Jenoptik und QSC - Nach Gewinnwarnung noch eine Investition wert?

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Aktiencheck – Wir analysieren Ihre Wunschaktien
  2. Jenoptik AG – Kursverluste erhielten doch noch ein Gesicht
  3. QSC AG – Nach 70% Kursrückgang einsteigen?

 

›› Aktiencheck
– Wir analysieren Ihre Wunschaktien
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom 22. Oktober hatten wir dazu aufgerufen, uns Ihre Wunschaktie nennen, die wir dann hier für alle Leser ausführlich analysieren. Inzwischen haben wir zahlreiche Rückmeldungen erhalten.

Darunter waren allerdings auch Anfragen zu Aktien, die kaum einem Leser bekannt und entsprechend für die wenigsten Leser interessant sein dürften. Zudem handelte es sich teils um derart marktenge Titel (geringes Handelsvolumen), dass eine Analyse hier im Geldanlage-Brief aufgrund der Vielzahl an Lesern zu deutlichen Kursbewegungen in dem Wert führen könnte. Wir wollen aber nicht in den Verdacht geraten, zur Riege der sogenannten Aktienpusher zu gehören. Daher hatten wir bewusst den Hinweis gegeben, dass es sich bei den Wunschaktien um ein an den deutschen Börsen notiertes Unternehmen handeln sollte.

Update zu Jenoptik und QSC erwünscht

An diese Einschränkung hielt sich ein Leser, der uns schrieb:

Sehr geehrte Damen und Herren,
als langjähriger Leser des Geldanlagebriefs möchte ich Ihnen zunächst einmal meinen Dank und mein Kompliment für Ihre tolle Arbeit aussprechen. Mich würde ein update zu Ihren Empfehlungen QSC und Jenoptik vom August interessieren. Es wäre schön, wenn Sie diese beiden Titel einmal wieder unter die Lupe nehmen könnten!
Vielen Dank und beste Grüße

Nach Gewinnwarnung überhaupt noch eine Investition wert?

Dieser Bitte kommen wir sehr gerne nach. Das Interessante daran: Beide Unternehmen haben inzwischen jeweils eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Sind die Aktien vor diesem Hintergrund überhaupt noch eine Investition wert?


Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Jenoptik AG
– Kursverluste erhielten doch noch ein Gesicht
von Sven Weisenhaus

In der Analyse vom 27. August 2014 berichteten wir, dass einige Analysten erwartet hatten, die Geschäftszahlen der Jenoptik AG (WKN 622910) könnten zum ersten Halbjahr negativ ausfallen. Die Aktie war eventuell auch deshalb im Zeitraum vom 10. Juni bis 8. August regelrecht eingebrochen und verlor binnen 8 Wochen bei einem rasanten Kursrutsch von 13,66 Euro auf 9,03 Euro ein Drittel. Satte 264 Mio. Euro an Unternehmenswert wurden so vernichtet.

Kursverluste waren zunächst unbegründet

Doch Nachrichten von Unternehmensseite, die diese Verluste hätten begründen können, gab es nicht. Auch der Halbjahresbericht, der am 12. August 2014 veröffentlicht wurde, fiel überzeugend aus und so erholte sich die Aktie zwischenzeitig wieder auf über 11 Euro (am 15. August 2014) bzw. um mehr als 21%.

Jenoptik - Kursentwicklung bis August 2014

Aktie setzte die Talfahrt fort

Doch die Aktien setzten inzwischen erneut zur Talfahrt an und erreichten sogar ein neues Tief bei rund 8 Euro. Dieses Mal gab es für den Kursrückgang allerdings einen Grund, denn der Technologiekonzern aus dem TecDAX traut sich im laufenden Jahr plötzlich doch nur noch einen geringeren Ertrag zu. Wie das Unternehmen am 15. Oktober 2014 meldete, soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 52,5 auf 50 Millionen Euro sinken (Gewinnwarnung). Bislang hatte man eine Umsatz-Steigerung um 5% und ein EBIT von 55 Mio. Euro erwartet.

Kursrückgang erhält ein Gesicht

Die Aktie zeigte sich im Anschluss an die Meldung aber relativ unbeeindruckt und legte sogar zu. Allerdings hat die vorangegangene Kursentwicklung mit dieser Gewinnwarnung nun doch noch ein Gesicht bekommen.

Jenoptik - Kursentwicklung bis November 2014

Die Frage, die man sich stellen kann, ist, warum diese Unternehmensmeldung nicht schon viel früher kam, wenn offenbar einige gut informierte Kreise längst Bescheid wussten und die Aktie entsprechend frühzeitig auf den Markt geworfen haben?!

Gewinnrückgang um 5% rechtfertigt keinen Kursrutsch um 40%

Doch die geringfügig niedrigere Gewinnerwartung um knapp 5% rechtfertigt kaum einen Kursrückgang um 40%. Immerhin rechnet der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr mit einem Konzernumsatz auf Vorjahresniveau von rund 600 Mio. Euro (Vorjahr: 600,3 Mio. Euro) und das Konzern-Betriebsergebnis (EBIT) soll bei rund 50 Mio. Euro liegen (Vorjahr: 52,7 Mio. Euro).

Einen Haken hat die Sache jedoch: Die angepassten Ziele sind nur unter der Voraussetzung erreichbar, dass ein internationaler Großauftrag im Segment Verteidigung & Zivile Systeme noch bis zum Jahresende realisiert werden kann. Es könnte also eine weitere Gewinnwarnung folgen, sollte der Auftrag erst im kommenden Jahr fertig gestellt werden.

Ausblick

Allerdings würden der Umsatz und der entsprechende Gewinn dann in 2015 verbucht werden können. Und die Auftragseingänge liegen im Konzern deutlich über dem Vorjahr. Damit sind die Voraussetzungen für ein profitables Wachstum im kommenden Geschäftsjahr geschaffen.

Das Unternehmen erwartet bis Ende 2018, inklusive kleinerer Unternehmensakquisitionen, einen Jahresumsatz von rund 800 Mio. Euro bei einer durchschnittlichen EBIT-Marge von 9% bis 10%.

Bewertung

Der Wert des Unternehmens liegt aktuell bei rund 518 Mio. Euro. Damit errechnet sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von ca. 0,86, womit die Aktie bei 10,50 Euro fair bewertet wäre (Kurspotential: ca. 15%).

Experten erwarten für das Jahr 2014 einen Gewinn je Aktie von 0,68 Euro (2013: 0,77 Euro). Damit errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13. Dies erscheint fair vor dem Hintergrund stagnierender Gewinne im laufenden Jahr.

Für das kommende Jahr ist man allerdings optimistischer und sieht einen Gewinn je Aktie von 0,81 Euro. Damit würde sich das KGV auf 11,2 reduzieren. Bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 19% errechnet sich ein PEG von knapp 0,6, womit die Aktie durchaus noch über leichtes Kurspotential verfügt.

Über Jenoptik

Als integrierter Optoelektronik-Konzern ist Jenoptik in den fünf Sparten Laser & Materialbearbeitung, Optische Systeme, Industrielle Messtechnik, Verkehrssicherheit sowie Verteidigung & Zivile Systeme aktiv. Hauptsitz des Konzerns ist Jena (Thüringen). Neben mehreren großen Standorten in Deutschland ist Jenoptik in rund 80 Ländern präsent. Zu den Kunden weltweit gehören vor allem Unternehmen der Halbleiter- und Halbleiterausrüstungsindustrie, der Automobil- und Automobilzulieferindustrie, der Medizintechnik, der Sicherheits- und Wehrtechnik sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie.


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›› QSC AG
– Nach 70% Kursrückgang einsteigen?
von Sven Weisenhaus

Bei QSC (WKN: 513700) scheinen die Kursverluste nicht abreißen zu wollen. Bereits in der Analyse vom 27. August 2014 berichteten wir, dass die Aktie von einem Hoch im Oktober 2013 bei 5,14 Euro um fast 60 Prozent auf nur noch 2,16 Euro gefallen war. Inzwischen liegt der Wert noch einmal gut ein Drittel niedriger bei aktuell nur noch 1,464 Euro.

QSC - Chart

Für diese Kursverluste gibt es auch Gründe. So hatte QSC am 16. Oktober 2014 eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Demnach entwickelte sich nach vorläufigen Berechnungen das operative Geschäft von QSC im abgelaufenen Quartal schwächer als geplant. Da dies bereits das zweite enttäuschende Quartal in Folge war, passte QSC die Prognose für das Gesamtjahr 2014 an.

Enttäuschendes drittes Quartal 2014

So erreichte der Umsatz im dritten Quartal 106,6 Millionen Euro nach 113,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Wider Erwarten zog angesichts eines spürbaren Konjunkturabschwungs weder das Geschäft mit neuen ITK-Produkten noch das IT-Consulting und IT-Outsourcing nach der Sommerpause deutlich an.

Ausbleibende Umsätze in margenstarken Geschäftsfeldern führten dazu, dass das EBITDA mit 8,8 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahresniveau von 19,4 Millionen Euro blieb, wobei man hier berücksichtigen muss, dass sich im Vorjahr die Auflösung eines Rechnungsabgrenzungspostens in Höhe von 5,2 Millionen Euro ergebnissteigernd ausgewirkt hatte.

Positiv zu werten ist allerdings, dass der Free Cashflow nach wir vor im positiven Bereich lag, auch wenn er sich nur auf 3,7 Millionen Euro belief, gegenüber 6,5 Millionen Euro im dritten Quartal 2013. Und auch der Auftragseingang zog im dritten Quartal 2014 deutlich an und erreichte 55,3 Millionen Euro.

Keine hausgemachten Probleme

Im Übrigen sind die Probleme des Unternehmens nicht hausgemacht. So hat auch der Branchenprimus SAP jüngst seine Prognosen aufgrund eines unerwartet schwachen Cloud-Geschäfts senken müssen.

Angepasste Prognose für das Gesamtjahr 2014

Für das Gesamtjahr 2014 erwartet QSC nun einen Umsatz von mindestens 430 Millionen Euro und ein EBITDA von mindestens 40 Millionen Euro. Der Free Cashflow soll mindestens 6 Millionen Euro betragen. Da QSC aber im vierten Quartal 2014 auf ein auch angesichts der rückläufigen Konjunktur verschärftes Zahlungsmanagement großer Lieferanten reagieren will, ergibt sich daraus ein einmaliger negativer Working-Capital-Effekt in Höhe von rund -18 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2014 wird dies zu einem negativen Free Cashflow von insgesamt höchstens -12 Millionen Euro führen.

Ausblick

QSC hat auf die veränderten Rahmenbedingungen bereits reagiert und erwartet erhebliche Kosteneinsparungen im Jahresverlauf 2015. Zur Stärkung des Kerngeschäfts und der Innovationsaktivitäten plant das Unternehmen darüber hinaus in den kommenden Monaten ein bis zwei Akquisitionen.

Ende Januar 2015 will QSC dann mit Vorlage erster vorläufiger Zahlen für 2014 einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015 vorlegen, der auch die Auswirkungen eines umfassenden Maßnahmenpakets zur Rückgewinnung der gewohnten Ertragsstärke beinhalten soll.

Bewertung

QSC plant unverändert, für das Geschäftsjahr 2014 eine Dividende von mindestens 10 Cent je Aktie auszuschütten. Für uns ist die daraus errechnete Dividendenrendite in Höhe von fast 7% alleine schon Grund genug, die Aktie zu halten.

Hinzu kommt eine günstige Marktkapitalisierung von aktuell nur noch 181 Mio. Euro. Dazu sollten Sie wissen, dass das Unternehmen auf einem Cash-Berg in Höhe von fast 176,5 Mio. Euro (Liquidität am 30.06.2014 durch Aufnahme eines Schuldscheindarlehens über 150 Millionen Euro QSC im zweiten Quartal 2014) sitzt. Alleine das Eigenkapital deckt mit 177,5 Mio. Euro (Stand: 30.06.2014) fast den kompletten aktuellen Marktwert ab. Die Eigenkapitalquote lag Ende Juni 2014 bei sehr soliden 35 Prozent.

Bei einem Börsenwert von aktuell rund 181 Mio. Euro und einem geplanten 2014er Umsatz von mindestens 430 Millionen Euro liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) nur bei 0,42. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist derzeit schwer abzuschätzen, weil die Gewinnentwicklung unklar ist. Experten erwarten, dass das Unternehmen erst im Jahr 2016 wieder einen Jahresüberschuss erzielen wird.

Fazit

Angesichts einiger Bewertungskennziffern halten wir bei QSC die aktuellen Kursverluste für übertrieben. Nach mehr als 70% Kursverlust innerhalb von 12 Monaten sollte sich der Kurs bald stabilisieren und im Anschluss auch eine stärkere Gegenbewegung folgen.

Dies scheinen inzwischen auch größere Investoren so zu sehen. Die Allianz SE ist laut einer Meldung von Mittwoch inzwischen mit über 3% an dem Unternehmen beteiligt. Und die Geschäfte von Führungspersonen zeigen, dass sowohl im Jahr 2013 als auch in 2014 ausschließlich Insiderkäufe getätigt wurden.

Allerdings ist QSC nur für Value-Investoren interessant. Denn die Ertragskraft lässt doch arg zu wünschen übrig.


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