EZB-Geldpolitik enttäuscht Anleger +++ Zalando, Rocket Internet & Co. – Zu hohen Kursen möglichst schnell noch an die Börse

Inhalt dieser Ausgabe

  1. EZB-Geldpolitik – Spekulationen der Anleger wurden bitter enttäuscht
  2. Zalando, Rocket Internet & Co. – Zu hohen Kursen möglichst schnell noch an die Börse
  3. Termine der kommenden Woche

 

›› EZB-Geldpolitik
– Spekulationen der Anleger wurden bitter enttäuscht
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin der Euro-Zone ist die Inflation auf 0,3 Prozent gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit fast fünf Jahren und die Euro-Länder sind damit nicht mehr weit von einer gefährlichen Deflation entfernt. Das Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag stand daher unter einem besonderen Stern. Zuvor waren eigentlich keine neuen geldpolitischen Beschlüsse erwartet worden, die jüngsten Inflationsdaten hatten das Bild aber geändert. Doch die Spekulationen der Anleger wurden bitter enttäuscht.

EZB hielt sich mit Details zurück

Denn die EZB hat am Donnerstag keine zusätzlichen Maßnahmen beschlossen, sondern die bisherigen lediglich konkretisiert bzw. dazu (eingeschränkt) Details genannt hat. So will die EZB ihre Bilanz um bis zu eine Billion Euro ausweiten. Dies war aber längst keine Überraschung mehr. Überraschend war eher, dass die Notenbank keine konkreten Zahlen über die Höhe des Ankaufprogramms nennen wollte oder konnte. Sie teilte lediglich mit, dass sie für die Dauer von mindestens zwei Jahren von Banken Kreditpakete in wohl dreistelliger Milliarden-Höhe ankaufen wird.

Gefragt nach dem Umfang der Käufe, sagte Draghi, dass es schwer sei, eine konkrete Summe zu nennen. Der Markt, auf dem die EZB kaufe, sei bis zu eine Billion Euro groß, was aber nicht heiße, dass die EZB das alles kaufen werde. Eine Richtgröße sei die Ausweitung der EZB-Bilanzsumme bis auf das Niveau von Anfang 2012. Damals lag die Summe bei 2,5 bis 3 Billionen Euro, heute sind es knapp über 2 Billionen Euro.

EZB wird zur „Bad Bank“ und verlagert Risiken auf die Steuerzahler

Dabei will die Notenbank auch zu Papieren greifen, deren Rating unterhalb von „BBB-“ (sogenannte Ramschpapiere) liegt. Gemeint sind damit insbesondere Vermögenswerte aus Griechenland und Zypern, weil es dort keine Papiere mit einem höheren Rating gibt. Einige Experten hatten zuvor erwartet, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm zunächst nur auf Papiere hoher Bonität beschränke. Immerhin will sich die EZB aber auf Papiere konzentrieren, die „einfach und transparent“ seinen. Und im Falle Griechenlands werde es Mechanismen geben, um die Risiken zu begrenzen.

Zudem wurde noch bekannt, dass der Kauf von Pfandbriefen (Covered Bonds) in der zweiten Oktoberhälfte beginnen soll, der Kauf von besicherten Kreditpaketen (Asset Backed Securities, „ABS“) im vierten Quartal dieses Jahres. Dies war für die Märkte aber nur eine Randnotiz. Ebenso, dass die Leitzinsen unverändert blieben.

EZB erteilte Staatsanleihekäufen erneut eine Absage

Im Prinzip gab es also für die meisten Beobachter keine Überraschungen. Die EZB nimmt mit dem Ankauf von ABS – welcher Qualität auch immer – zwar enorme Risiken in ihre Bilanz, macht sich damit zu einer europäischen „Bad Bank“ und verlagert so die Risiken auf die Steuerzahler, doch den Spekulationen um Staatsanleihekäufe erteilte sie erneut eine Abfuhr. Einige Anleger mussten daher wohl ihre zuvor eröffneten spekulativen Positionen auflösen und es kam zu entsprechenden Turbulenzen an den Börsen, von denen sich die Aktienindizes erst zum Ende dieser Woche hin erholen konnten.

Aktienindizes - Kursverlauf seit 19. September 2014

Wobei am Ende eigentlich nur die US-Indizes glänzen konnten, während Anleger an Europas Aktienmärkten weiterhin lange Gesichter machten. Denn der DAX konnte feiertagsbedingt (Tag der Deutschen Einheit) die Erholung am Freitag gar nicht mitmachen und liegt seit dem 19. September 2014 mit fast 7 Prozent hinten. Und der EuroStoxx bringt es im selben Zeitraum trotz der späten Kursgewinne vom Freitag immer noch auf einen Verlust von rund 5 Prozent.

Kommen die Staatsanleihekäufe im nächsten Jahr?

Die Spekulationen über ein sogenanntes Quantitative Easing (QE) durch die EZB, also den Aufkauf von Staatsanleihen der Euro-Länder aufkaufen, reißen dennoch, auch trotz aller rechtlicher Bedenken, nicht ab. Nun werden Sie eben im kommenden Jahr erwartet. Mit dieser Meinung könnte man vielleicht sogar Recht behalten. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird ab dem 14. Oktober darüber verhandeln.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar dieses Jahres geurteilt, dass der Kauf von Staatsanleihen ausgewählter Mitgliedsländer der Eurozone in unbegrenzter Höhe am Sekundärmarkt („OMT“) über die Befugnisse der EZB hinausgeht. Da bei einem festgestellten Verstoß die Souveränitätsrechte der Mitgliedsstaaten der Eurozone verletzt würden, hat man dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit und Auslegung des OMT-Programms zur Vorabentscheidung vorgelegt. Ein Urteil des EuGH wird indes erst in etwa einem Jahr erwartet.

Sollte der EuGH der EZB grünes Licht geben, dann wird Draghi sicherlich zu diesem Mittel greifen, sollte es die Situation dann noch erfordern. Denn in den vergangenen Jahren hatte die US-Notenbank Fed massiv auf QE gesetzt, um Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Und die US-Wirtschaft hat die Krise deutlich schneller hinter sich gelassen als die Euro-Zone. Es scheint sich also um ein probates Mittel zu handeln.

Aktienkurse dürften noch eine Weile belastet sein

Vor dem Urteil dürfte die EZB dieses aber wohl nicht verwenden. Entsprechend gibt es kurzfristig von dieser Seite aus für die Märkte keine Hoffnung, was entsprechend die Kurse noch eine Weile belasten dürfte.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Zalando, Rocket Internet & Co.
– Zu hohen Kursen möglichst schnell noch an die Börse
von Sven Weisenhaus

Kommen wir zu einem anderen Thema: In dieser Woche wurde der nächste milliardenschwere Börsengang aus der IT-Branche angekündigt. Nun will der US-Konzern Ebay seine Bezahltochter Paypal meistbietend per IPO verkaufen.

Starke Häufung von (IT-)Börsengängen

Inzwischen dürfte jedem aufgefallen sein, dass sich (IT-)Börsengänge inzwischen stark häufen. Alibaba, Zalando und Rocket Internet lassen grüßen. Dies erinnert langsam an die Zeiten des Neuen Marktes um die Jahrtausendwende. Auch damals wettete die Börsenwelt auf einen anhaltenden Boom der Internetwirtschaft, doch dann kam die Ernüchterung.

Zalando und Rocket Internet entwickeln sich zum Desaster

Zalando und Rocket Internet entwickeln sich inzwischen bereits zum Desaster – mit Kursverlusten von jeweils mehr als 10 Prozent alleine am vergangenen Donnerstag.

Dabei hatte die Aktie von Rocket Internet erst am Donnerstag ihren ersten Börsentag. Am Morgen hatte sie zunächst noch auf dem Ausgabepreis von 42,50 Euro eröffnet, schloss dann aber schon nur noch bei 37 Euro den Handel ab (-13 Prozent).

Rocket Internet - Kurseinbruch nach IPO

Auch die Aktie des am Vortag gestarteten Online-Händlers Zalando fiel am Donnerstag deutlich unter den Ausgabepreis von 21,50 Euro. Sie ging mit 19 Euro bzw. einem Minus von 11,63 Prozent aus dem Handel.

Zalando - Kurseinbruch nach IPO

Gründe für das Kursdebakel

Für das schlechte Abschneiden der Börsenneulinge kann es mehrere Gründe geben. Einerseits hatten sicherlich viele Anleger auf schnelle IPO-Gewinne, also einen Eröffnungskurs deutlich über dem Ausgabepreis, spekuliert und die Aktien daher schnell nach Erhalt auf den Markt geworfen. Andererseits kamen die Aktien in einem insgesamt kurzfristig sehr schwachen Marktumfeld aufs Börsenparkett.

Es gibt aber auch fundamentale Gründe. So haben die Samwer-Brüder natürlich versucht, einen möglichst hohen Preis für ihre Anteile zu erzielen. Entsprechend waren und sind sowohl Zalando als auch Rocket Internet recht hoch bewertet.

Bei Rocket Internet gibt es sehr gute Gründe für Skepsis

Rocket Internet ist weltweit in 116 Ländern auf fünf verschiedenen Kontinenten an rund 70 Startups beteiligt, die allerdings zumeist noch rote Zahlen schreiben (insgesamt ein Minus von mehr als 430 Millionen Euro). Und für viele der Startups, die auch in Ländern wie Brasilien, Indien und Russland ihren Sitz haben, hat die Holding Rocket Internet noch nicht einmal eine Bilanzen vorliegen.

Das ist auch der Grund dafür, dass die Aktie nur im schwach regulierten Börsensegment Entry Standard gelistet ist. Und damit besteht wiederum keine Pflicht, alle drei Monate Quartalszahlen vorzulegen. Dies geschieht stattdessen nur einmal pro Jahr.

Deutlich überschaubarer als das Unternehmen selbst ist der Umsatz im ersten Halbjahr 2014. Dieser lag bei gerade einmal 47 Millionen Euro. Auch ein im Vergleich dazu hoch erscheinender Gewinn von 50,7 Millionen Euro wirkt im Verhältnis zum Börsenwert mickrig. Zwar spülte der Börsengang viel Geld in die Kassen (rund 1,5 Milliarden Euro), doch auch dies kann wohl kaum einen Börsenwert von aktuell 5,66 Milliarden Euro begründen.

Mit Hebel auf weitere Kursverluste bei Rocket Internet setzen

Anleger, die den Wert von Rocket Internet ebenfalls als überhöht erachten, können mit entsprechenden Wertpapieren von fallenden Kursen profitieren. Mit einem Produkt der DZ Bank (WKN: DZZ79B) kann man zum Beispiel Kursverluste in der Aktie 1:1 (aktueller Hebel: 1,016) in Gewinne umwandeln. Ein anderes Wertpapier (WKN: DZZ783) vom selben Anbieter verwandelt Kursverluste sogar in doppelt so hohe Gewinne (Hebel aktuell: 2,044).

Zalando ist definitiv kein Schnäppchen

Rocket Internet ist auch an Zalando beteiligt. Zalando konnte in seinem recht kurzen Bestehen (2008 gegründet) zwar offenbar massiv Marktanteile hinzugewinnen und die Erlöse schnellten von 510 Millionen Euro in 2011 auf 1,762 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr in die Höhe, doch fielen bislang stets üppige Verluste an – in 2013 stand unterm Strich ein Jahresfehlbetrag von 116,6 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr 2014 schaffte der Modehändler immerhin einen kleinen Nettogewinn von 0,2 Millionen Euro, aber ob dies einen Börsenwert von 4,65 Milliarden Euro und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 1,7 rechtfertigt, bei dem die Aktie weit teurer ist als andere Internet-Titel, ist mehr als fraglich.

Und nicht zuletzt gibt es genügend Konkurrenten, die in den Online-Modemarkt stärker eindringen können und Zalando schnell wieder Marktanteile abnehmen können. Zalando hat sicherlich einen hohen Bekanntheitsgrad, Amazon wäre als Anbieter von Mode aber auch nicht zu verachten. Und nicht zu vergessen sind die etablierten Anbieter wie Otto, bonprix, H&M, etc..

Mit Hebel auf Zalando setzen

Wer dennoch auf steigende Kurse bei Zalando setzen möchte, der kann mit Produkten der Deutschen Bank sogar gehebelt darauf setzen. Allen anderen würde ich dazu raten, sich im „Put“-Universum mal umzuschauen, also mit zum Beispiel Knock-Out-Produkten auf fallende Kurse zu setzen. Mit dem Turbo-Optionsschein WKN UZ0K69 der UBS partizipiert man 1:1 von weiteren Kursrückgängen in der Aktie. Die höchsten Hebel bietet derzeit die DZ Bank an. Das Wertpapier mit der WKN DZZ8HA bietet einen Hebel von 5, ist mit einer Knock-Out-Schwelle bei rund 22 Euro aber schon sehr spekulativ. Mit der WKN DZZ8HC kann man bei einer Schwelle von 24 Euro und einem Hebel von etwas mehr als 3 schon entspannter auf weiter fallende Kurse bei Zalando setzen.

Deutliches Warnzeichen für die Gesamtmärkte

Natürlich sind die aktuellen Bewertungen noch nicht so hoch wie damals zu Zeiten der Neuer Markt-Blase, doch besonders im Internet- und Biotechsektor finden sich bereits wieder diverse Übertreibungen. Und offenbar versuchen diverse Firmenlenker derzeit, ihre Aktien noch schnell zu möglichst hohen Kursen an den Mann oder die Frau zu bringen, bevor die Aufwärtstrends insbesondere in den US-Indizes endgültig kippen. Die starke Häufung von (IT-)Börsengänge ist daher ein zusätzliches klares Warnzeichen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus


P.S.: Risikohinweis, Haftungsausschluss

An dieser Stelle möchten wir kurz betonen, dass die dargestellten Informationen lediglich der Information der Leser dienen. Die Analysen stellen keinesfalls eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die genannten Wertpapiere sind nur beispielhaft genannt. Ausdrücklich weisen wir auf die im Wertpapiergeschäft vorhandenen Risiken hin, bei denen auch ein Totalverlust nicht ausgeschlossen werden kann.

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 41: Handelswoche vom 06.10. bis 10.10.2014)

Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 06.10.2014

  • 12:00 - DE Auftragseingang Industrie August

Dienstag, 07.10.2014

  • 12:00 - DE Produktion prod. Gewerbe August

Mittwoch, 08.10.2014

  • 08:00 - DE Umsatz verarb. Gewerbe August

Donnerstag, 09.10.2014

  • 08:00 - DE Außenhandel August
  • 13:00 - GB BoE Sitzungsergebnis
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 16:00 - US Großhandel August

Freitag, 10.10.2014

  • 14:30 - US Einfuhrpreise September
  • 14:30 - US Ausfuhrpreise September

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