Fonds vs. ETFs - Billig ist in diesem Fall besser +++ Petrotec AG: Gewinnwarnung!

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Fonds vs. ETFs - Billig ist in diesem Fall eindeutig besser
  2. Gastbeitrag - Petrotec AG: Gewinnwarnung!

 

›› Fonds vs. ETFs
- Billig ist in diesem Fall eindeutig besser
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefals Anleger kann man seine Investitionskosten besser kontrollieren als alle anderen Aspekte der Kapitalanlage. Bedenkt man, dass eine Investition in Fonds mit teils relativ hohen Kosten verbunden ist und es inzwischen deutlich günstigere Alternativen gibt, die im Stande sind das gleiche oder gar besseres zu leisten, dann muss man sich schon fragen, wie es der Fondsbranche nach wie vor gelingt, derart viele Anlegergelder einzusammeln.

Hohe Investitionen in teure Fonds

Wie der Branchenverband BVI vor nicht allzu langer Zeit mitteilte, haben Anleger seit Jahresbeginn der deutschen Fondsbranche unter dem Strich 28,6 Mrd. Euro anvertraut. Insgesamt verwalteten die Investmentgesellschaften Ende April 2014 ein Vermögen von fast 2,2 Bio. Euro.

Unabhängige Informationsquellen vs. als provisionsorientierte Berater

Vielleicht liegt diese Entwicklung daran, dass potentielle Investoren bei der Vermittlung von Kapitalanlagen eher Fonds gelockt werden, weil damit für die Berater hohe Provisionszahlungen verbunden sind. Über die weniger gut bezahlten Alternativen wird man deshalb nicht ausreichend oder überhaupt nicht informiert.

Wie gut, dass es unabhängige Informationsquellen gibt, die nicht auf Provisionszahlungen angewiesen sind. Der „Geldanlage-Brief“ gehört zu diesen Quellen und so können wir Ihnen problemlos die folgenden Informationen zukommen lassen.

Fonds hinken der eigenen Benchmark oft hinterher

Inzwischen dürfte einigermaßen informierten Anlegern bekannt sein, dass ein Großteil der Fonds nicht in der Lage ist, die eigene Benchmark zu schlagen. Für die schlechte Performance verantwortlich sind zum Teil auch die hohen Gebühren, die neben einer sowieso schon relativ schlechten Kursentwicklung zusätzlich auf die Rendite drücken.

Hohe Gebühren drücken auf die Rendite

So fällt beim Erwerb in der Regel einmalig ein Ausgabeaufschlag an. Er stellt die Differenz zwischen Ausgabe- und Rücknahmepreis. Bei Aktienfonds liegt dieser nicht selten bei 5 Prozent. Bei einigen Fonds werden zudem Rücknahmegebühren berechnet. Die Verwaltungs- und Investitionstätigkeit der Fondsgesellschaft wird mit einer Verwaltungsgebühr in Rechnung gestellt, die jährlich anfällt und nicht selten bis zu 2 Prozent betragen kann. Hinzu können performanceabhängige Vergütungsbestandteile kommen. Diese können immer dann anfallen, wenn bestimmte absolute oder relative Erfolgsziele erreicht wurden.

Für die den Kauf und die Verwaltung der Fondsanteile im Wertpapierdepot stellen viele Banken und Sparkassen ihren Kunden auch noch Transaktionskosten und Depotgebühren in Rechnung. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass diese Kosten auch bei allen anderen Wertpapiertransaktionen entstehen. Sie wurden aber der Vollständigkeit halber an dieser Stelle mitaufgeführt.

Kosten von Aktienfonds stagnieren seit Jahren auf hohem Niveau

Die Kosten von Aktienfonds stagnieren seit Jahren auf hohem Niveau. Laut einer Erhebung von Morningstar, einem führenden Anbieter unabhängiger Investmentanalysen, liegt die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) bei 10.800 Aktienfonds über alle Kategorien hinweg seit 2011 bei durchschnittlich 1,85 Prozent. Die Management-Vergütung macht dabei einen Großteil der jährlichen Kosten aus. Wobei hier die Faustregel gilt: Fonds, die spezielle Themen abbilden, kosten deutlich mehr als Fonds, die in Kernmärkten unterwegs sind.

Kostengünstige Alternative: Exchange Traded Funds (ETF)

Dabei gibt es inzwischen mit Exchange Traded Funds (ETF) einen adäquaten Ersatz. Genau wie normale Fonds-Anteile verbriefen Exchange Traded Funds, also zu Deutsch „börsengehandelte Fonds“, einen anteiligen Besitz an einem Sondervermögen, das getrennt vom Vermögen der emittierenden Investmentgesellschaft geführt wird. Die Anlagestrategie von ETFs ist in der Regel passiv, das heißt das Fondsmanagement versucht, die Wertentwicklung einer vorab definierten Benchmark lediglich nachzubilden.

Die Kosten wie Managementgebühren, die in der Gesamtkostenquote (TER) zusammengefasst werden, sind daher in der Regel deutlich günstiger als bei Fonds. Und wie der Name schon sagt, können ETFs jederzeit wie z. B. Aktien an der Börse gehandelt werden, womit kein Ausgabeaufschlag anfällt.

Gleichzeitig ist bei ETFs ein Preiskrieg entbrannt

Gleichzeitig ist im Segment der ETFs ein Preiskrieg entbrannt, der sich unlängst sogar noch verschärft hat. Bereits in den vergangenen fünf Jahren sind die Gebühren für ETFs auf europäische Standardwerte laut Morningstar durchschnittlich von 0,40 auf 0,32 Prozent (einfacher Durchschnitt) gefallen. Und in den letzten 6 Monaten waren Gebührensenkungen in diesem Segment quasi auf der Tagesordnung.
Der Gebührentrend ist allerdings nicht auf Kostenreduzierungen zurückzuführen, sondern auf die Auflage neuer, günstiger Produkte. Doch aus welchem Grund auch immer - Verbraucher profitieren davon.

Bei austauschbaren Produkten zählt der Preis

Diese Entwicklung ist durchaus logisch, denn bei ETFs handelt es sich um austauschbare Produkte. Den verschiedenen Anbietern der Branche gelingt inzwischen eine sehr effiziente Nachbildung der Kursentwicklung der zugrundeliegenden Indizes. Die Renditen sind daher bei vielen Anbietern gleich, so dass lediglich noch der Preis als Differenzierungsmerkmal gilt.

Niedrige Gebühren = höhere Renditen

Wie gut, dass diverse Studien von Morningstar sogar zeigen, dass Produkte mit niedrigeren Gebühren auch noch eine höhere Rendite erzielen, als Produkte mit zum Teil deutlich höheren Kosten. Dies gilt insbesondere bei Fonds. Laut Morningstar ist die Kostenquote eines Fonds der stärkste Indikator für die zukünftige Fondsperformance - stärker als die Rendite der Vergangenheit.

Morningstar hat dazu konkrete Zahlen für Aktienfonds auf globale Standardwerte veröffentlicht:
Das Quartil der günstigsten Fonds kam auf durchschnittliche Kosten von 0,78 Prozent im Jahr 2008. Fünf Jahre später hatten diese Fonds im Schnitt eine Performance von 13,65 Prozent pro Jahr erzielt. Das Quartil der teuersten Fonds brachte eine Gebühr von 2,74 Prozent auf die Waage. Diese Fondsgruppe erzielte ein Plus von durchschnittlich nur 11,41 Prozent pro Jahr.

Und in Heller und Pfennig ausgedrückt:
Aus einem fiktiven Investment von 10.000 EUR am 31.12.2008 in die günstigsten global investierenden Aktienfonds wurden im Schnitt knapp 19.000 EUR per Ende 2013. Ein vergleichbares Investment in die teuersten Fonds hätte nach fünf Jahren nur 17.164 EUR gebracht.

Fonds hinken ETFs in Sachen Kosten und Rendite hinterher

Viele Fonds sind ebenfalls austauschbar. Denn diverse Fonds heben sich kaum voneinander ab und folgen darüber hinaus oft auch nur ihrer Benchmark. Doch gemäß den Daten von Morningstar schaffen es selbst die günstigsten Fonds über die Fünfjahres-Periode nicht, den jeweiligen Kategorie-Index zu übertreffen. So kann man in solchen Fällen nicht nur Fonds untereinander austauschen, sondern auch Fonds durch ETFs ersetzen. Zumal laut Erhebungen von Morningstar in den meisten Fondskategorien der Durchschnitt der aktiv verwalteten Fonds deutlich hinter ETFs bleiben, die auch in diesen Segmenten aktiv sind.

Werden Sie „institutioneller“

Morningstar beschreibt daher treffend: „Die ETF-Branche ist weitgehend institutionell geprägt, während sich in der Welt der aktiv verwalteten Publikumsfonds vorwiegend Privatanleger tummeln. Es wäre höchste Zeit, dass Privatinvestoren 'institutioneller' werden“.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Gastbeitrag
- Petrotec AG: Gewinnwarnung!

Die Petrotec AG (WKN PET111) war schon einmal Thema hier im Geldanlage-Brief. Bereits am 18. Juni 2014 schätzte der Aktienanalyst Christian Lohmer in einem Gastbeitrag das Zahlenwerk des Unternehmens für das Eingangsquartal als enttäuschend ein. „Wir empfehlen die spekulative Aktie daher trotz des rückläufigen Aktienpreises derzeit nicht nachzukaufen, sondern die nächsten Ergebniszahlen abzuwarten“, hieß es in der Analyse.

Petrotec AG - Aktie brach um 32 Prozent einSeitdem ist der Aktienkurs von 1,20 Euro auf aktuell 0,82 Euro (weiter) gefallen. Leser des Geldanlage-Briefs wurden also vor Verlusten in Höhe von fast 32 Prozent verschont.

Inzwischen hat Herr Lohmer die neuesten Geschäftszahlen analysiert und ein Update zu der Aktie erstellt, welches wir Ihnen nachfolgend gerne zukommen lassen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre
Ihr Team von www.geldanlage-brief.de


von Christian Lohmer, Lohmer Research LR

Geschäftstätigkeit

Die Petrotec AG (WKN PET111) ist als Holdinggesellschaft über ihre zwei operativen Tochterunternehmen einer der größten Hersteller von Biodiesel auf Basis von alternativen Rohstoffen.
Bei den Tochtergesellschaften handelt es sich um die Petrotec Biodiesel GmbH und die Vital Fettrecycling GmbH. Seit 2000 produziert die Gesellschaft mittels eines Multi-Feedstock-Verfahrens.

Von Petrotec hergestellter Biodiesel erfüllt die europäische Norm für Biokraftstoffe, EN 14214. Der Konzern betreibt dabei ein vertikal integriertes Geschäftsmodell, das von der Entsorgung von Altspeisefetten bei Restaurants und ähnlichen Betrieben und Lebensmittelverarbeitern über die Aufbereitung und Raffination bis zur technologisch sehr anspruchsvollen Produktion des Biodiesels aus Abfall reicht.

Gewinnwarnung!

Petrotec erwirtschaftete im 1. Halbjahr 2014 einen Umsatz von 96 Mio. Euro nach 97 Mio. Euro im selben Vorjahreszeitraum. Das EBIT ging von 3,7 Mio. Euro auf nur mehr 9 Tsd. Euro kräftig in die Knie. Das Ergebnis je Aktie war mit -0,04 Euro negativ.
Die Ergebnisse spiegeln die erschwerten Marktbedingungen auf dem abfallbasierten Biodieselmarkt wider. Obwohl die Produktnachfrage stabil blieb, hatte der Abwärtstrend bei den Preisen für Biodiesel einen negativen Effekt auf Margen und Rentabilität, da sich die Rohstoffpreise nur mit einer Verzögerung angleichen.

Ausblick

Längerfristig sieht die Geschäftsleitung eine weiter steigende Nachfrage nach Biodiesel. In erster Linie aufgrund der steigenden Anzahl von Ländern, die das System der doppelten Gewichtung (Double Counting) einführen. Aber auch wegen der höheren Beimischungs-Verpflichtungen, um die Zielvorgaben für die Treibhausgaseinsparung zu erreichen. Kurzfristig erwartet das Unternehmen jedoch ein relativ schwaches 3. Quartal. Für das Geschäftsjahr 2014 geht die Geschäftsleitung davon aus, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern nicht mehr erzielt werden kann.

Einschätzung

Bereits das Zahlenwerk für das Eingangsquartal hat uns misstrauisch gemacht. Wir haben daraufhin im Juni unsere Ergebnisschätzung für 2014 nach unten revidiert und die Aktie trotz des Kursrückgangs nicht mehr zum Kauf empfohlen. Die jüngste Gewinnwarnung zeigt, dass unsere Zurückhaltung richtig war. Petrotec ist derzeit schwer einzuschätzen. Zudem stehen zwei schwierige Börsenmonate vor uns. Die Aktie steht erstmals seit einem Jahr wieder unter 1 Euro. Wir empfehlen den Nebenwert trotz des Kurseinbruchs die kommenden Monate nur zu beobachten.

Branche: Erneuerbare Energie
Webpage: http://www.petrotec.de
Aktienkurs: 0,99 Euro
Aktienanzahl: 24,5 Mio.
Börsenwert: 24 Mio. Euro
Umsatz 2013: 193 Mio. Euro
EBIT 2013: 4,9 Mio. Euro
Nettoergebnis 2013: 4,0 Mio. Euro
Gewinn je Aktie 2013: 0,16 Euro
Dividende je Aktie 2013: 0,00 Euro
Cash je Aktie: 0,37 Euro
Eigenkapitalquote: 50%


P.S.: Sie wollen zukünftig von solchen Aktienanalysen profitieren? Dann melden Sie sich für unseren Börsendienst „Geldanlage Premium Depot“ an und bilden Sie unser Depot einfach 1:1 nach. Erfahren Sie, welche Aktien man meiden sollte, welche Unternehmensanteile aktuell in ein Depot gehören und welche Investments noch Kurspotential bieten. Das Beste: Sie können uns 3 Wochen lang kostenlos testen. Melden Sie sich jetzt hier an!

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