EZB-Zinssitzung - Kursexplosion durch Ankauf von Staatsanleihen? +++ FRESENIUS MC – Nach Zahlen Rückfall auf wichtige Unterstützung

Inhalt dieser Ausgabe

  1. EZB-Zinssitzung - Kursexplosion durch Ankauf von Staatsanleihen?
  2. Gastbeitrag - FRESENIUS MC – Nach Zahlen Rückfall auf wichtige Unterstützung

›› EZB-Zinssitzung
- Kursexplosion durch Ankauf von Staatsanleihen?
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin den Märkten ist zwar inzwischen wieder mehr Bewegung, dennoch kommen die Aktienindizes angesichts der anhaltenden Seitwärtskonsolidierungen nicht vom Fleck.

 

DAX - Chartanalyse

Über mangelnden Aufwärtsdrang kann man sich im Euro hingegen nicht beschweren. Allerdings notiert der Kurs aus Sicht einiger Experten inzwischen auf zu hohem Niveau. Der französische Premierminister Manuel Valls drängte kürzlich sogar auf eine Abwertung der Gemeinschaftswährung.

EUR/USD - Chartanalyse

Der Markt hofft auf Staatsanleihekäufe durch die EZB

Angesichts dessen und mit Blick auf die deflationären Gefahren in der Euro-Zone liegen daher die Hoffnungen auf der EZB-Zinssitzung am morgigen Donnerstag. Viele Marktteilnehmer sehnen sich von der Europäischen Zentralbank (EZB) endlich die Umsetzung der so oft bereits genannten „unkonventionellen Maßnahmen“ herbei.

OECD fordert neue geldpolitische Maßnahmen

Unterstützung erhalten sie dabei von der Industriestaaten-Organisation OECD. Diese legte der EZB kürzlich Geldspritzen für Banken zu extrem günstigen Konditionen nahe. Zudem solle die Notenbank wegen der sehr niedrigen Inflation noch einmal die Leitzinsen senken. Der Leitzins - zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB mit Geld eindecken können - solle von derzeit 0,25% auf 0% gedrückt werden. Banken, die Geld bei der EZB parken, sollten zudem mit einem Strafzins belegt werden.

Forderungen der OECD passen nicht zu der von ihr erwarteten Erholung

Kurioserweise rechnet die OECD allerdings für die Euro-Zone in diesem Jahr mit einer Teuerungsrate von 0,7%, die in 2015 auf 1,1% steigen soll. Und nach zwei Rezessionsjahren in Folge geht die OECD von einem Aufschwung im Euroraum aus, bei dem in diesem Jahr das Bruttoinlandsprodukt um 1,2% und im kommenden um 1,7% wachsen soll.

Bei derartigen Erwartungen ist aber eine weitere Geldspritze der EZB überhaupt nicht notwendig, weil sich demnach keine Deflation abzeichnet und das BIP-Wachstum auch ohne neue Liquiditätsstützen bereits Fahrt aufnimmt. Es wird also spannend, wie die EZB morgen die ganze Situation bewertet…

Neue Liquiditätsmaßnahmen könnten die diversen Probleme lösen

Hinter den besagten „unkonventionellen Maßnahmen“ werden Anleihekäufe nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed vermutet. Diese wären durchaus eine Lösung für die oben genannten Probleme (deflationäre Tendenzen) und Forderungen (Euro-Abwertung). So würde ein solcher Beschluss gleichzeitig die Aktienmärkte befeuern, den Eurokurs belasten und die Inflation antreiben bzw. die deflationären Tendenzen bekämpfen.

Klingt also alles nach einer sinnvollen Angelegenheit. Doch leider kann bzw. darf die EZB aus rechtlichen Gründen derzeit gar nicht ohne Einschränkungen zu diesem Mittel greifen.

Ginge das OMT-Programm über die Befugnisse der EZB hinaus?

Nach Einschätzung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zum Beispiel geht der Beschluss des EZB-Rats vom September 2012 zum möglichen Kauf von Staatsanleihen ausgewählter Mitgliedsländer der Eurozone in unbegrenzter Höhe am Sekundärmarkt („OMT-Programm“, OMT steht für Outright Monetary Transactions) nämlich über die Befugnisse der EZB hinaus.

Der OMT-Beschluss verstößt nach Meinung der Richter gegen das währungspolitische Mandat der Notenbank und stellt eine eigenständige wirtschaftspolitische Maßnahme dar. Diese Kompetenz obliegt jedoch nicht der EZB, sondern befindet sich im Verantwortungsbereich der Mitgliedsstaaten.

Gleichzeitig widerspricht das OMT-Programm laut BVerfG dem in den Europäischen Verträgen festgelegten Verbot einer monetären Haushaltsfinanzierung und nimmt Züge eines Finanzausgleichs an, was so in den Verträgen nicht vorgesehen ist.

Durch eine eingeschränkte Auslegung zur Konformität mit europäischen Verträgen

Nach Ansicht des BVerfG kann eine Konformität mit den Verträgen nur erreicht werden, wenn

  1. ein Schuldenschnitt ausgeschlossen wird,
  2. auf einen unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen einzelner Mitgliedsstaaten verzichtet wird und
  3. mögliche Eingriffe in die Preisbildung am Markt bestmöglich vermieden werden.

Nur wenn diese drei Bedingungen erfüllt werden, könnte es sein, dass der OMT-Beschluss durch die damit einschränkende Auslegung mit europäischem Primärrecht in Einklang gebracht werden kann.

Warten auf die Antworten des Europäischen Gerichtshofs

Das BVerfG hat dies allerdings nicht abschließend so entschieden, sondern die Sache bereits am 7. Februar an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen, weil durch den EZB-Ratsbeschluss die Souveränitätsrechte der Mitgliedsstaaten der Eurozone verletzt werden und deshalb die letztendliche Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des OMT-Programms bei den europäischen Richtern liegt. Sollten diese der Argumentation des BVerfG folgen, müssten die vom EZB-Rat beschlossenen Maßnahmen aufgehoben werden.

Hat die EZB deshalb mit der Umsetzung noch nicht begonnen?

Vermutlich ist der ausstehende Rechtsentscheid des EuGH auch der Grund, warum die EZB das von ihr bereits beschlossene OMT-Programm noch nicht aktiviert bzw. genutzt hat. Wahrscheinlich wird die EZB solange von einem Staatsanleihen-Kauf absehen, bis vom EuGH Antworten vorliegen. Und je nach Art der Antwort, könnte es sein, dass das Programm sogar nie zum Einsatz kommt.

Entsprechend sind die aktuellen Hoffnungen des Marktes, dass mit „unkonventionellen Maßnahmen“ Staatsanleihekäufe gemeint sind, aus unserer Sicht vergebens.

Mit verbalen Interventionen wurde das Ziel bereits erreicht

Immerhin hat es EZB-Präsident Mario Draghi auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise im September 2012 aber alleine mit der Ankündigung des Programms schon geschafft, die Märkte zu beruhigen.

Ursprünglich war es die Absicht der EZB, die Zinsaufschläge der Märkte bei den Staatspapieren bedrängter Länder mithilfe des OMT-Programms zu neutralisieren. Da die Zinsen in Europa längst auf einem für die Euro-Staaten erträglichen Niveau angekommen sind, ist das Ziel des OMT-Programms längst erreicht.

Den relativ hohen Euro-Wechselkurs sowie die deflationären Tendenzen kann man auch mit anderen Mitteln bekämpfen. Ein tatsächlicher Ankauf von Staatsanleihen ist daher gar nicht mehr zwingend notwendig.

Fazit

Das Bundesverfassungsgericht hat sich einerseits für nicht zuständig erklärt, andererseits aber klar gesagt, dass das OMT-Programm in seiner jetzigen Form gegen EU-Recht verstößt. Dazu hat es der EZB aber netterweise einen Vorschlag gemacht, wie man die Rechtskonformität herstellen könnte - nämlich mit Beschränkungen.

Die EZB bräuchte daher nur dem Rat des BVerfG folgen und reines „Quantitative Easing“ über den breiten Kauf von Staatsanleihen betreiben. Dies läge innerhalb des EZB-Mandats, weil auf den laut BVerfG verbotenen selektiven Kauf von Staatsanleihen einzelner Mitgliedsstaaten verzichtet würde.

Dennoch ist es für die EZB sehr riskant, die Anleihekäufe in einem laufenden rechtlichen Verfahren umzusetzen. Sie wird daher nach unserer Auffassung den Märkten wie bisher lediglich damit „drohen“, es aber bei dieser Verbalintervention belassen.

Zumal der EZB andere, bereits erfolgreich eingesetzte Instrumente wie Langfristtender zur Verfügung stehen, weshalb man die Bedeutung von OMT im jetzigen Stadium der Krise nicht überbewerten sollte.


Ich wünsche auch Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



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›› Gastbeitrag
- FRESENIUS MC – Nach Zahlen Rückfall auf wichtige Unterstützung
von Alexander Paulus und Oliver Baron, www.godmode-trader.de

Der Dialysedienstleister Fresenius Medical Care hat im ersten Quartal 2014 trotz steigender Umsätze einen Gewinnrückgang verbucht und die Erwartungen der Analysten verfehlt. Neben Währungseffekten belasteten insbesondere Kürzungen im US-Gesundheitswesen das Geschäft.

Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3% auf 3,564 Mrd. USD, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Das operative Ergebnis (EBIT) verringerte sich um 10% auf 445 Mio. USD. Das auf die Aktionäre entfallende Konzernergebnis sank um 9% auf 205 Mio. USD. Die Analysten hatten einen Umsatz von 3,6 Mrd. USD, ein EBIT von 480 Mio. USD und einen Nettogewinn von 219 Mio. USD erwartet. Der Gewinn je Stammaktie (EPS) erreichte im ersten Quartal 0,68 US-Dollar und lag damit um 7% unter dem Vergleichswert im Vorjahreszeitraum.

„Unsere Geschäfte haben sich im ersten Quartal wie erwartet entwickelt“, sagte Rice Powell, Vorstandsvorsitzender von Fresenius Medical Care, laut Pressemitteilung. „Wir werden weiter daran arbeiten, unsere Profitabilität deutlich zu steigern, und wir werden gleichzeitig die sehr guten Wachstumschancen in unserem Kerngeschäft nutzen. Daher sind wir zuversichtlich, unsere Ziele für 2014 zu erreichen, und bestätigen den Ausblick für das Gesamtjahr.“

Für das Geschäftsjahr 2014 erwartet Fresenius Medical Care weiter einen Umsatz von rund 15,2 Mrd. USD. Dies entspricht einem Anstieg von 4% gegenüber dem Vorjahr. Das auf die Anteilseigner der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA entfallende Konzernergebnis soll zwischen 1 und 1,05 Mrd. USD betragen.

Die Profitabilität soll außerdem mit einem Sparprogramm weiter gesteigert werden. Vor Steuern sollen sich die Einsparungen auf bis zu 60 Mio. USD belaufen. Der daraus möglicherweise resultierende Gewinnanstieg ist im Ausblick für 2014 noch nicht berücksichtigt.

Am 4. April hat der Konzern außerdem ein neues langfristiges Umsatzziel bekannt gegeben: Bis 2020 soll sich der Umsatz gegenüber dem Geschäftsjahr 2013 von 14,6 auf rund 28 Mrd. USD beinahe verdoppeln.

Charttechnischer Ausblick

Die Aktie von Fresenius MC startete nach einem Tief bei 6,66 Euro im September 2002 zu einer langfristigen Aufwärtsbewegung. Diese dauerte fast ein Jahrzehnt an. Die Aktie kletterte bis Juli 2012 auf ein Hoch bei 60,27 Euro.

Seit diesem Hoch befindet sie sich in einer Korrekturbewegung (siehe folgender Chart). Im Juli 2013 markierte der Wert dabei ein Tief bei 46,56 Euro. Nach diesem Hoch kam es zu einem Anstieg auf ein Hoch bei 54,32 Euro, aber der Abwärtstrend seit Juli 2012 geriet nicht ernsthaft in Gefahr.

Fresenius MC - Wochenchart
(Quelle Chart: www.guidants.com) Fresenius MC - Wochenchart

Im Januar 2014 geriet die Aktie nach dem Hoch bei 54,32 Euro wieder unter Druck. Im März 2013 setzte sie fast auf der Unterstützung bei 46,56 Euro auf. Sie konnte diese Marke noch einmal halten. Nach einer kleinen Erholung steht die Aktie jedoch seit einiger Zeit bereits wieder unter Druck.
Im Zuge der heute präsentierten Zahlen nähert sie sich erneut der wichtigen Unterstützung bei 46,56 Euro an.

Aus charttechnischer Sicht ist die Marke bei 46,56 Euro von entscheidender Bedeutung. Sollte die Aktie diese Marke verteidigen, bestünde mittelfristig sogar die Chance auf eine Bodenbildung. Aber dafür müsste die Aktie dann aber auch über 54,32 Euro ansteigen. Das liegt jedoch noch in weiter Ferne. Zunächst einmal wäre ein Anstieg bis ca. 49,93 und später 53,15 Euro möglich, falls die Aktie die Unterstützung bei 46,56 Euro verteidigt.

Sollte die Aktie jedoch per Wochenschlusskurs unter 46,56 Euro abfallen, ergäbe sich ein neues Verkaufssignal. Die Aktie könnte dann in Richtung 44,00 und später sogar 38,50 Euro abfallen.

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