutsch auf das markante Tief bei rund 1.180 US-Dollar möglich.

Solange der ehemalige Widerstand bei 1.250 US-Dollar seine Funktion als Unterstützung meistern aber kann, sollte das Bild beim Goldpreis klar bullisch bleiben.

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 07: Handelswoche vom 10.02. bis 14.02.2014)

Sie können die „Termine der Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 10.02.2014

  • Keine wichtigen Termine


Dienstag, 11.02.2014

  • 16:00 - US Großhandel Dezember


Mittwoch, 12.02.2014

  • 11:00 - EU Industrieproduktion Dezember


Donnerstag, 13.02.2014

  • 08:00 - DE Verbraucherpreise Januar
  • 11:00 - DE ifo Weltwirtschaftsklima 1. Quartal
  • 14:30 - US Einzelhandelsumsatz Januar
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 16:00 - US Lagerbestände Dezember


Freitag, 14.02.2014

  • 08:00 - DE BIP 4. Quartal
  • 11:00 - EU Außenhandel Dezember
  • 11:00 - EU BIP 4. Quartal
  • 14:30 - US Außenhandelspreise Januar
  • 15:15 - US Kapazitätsauslastung Januar
  • 15:15 - US Industrieproduktion Januar

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...