Konjunktur-Radar: Europa +++ DAX, Fresenius, BASF und Dürr im Check

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Konjunktur-Radar - Weitere Anzeichen für eine Erholung der europäischen Wirtschaft
  2. Aktienanalyse - DAX, Fresenius, BASF und Dürr im Check

›› Konjunktur-Radar
- Weitere Anzeichen für eine Erholung der europäischen Wirtschaft
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefunsere Analyse der europäischen Wirtschaft führte bislang zu der Erkenntnis, dass ausschließlich die diversen Früh- bzw. Stimmungsindikatoren (ZEW, Einkaufsmanager, Geschäftsklima, Verbrauchervertrauen) auf eine Erholung der Wirtschaft hindeuteten.

Einkaufsmanagerindizes deuten auf Wachstum

Dies bestätigen auch die jüngsten Umfragen unter Einkaufsmanagern. Der „Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion” gab im Vergleich zum Januar-Wert leicht um 0,2 auf 52,7 Punkte im Februar nach. Laut Markit entfernte er sich damit aber nur minimal von seinem 31-Monatshoch. Die Privatwirtschaft der Eurozone setzt ihren Aufschwung demnach mit einer der höchsten Wachstumsraten seit über zweieinhalb Jahren fort.

Aufträge steigen 7. Monat in Folge

Seit letztem Juli notiert dieser Index bereits über der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten und deutet damit den 8. Monat in Folge auf Wachstum. Der 7. Auftragszuwachs hintereinander fiel laut Markit sogar so stark aus wie zuletzt im Juni 2011.

Der Teilindex für den Bereich der Dienstleistungen in der Eurozone stieg nach der ersten offiziellen Schätzung im Februar von 51,6 auf 51,7 und damit auf den zweithöchsten Wert seit Juni 2011.
Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel dagegen von 54,0 auf 53,0. Aber auch dieser Rückgang ist nicht negativ zu werten, handelt es immer noch um den zweithöchsten Wert seit April 2011.

Kommt die Erholung nun auch in den „harten Fakten“ an?

Während die Stimmungsindikatoren also weiterhin auf eine Erholung der Wirtschaft hindeuten, war dies bisher bei den „harten Fakten“ (abgesehen vom BIP-Wachstum) noch nicht angekommen. Doch nun könnte sich auch hier die Trendwende abzeichnen. Damit würden die Spätindikatoren den Frühindikatoren tatsächlich folgen, was sehr positiv zu werten wäre.

Laut Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, stieg die saisonbereinigte Produktion im Baugewerbe im Dezember um 0,9% im Euroraum und um 1,0% in der EU. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Dezember 2012 ging die Produktion im Euroraum zwar noch um 0,2% zurück, stieg jedoch in der EU um 0,8%.

Produktion im Baugewerbe im Euroraum und in der EU
(Quelle: Eurostat) Produktion im Baugewerbe im Euroraum und in der EU

Bislang war es stets so, dass auf kurze Erholungen wieder Rückgänge folgten (siehe Grafik). Inzwischen deutet sich aber an, dass die im Frühjahr 2013 begonnene Erholung im Herbst 2013 nur einen kleinen Dämpfer bekommen hat und sich die Erholung nun wieder fortsetzt. Damit könnte die Trendwende eingeleitet sein.

Allerdings ist die Krise in den südlichen Ländern noch längst nicht beendet. Die stärksten Rückgänge auf Jahressicht verzeichneten ausgerechnet Portugal (-14,1%), Italien (-8,8%) und Spanien (-4,7%).

Warum steigt der Goldpreis?

Erfolgt der Anstieg des Goldpreises vor diesem Hintergrund? Glauben die Anleger, dass die sich die Krise in den Problemländern nicht lösen lässt und bald wieder zurückkehrt? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass jetzt auch noch die Ukraine zu einem neuen, zusätzlichen Belastungsfaktor für die EU und den Internationalen Währungsfonds wird? Vielleicht wird befürchtet, dass neue Rettungsgelder und weitere Maßnahmen der EZB doch noch zu einer anziehenden Inflation führen?!

Von Inflation keine Spur

Aktuell ist diese Furcht jedoch noch völlig unbegründet. Denn am Montag verkündete Eurostat, dass die Jahresteuerung in der Eurozone im Januar bei 0,8 % unverändert blieb, in der EU aber von 1,0% auf 0,9% weiter gesunken ist.

Inflationsraten in Europa
(Quelle: Eurostat) Inflationsraten in Europa

Und im Monatsvergleich haben wir es sogar mit fallenden Preisen zu tun. Die monatliche Inflation betrug im Januar im Euroraum -1,1%, in der EU sind die Preise im selben Zeitraum um 0,9% gesunken. Damit dürfte sich der Trend sinkender Inflationsraten (siehe folgende Grafik) weiter fortsetzen.

Sinkende Inflationsraten im Euroraum und in der EU
(Quelle: Eurostat) Sinkende Inflationsraten im Euroraum und in der EU

Gold - ChartanalyseDen Anstieg im Goldpreis sollte man vor diesem Hintergrund eher als Gegenbewegung auf die vorangegangenen Kursverluste bezeichnen. Ein rasanter Kursanstieg auf über 1.900 US-Dollar, wie wir ihn vor ca. 2,5 Jahren gesehen haben, dürfte sich eher nicht wiederholen.

Diamanten – Die perfekte Alternative!

Vor diesem Hintergrund möchten wir noch einmal auf die Anlagealternative Diamanten hinweisen, über die wir vor einer Woche berichteten.

Kursentwicklung von DiamantenGenau wie Gold gelten Diamanten als Krisen-Investment und als Schutz vor möglicher Inflation. Doch im Gegensatz zu Gold unterliegt der Markt für Diamanten keinen Spekulationsattacken.

Und während der Goldpreis im Rahmen der aktuellen Gegenbewegung nur ein begrenztes Kurspotential hat, sind bei Diamanten weiterhin jährliche Steigerungsraten von rund 15% zu erwarten.

Lassen Sie sich hier über das Thema Diamanten genauer informieren – kostenlos und unverbindlich.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Aktienanalyse
- DAX, Fresenius, BASF und Dürr im Check
von Sven Weisenhaus

Es ist einige Wochen her, dass wir hier im „Geldanlage-Brief“ zuletzt Einzel-Aktien analysiert haben. Am 8. Januar betrachteten wir die Aktien der Commerzbank, von ThyssenKrupp und Morphosys. Dies erfolgte im Rahmen der Wiedergabe eines Interviews, welches ich für das Deutsche Anleger Fernsehen DAF gegeben hatte.

Gestern früh, um 8:15 Uhr, habe ich dem DAF erneut Rede und Antwort gestanden. Dabei ging es um eine Einschätzung des DAX und eine Bewertung der Aktien von Fresenius, BASF und Dürr. Sie können sich das Interview hier als Video ansehen oder nachfolgend die Wiedergabe lesen. Im Anschluss daran erhalten Sie im Text weiter unten noch einige zusätzliche Informationen zu Fresenius und Dürr sowie ein Fazit.

DAF-Interview - DAX, Fresenius, BASF und Dürr im Check

Frage 1: Sehen wir uns den DAX an. Gestern kräftig zugelegt und auf über 9.700 Punkte geklettert. Sind wir jetzt endlich raus aus dieser Range? Ist jetzt der Weg nach oben offen?

Es sieht im Moment nicht so aus, als würde dies dem DAX gelingen. Er DAX pendelt schon seit dem 14. Februar in dieser engen Seitwärtsrange zwischen ca. 9.600 bis 9.700 Punkten (rote Markierung im Chart).

DAX - SeitwärtsrangeNach dem dynamischen Aufwärtsimpuls, den wir gestern (also am Montag) im Xetra-Handel gesehen haben, kam es im Späthandel schon wieder zu ersten Schwächen.

Wenn heute ebenfalls keine Anschlusskäufe erfolgen, und danach sieht es im Moment aus, dann dürften wir in diese Range zurückfallen. Denn die Chancen für einen erfolgreichen Ausbruch stehen immer dann besonders gut, wenn die Dynamik hoch ist. Und das ist im Moment leider nicht der Fall.

Frage 2: Schauen wir uns Einzelwerte an. Wir hatten heute schon Zahlen bekommen von Fresenius und BASF. Steigen wir mit Fresenius ein. Wie gefällt Ihnen hier der Chart.

Fresenius - ChartanalyseDer Chart sieht berauschend aus. Das Problem sind nur die Geschäftszahlen. Denn daraus ergibt sich, dass wir uns schon bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20 befinden, welches auch dem rasanten Kursanstieg geschuldet ist.

Wir sehen hier einen Aufwärtstrend, der 2009 begonnen hat. Im Moment schießt der Kurs nach oben hin aus dem Trendkanal heraus. Ich würde daher einfach jetzt eine Korrektur abwarten, die auf 100 Euro zurückführt, und erst dann wieder einsteigen. Denn dort wäre auch das fundamentale Bewertungsniveau wieder gerechtfertigt.

Frage 3: Herr Weisenhaus, Sie entpuppen sich als Spaßbremse heute früh, wenn ich diese knackigen Zahlen sehe und sie sagen: „Wartet erst einmal ab, wir sind schon zu weit gelaufen“. Wie sieht es denn aus bei BASF? Auch hier tragen ja die Zahlen das Attribut „Rekordjahr“.

Nicht nur ich bin die Spaßbremse, sondern letztendlich sind es die Unternehmenslenker auch. Denn diese gehen von etwas geringeren Wachstumsraten in diesem Jahr aus. Und da sieht es dann bei BASF ähnlich aus wie bei Fresenius. Wir haben auch hier schon ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 und bei einem nur schwach erwarteten Gewinnwachstum sowie sogar rückläufigen Umsatzwachstumsraten sieht das dann natürlich nicht ganz so schön aus.

BASF - ChartanalyseUnd das bestätigt auch die Charttechnik: Wir haben auch hier einen rasanten Kursanstieg, sehen aber, dass sich der Kurs seit 2009 einkeilt. In dieser Chartsituation handelt es sich um einen bärischen Keil, der auf fallende Kurse hindeutet. Deshalb würde ich, angesichts der fundamentalen Bewertung, auch bei BASF eher zurückhaltend agieren und fallende Kurse abwarten. Ein Kursziel von 60 Euro wäre hier sogar möglich, mithin ein Kurssturz um 30% - allerdings nur aus rein charttechnischer Sicht. Ich bin nicht ganz so pessimistisch, würde trotzdem auch erst bei unter 70 Euro bei BASF wieder zugreifen.

Frage 4: Jetzt lassen Sie mal alle Zurückhaltung fallen. Gucken wir uns auch noch Dürr an.

Sieht genauso schlecht aus. Ich hatte hier schon Ende November ein Interview zum Thema Dürr gegeben (siehe http://www.daf.fm/video/charttechnik-dax-korrektur-notwendig-50165992.html)
und damals eine Fahnenstange im Chart gesehen, weil sich der Kurs sowohl in 2012 als auch in 2013 glatt verdoppelt hatte.

Dürr - ChartanalyseDer Kurs stieg von 10 Euro im Jahr 2010 auf über 66 Euro an und das Ganze ging für mich zu schnell.

Allerdings hatten wir bei Dürr das Phänomen, dass der Kurs eigentlich nur in die fundamentale Entwicklung hineingewachsen ist und insofern das erreichte Kursniveau als fair anzusehen war.

Man sieht jetzt auch, dass der Kurs unterhalb von 66 Euro seitwärts tendiert. Ich erwarte, dass diese Seitwärtstendenz noch anhält. Die Luft wird so langsam aus dem Ballon gelassen und der Kurs kann sich auf seinem fairen Niveau einpendeln.

Also keine größeren (Kurs-)Rückschläge bei Dürr, aber eben auch keine großen Kursgewinne.

Hintergrundinformationen zum DAF-Interview
- Geschäftszahlen und fundamentale Daten

Was im Interview nicht besprochen wurde, aber zum Verständnis beiträgt, möchte ich speziell an Sie hier im „Geldanlage-Brief“ weitergeben:

Fresenius:

Fresenius hatte für das Geschäftsjahr 2013 einen währungsbereinigten Anstieg des Konzernumsatzes zwischen 7 und 10 % erwartet. Dies hätte Erlöse von bis zu 21,2 Mrd. Euro bedeutet. Tatsächlich betrug der Umsatz aber „nur“ 20,3 Mrd. Euro (+5 % zu Ist-Kursen, +8 % währungsbereinigt), wie aus dem heute frisch veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht.
Bei einer Marktkapitalisierung von 21,4 Mrd. bedeutet dies ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von etwas über 1, was als fair bewertet gilt.

Das Konzernergebnis sollte bei etwas mehr als 1 Mrd. Euro liegen, 1,051 Mrd. Euro sind es letztlich geworden. Damit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei rund 20, was bei erwarteten Wachstumsraten für das Konzernergebnis in 2014 von nur 2 bis 5 % nicht gerade billig ist.

Auch die Dividende von 1,25 Euro kann bei einer daraus errechneten Dividendenrendite von 1,1% nicht gerade glänzen.

Von fundamentaler Seite bestand und besteht also wenig Spielraum nach oben. Und dies spiegelt sich auch im Chart wider. Die Aktie von Fresenius verlor übrigens am Dienstag zwischenzeitig mehr als 8%. Die Aussagen im Interview, welches vor Börseneröffnung gegeben wurde, hätten also nicht treffender ausfallen können.

BASF:

BASF erscheint ebenfalls nicht sonderlich günstig. Die Bewertung liegt aktuell bei 76 Mrd. Euro. Der Umsatz liegt mit 74,0 Milliarden Euro (+3 % zum Vorjahr) etwa in gleicher Höhe, womit sich auch hier, genau wie bei Fresenius, bereits ein faires KUV von ca. 1 errechnet.

Der Dividendenvorschlag lautet auf 2,70 Euro (2012: 2,60 Euro), die Dividendenrendite würde somit immerhin bei 3,3% liegen.

Aber: Das Ergebnis je Aktie stieg von 5,25 auf 5,27 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt daher beim aktuellen Kurs von 82 Euro 15,6.

Und BASF rechnet für die globale Chemieindustrie mit einem Wachstum etwa auf dem Niveau des Vorjahres (+4%). Ein KGV von 15,6 ist dafür ganz klar zu hoch. (PEG = 3,9 (!))

Fazit - Was Sie daraus für Ihre Invetments ableiten sollten

Dem DAX ist ein Ausbruch nach oben (bislang) nicht geglückt. Und längerfristig erwarten wir nur eine Seitwärtsbewegung zwischen 9.000 und 10.000 Punkten. Wobei sich die Kurse damit aktuell bereits am oberen Ende befinden, was für ein begrenztes Aufwärtspotential spricht.

Am Beispiel der in dem DAF-Interview besprochenen Aktien zeigt sich, dass das fundamentale Bewertungsniveau vieler Aktien nicht mehr als günstig angesehen werden kann. Diverse Aktien haben enorme Kursanstiege hinter sich und befinden sich damit auf einem Niveau, auf dem heftige Korrekturen einkalkuliert werden müssen.

Auch in anderen Aktienmärkten, wie den US-Indizes oder dem japanischen Nikkei, finden derzeit nur Seitwärtsbewegungen statt. Ebenfalls in Rohstoffen wie Öl oder Gold oder Anleihemärkten (Bund Future), wobei diese zuvor deutlich zulegen konnten, was als Indikator für eine Umschichtung raus aus Aktien rein in andere Werte gewertet werden kann.

Würden Sie in einem solchen Gesamtmarkt derzeit Aktien kaufen? Für uns lautet die Antwort auf diese wichtige Frage: Nur wenn die Aktien Kurspotential haben!

Die heute besprochenen Werte wie Fresenius, BASF und Dürr stehen nur exemplarisch für viele weitere Aktien, in denen die Situation ähnlich ist: Hohe Kursgewinne haben zu hohen Aktien-Bewertungen geführt, weshalb die Gefahr von Kursverlusten derzeit höher als das Gewinnpotential ist.


Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Händchen an der Börse!
Ihr
Sven Weisenhaus

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