Aktienanalysen - UNIQA, OMV und BayWa - Kaufen, halten oder meiden?

Inhalt dieser Ausgabe

  1. UNIQA Insurance Group AG - Tradinggewinne von 11 Prozent möglich
  2. OMV AG - Für Value-Investoren ein langfristiger Kauf
  3. BayWa - Nach Kursanstieg und Gewinnrückgang vorerst kein Kauf

 

›› UNIQA Insurance Group AG
- Tradinggewinne von 11 Prozent möglich
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefbereits in der der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vor einer Woche hatten wir interessante Aktien fundamental und charttechnisch unter die Lupe genommen, nachdem uns ein Leser um eine entsprechende Analyse gebeten hatte.

Auch heute möchten wir wieder eine Leser-Mail aufgreifen, um die Informationen, die wir dem einzelnen Interessenten haben zukommen lassen, nun auch allen anderen potentiellen Investoren zugänglich zu machen.

Uniqa Insurance Group AG – Ist diese Aktie ein Kauf?

Dazu zunächst die Frage des Lesers:

Sehr geehrter Herr Weisenhaus!
Da ich in Österreich wohne, möchte ich Sie Fragen ob sie eventuell auch Österreichische Aktien analysieren? Wenn ja, würde mich die UNIQA Versicherung sehr interessieren.
Zum Preis von EUR 8,-- habe ich im Oktober 2013 Aktien gezeichnet. Um EUR 10 war dann der höchste Kurs bis dato und nun ist diese Aktie wieder auf 9 EUR zurück gekommen. Seit kurzer Zeit steigt diese Aktie wieder.
Aufgrund der Neuausrichtung des Unternehmens und des guten Newsflows möchte ich Sie fragen, ob diese Aktie nun wieder ein Kauf ist?
Für Ihre Mühe bedanke ich mich sehr höflich im Voraus.

Am 7. August erhielt der Leser von uns dazu folgende Informationen:

UNIQA AG – Fundamentale Analyse

UNIQA Insurance Group AG (WKN 928900)
Aktienkurs: 9,231 Euro
Marktkapitalisierung: 2,846 Mrd. Euro

Das Unternehmen wird am 27.08.2014 über das Ergebnis des 1. Halbjahres 2014 berichten.

Dividendenrendite beträgt ordentliche 3,8 Prozent

In der am 26. Mai 2014 stattgefundenen 15. ordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre von UNIQA Insurance Group AG wurde für das Geschäftsjahr 2013 die Ausschüttung einer Dividende von 35 Cent je dividendenberechtigter Stückaktie beschlossen. Die Dividendenrendite beträgt damit recht ordentliche 3,8 Prozent.

Erträge stagnieren, Gewinne steigen tendenziell

Was die Gesamterträge angeht, so befindet sich das Unternehmen nicht gerade auf einem Wachstumskurs. So liegen die Erträge mind. seit 2008 schon im Durchschnitt bei 5,6 Mrd. Euro. Die Gewinne konnten aber, mit einem Ausrutscher im Jahr 2011, tendenziell gesteigert werden und lagen in 2013 bei 283,4 Mio. Euro (Konzernergebnis +123% zum Vorjahr). Bei einem Gewinn je Aktie von 1,20 Euro (Vorjahr: 0,75 Euro) errechnet sich ein KGV (2013) von 7,7. Dies klingt zunächst wenig, für diese Branche sind jedoch einstellige KGV nicht ungewöhnlich.

Geschäftsausblick wenig konkret

Für 2014 hat sich die UNIQA Group das Ziel gesetzt, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gegenüber dem Jahr 2013 weiter deutlich zu steigern. Dies setzt ein stabiles Kapitalmarkumfeld, eine weitere Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds und eine Schadenbelastung durch Naturkatastrophen, die im normalen Rahmen bleibt, voraus. Leider wurde das Unternehmen in der Prognose für 2014 nicht konkreter.
Ein erneuter Gewinnanstieg um über 100 Prozent ist nicht zu erwarten. Vielmehr ist zu vermuten, dass sich der Konzern mit diesen Zahlen für die Kapitalerhöhung in 2013 aufgehübscht hat.

UNIQA AG – Charttechnische Analyse

Bei 8 Euro scheint die Aktie spätestens auch aufgrund der jüngsten Kapitalerhöhung (Oktober 2013, 94.752.100 neue Aktien zu 8,00 Euro je Aktie) gut unterstützt zu sein.

Uniqa - Konsolidierung

Langfristig betrachtet (siehe folgender Chart) ist die Aktie über mehrere Jahre kontinuierlich im Kurs gesunken, wobei aber die Volatilität immer weiter abgenommen hat. Aus dieser Formation könnte man einen bullishen Keil herauslesen, der zukünftiges Kurspotential eröffnet.

Uniqa - Keilformation

Fazit – Kurzfristig traden, langfristig auf Keilformation setzen

Sollte es dem Unternehmen gelingen, den Wachstumspfad beim Gewinn fortzuschreiten, würde sowohl die fundamentale Entwicklung als auch die Bewertung diese charttechnische Einschätzung unterstreichen. Bis dahin könnte man die Aktie traden - bei 9 Euro einsteigen, bei 10 Euro aussteigen - was immerhin Tradinggewinne von 11 Prozent ermöglicht. Und bei einem Sprung über 10 Euro kann man die Aktie dann langfristig halten - sofern die Geschäftsentwicklung mitspielt.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› OMV AG
- Für Value-Investoren ein langfristiger Kauf
von Sven Weisenhaus

Auch die OMV AG haben wir aufgrund der Anfrage eines Lesers analysiert. Kurz und knapp schrieb uns der Leser:

„Sehr geehrter Herr Weisenhaus,
mich würde Ihre Einschätzung von OMV und Baywa interessieren.
Danke!“

Daraufhin gaben wir in unserer Antwort vom 31. Juli folgende Hinweise:

OMV (WKN: 874341)
Aktienkurs: 30,58 Euro
Marktbewertung: 10,1 Mrd. Euro

OMV AG – Charttechnische Analyse

Der Kurs befindet sich nach einem stärkeren Anstieg in einer Konsolidierung mit leichter Abwärtstendenz, was auf den ersten Blick nach einer anschließenden Fortsetzung der Aufwärtsbewegung ausschaut.

OMV - im Abwärtstrend

Langfristig pendelt die Aktie jedoch seit 2009 eher seitwärts um ca. 30 Euro.

OMV - Aktie pendelt um 30 Euro

OMV AG - Fundamentalanalyse (bezogen auf die Jahreszahlen 2013)

Der Umsatz liegt bei über 42 Mrd. Euro pro Jahr. Daraus errechnet sich ein KUV von günstigen (weniger als) 0,25. Der Umsatz konnte von 2009 bis 2012 stark gesteigert werden (um 140 Prozent), das Wachstum ließ zuletzt aber nach und in 2013 stagnierte der Umsatz bzw. ging sogar leicht zurück.

Der Jahresüberschuss hat eine ähnliche Entwicklung und lag zuletzt (2013) bei über 1,1 Mrd. Euro. Das KGV2013 liegt damit bei unter 10 und ist als günstig zu bezeichnen.

Das Eigenkapital liegt mit 11,6 Mrd. Euro über dem Börsenwert. Damit erhält man zum aktuellen Kurs sehr viel Substanz für sehr wenig Geld (Buchwert je Aktie 35,6 Euro, KBV unter 1). Der Cashflow ist positiv. Die Dividendenrendite ist mit über 4 Prozent üppig.

Fundamentalanalyse (bezogen auf die Zahlen zum 1. Quartal 2014)

Der aktuelle Kursrückgang könnte auch mit den Q1 Zahlen 2014 zusammenhängen. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Q1 2013) weiter um 9 Prozent von 10,777 Mrd. Euro auf 9,825 Mrd. Euro. Das EBIT ist um 46 Prozent zurückgegangen. Das Ergebnis je Aktie sank sogar um 62 Prozent von 2,41 Euro auf 0,92 Euro.

Fazit – Halbjahreszahlen abwarten!

Das Ergebnis für das 1. Halbjahr 2014 wird am 12. August 2014 veröffentlicht. Vor dem Hintergrund der Q1 2014-Zahlen würde ich diesen abwarten. Denn ein konkreter Ausblick vom Unternehmen fehlt und es ist nicht klar, wie sich die Gewinne weiterentwickeln. Sollte der Rückgang der Erträge weitergehen, könnte das bislang günstige KGV schnell Geschichte sein.

Aus heutiger Sicht ist die Aktie ein Kauf und der Höchstkurs von über 39 Euro durchaus erneut erreichbar. Sollten sich die Ertragsschwäche und die negative Gewinnentwicklung jedoch fortsetzen, wäre der aktuelle Kursrückgang fundamental begründet.


(Anmerkung der Redaktion:
Inzwischen sind die Halbjahreszahlen da. Demnach wurden die Konzernergebnisse durch niedrigere Raffineriemargen, einen schwächeren US-Dollar und politische Instabilität in Libyen und im Jemen weiterhin negativ beeinflusst. Der Umsatz sank um 10 Prozent von 21.344 Mio. Euro im 1. Halbjahr 2013 auf 19.132 Mio. Euro, das Ergebnis je Aktie (EPS) rutschte um 57 Prozent von 3,10 Euro auf 1,33 Euro ab.

OMV - Geschäftszahlen

Selbst wenn sich die Gewinne im zweiten Halbjahr 2014 auf dem Niveau des 1. Halbjahres stabilisieren, wäre die Aktie mit einem KGV von 11 zwar nicht teuer, angesichts der sinkenden Gewinne aber auch nicht billig. Zumal auch eher mit einem EPS von weniger als 2,66 Euro im Gesamtjahr zu rechnen ist, weshalb das KGV für 2014 über 11 liegt.

Es gibt also gute Gründe, warum die Aktie vom Zeitpunkt unserer Antwort an den Leser am 31. Juli bis heute um weitere 5,66 Prozent in nur 3 Wochen abgegeben hat. Man sollte hier die weiteren Entwicklungen abwarten. Für Value-Investoren könnte die Aktie aber ein langfristiger Kauf sein.)

 



›› BayWa
- Nach Kursanstieg und Gewinnrückgang vorerst kein Kauf
von Sven Weisenhaus

Neben der OMV AG fragte uns der Leser auch nach BayWa, einem internationalen Handels- und Dienstleistungskonzern mit den Kernsegmenten Agrar, Energie und Bau und Geschäftstätigkeiten auf allen Kontinenten. Dazu konnten wir mit der E-Mail vom 31. Juli folgende Informationen mitliefern:

Baywa (WKN: 519400 und 519406)
Aktienkurs: 36,814 Euro bzw. 37,349 Euro
Marktbewertung: 1,29 Mrd. Euro

BayWa – Charttechnische Analyse – da könnte etwas im Busch sein

Der Aktienkurs (WKN 519406) war am 30. Juli eingebrochen (- 8 Prozent). Hier scheint etwas im Busch zu sein. Doch konkrete Nachrichten dazu, die diesen Kursrutsch begründeten, gab es zunächst nicht.

BayWa - Chart

Fundamentalanalyse (bezogen auf die Jahreszahlen 2013)

Der Umsatz des Konzerns wuchs in den vergangenen Jahren rasant und lag in 2013 bei 16 Mrd. Euro (2009: 7,26 Mrd.). Das KUV sieht entsprechend günstig aus: 0,08. Der Jahresüberschuss stieg ähnlich schnell von 45 Mio. Euro in 2009 auf 98,20 Mio. Euro in 2013. Das Ergebnis je Aktie lag 2013 bei 2,85 Euro. Damit errechnet sich ein KGV2013 von rund 13 - auch nicht teuer. Allerdings stagnierte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr.

Fundamentalanalyse (bezogen auf die Zahlen zum 1. Quartal 2014)

Der BayWa-Konzern erzielte (preisbedingt) einen leicht geringeren Konzernumsatz in Höhe von 3,6 Mrd. Euro (-2,7 Prozent, Vorjahr: 3,7 Mrd. Euro), konnte aber das operative Ergebnis (EBIT) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Mio. Euro auf 4,3 Mio. Euro erhöhen (Vorjahr -7,4 Mio. Euro). Nach Steuern bleibt aber ein Verlust von 7,1 Mio. Euro.
Zu beachten ist, dass das Auftaktquartal saisonal bedingt schwach und daher nicht mit den übrigen Quartalen vergleichbar ist.

Ausblick

Das Unternehmen werten die Verbesserungen im 1. Quartal als gute Ausgangsbasis für ein erfolgreiches Gesamtjahr. Im Vergleich zu 2013 sollen zum Jahresende 2014 die Umsatz- und Ergebniszahlen erneut gesteigert werden können.

Fazit

Der aktuelle Kursrutsch könnte ein sehr guter Einstieg sein, sollte er sich tatsächlich lediglich als charttechnisch bedingt herausstellen. Die Zahlen zum 2. Quartal am 7. August dürften aufschlussreich sein. Ein jetziger Einstieg könnte sich dann auszahlen, wenn keine negativen Überraschungen veröffentlicht werden. Die Verluste könnten dann schnell aufgeholt werden. Die Aktie ist auch für unser „Geldanlage Premium Depot“ interessant.

(Anmerkung der Redaktion:
Inzwischen sind die Halbjahreszahlen da. Und tatsächlich stellte sich der Kursrutsch als eher unbegründet heraus. Zwar lag der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten mit 7,7 Mrd. Euro um 7 Prozent hinter dem Vorjahreswert (8,3 Mrd. Euro) und verringerte sich das EBIT deutlich von 157,2 Mio. Euro auf 62,1 Mio. Euro (-95,1 Mio. Euro), doch erklärt sich die große Differenz zwischen den beiden Halbjahresergebnissen durch Sondereffekte im 1. Halbjahr 2013, die auf dem Verkauf von Immobilien (95 Mio. Euro) zurückzuführen sind.

Vor dem Hintergrund stark rückläufiger Preise für Getreide und Ölsaaten wurde im 1. Halbjahr 2014 ein solides Ergebnis erzielt. Die Aktien konnten sich daher seit dem 31. Juli stabil entwickeln.

Das Ergebnis je Aktie (EPS) betrug im 1. Halbjahr 2014 0,37 Euro. Das Unternehmen geht von einer stabilen Entwicklung im 2. Halbjahr aus. Es bleibt abzuwarten, ob dies gelingt. Konkrete Zahlen nannte der Konzern aber leider nicht.

Fakt ist, dass das 2013er KGV günstig war, für 2014 aber ein geringeres EPS einkalkuliert werden muss. Die Aktie ist daher derzeit für uns kein Kauf. Es verwundert auch nicht, dass der Kurs (WKN 519400) seit rund zwei Jahren in Summe lediglich seitwärts läuft.)


P.S.: Wenn Sie sich für ein kostenloses Probe-Abonnement des „Geldanlage Premium Depot“ anmelden, dann erfahren Sie, welche Aktien aktuell in ein Depot gehören. Sie können dann das „Geldanlage Premium Depot“ einfach 1:1 nachbilden.

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