DAX, Dow Jones, Lufthansa, ADIDAS und Daimler im Check

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Konjunktur-Radar - Europäische Wirtschaft zeigt weitere Erholungstendenzen
  2. Aktienanalyse - DAX, Dow Jones, Lufthansa, ADIDAS und Daimler im Check

›› Konjunktur-Radar
- Europäische Wirtschaft zeigt weitere Erholungstendenzen
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefim Hinblick auf die morgige Notenbanksitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), über die wir bereits in der „Geldanlage-Brief“-Ausgabe vom Sonntag („Mario Draghi: Tut er es oder tut er es nicht?“) berichteten und die demnach richtungweisend für Euro, Anleihen und Aktien sein kann, dürfte es interessant sein, wie sich die weiteren Konjunkturdaten entwickelt haben.

Kommt die Erholung bald auch in den „harten Fakten“ an?

In den vergangenen Ausgaben des „Konjunktur-Radar“ kamen wir bislang zu dem Ergebnis, dass insbesondere die Früh- bzw. Stimmungsindikatoren (ZEW, Einkaufsmanager, Geschäftsklima, Verbrauchervertrauen) auf eine Erholung der Wirtschaft hindeuteten, während die harten Fakten, abgesehen vom leichten BIP-Anstieg, hinterherhinkten.

Doch dies ist normal, denn der Name „Frühindikator“ verrät bereits, dass sich eine Wirtschaftserholung zuerst in den Frühindikatoren ablesen lässt und erst dann in den übrigen Konjunkturdaten ankommt. Negativ zu werten wäre nur, wenn die Stimmungsindikatoren wieder abfallen, bevor die Erholung in den Spätindikatoren angekommen ist.

Zum Baugewerbe gesellen sich der Einzelhandel und der Arbeitsmarkt

Vor einer Woche konnten wir bereits über eine mögliche Trendwende im Baugewerbe berichten. Nun gesellt sich der Einzelhandel dazu. Im Januar stieg das saisonbereinigte Absatzvolumen des Einzelhandels gegenüber dem Vormonat Dezember 2013 im Euroraum (ER18) um stolze 1,6% und in der EU um immerhin 0,9%.

Im Dezember war das Einzelhandelsvolumen noch um 1,3% bzw. 0,7% gesunken und erreichte im Euroraum damit sogar ein neues Tief (siehe folgende Grafik). Doch mit dem aktuellen Anstieg sieht es auch hier nun nach einer möglichen Trendwende aus.

Umsatz des Einzelhandels im Euroraum und in der EU
(Quelle: Eurostat) Umsatz des Einzelhandels im Euroraum und in der EU

Das Resultat dieses starken Januar-Anstiegs ist, dass der Einzelhandelsverkauf gegenüber dem Vorjahresmonat Januar 2013 im Euroraum um 1,3% und in der EU28 um 1,9% zulegte.

Hinzu kommt, dass der dramatische Abwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt offenbar gestoppt ist. Die aktuellen Zahlen für den Monat Januar untermauern, dass die Arbeitslosenquote seit Oktober 2013 im Euroraum bei 12% stabil ist und sie sich in der EU (10,8%) sogar bereits langsam erholt.

Arbeitslosenquote im Euroraum und in der EU
(Quelle: Eurostat) Arbeitslosenquote im Euroraum und in der EU

Neue deflationäre Hinweise

Würde man alleine auf derartige Konjunkturdaten schauen, dann gäbe es für die EZB keinen Grund, morgen an den geldpolitischen Stellschrauben zu drehen. Doch es gibt eben auch noch die monetäre Ebene. Über die zu geringe Steigerung der Geldmenge haben wir am vergangenen Sonntag berichtet. Und auch die zu niedrigen Inflationsraten waren bereits ausführliches Thema.

Am Dienstag wurde nun bekannt, dass die Erzeugerpreise der Industrie im Januar gegenüber Dezember 2013 im Euroraum (ER18) um 0,3% und in der EU um 0,4% fielen. So lautet zumindest die erste Schätzungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union.

Und auch im Vergleich zum Vorjahr lässt sich ein Rückgang bei den Erzeugerpreisen feststellen. Im Euroraum sanken sie um 1,4% und in der EU28 um 1,2%.

Erzeugerpreise im Euroraum und in der EU
(Quelle: Eurostat) Erzeugerpreise der Industrie

Fazit im Hinblick auf die EZB-Sitzung

Leider bleibt es bei unserer Aussage vom Sonntag: Selten war es so schwer vorherzusagen, wie sich Mario Draghi entscheiden wird. Die Daten liefern eine Patt-Situation. Vielleicht wird Draghi daher seine Aussage nach der vorangegangenen Sitzung wiederholen, dass die Währungshüter weitere Informationen benötigen und daher noch abwarten. Wundern würde mich dies angesichts der vorliegenden Daten nicht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Aktienanalyse
- DAX, Dow Jones, Lufthansa, ADIDAS und Daimler im Check
von Sven Weisenhaus

Nach einigen Wochen ohne Einzelwert-Analysen hatten wir vor einer Woche einen Blick auf die Anteilsscheine von Fresenius, BASF und Dürr geworfen. Dies erfolgte als Wiedergabe eines Interviews für das Deutsche Anleger Fernsehen DAF.

Gestern früh, um 8:15 Uhr, habe ich dem DAF schon wieder Rede und Antwort gestanden. Dabei ging es um eine charttechnische Einschätzung des DAX und des Dow Jones sowie um eine Bewertung der Aktien von Lufthansa, ADIDAS und Daimler. Sie können sich das Interview hier als Video ansehen oder nachfolgend die Wiedergabe lesen.

In der unten stehenden Textform haben wir zusätzliche Grafiken eingefügt, die im Video nicht zu sehen sind. Zudem haben wir am Ende ein Fazit gezogen, welches im Interview nicht angesprochen wurde. Diese Zusatzinformationen sind also exklusiv für die Leser des Geldanlage-Briefs.

DAF-Interview - DAX, Dow Jones, Lufthansa, ADIDAS und Daimler im Check

Frage 1: DAX

Die Unsicherheit über die weitere Kursentwicklung ist unverändert. Im kurzfristigen Chart ist eine Seitwärtsrange erkennbar, die ab dem 12. Februar gebildet wurde. Die Range reicht von 9.700 bis runter auf 9.500 Punkte.

DAX - Seitwärtsbewegung

Am Montag ist der DAX wegen der Entwicklungen in der Ukraine nach unten ausgebrochen, aber gestern in diese Range zurückgekehrt. Das Chartbild im DAX ist damit neutral zu werten.

Es fällt aber auf, dass die Ausschläge nach unten heftiger werden. Der DAX scheint dazu zu neigen, die unteren Begrenzungen seiner Trendkanäle anzusteuern.

Beim Blick auf den langfristigen Chart kann man einen Aufwärtstrendkanals seit Sommer 2012 ausmachen, dessen untere Begrenzung bei knapp unter 9.000 Punkten verläuft.

DAX - Aufwärtstrends

Unsere (unter anderem) daraus resultierende Erwartung lautet, dass der DAX eine Weile zwischen 9.000 und 10.000 Punkten verbleiben wird. Für Trader ist eine solch breite Range ein Eldorado. Aber man sollte eben mit einem erneuten Rutsch auf 9.000 Punkte rechnen, vielleicht sogar bevor er die 10.000 erreicht.


Frage 2: Dow Jones

Interessant ist, dass sich S&P500 und Nasdaq100 deutlich besser schlagen als der Dow Jones. Sie haben neue Hochs markiert, während der Dow analog zum DAX läuft. Im langfristigen Chart des Dow Jones lassen sich daher auch ganz ähnliche Trendkanäle wie im DAX einzeichnen.

Dow Jones - Aufwärtstrends

Für den Dow bedeutet dies, dass ein erneutes Erreichen der Tiefs von Anfang Februar bei ca. 15.350 Punkten einkalkuliert werden sollte. Dort verläuft aktuell die untere Trendlinie des seit Oktober 2011 gültigen Aufwärtstrendkanals.


Frage 3: Lufthansa

Die Aktie der Lufthansa tendiert seit rund 20 Jahren in einer Seitwärtsbewegung.

Lufthansa - Chartanalyse

Dies spiegelt aus unserer Sicht die Gegebenheiten der Luftfahrtbranche wider. Geld ist hier nur sehr schwer zu verdienen. Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (blau in der folgenden Grafik), das operative Ergebnis (braun) und das Ergebnis nach Steuern (grau) bewegen sich (bei der Lufthansa-Aktie) seit 2004 nur zwischen 0 und 1,5 Mrd. Euro.

Lufthansa - Gewinnentwicklung
(Quelle: www.lufthansagroup.com) Gewinnentwicklung

Also eigentlich gibt es hier kein Gewinnwachstum. Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2013 soll unter dem des Vorjahres von knapp 990 Mio. Euro liegen.

Immerhin konnte der Umsatz in den letzten 10 Jahren von 15 auf 30 Mrd. Euro verdoppelt werden.

Lufthansa - Umsatzentwicklung
(Quelle: www.lufthansagroup.com) Umsatzentwicklung

Eine Bewertung von 8,5 Mrd. Euro erscheint nicht gerade teuer. Das KUV liegt nur bei 0,3, das KGV knapp über 10.

Charttechnisch haben wir es mit einer massiven horizontalen Unterstützung bei 8 Euro und tieferen Hochs zu tun. Das Potential nach oben sehe ich auf ca. 20 Euro begrenzt. Auf dem Weg nach unten liegen Unterstützungen bei 16 und 14 Euro. Kaufen würde ich diese Aktie erst bei der unteren Unterstützung – also bei 14 Euro.


Frage 4: ADIDAS

Adidas ist für mich klar überbewertet. Die Marktkapitalisierung liegt bei 17,4 Mrd. Euro. Der Umsatz kann zwar seit Jahren stark gesteigert werden, lag aber 2012 nur bei 14,9 Mrd. und wächst jährlich nur im unteren einstelligen Bereich (2013: 3%), auch wenn das 4. Quartal laut heute veröffentlichter Pressemitteilung mit +12% Umsatzwachstum überraschend gut ausfiel. Das KUV liegt dennoch über 1,14.

Das Ergebnis je Aktie lag im Geschäftsjahr 2013 bei 4,01 Euro, das KGV damit bei über 20 und das PEG bei über 2. Das ist definitiv zu teuer.

Seit Anfang 2009, als auch der DAX sein Tief nach der Finanzkrise hatte, befindet sich die Aktie in einem rasanten und noch intakten Aufwärtstrend. Kritisch wird es erst, wenn der Kurs unter 80 Euro fällt. Dann wären Kurse von 60 Euro denkbar. Dort verläuft die obere Trendlinie eines breiten Kanals.

Adidas - Chartanalyse

Optimisten, die der Überbewertung trotzen möchten, können auf dem aktuellen Niveau kaufen mit Kursziel 95 Euro. Ich würde aber erst bei 60 Euro zugreifen.


Frage 5: Daimler

Daimler wäre aus den heute analysierten Werten mein aktueller Favorit. Geniale Produkte, günstige Bewertung. Ein typischer Warren Buffet-Wert.

Die Marktkapitalisierung liegt bei 72,5 Mrd. Euro, der Umsatz wächst seit Jahren kontinuierlich und betrug in 2013 118 Mrd. Euro. Daraus errechnet sich ein KUV von nur 0,61.

Ähnlich positiv sieht auch der Jahresüberschuss aus: Er wächst ebenfalls in den vergangenen Jahren kontinuierlich, sogar mit hohen Wachstumsraten von 8% bis 25%. Von 2012 auf 2013 wuchs das Konzernergebnis sogar um 27,6% (Konzernergebnis von 6,83 auf 8,72 Mrd. Euro, EPS 2013: 6,4, 2012: 6,02). Das KGV liegt damit bei rund 10, das PEG weit unter 1.

Und eine Dividendenrendite von über 3,3% (Dividende 2014: 2,25 Euro) lassen das Anlegerherz noch höher schlagen.

Charttechnisch sieht die Aktie ebenfalls blendend aus. Aus einem zusammenlaufenden Dreieck ist die im Jahre 2013 ausgebrochen. Seitdem kennt die Aktie kein Halten mehr.

Daimler - Chartanalyse

Zudem ist der Kurs über einen wichtigen Widerstand bei 59 Euro gestiegen. Hier stimmt einfach alles. Im Idealfall sollte man eine kleine Korrektur nutzen, um bei 60 Euro kräftig zuzuschlagen.

Fazit - Was Sie aus dem Interview ableiten können

Bereits vor einer Woche kamen wir in der Nachbetrachtung des damaligen DAF-Interviews (DAX, Fresenius, BASF, Dürr) zu dem Fazit, dass das fundamentale Bewertungsniveau vieler Aktien nicht mehr als günstig angesehen werden kann. Heute haben sich zwei weitere Werte dazugesellt: Die erreichten Kursniveaus von Lufthansa und ADIDAS laden derzeit nicht zum Kauf ein.

Es gibt aber auch noch einzelne Werte, die günstig bewertet und damit durchaus für ein langfristiges Niveau geeignet sind, wie zum Beispiel Daimler.

Dies passt zu dem Gesamteindruck über den DAX, dass ein Restpotential bis auf 10.000 Punkte besteht, aber ebenso eine weitere Abwärtswelle auf 9.000 Zähler möglich ist. Wir erwarten daher unverändert eine längere volatile Seitwärtsphase zwischen 9.000 und 10.000 Punkten. Je mehr Einzelwerte wir Ihnen hier vorstellen, desto mehr Argumente gibt es, die für genau dieses Szenario sprechen.

Vor einer Woche schrieben wir: „Würden Sie in einem solchen Gesamtmarkt derzeit Aktien kaufen? Für uns lautet die Antwort auf diese wichtige Frage: Nur wenn die Aktien Kurspotential haben!
Im „Geldanlage Premium Depot“ nehmen wir genau diese Aktien ins Musterdepot auf, die noch Kurspotential haben. Und wir lassen die Aktien links liegen, die aus unserer Sicht bereits zu hoch sind.


Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Händchen an der Börse!
Ihr
Sven Weisenhaus

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