Heutige Fed-Entscheidung – Wenn nicht jetzt, wann dann? +++ Banken-Stresstest – Neue faule Kredite in Höhe von 136 Mrd. Euro

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Banken-Stresstest – Neue faule Kredite in Höhe von 136 Mrd. Euro aufgedeckt
  2. Heutige Sitzung der US-Notenbank Fed – Wenn nicht jetzt, wann dann?
  3. 3U Holding  Rücktritt vom Kaufvertrag!

 

›› Banken-Stresstest
– Neue faule Kredite in Höhe von 136 Mrd. Euro aufgedeckt
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Ergebnisse der bisher umfangreichsten Prüfung des europäischen Bankensektors liegen vor. Insgesamt 25 der 130 untersuchten Banken sind per Stichtag Ende 2013 durchgefallen. Zwölf der 25 Banken haben ihre Kapitallücken in Höhe von 25 Mrd. Euro allerdings im Laufe dieses Jahres bereits geschlossen, indem sie ihr Eigenkapital um 15 Mrd. Euro erhöhten. Damit gelten nun unterm Strich nur 13 Institute mit einer Kapitallücke von fast 10 Mrd. Euro als gefährdet.

Neue faule Kredite in Höhe von 136 Mrd. Euro aufgedeckt

Bedenklich stimmt aber noch ein wenig, dass zusätzliche 136 Mrd. Euro bei den notleidenden Engagements aller Banken identifiziert wurden und nun mit 879 Mrd. Euro deutlich mehr faule Kredite in den Büchern der europäischen Banken schlummern als bislang angenommen.

Italien ist der große Verlierer

In Deutschland war mit der Münchener Hypothekenbank lediglich eins von 25 untersuchten Geldinstituten betroffen. Doch gehört auch diese Bank zu den Geldhäusern, die bereits nachgebessert haben.
Der große Verlierer im Stresstest heißt Italien: Mit 9 von den insgesamt 25 durchgefallenen Banken stellt die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone die größte Gruppe an betroffenen Banken dar. Den 9 italienischen Banken fehlten Ende 2013 zusammen 9,4 Milliarden Euro Kapital, 4 von ihnen wiesen auch Ende September noch Lücken auf.
Durchgefallen sind unter anderem auch jeweils 3 Geldhäuser aus Griechenland und aus Zypern.

Die Konsequenzen für die Sitzenbleiber

Banken, bei denen eine Kapitallücke festgestellt wurde, müssen binnen zwei Wochen nach Bekanntgabe der Ergebnisse Kapitalpläne vorlegen. Sie haben dann bis zu neun Monate Zeit, um die Kapitallücke zu schließen.

Die Details zur Bankenprüfung

Ungefähr ein Jahr lang dauerte die umfassende Bankenprüfung („Comprehensive Assessment“), welche die Europäische Zentralbank (EZB) in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority - EBA) und den nationalen Aufsichtsbehörden der Eurozone durchgeführt hat. Dabei beliefen sich die Aktiva der 130 untersuchten Banken auf 22 Billionen Euro. Dies entspricht 82% der gesamten Bankaktiva im Euroraum. Mehr als 6 000 Experten aus dem gesamten Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) unterzogen über 800 einzelne Portfolios einer Prüfung, wobei sie unter anderem die Kreditqualität von 119 000 Schuldnern der Banken untersuchten.

Die Bewertung setzte sich aus der Prüfung der Aktiva-Qualität (Asset Quality Review – AQR) und einem vorausschauenden Stresstest für die Banken zusammen. Im Basisszenario des Stresstests und in der AQR mussten die Banken eine CET1-Quote (CET1 = Common Equity Tier 1 = das qualitativ beste und zur Verlustabsorption geeignete harte Kernkapital) von mindestens 8% erfüllen, im adversen Szenario galt eine CET1-Quote von mindestens 5,5%. Tatsächlich führte das adverse Szenario im Test zu einem Rückgang des Eigenkapitals der Banken um 263 Mrd. Euro und des Medians der CET1-Quote um 4 Prozentpunkte von 12,4% auf 8,3%.

Ergebnisse des Comprehensive Assessments in Deutschland

Gemessen an der Bilanzsumme deckte das „Comprehensive Assessment“ rund 65% des deutschen Bankensektors ab. Für Deutschland gab das Stressszenario bis 2016 (das heißt über einen Zeitraum von drei Jahren) einen kumulativen BIP-Rückgang von 7,6% vor. Die Banken mussten zudem steigende Zinsen sowie Preisrückgänge bei Staatsanleihen verkraften, ohne dass Anpassungen der Geschäftspolitik berücksichtigt werden durften. Dabei kam es zum folgenden Ergebnis (siehe Tabelle):

Ergebnisse des Comprehensive Assessments in Deutschland
© Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht / www.bafin.de

Die Bedeutung für die Märkte

Für die Zukunft der Märkte und der Geldpolitik könnte der Stresstest bedeuten, dass es nun vielleicht eine höhere Nachfrage bei der Zuteilung der zweiten Tranche der langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTROs) im Dezember geben wird. Und eventuell werden die Banken jetzt endlich mit der von der EZB geforderten verstärkten Kreditvergabe beginnen, die das Wirtschaftswachstum der Eurozone ankurbeln soll.

Ob es so kommen wird, ist unklar. Ebenso sind die Meinungen zu diesem Stresstest geteilt. Bevor Sie nun irgendwelchen Marktschreiern folgen, machen Sie sich doch zunächst selbst ein ausführliches Bild. Die Internetseiten der Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) bieten zu dem Stresstest ausführliches Material inklusive vieler Grafiken. Auf den Seiten der Europäischen Zentralbank erhalten Sie unter anderem einen Ergebnisbericht in deutscher Sprache und auf der Internetpräsenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erhalten Sie unter anderem einen ausführlichen Report über die deutschen Banken im Comprehensive Assessment.

Unser Fazit

Nach Studie einiger der genannten Informationsquellen komme ich zu dem Fazit, dass der Test immerhin besser als kein Test ist. Zudem hat er tatsächlich dazu geführt, dass die Banken nun besser kapitalisiert sind und ein Bankencrash somit unwahrscheinlicher, wenn auch nicht unmöglich, geworden ist. Es geht in die richtige Richtung und es ist ein langer Prozess, der einfach viel Zeit benötigt, auch um derweil die Wirtschaft und die Banken nicht Übermaß zu belasten. Denn würde man die Zügel stärker anziehen, würde man Kapital also schneller stärker binden, dann würde dies die Banken und damit die Kreditvergabe belasten und sich letztlich stärker auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Das scheinen die Kritiker oft zu vergessen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Gastbeitrag zur heutigen Fed-Sitzung
– Wenn nicht jetzt, wann dann?
von Frank Hübner, stellv. Leiter Volkswirtschaft Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG und Co. KGaA

Im Gefolge der Finanzmarktturbulenzen Mitte Oktober wird wieder verstärkt darüber diskutiert, ob die amerikanische Notenbank ihren gerade erst skizzierten Spielplan für den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik von „To Do“ auf „Wiedervorlage“ umklassifiziert. Frank Hübner, stellvertretender Leiter Volkswirtschaft bei Sal. Oppenheim, rechnet in der heutigen Sitzung des Zentralbankrats mit dem Ende des Quantitative Easing.

Frank Hübner, stellv. Leiter Volkswirtschaft Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG und Co. KGaANahrung für die Spekulation über eine mögliche Fortsetzung der Wertpapierkäufe über den Oktober hinaus lieferte nicht zuletzt James Bullard, Chef der St. Louis Fed. Er hatte sich mit Blick auf den jüngsten Rückgang der Inflationserwartungen für eine Verlängerung des Wertpapierankaufprogramms (QE3) ausgesprochen.

Nun sind die Inflationserwartungen gemessen an zehn jährigen Staatsanleihen seit der Notenbanksitzung Mitte September nur um rund 0,1 % auf 1,9% gefallen. Sie befinden sich damit knapp unter der mittelfristigen Zielmarke der Fed in Höhe von 2 %. Insbesondere die Entwicklung am Arbeitsmarkt überraschte positiv mit einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 5,9 %. Fallende Rohstoffpreise dürften in den kommenden Monaten zu einem Rückgang der amerikanischen Inflationsrate in Richtung 1% führen. Die für die Fed relevantere Kerninflation wird diese Bewegung aber wohl nicht mitmachen, sondern ihren zögerlichen Anstieg in Richtung 2 % fortsetzen.

Diese Faktoren reichen nach unserer Einschätzung nicht aus, um den moderat optimistischen Ausblick der amerikanischen Notenbank heftig ins Wanken zu bringen. Dieser wurde im September mit soliden Wachstums- und stabilen Inflationsprognosen für den Zeitraum 2015 bis 2017 zum Ausdruck gebracht. Gleichzeitig avisierten die Notenbanker das Ende des QE3-Programms in der morgigen Zentralbankratssitzung, falls die Datenlage ihre Erwartungshaltung im Großen und Ganzen bestätigt.

Mit Blick auf das Timing für den Start des geldpolitischen Normalisierungsprozesses stellt sich daher tatsächlich die Frage: Wenn nicht jetzt, wann dann? Eine Verzögerung bei der Terminierung der Wertpapierankäufe würde zwangsläufig als Hinweis auf eine merklich veränderte Risikoeinschätzung der amerikanischen Notenbank interpretiert werden. Dieser dann eher negative Signaleffekt dürfte der Stimmungslage bei Unternehmen und privaten Haushalten nicht besonders zuträglich sein, und damit ein Risiko für das Konjunkturbild der Fed darstellen.

Die Normalisierung der US-Geldpolitik ist keine nüchterne Umsetzung klar definierter, bewährter Handlungsregeln, sondern eine komplexe operative und kommunikative Herausforderung für die amerikanische Notenbank. Die Rückabwicklung des historischen geldpolitischen „Experiments“ der letzten Jahre ist selbst ein präzedenzloser Vorgang mit potenziell beträchtlichen Umsetzungsproblemen und Nebenwirkungen. Sie bringt daher ohnehin erhöhte Unsicherheit mit sich.

Die globalen Verwerfungen nach der avisierten Drosselung des QE3-Programms im März letzten Jahres zeigen den Finanzmarktstress, den bereits eine als unklar wahrgenommene Kommunikation der Fed erzeugen kann. Ein Zurückrudern der Fed würde das Risiko einer erneuten Verunsicherung über ihren geldpolitischen Kurs erhöhen und uns sehr überraschen. Wir rechnen daher unverändert damit, dass das QE3-Programm nach der kommenden Zentralbankratssitzung beendet wird.

Damit würde dann die „traditionelle“ Zinspolitik der Fed in das Zentrum des Interesses rücken. Aber auch mit Blick auf unsere Erwartung der Leitzinswende in den USA hat sich durch die Turbulenzen der letzten Wochen keine Änderung ergeben. Wir halten nach wie vor das zweite Quartal 2015 für den wahrscheinlichsten Zeitpunkt der ersten Anhebung der Leitzinsen durch die Fed.

Von Frank Hübner, stellv. Leiter Volkswirtschaft Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG und Co. KGaA


(Anmerkung der Geldanlage-Brief-Redaktion: Besser hätten wir es auch nicht formulieren können. Aus unseren vorangegangenen Analysen kennen Sie vielleicht unsere Meinung in der Sache. Wir stimmen den Aussagen von Herrn Hübner in allen Punkten zu 100 Prozent zu.)

 



›› Gastbeitrag
– 3U Holding: Rücktritt vom Kaufvertrag!
von Christian Lohmer, Lohmer Research LR

Christian Lohmer, Lohmer Research LRDie 3U HOLDING AG (WKN 516790) ist in den Segmenten Telefonie, Services und Erneuerbare Energien tätig. Aktiv wird der Ausbau im Bereich Erneuerbare Energien vorangetrieben. Hier arbeitet 3U auf dem Gebiet solare Systemtechnik und Photovoltaik. Das Angebot umfasst dabei sowohl erstklassige Systemlösungen für Einfamilienhäuser wie auch für solare Großanlagen.

3. Juli: Änderung der Stimmrechte

Am 3. Juli teilte die Gesellschaft mit, dass ihr Anteil an eigenen Aktien die Schwelle von 3% der Stimmrechte überschritten hat. Am 14. August teilte die Gesellschaft aus Marburg mit, dass der Stimmrechtsanteil von Matthias Zettler an der Gesellschaft die Schwelle von 3% und 5% überschritten hat und an diesem Tag 5,67% betragen hat. Dies entspricht insgesamt mehr als 2 Mio. Stimmrechte an der 3U HOLDING AG.

2. August: Verkaufsmeldung

3U HOLDING gab am 2. August diesen Jahres den Verkauf eines 5-prozentigen Anteils an ihrer Tochtergesellschaft weclapp GmbH bekannt. Die weclapp ist einer der führenden Anbieter eines cloudbasierten ERP-Systems. Der Kaufpreis für die übertragenen Geschäftsanteile lag bei 500 Tsd. Euro und basierte auf einer Unternehmensbewertung von 10,0 Mio. Euro. Nach Abschluss der Transaktion hätte 3U HOLDING noch 70% der Gesellschaftsanteile gehalten. 25 % der Anteile hätte das Management der Gesellschaft gehalten. Als Käufer wurde die Berinia GmbH aus Berlin, eine Firma im Bereich E-Commerce, genannt.

22. Oktober: Rücktrittsmeldung

Nachdem 3U HOLDING am 2. August den Verkauf einer 5-prozentigen Beteiligung an ihrer Tochtergesellschaft weclapp GmbH verkündet hat, kam es am 22. Oktober zu einer Rücktrittsmeldung: Nachdem die Berinia GmbH bisher den Großteil des Kaufpreises trotz mehrmaliger Aufforderung nicht gezahlt hat, trat 3U vom Kaufvertrag zurück.

Dies hat zur Folge, dass die 3U HOLDING nach Rückabtretung des Teilgeschäftsanteils wieder 75% der Gesellschaftsanteile der weclapp GmbH hält, während 25% der Anteile weiterhin vom Management der Gesellschaft gehalten werden.

Einschätzung

Dumm gelaufen, kann man da nur sagen. Hätte der Anteilsverkauf der weclapp GmbH geklappt, wäre der Marktwert dieser Beteiligung bei 10 Mio. Euro gelegen. Die negative Meldung nahm der Aktie damit den Wind aus den Segeln.

Wir senken unser Kursziel für die 3U HOLDING AG (WKN 516790, Kurs 60 Cent) von 1 Euro auf 0,8 Euro. Nachkäufe drängen sich derzeit nicht auf. 3 U HOLDING ist aktuell eine gute Halteposition.

3U Holding - Kurs- und Geschäftsentwicklung


Risikohinweis, Haftungsausschluss

Alle veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältigen Recherchen. Trotz größter Sorgfalt bei der Informationsbeschaffung und Erstellung kann nicht für die Richtigkeit der Daten, Informationen, Charts und Tabellen garantiert werden. Die dargestellten Informationen dienen lediglich der Information der Leser. Die Analysen stellen keinesfalls eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Ausdrücklich weisen wir auf die im Wertpapiergeschäft vorhandenen Risiken hin, bei denen auch ein Totalverlust nicht ausgeschlossen werden kann.

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