Welchen Zweck haben die Maßnahmen der EZB? - DAX: Verlustgefahr - EUR/USD: Gewinnchance

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse – Die Märkte spekulierten und wurden nicht enttäuscht
  2. EZB-Geldpolitik – Welche Maßnahmen beschlossen wurden und was die Notenbank damit bezweckt
  3. DAX Chartanalyse – Innerhalb der Seitwärtsrange bleibt Vorsicht geboten
  4. EUR/USD – Eine Gegenbewegung ist sehr wahrscheinlich
  5. Termine der kommenden Woche

 

›› Marktanalyse
– Die Märkte spekulierten und wurden nicht enttäuscht
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefzu Wochenbeginn blieb es an den Märkten sehr ruhig. Dies war wenig verwunderlich, denn einerseits hatten die US-Anleger aufgrund des Feiertages in den USA am Montag ein verlängertes Wochenende, was sich wie so oft auch in einem lustlosen Handel außerhalb der Staaten bemerkbar machte, andererseits begaben sich die Börsen vor der wichtigen EZB-Sitzung am Donnerstag in Wartestellung.

Durchatmen im Ukraine-Konflikt

Als dann aber kurz nach Start des Handels am Mittwoch die Meldung kam, dass sich im Ukraine-Konflikt eine Waffenruhe anbahnen könnte, brannten die Börsen ein Feuerwerk der Erleichterung ab. Die Aktienmärkte sprangen deutlich nach oben, der Rentenmarkt wurde als sicherer Hafen von den Anlegern verlassen und der Euro konnte sich ein wenig erholen.

Die Märkte spekulierten auf weitere geldpolitische Maßnahmen…

Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag hatten sich viele Anleger auf weitere geldpolitisch expansive Maßnahmen eingestellt. Insbesondere waren die Erwartungen an Aufkäufe ABS-besicherter Papiere hoch, es wurde aber auch vielfach ein „Quantitative Easing“ (QE) gefordert.

Und dies obwohl die EZB schon im Juni ein dickes Paket geschnürt hatte, welches neben einer Senkung des Leitzinses auf das Rekordtief von 0,15 Prozent und dem Beschluss eines erstmals negativen Strafzinses für Einlagen auch neue Langfristkredite für Banken vorsah. Letztere sollten erst im September und Dezember umgesetzt werden.

…und wurden nicht enttäuscht

Angesichts dieser Vorgeschichte hätte das Verlangen des Marktes auch durchaus unerfüllt bleiben können. Doch tatsächlich beschloss die EZB den Ankauf von ABS. Die Spekulation der Marktteilnehmer auf ein QE wurde allerdings enttäuscht, dafür gab die EZB den Märkten aber ersatzweise eine Senkung der Leitzinsen. Insofern kann man sagen, dass den Märkten ihre Wünsche mithilfe von Alternativen erfüllt wurden. Entsprechend konnten Aktien zulegen. Das fehlende QE wurde über Kursverluste am Rentenmarkt bzw. im Bund Future und die überraschende Zinssenkung über weitere Wechselkursbewegungen im Euro eingepreist.

Bis Jahresende dürfte die EZB nun die Füße still halten

In unseren Augen wird die EZB nun erst einmal die beschlossenen Maßnahmen vollständig umsetzen (im September, Oktober und Dezember) und dann abwarten, ob und wie diese wirken. Immerhin können sich die Banken im Rahmen der Langfristkredite (TLTROs) alleine im laufenden Monat (am 18. September) bereits bis zu 400 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen ausleihen, im Dezember dann noch einmal die gleiche Summe. Und über die ABS-Käufe sollen noch einmal 500 Milliarden Euro in die Wirtschaft fließen. Mindestens bis zum Jahresende sind daher keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen in der Euro-Zone zu erwarten.

Augen auf die USA richten

Entsprechend sollte man nun die Augen auf die USA richten. Hier dürfte die Notenbank Fed an ihrem Plan einer Beendigung der Anleihekäufe festhalten. Daran wird auch der schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag nichts geändert haben.

Nachdem die ADP-Daten am Mittwoch noch mit 204.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft im August recht ordentlich ausfielen - erwartet wurden 216.000 nach (von 218.000 nach unten revidierten) 212.000 im Vormonat - lagen die Erwartungen für die offiziellen Zahlen in einem ähnlichen Bereich (216.000 bis 235.000). Tatsächlich wurden in den USA im August aber lediglich 142.000 neue Jobs geschaffen. Allerdings sank die Arbeitslosenquote von 6,2 auf 6,1 Prozent.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› EZB-Geldpolitik
– Welche Maßnahmen beschlossen wurden und was die Notenbank damit bezweckt
von Sven Weisenhaus

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat über ihre weitere geldpolitische Ausrichtung beraten und ihre Ergebnisse am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert. Die Märkte hatten im Vorfeld der EZB-Sitzung auf eine Ausweitung der expansiven Geldpolitik spekuliert und sie wurden nicht enttäuscht. Allerdings kamen einige der beschlossenen Maßnahmen durchaus überraschend. Welche Maßnahmen wurden verkündet und welchen Zweck verfolgt die EZB damit?

EZB beschließt überraschend Zinssenkungen

So hatte zum Beispiel kaum jemand eine Senkung der Leitzinsen auf dem Schirm. Doch die EZB passt den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems (Leitzins) von 0,15 auf historisch niedrige 0,05 Prozent an, reduziert den Einlagensatz von -0,10 auf -0,20 Prozent noch weiter in den negativen Bereich und drückt den Ausleihungssatz von 0,40 auf 0,30 Prozent. Die Änderungen treten ab dem 10. September 2014 in Kraft.

EZB kauft ABS und Covered Bonds

Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Ratssitzung teilte der Vorsitzende Mario Draghi mit, dass im Oktober mit dem Ankauf von ABS-Wertpapieren begonnen wird. Diese Maßnahme hatten einige Experten im Vorfeld bereits erwartet, doch die EZB setzte auch hier noch einen drauf: Neben Ankäufen von zunächst simplen ABS werden auch noch Covered Bonds erworben.

Laut Draghi wird dieses Kaufprogramm bedeutende Auswirkungen auf die Bilanz der EZB haben. Aufgrund der Komplexität des Kaufprogramms seien Aussagen zu einem möglichen Volumen aber schwierig, so Draghi. Nähere Details dazu werden am 2.Oktober veröffentlicht.

Auch ein „Quantitative Easing“ wurde besprochen

Auf Nachfrage eines Reporters bestätigte der Notenbankchef, dass auch über „Quantitative Easing“ (QE) gesprochen wurde. Aufgrund einer Uneinigkeit über die Umsetzung kam es aber nicht dazu sondern zu dem Kompromiss aus den oben genannten Umsetzungen. Einige Ratsmitglieder hatten sich zuvor im Rahmen der Beratungen für weitergehende Maßnahmen ausgesprochen, einige für weniger als die ergriffenen. Der Rat hat sich aber einstimmig dazu entschlossen, weitere Instrumente zu nutzen, falls notwendig.

Erwartungen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation gesenkt

Notwendig wurden die neuen Maßnahmen, weil die ihre Prognose für das EU-Wirtschaftswachstum 2014 von 1,0 auf 0,9 und für 2015 von 1,7 auf 1,6 Prozent gesenkt hatte. Dazu teilte Draghi mit, dass die Erholung durch die hohe Arbeitslosigkeit belastet werde und die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal schwächer als erwartet ausgefallen sei. Die erhöhten geopolitischen Risiken könnten sich weiter negativ auf die Wirtschaft auswirken und die Risiken zur Unterseite überwiegen aus Sicht der EZB derzeit. Die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum müssten daher genau beobachtet werden, sagte Draghi.
Auch die Prognose für die Inflation in der Eurozone senkte die EZB, für 2014 von 0,7 auf 0,6 Prozent. Die Prognose für die Inflation in 2015 wurde bei 1,1 und die für 2016 bei 1,4 Prozent belassen.

Deutliche Kritik in Richtung der Regierungen

Deutliche Kritik äußerte Draghi in Richtung der Regierungen im Euro-Gebiet. Er mahnte, dass die geldpolitischen Maßnahmen ohne strukturelle Reformen nicht den gewünschten Effekt haben werden. Man müsse wachstumsbelastende Steuern und unproduktive Ausgaben senken. Nur so könne die Wirtschaft wachsen. Dabei müsse man den Stabilitätspakt aber einhalten, um das Vertrauen in die Währung aufrechtzuerhalten.

Sinn und Zweck der beschlossenen Maßnahmen

Zusammenfassend lässt sich sagen, und dies bestätigte auch Mario Draghi in der Pressekonferenz, dass die Zinssenkungen die bereits im Juni beschlossenen TLTRO attraktiver machen, weil die Banken für das bei der EZB geliehene Geld nun noch weniger Zinsen zahlen müssen.
Mit dem negativen Einlagezins will die EZB erreichen, das die Banken dieses Geld in Form von Krediten an die Wirtschaft weitergeben und nicht gleich wieder bei der Notenbank parken.

Der Ankauf der ABS hat folgenden Sinn: Mit Kreditverbriefungen (ABS) können Banken ausstehende Forderungen aus Unternehmens- oder Kreditkartenkrediten an den Markt bringen und somit ihre Bilanzen entlasten. Sie haben dann mehr Luft zur Vergabe neuer Darlehen. Nun können die Banken ihre ABS direkt der EZB andienen. Mit dieser Maßnahme hilft die EZB den Banken also einerseits, die Anforderungen aus den Stresstests zu erfüllen, andererseits erhalten die Banken auch hierüber Liquidität, die an die Wirtschaft weitergegeben werden kann bzw. soll.

Die beschlossenen Maßnahmen sollen also vor allem positiv auf die Kreditvergabe wirken. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell die Kredite und damit Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb und löst letztlich das Problem der aus Sicht der EZB zu niedrigen Inflation im Euroraum. Denn eigentlich ist die EZB nicht der Wirtschaft sondern der Preisstabilität verpflichtet.

 



›› DAX Chartanalyse
– Innerhalb der Seitwärtsrange bleibt Vorsicht geboten
von Sven Weisenhaus

In den vorangegangenen Ausgaben schrieben wir wiederholt, dass es im DAX erst Entwarnung gibt, wenn der Kurs über 9.600 Punkte steigen kann. Denn erst dort hätte er mehr als 61,8 Prozent der vorangegangenen Abwärtsbewegung aufgeholt, weshalb nach der Fibonacci-Technik erst dann die Korrektur beendet wäre. Am Mittwoch hat der Index diese Marke endlich überwunden.

DAX - Fibonacci-Marken

Weil der DAX das 61,80-Prozent-Fibonacci-Retracement endlich überwinden konnte, ist das bislang noch bearishe Chartbild endgültig hinfällig. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es nicht noch zu einer starken Abwärtsbewegung kommen kann.

Was kann den DAX nun noch weiter antreiben?!

Man sollte berücksichtigen, dass dem DAX der starke Anstieg der vergangenen Tage auch aufgrund von externen Ereignissen gelungen ist. Zunächst waren es Meldungen, wonach es zu einem Waffenstillstand in der Ostukraine kommen könnte, dann war es die neue Geldspritze der Notenbank EZB. Es stellt sich daher nun die Frage, was den DAX jetzt noch antreiben könnte. Zumal die US-Indizes den jüngsten Anstieg nicht mehr in dieser Intensität mitgemacht haben und wir uns gerade in der saisonal schwächsten Phase befinden.

DAX befindet sich unverändert nur in einer breiten Seitwärtsrange

Und nach wie vor befindet sich der DAX lediglich innerhalb einer breiten Seitwärtsrange (blau im folgenden Chart), in deren Rahmen es jederzeit genauso gut auch wieder abwärts gehen kann. Es bleibt erhöhte Vorsicht geboten! Die Wahrscheinlichkeit ist dank der Überwindung des 61,80-Prozent-Fibonacci-Retracements aber zumindest deutlich gestiegen, dass der DAX im Falle einer neuerlichen Abwärtsbewegung innerhalb seiner monatelangen Seitwärtsrange zwischen grob 9.800 (oder 10.000) und 9.000 Punkten bleibt.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Bullishes Elliott-Wellen-Szenario nimmt Formen an

Unabhängig davon nimmt mit dem Anstieg über das Hoch der (hellgrünen) Elliott-Welle 1 unser Szenario Formen an, über das wir vor einer Woche hier an dieser Stelle berichtet haben. Demnach befand sich der DAX in einem neuen 5-gliedrigen Aufwärtszyklus, dessen Welle 1 abgeschlossen wurde und dessen Welle 2 lief. Am Ende dieser Korrekturwelle sollte wieder eine deutliche Aufwärtsbewegung im Rahmen der Welle 3 folgen (grüner Pfeil im Chart). Genau diese Bewegung scheint nun zu laufen.

Innerhalb der Seitwärtsrange bleibt die weitere Kursrichtung ungewiss

Es bleibt dabei: Innerhalb der blauen Seitwärtsrange (ca. 8.900 bis 9.800 Punkte) befindet sich der DAX im Niemandsland. Die weitere Kursrichtung ist absolut ungewiss. Es gibt Argumente für steigende (Elliott-Wellen-Szenario) und für fallende Kurse (saisonale Schwäche).

Wir agieren daher im „Geldanlage Premium Depot“ weiterhin sehr vorsichtig und hoffen auf neuerliche Kursverluste, um dann zu Schnäppchenkursen wieder einkaufen zu können. Dazu liegen bereits entsprechende Limit-Kauf-Orders im Markt. Sollte der DAX aber einfach weiter steigen, so sind wir ausreichend im Markt investiert, um mehr Gewinne zu erzielen.

(Wenn Sie wissen möchten, was wir per Limit-Kauf-Orders zu Schnäppchenkursen einkaufen wollen, dann testen Sie uns doch einfach eine Zeitlang. Sie können sich auf unserer Homepage für ein kostenloses Probe-Abonnement des „Geldanlage Premium Depot“ anmelden und unser Depot dann 1:1 nachbilden.)

 



›› EUR/USD
– Eine Gegenbewegung ist sehr wahrscheinlich
von Sven Weisenhaus

Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar eine deutliche Abwärtsbewegung vollzogen, die fundamental durch die unterschiedliche Geldpolitik der beiden Währungsgebiete natürlich auch begründet ist. Die Abwärtsbewegung lief in zwei Wellen ab, wobei die zweite inzwischen sehr viel länger ist als die erste (siehe blaue Rechtecke im Chart). Der Kurs erscheint damit überverkauft.

EUR/USD - Chartanalyse

Die Märkte hatten im Vorfeld der Notenbanksitzung bereits einiges eingepreist und auf absehbare Zeit wird es nach unserer Einschätzung keine weiteren Maßnahmen seitens der EZB geben. Zinssenkungen, ABS-Käufe, TLTRO - all dies tritt ab September in Kraft. Vor Dezember, wenn die nächste Tranche der TLTRO (Langfristkredite) an die Banken ausgegeben wird, sollte sich an der aktuellen Situation nichts mehr ändern. Entsprechend dürfte das Abwärtspotential im Euro nun langsam ausgereizt sein und eine Gegenbewegung einsetzen.

(Wollen Sie Gewinne mit einem steigenden Euro erzielen? Dann handeln Sie unseren entsprechenden Trade vom „Geldanlage Premium Depot“ einfach nach. Probieren Sie uns 3 Wochen lang im kostenlosen Probe-Abonnement aus.)

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 37: Handelswoche vom 08.09. bis 12.09.2014)

Sie können die „Termine der Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 08.09.2014

  • 08:00 - DE Außenhandel Juli
  • 08:00 - DE Umsatz verarb. Gewerbe Juli

Dienstag, 09.09.2014

  • Keine wichtigen Termine

Mittwoch, 10.09.2014

  • 16:00 - US Großhandel Juli

Donnerstag, 11.09.2014

  • 08:00 - DE Verbraucherpreise August
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 15:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan September

Freitag, 12.09.2014

  • 11:00 - EU Industrieproduktion Juli
  • 14:30 - US Einzelhandelsumsatz August
  • 14:30 - US Einfuhrpreise August
  • 14:30 - US Ausfuhrpreise August
  • 16:00 - US Lagerbestände Juli

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