Korrektur verschoben +++ DAX, S&P500 und Gold im Chart-Check

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse - Korrektur verschoben
  2. Chart-Check - Chartanalysen zu DAX, S&P500 und Gold
  3. Termine der kommenden Woche

 

›› Marktanalyse
- Korrektur verschoben
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie korrektiven Signale der Vorwoche wurden in dieser Woche vollständig neutralisiert. Der DAX konnte zurück an das obere Ende seiner kurzfristigen Seitwärtsrange gelangen und die US-Indizes neue Hochs markieren.

Steiler Anstieg in US-Technologiewerten

Insbesondere die US-Technologiewerte, zusammengefasst im Nasdaq100, laufen wie von der Tarantel gestochen nach oben, wobei sich der zuletzt bereits sehr reife Trend sogar noch einmal beschleunigte (siehe folgender Chart). Dies sind aber keineswegs neue Kaufsignale, sondern vielmehr könnte es sich um das finale Aufbäumen in der sehr reifen Aufwärtsrallye handeln.

Nasdaq100 - Chartanalyse

Gefahr von Fehlsignalen steigt

Dass es längst nicht sicher ist, dass diese bullischen Entwicklungen nachhaltig sind, hängt auch mit dem typischen Phänomen der Sommermonate zusammen. Das Handelsvolumen ist in dieser Zeit traditionell gering und entsprechend wenig repräsentativ sind die Kursbewegungen, weil sie nur von wenigen Marktteilnehmern getragen bzw. verursacht werden. Es kommt häufig zu Fehlsignalen. Man muss daher vorsichtig bleiben.

EZB bestätigt eingeschlagenen Weg

Zu dem jüngsten Kursanstieg beigetragen haben insbesondere das Sitzungsergebnis der EZB und der US-Arbeitsmarktbericht, welche beide am Donnerstag dieser Woche veröffentlicht wurden. Wie erwartet verkündete Mario Draghi nach dem Beschluss massiver Maßnahmen vor vier Wochen dieses Mal keine neuen Eingriffe in den Markt. Die Leitzinsen wurden nicht verändert. Und auch in der anschließenden Pressekonferenz wurde nicht viel Neues berichtet.

EZB-Sitzung: Die bereits bekannten Fakten wurden wiederholt

So wurden nur die bisher bereits bekannten wesentlichen Fakten wiederholt:

  • Die Zinsen werden für einen längeren Zeitraum auf niedrigem Niveau bleiben
  • Die Inflationserwartungen sind unverändert
  • Die moderate wirtschaftliche Erholung hielt im zweiten Quartal 2014 an und wird sich voraussichtlich weiter fortsetzen
  • Die Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick überwiegen derzeit noch
  • Die geopolitische Lage stellt weiterhin ein Risiko für die Wirtschaft dar
  • Die Geldmenge ist nur verhalten angewachsen
  • Die TLTRO könnten ein Volumen von bis zu 1.000 Mrd. Euro umfassen
  • Die EZB erwägt auch den Ankauf von ABS (Asset Backed Securities), um darüber die Kreditvergabe an kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) zu verbessern

Der Kurs der EZB steht bis Dezember 2014 fest

Den Erwartungen an weitere Maßnahmen, die über das bislang Beschlossene bzw. Geplante hinausgehen, erteilte Draghi eine klare Absage indem er sagte, die EZB werde nicht jeden Monat neue Schritte einleiten.

Jedem sollte klar sein, dass die EZB die Wirkung der jüngsten Beschlüsse erst einmal abwartet. Der geldpolitische Kurs dürfte für die kommenden Monate feststehen. Zumal das derzeitige Maßnahmenpaket bis in den Dezember hineinreicht bzw. sogar auf die nächsten vier Jahre abzielt. Denn es wurde bereits bekanntgegeben, dass sich die Banken im September und Dezember jeweils für vier Jahre zusätzliches Geld leihen können (wir berichteten).

Draghi zufrieden mit den Wirkungen

Unsere Einschätzung wird dadurch untermauert, dass sich der EZB-Chef gestern zufrieden mit den Beschlüssen von Anfang Juni zeigte. Das Bündel an Maßnahmen habe bereits zu der gewünschten weiteren Lockerung der Geldpolitik geführt. Nun aber sei Abwarten angesagt, sagte Draghi.

Auf den kommenden Sitzungen wird also lediglich überprüft, ob die Maßnahmen weiterhin wie gewünscht wirken und die noch ausstehenden wie geplant umgesetzt werden. Es sind maximal kleinere Anpassungen zu erwarten.

EZB ändert Rhythmus und Transparenz

Lediglich eine Neuerung wurde beschlossen, die aber kaum einen Effekt auf die Märkte haben dürfte: Die EZB-Treffen, die der Geldpolitik gewidmet sind, werden ab 2015 nur noch alle sechs Wochen stattfinden, statt wie bisher im Vier-Wochen-Rhythmus. Zudem werden ab dem kommenden Jahr Zusammenfassungen der geldpolitischen Sitzungen des EZB-Rats veröffentlicht. Die EZB schließt sich damit dem Vorgehen der US-Notenbank Fed an und erhöht die Transparenz.

US-Arbeitsmarktdaten im Schatten der EZB

Wie wir bereits am Mittwoch hier im „Geldanlage-Brief“ schrieben, stand der US-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag etwas im Schatten der EZB. Dabei konnte er mit einem Stellenzuwachs im Juni von netto 288.000 Stellen in der US-Wirtschaft durchaus überzeugen (Erwartung: 215.000). Zumal die Arbeitslosenquote überraschend von 6,3 Prozent auf 6,1 Prozent nachgab.

Das Arbeitsministerium setzte zugleich den Stellenzuwachs für die beiden Vormonaten nach oben. Im Schnitt der vergangenen sechs Monate entstanden rund 231.000 neue Stellen im Monat. So gut entwickelte der Stellenaufbau sich zuletzt im Frühjahr 2006.

Bei den Anlegern findet ein Umdenken statt

Auch dies war ein Grund für die steigenden Kurse am Aktienmarkt, womit sich ein Wechsel im Anlegerverhalten abzeichnet. Ließen früher positive Wirtschaftsdaten aus den USA die Befürchtungen vor einer schnellen Zinsanhebung der Fed steigen und dies die Kurse entsprechend fallen, so hat nun ein Umdenken stattgefunden. Eine gesunde Entwicklung der US-Wirtschaft ist das einzige, was die aktuelle Reduzierung der Anleihekäufe bzw. die späteren Zinserhöhungen kompensieren kann.

Selektives und vorsichtiges Vorgehen

Uns ist die aktuelle Kursentwicklung nach wie vor zu heiß. Eine zwischengeschaltete Korrektur, welche die Märkte bereinigt und günstigere Kaufkurse bringt, wollen wir abwarten, bevor wir stärker in den Aktienmarkt einsteigen. Bis dahin werden wir weiterhin sehr selektiv vorgehen, wie wir es in dieser Woche mit einigen Neuaufnahmen im „Geldanlage Premium Depot“ getan haben. Es ist derzeit sehr schwer noch interessante Aktien zu finden, die weiteres Kurspotential versprechen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chart-Check
- Chartanalysen zu DAX, S&P500 und Gold
von Sven Weisenhaus

DAX

Der DAX hält sich weiterhin exakt an unser Elliott-Wellen-Szenario. Wie vor einer Woche prognostiziert sollte der Index bald seine (hellgrüne) Korrekturwelle 4 abschließen und anschließend zu einer neuen Aufwärtsbewegung im Rahmen der Welle 5 ansetzen. Einen Teil dieser Kursgewinne hat der DAX bereits hinter sich gebracht.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Kann der DAX nun das Hoch der (hellgrünen) Welle 3 überwinden, dürften noch einige hundert Punkte nach oben folgen. Anschließend wäre aber mit einer größeren Korrektur zu rechnen.

Dieses Elliott-Wellen-Szenario ist nun solange intakt, wie die Kurse nicht unter das Tief der hellgrünen Welle 4 (9.749 Punkte) fallen.

Kommt es zu Kursen unter 9.749 Punkten, dann wäre wieder das längerfristige Szenario (siehe folgender Chart) aktiv, wonach die Aufwärtsbewegung nach der ABCDE-Korrektur die finale Welle 5 eines großen Aufwärtstrends war und entsprechend eine größere Korrektur stattfindet.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Mit Blick auf den folgenden langfristigen Chart könnte diese Korrektur sogar bis auf das ehemalige Allzeithoch führen (roter Pfeil).

DAX - langfristige Elliott-Wellen-Analyse

Theoretisch wäre sogar ein Abwärtspotential bis auf rund 7.600 Punkte denkbar, wobei wir aber davon ausgehen, dass maximal die ehemaligen Allzeithochs bei 8.151,57 bzw. 8.136,16 Punkten getestet werden.

S&P500

Der S&P500 probt derzeit den Ausbruch aus seinem seit Oktober 2011 (!) gültigen Aufwärtstrend. Damit würde der Index in eine neue Phase noch steilerer steigender Kurse eintreten.

S&P500 - Aufwärtstrend seit Oktober 2011

Als wäre dies nicht schon verblüffend genug, angesichts der Reife des Trends, kann einem beim Blick auf den (folgenden) langfristigeren Chart noch schwindeliger werden. Hier zeigt sich, dass die aktuelle Aufwärtsbewegung seit Oktober 2011 alles übertrifft, was wir seit der Aktienmarktblase, die im Jahr 2000 ein jähes Ende fand, gesehen haben.

S&P500 - langfristige Chartanalyse

Der Kursanstieg überbietet nicht nur im Ausmaß, sondern auch zeitlich betrachtet sowohl den 5-jährigen Aufwärtstrend von 2002 bis 2007 (rotes Rechteck) als auch den Trend von März 2009 bis Mai 2011 (gelbes Rechteck).
Das heißt, dass der S&P500 in weniger Zeit noch mehr Strecke zurückgelegt hat, als bei den vorangegangenen Bullenmärkten.

Es dürfte spannend werden, wie es mit dem US-Index weitergeht, wenn er die Marke von 2.000 Punkten erreicht hat. Zeitgleich stehen nämlich der DAX bei 10.000 und der Dow Jones bei 17.000 Punkten. Und der Nasdaq100 könnte bald die Marke von 4.000 Punkten erreichen, wenn ihm noch ein Anstieg um 2 Prozent gelingt. – Runde Marken und damit psychologisch sehr wichtige Widerstände soweit das Auge reicht.

Ein Kursrutsch auf die grüne Aufwärtstrendlinie im Chart oben bei ca. 1.900 Punkten ist hier locker drin und mindestens nötig, um den Markt wenigstens etwas zu bereinigen. Wir sehen das Aufwärtspotential begrenzt, während gleichzeitig eine Menge Abwärtspotential vorhanden ist.

Gold

Auch der Goldpreis hält sich, genau wie der DAX, weiterhin an unser Elliott-Wellen-Szenario. Der Goldpreis konnte sich auf seinem erreichten Niveau halten womit die Chancen auf anschließend weiter steigende Kurse hoch stehen.

Gold - Elliott-Wellen-Analyse

Die aktuelle Konsolidierung bildet offenbar derzeit die Welle 4 aus, womit anschließend im Rahmen der Welle 5 weiter steigende Kurse folgen sollten.

Für dieses Szenario spricht auch der saisonale Chart, wonach es im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahr insbesondere ab Juli bis zum Jahresende zu steigenden Notierungen kam.

Gold - saisonal

Im Chart oben ist auch sehr schön zu erkennen, wie sich der Goldpreis in diesem Jahr bislang an die saisonal übliche Seitwärtsbewegung bis zur Jahresmitte gehalten hat.

Entsprechend sind wir optimistisch, dass bald die Marke von 1.330 US-Dollar geknackt wird und dann der Bereich von 1.350 bis 1.360 US-Dollar angesteuert wird (siehe grüner Pfeil im Chart oben). Anschließend wäre sogar noch ein Kursziel von 1.392,08 US-Dollar denkbar. Insbesondere dürfte die nächste Aufwärtswelle starten, wenn das Hoch vom 14. April bei 1.331,15 US-Dollar überschritten werden kann.

Entsprechend besteht auch bei unserem Gold-ETF (grün im unteren Chart) noch Potential, der weiterhin mit über 20% im Gewinn liegt, während Gold nur knapp 8% seit Depotaufnahme ins „Geldanlage Premium Depot“ (18.12.2013) zulegen konnte.

Die Outperformance dürfte noch größer werden, wenn die Elliott-Welle 5 anläuft. 

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 28: Handelswoche vom 07.07. bis 11.07.2014)

Sie können die „Termine der Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 07.07.2014

09:30 - DE Dienstleistungsindex Juni
09:30 - DE Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe Juni
10:00 - EU Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe Eurozone Juni
10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen Eurozone Juni
14:30 - US Chicago Fed National Activity Index Mai
16:00 - US Verkäufe bestehender Häuser Mai

Dienstag, 08.07.2014

10:00 - DE ifo Geschäftsklimaindex Juni
15:00 - US Case Shiller Composite-20 Hauspreisindex April
16:00 - US FHFA Hauspreisindex April
16:00 - US Verbrauchervertrauen Juni
16:00 - US Verkäufe neuer Häuser Mai

Mittwoch, 09.07.2014

14:30 - US BIP 1. Quartal
14:30 - US Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter Mai

Donnerstag, 10.07.2014

14:30 - US Persönliche Einkommen Mai
14:30 - US Persönliche Auslagen Mai
14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)

Freitag, 11.07.2014

08:00 - DE Außenhandelspreise Mai
11:00 - EU Geschäfts- u. Verbraucherstimmung Juni
11:00 - EU Geschäftsklimaindex Eurozone Juni
15:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan Juni

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