EZB und US-Arbeitsmarkt rücken in den Fokus +++ Chart-Check: S&P500, Gold, Bund Future und Öl

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse - EZB und US-Arbeitsmarkt rücken in den Fokus
  2. Chart-Check - Chartanalysen zu DAX, S&P500, Gold und Bund Future
  3. Termine der kommenden Woche

›› Marktanalyse
- EZB und US-Arbeitsmarkt rücken in den Fokus
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefwir haben es derzeit mit einer ziemlich speziellen Marktsituation zu tun. Diese führte zu teils ungewöhnlichem Kursverhalten.

Aktien- und Rentenmarkt im Gleichklang

DAX und Bund Future im GleichlaufSo konnten zum Beispiel die Aktienmärkte (DAX) zeitgleich mit den Rentenmärkten (Bund Future) Kursgewinne verbuchen (siehe Chart, DAX oben, Bund Future unten), was unüblich ist. Gewöhnlich verhalten sich die beiden Märkte gegenläufig.

DAX und Dow uneins

Und während der DAX in dieser Woche Gewinne verbuchen konnte, kamen die US-Indizes nicht vom Fleck (siehe zweiter Chart).

IndizesDer DAX (rot) legte um rund 2,6 % zu, gleichzeitig pendelten der S&P500 (hellblau) und der Dow Jones (blau) lediglich seitwärts, der Nasdaq100 verlor sogar mehr als 2 %.
Auch dies ist eher unüblich, denn meist folgt der DAX den US-Märkten.

Krim-Krise und Zinsspekulationen verzerren die Märkte

Warum dies so ist, kann nicht vollständig geklärt werden. Offenbar ist ausländisches Kapital verstärkt nach Deutschland geflossen. Vielleicht wurde Kapital wegen der Krim-Krise aus dem Osten zurück in den Westen geholt.

Hinzu kamen neue Spekulationen, die EZB könne auf ihrer nächsten Sitzung doch noch eine Zinssenkung beschließen oder auf anderem Wege weitere Liquidität zur Verfügung zu stellen. Grund für diese Erwartung der Anleger sind schlechte Inflationszahlen aus der EU. In Frankreich stagnieren die Konsumausgaben, in Spanien sinken die Preise, und auch in Deutschland geht die Inflationsrate zurück. So lag sie im März nur noch bei 1,0 %, nach 1,2 % im Februar und 1,3 % im Januar.

Die Palette reicht von negativen Leitzinsen bis „Quantitative Easing“

Die geldpolitischen Spekulationen trieben bereits zu Wochenbeginn die Kurse, weil Bundesbank-Chef Jens Weidmann am Dienstag Wertpapierkäufe der EZB nicht mehr kategorisch ausschloss. Zusätzlich ließen wieder einmal schwache Daten zur Kreditvergabe die Investoren darauf hoffen, dass die EZB auf ihrer nächsten Ratssitzung am kommenden Donnerstag zumindest irgendetwas beschließt. Dabei reicht die Palette möglicher Maßnahmen von einem negativen Leitzins bis zu einem wie auch immer ausgestalteten Quantitative Easing.

Trotz neuer Zinsfantasie ist der Goldpreis gefallen

Starke Kursverluste im Goldpreis

Doch warum geriet der Goldpreis dann so stark unter Druck, wo doch sonst ein Mehr an Liquidität für höhere Edelmetallpreise steht?! Auch dies ist ein eher ungewöhnliches Kursverhalten.

Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass die Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed schwerer wiegt als die bislang nur theoretische Möglichkeit neuer Maßnahmen durch die EZB.

Neben der EZB werden auch die US-Arbeitsmarktdaten in den Fokus rücken

Neben der EZB werden in der kommenden Woche auch die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten für den März in den Fokus rücken. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen am Freitag liefert bereits wie üblich am Mittwoch um 14:15 Uhr der Arbeitsmarktbericht der privaten Agentur Automatic Data Processing Inc. (ADP).

Die Woche wird also wieder einiges zu bieten haben. In welche Richtung die Kurse dabei ausschlagen werden, hängt von den Ergebnissen der einzelnen Termine und insbesondere von der Interpretation der Märkte ab. Es wird spannend!


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chart-Check
- Chartanalysen zu DAX, S&P500, Gold und Bund Future
von Sven Weisenhaus


DAX

Dem DAX ist es gelungen, bis in die ehemalige Seitwärtsrange vom Februar (rote Markierung im Chart) vorzudringen. Damit hat der DAX den Großteil der vorangegangenen Kursverluste aufgeholt.

DAX - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) DAX, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass damit die Korrektur bereits beendet ist. Der DAX könnte eine Flaggenformation ausbilden, deren oberes Ende bald erreicht ist. Und damit droht nun eine weitere Abwärtsbewegung.

Dies würde zu unserer längerfristigen Erwartung passen, wonach der deutsche Leitindex eine längere Zeit zwischen ca. 10.000 und 9.000 Punkten hin und her pendeln wird.

S&P500

Der S&P500 tendiert im Bereich seiner oberen Trendkanalbegrenzung (roter Kreis im Chart) seitwärts. Da die Trendlinie mit jedem Tag weiter ansteigt, hat der US-Index wieder leichtes Potential nach oben.

S&P500 - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) S&P500, Candlestick-Chart, Wochenkerzen

Doch das Abwärtspotential ist nach wie vor größer und der Aufwärtstrend sehr reif. Wir erwarten daher unverändert, dass der S&P500 bald wieder stärkere Kursverluste hinnehmen muss.

Im Chart sind allerdings auch viele Linien zu sehen, die als Unterstützung bereitstehen. Die Bären haben also keine leichte Aufgabe vor sich, wenn Sie gegen die Bullen endlich auch mal mehr Boden gutmachen wollen.

Das Chance/Risiko-Verhältnis zwischen Short- und Long-Positionen war schon einmal so schlecht und es hat anschließend zu starken Kursverlusten geführt. Eine Wiederholung ist sehr wahrscheinlich – die Frage ist nicht ob, sondern wann. Im „Geldanlage Premium Depot“ sind wir bereits auf Kursrückgänge im S&P500 vorbereitet.

Gold

Der Goldpreis hat in dieser Woche erneut ordentlich einen auf den Deckel bekommen. War vor einer Woche der Aufwärtstrendkanal (grün im Chart) noch intakt, so ist er heute längst Geschichte. Die Verluste beliefen sich im Maximum inzwischen auf über 7,6 innerhalb von nur 11 Tagen.

Gold - Chartanalyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) Gold, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Ein Grund dafür sind sicherlich noch die Nachwirkungen der Fed-Entscheidung, die Anleihekäufe um weitere 10 Mrd. US-Dollar auf nun „nur“ noch 55 Mrd. pro Monat zu reduzieren.

Noch ist die Abwärtsbewegung gesund, denn bislang wurden lediglich exakt 50% der vorangegangenen Aufwärtsrallye korrigiert. Kritisch wird es erst unterhalb von 1.250 US-Dollar (rote Linie im Chart).

Vor einer Woche schrieben wir, dass man die Aufwärtsbewegung seit dem Tief bei ca. 1.180 US-Dollar aus Sicht der Elliott-Wellen als 5-gliedrige Aufwärtsbewegung zählen kann (siehe folgender Chart), womit dieser Trend als abgeschlossen galt. Die Korrektur war daher nicht weiter verwunderlich. Und da Korrekturen gemäß der Elliott-Wellen-Theorie in einer ABC-Formation ablaufen, sollte es nach der kleinen Aufwärtsbewegung (Welle B) noch einmal zu einer kräftigen Abwärtswelle (Welle C) kommen. Mit Blick auf den folgenden Chart, den wir Ihnen auch vor einer Woche präsentierten, hätte die Prognose kaum besser sein können.

Gold - Elliott-Wellen-Analyse
(erstellt mit: tradesignalonline.com) Gold, Candlestick-Chart, Stundenkerzen

Vor diesem Hintergrund hätte auch der Teilverkauf eines Gold-ETF, den wir für unsere Abonnenten des „Geldanlage Premium Depot“ am 13. März mit einem Gewinn von 25% vorgenommen haben, kaum besser getimet sein können. Denn nur zwei Handelstage später begann die Abwärtsbewegung.

Gold-Trade

Langfristig erwarten wir weiterhin noch sehr viel mehr von den Goldaktien, denn die Unternehmen können noch ordentliche Gewinne erzielen, solange der Goldpreis sich auf dem aktuellen Niveau einpendelt. Man muss aber nun erst einmal abwarten, wo sich der Goldpreis hinbewegt und ob die Marke bei 1.250 US-Dollar hält. Nur dann wäre eine weitere Aufwärtsbewegung wahrscheinlich.

Bund Future

Obwohl die Aktienmärkte zulegen konnten, hat auch der Rentenmarkt Kursgewinne verbucht und der Bund Future sogar mit 144,08 ein neues Hoch erreicht.

Bund Future
(erstellt mit: tradesignalonline.com) Bund Future, Candlestick-Chart, Tageskerzen

Den ungewöhnlichen Gleichlauf von Aktien und Renten kann man damit erklärt, dass nach stagnierenden Konsumausgaben in Frankreich und einem Preisrückgang in Spanien sowie stark sinkenden Importpreisen in Deutschland die EZB dazu veranlasst sein könnte, auf ihrer nächsten Sitzung die Zinsen zu senken oder weitere Liquidität zur Verfügung zu stellen. Sinkende Zinsen bedeuten natürlich einen steigenden Bund Future. Zeitgleich freuen sich die Aktienmärkte über die zusätzliche Liquidität, so sie denn wirklich kommt.

Auch wir können uns neue Maßnahmen der EZB vorstellen, halten den kurstreibenden Effekt auf den Bund Future aber für nur temporär. Letztlich erwarten wir, dass es bald wieder steigende Zinsen in Deutschland geben wird. Die Umlaufrendite ist bei 1,24% derzeit gut unterstützt (siehe Chart).

Umlaufrendite

Die Bundesregierung hatte schon bei höheren Zinsen Probleme, ihre Anleihen am Markt loszuwerden. Bei noch niedrigeren Zinsen wird dies sicher nicht leichter. Es wird also zu einem Zinsanstieg und fallenden Kursen im Bund Future kommen, die Frage ist nur wann.

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 14: Handelswoche vom 31.03. bis 04.04.2014)

Sie können die „Termine der Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.


Montag, 31.03.2014

  • 08:00 - DE Einzelhandelsumsatz Februar
  • 11:00 - EU Vorabschätzung Inflation Eurozone März
  • 15:45 - US Einkaufsmanagerindex Chicago März


Dienstag, 01.04.2014

  • 09:55 - DE Arbeitsmarktdaten März
  • 09:55 - DE Einkaufsmanagerindex März
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Eurozone März
  • 11:00 - EU Arbeitslosigkeit Februar
  • 15:00 - US Bauausgaben Februar
  • 16:00 - US ISM Index März


Mittwoch, 02.04.2014

  • 11:00 - EU BIP 4. Quartal
  • 11:00 - EU Erzeugerpreise Industrie Februar
  • 14:15 - US ADP-Arbeitsmarktbericht März
  • 16:00 - US Industrieaufträge Februar


Donnerstag, 03.04.2014

  • 11:00 - EU Einzelhandel Februar
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 14:30 - US Handelsbilanz Februar
  • 16:00 - US ISM Dienstleistungsindex März


Freitag, 04.04.2014

  • 12:00 - DE Auftragseingang Industrie Februar
  • 14:30 - US Beschäftigte ex Agrar März
  • 14:30 - US Arbeitslosenquote März

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