Jetzt ist die Deflation da! +++ Euro und Bund Future: Zeit für antizyklische Trades

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse – Übertreibungen führen zu Tradingchancen
  2. Griechenland – Ist die Furcht vor einem „Grexit“ noch zeitgemäß?
  3. Euroraum rutscht in die Deflation – EZB gerät unter Druck
  4. Euro auf 9-Jahres-Tief, Bund Future auf Rekordhoch – Zeit für antizyklische Trades

 

›› Marktanalyse
– Übertreibungen führen zu Tradingchancen
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdas Handelsgeschehen setzt sich im neuen Jahr genau so fort, wie wir es aus dem vergangenen gewohnt sind: Unter hoher Volatilität geht es wild auf und ab. Wobei das „auf und ab“ eigentlich nur auf die Aktienmärkte zutrifft, während es im Euro und bei den Ölpreisen eigentlich nur „ab“ und mit den Anleihekursen nur „auf“ geht.

Euro, Bund Future und Aktien verhalten sich wie erwartet

Übrigens folgt der Markt damit exakt unseren am vergangenen Sonntag formulierten Erwartungen, die wir bereits in dem Titel der Geldanlage-Brief-Ausgabe treffend zusammenfassten: „Holpriger Start ins Börsenjahr 2015 erwartet: Euro schwach, Bund Future stark, Aktien mit Risiken“.

Übertreibungen führen zu Tradingchancen

Der Markt übertreibt hier derzeit deutlich, denn so dramatisch, wie die Kursbewegungen aussehen, ist es eigentlich nicht – dies werden wir gleich noch näher beleuchten. Von uns aus darf der Markt gerne übertreiben und sich volatil zeigen, denn hieraus ergeben sich beste Tradingchancen. Wenn ein Markt sich schnell und weit in eine Richtung bewegt, kommt es meist auch zu ähnlich starken Gegenbewegungen – und genau hierauf kann man mit geschickten Trades setzen. Auch dies will ich heute für Sie näher beleuchten und Ihnen nachfolgend konkrete Tipps zum Handeln geben. Schauen wir uns aber zunächst an, was die Kurse aktuell so stark bewegt.


Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und viel Erfolg bei den Trades
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Griechenland
– Ist die Furcht vor einem „Grexit“ noch zeitgemäß?
von Sven Weisenhaus

Für Unsicherheit und entsprechende Kurskapriolen sorgt derzeit insbesondere Griechenland. Drei Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl ist die Debatte über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum („Grexit“) voll entbrannt.

Kontroverse Debatten über „Grexit“ verunsichern Anleger

Man hört Gerüchte und Stimmen sowohl aus der Bundesregierung als auch aus den Reihen der Europa-Politiker. Dabei findet die Debatte sehr kontrovers statt. Die einen planen bereits für den „Grexit“, andere versuchen zu beschwichtigen. Dies verunsichert die Anleger, die ein Wiederaufflammen der Euro-Krise im Falle eines Wahlsieges der Syriza fürchten. Über die anstehende Wahl berichteten wir bereits ausführlich in den beiden letzten Ausgaben des Jahres 2014 sowie in der Ausgabe vom vergangenen Sonntag, als wir schrieben, dass die Rettungsbemühungen der Troika – die Troika besteht aus der Europäischen Union (EU), der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) – auf der Kippe stehen.

Am 25. Januar werden nun in Griechenland vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden. Sollte dann die linksgerichtete Oppositionspartei Syriza als Siegerin hervorgehen, könnte das die Rettungspolitik von EU und IWF beenden. Denn die Oppositionellen argumentieren, dass es schlicht unmöglich sei, die Schulden des Landes jemals zurückzuzahlen, weil Griechenlands Verhältnis der Schulden zum BIP trotz jahrelanger extremer Sparmaßnahmen bei 175% liegt. Syriza will daher die zwischen Griechenland und seinen Geldgebern vereinbarten Auflagen lockern“, hieß es in der jüngsten Analyse. Doch ist die Angst vor Griechenland heute noch zeitgemäß?

Griechenland ist inzwischen weniger abhängig von ausländischen Geldgebern

Ebenfalls berichteten wir am Sonntag, dass der IWF seine Hilfszahlungen eingefroren hat. Griechenland ist aufgrund der harten Reformen aber inzwischen nicht mehr so stark angewiesen auf ausländische Geldgeber. Denn der Staat erzielte jüngst bereits sogenannte Primärüberschüsse. Das heißt: Griechenlands Staatshaushalt liegt im Plus - die Einnahmen übertreffen also die Ausgaben -, sofern man die zu zahlenden Kreditzinsen nicht berücksichtigt. Würde eine neue griechische Regierung also tatsächlich beschließen, die Kredite nicht mehr zu bedienen, fände das Land in der Folge zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit keine externen Geldgeber mehr, es könnte seinen Staatshaushalt aber vollständig aus den eigenen Einnahmen finanzieren.

Seit Beginn der Eurokrise hat sich viel verändert

Käme es zu Zahlungsausfällen wären die Kosten für einen Euro-Austritt Griechenlands inzwischen sehr viel geringer als noch zu Beginn der Eurokrise. Hinter den privaten Gläubigern des Landes liegt bereits ein erster Schuldenschnitt. Zudem hatten Banken und andere Unternehmen bis heute vier Jahre lang Zeit, um ihre Verflechtungen mit dem angeschlagenen Land neu zu ordnen bzw. weiter zu reduzieren. Da sie die Zeit tatsächlich genutzt haben, ist das Verlustpotenzial deutlich geringer.

Deutsche Banken haben nur noch 23 Milliarden „im Feuer“

So haben unsere heimischen Kreditinstitute zum Beispiel nach Angaben des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) nur noch rund 23,5 Milliarden Euro offene Kredite in Griechenland (Stand September 2014). Davon entfallen rund 4,6 Milliarden auf griechische Banken und 3,6 Milliarden auf dort ansässige Unternehmen und Privatpersonen. Der größte Teil - gut 15 Milliarden Euro - sind Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten, die fast ausschließlich von der staatlichen Förderbank KfW gehalten werden. Hierbei handelt es sich um Kredite aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland, für die der Bund in voller Höhe bürgt.

Steuerzahler tragen das höchste Risiko

Der deutsche Steuerzahler trägt also inzwischen das höchste Risiko. Und Deutschland könnte zu der 15-Milliarden-Bürgschaft zusätzlich über die bislang gewährten Rettungspakete noch mehr als 80 Milliarden Euro verlieren. Hinzu kämen weitere Verluste aus dem europäischen Zahlungsverkehrs-System „Target 2“. Griechenlands Schulden in diesem System belaufen sich aktuell auf rund 35 Milliarden Euro, von denen Deutschland 26% bzw. 9 Mrd. Euro tragen müsste. Insgesamt lassen sich also knapp 100 Mrd. Euro zusammenzählen, die den deutschen Staat aber wohl nicht ins Wanken bringen dürfte.

Ansteckungsgefahr ungewiss

Deutschland nicht, aber was ist mit anderen Geber-Ländern. So geht diese Rechnung nur auf, wenn andere finanzschwache Länder aus der Euro-Zone, wie etwa Italien oder Portugal, keine weiteren Schwierigkeiten durch einen Euro-Austritt Griechenlands bekommen.

Würde Griechenland wirklich einen Euro-Austritt riskieren wollen?!

Abgesehen davon ist die Frage völlig offen, ob Griechenland überhaupt wirklich aus dem Euro aussteigen will. Denn eine neue Währung würde gegenüber dem Euro deutlich abwerten. Der Vorteil wäre, dass viele Export-Unternehmen ihre Produkte billiger verkaufen könnten, wovon die Wirtschaft des angeschlagenen Landes und letztlich das Land selbst profitieren würde. Der Nachteil: Im Gegenzug würden importierte Produkte teurer. Die Griechen könnten daher im Vorfeld massenhaft Geld von ihren Konten holen und ihre Banken damit ins Wanken bringen. Zudem würde aus griechischer Sicht der Wert der vorhandenen Schulden steigen. Eine vollständige Pleite mit allen wirtschaftlichen Folgen wäre die logische Konsequenz. Griechenlands Bevölkerung würde wohl nur noch tiefer in die Armut stürzen.

Euro-Austritt ist in der Währungsunion nicht vorgesehen

Zudem ist völlig ungewiss, wie überhaupt ein Euro-Ausstieg aussehen könnte, denn er ist in den Verträgen zur Währungsunion überhaupt nicht vorgesehen. Denkbar wäre allerdings, dass die Regierungschefs der EU kurzfristig eine Ausstiegsklausel in die Verträge einbauen und dazu das Vehikel eines so genannten „vereinfachten Vertragsänderungsverfahrens“ nutzen.

Fazit

Viele Fragen sind offen, genaues weiß man nicht. Den exakten Ausgang wird erst die Zeit zeigen. Wenn Sie meine Meinung hören wollen: Griechenland bleibt im Euro. Das aktuelle Geschehen ist lediglich Wahlkampfgeplänkel. Griechenland wird seine Rettungspolitik fortsetzen, eventuell nur in leicht abgeschwächter Form. Das Kursgeschehen an den Märkten wird sich als Übertreibung herausstellen – wie so oft schon.

 



›› Euroraum rutscht in die Deflation
– EZB gerät unter Druck
von Sven Weisenhaus

Bereits am vergangenen Freitag teilte EZB-Präsidenten Mario Draghi mit, die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB ihr Ziel der Preisstabilität erfüllt, sei in den vergangenen Monaten gefallen. Entsprechend würde die Notenbank eine Anpassung des Umfangs, der Geschwindigkeit und der Zusammensetzung ihrer Maßnahmen vorbereiten.

Euroraum ist in der Deflation angekommen

Heute zeigte sich ein weiteres Mal, dass die Geldpolitiker ihr Handwerk verstehen. So geht aus einer veröffentlichten Schnellschätzung von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, hervor, dass die jährliche Inflation im Euroraum im Dezember 2014 auf -0,2% geschätzt wird. Dies entspricht einem deutlichen ein Rückgang gegenüber den 0,3%, die noch im November gemessen wurden.

Ölpreisverfall setzt EZB unter Druck

Gemäß der Eurostat-Meldung ist diese negative Rate für die jährliche Inflation im Euroraum im Dezember auf einen Rückgang der Energiepreise (-6,3% gegenüber -2,6% im November) zurückzuführen, während die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol & Tabak (0,0%, gegenüber 0,5% im November) und für Industriegüter ohne Energie (0,0% gegenüber -0,1% im November) stabil blieben.

Daten zur Preisentwicklung im Euroraum
(Quelle: Eurostat)

Kurzfristig gehen die Abwärtsrisiken für die Inflation also insbesondere vom gesunkenen Ölpreis aus. Bislang sah die EZB hier nur temporäre Effekte, aufgrund der starken Dynamik des Ölpreis-Rückgangs ist der Druck auf die EZB aber dennoch erhöht, bereits auf ihrem kommenden Treffen am 22. Januar weitere Maßnahmen zu beschließen. (Aufgrund des neuen Sechs-Wochen-Rhythmus der Zinssitzungen tagt die EZB erst wieder am 22. Januar und nicht wie in der Vergangenheit zum Anfang des Monats.)

EZB dürfte Maßnahmen am 22. Januar ausweiten

Eine Erweiterung des Kaufprogramms der EZB auf Unternehmensanleihen ist durchaus möglich, eine Ausweitung auf Staatsanleihenkäufe erwarten wir aber wohl erst auf der Sitzung im März. Denn angesichts der Tatsache, dass Griechenland erst mit den Wahlen am 25. Januar eine neue Regierung erhalten wird, könnte die EZB vielleicht noch abwarten müssen.

 



›› Euro auf 9-Jahres-Tief, Bund Future auf Rekordhoch
– Zeit für antizyklische Trades
von Sven Weisenhaus

Nun wissen Sie, was die Kurse zum Jahresauftakt bewegt hat. Schauen wir nun, wohin sich die Kurse bewegten und was man daraus machen kann.

Euro auf 9-Jahres-Tief

Der Euro ist wegen der Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen durch die EZB und der unsicheren Lage in Griechenland auf den tiefsten Stand seit rund neun Jahren gefallen. In den ersten Handelsstunden der neuen Woche war der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung bereits bis auf 1,1864 EUR/USD gesunken. Heute notierte er im Tief sogar bei nur noch 1,18086 EUR/USD gefallen, was der tiefste Stand seit Januar 2006 war.

EUR/USD - langfristige Chartanalyse

Inzwischen dürfte viel im Wechselkurs eingepreist sein. Spätestens wenn die EZB am 22. Januar die Katze aus dem Sack gelassen hat und sich am 25. Januar ein Wahlsieger in Griechenland herauskristallisiert, könnte sich ein Tief im Euro ausbilden. Mit Blick auf den Chart könnte sich spätestens bei 1,164 EUR/USD eine antizyklische Long-Position lohnen.

Bund Future auf Rekordhoch

Auch auf die Anleihenmärkte hatten die jüngsten Ereignisse enorme Wirkung. Die Rendite für zwanzigjährige japanische Anleihen sank erstmals seit April 2013 unter 1,0%. Bei den zehnjährigen japanischen Bonds sank die Rendite auf beispiellose 0,28% und bei zwanzigjährigen Papieren auf 0,965%. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentierten am Montag bei 0,492%. Die Erträge von 30-jährigen deutschen Staatsanleihen notiert inzwischen sogar tiefer als die Erträge von 30-jährigen japanischen Staatsanleihen. Die Umlaufrendite (linker Kursverlauf) erreichte heute ein Tief von rund 0,4%, während der Bund Future (rechter Kursverlauf) ein neues Allzeithoch bei 157,26 Punkten markierte.

Kursverlauf Umlaufrendite und Bund Future

Aufgrund der Inflationsdaten zum Euroraum könnte die Notenbank EZB bereits am 22. Januar weitere geldpolitische Maßnahmen beschließen. In dieser Erwartung steigen aktuell die Anleihenkurse und der Bund Future. Zudem treiben die Sorgen um den Wahlausgang in Griechenland am 25. Januar die Anleger in den sicheren Hafen Bund Future.

Geldpolitik, Griechenland und sinkendes Angebot lassen Anleihenkurse immer weiter steigen

Außerdem braucht die Bundesregierung immer weniger neue Anleihen herausgeben, weil die Neuverschuldung sinkt. Dies führt dazu, dass das Angebot an Staatsanleihen in Deutschland sinkt. Gleichzeitig sind Versicherungen und ähnliche Marktteilnehmer gezwungen, das geringer werdende Angebot an deutschen Staatsanleihen aufzukaufen. Auch dies ist ein Grund für die aktuell immer weiter steigenden Kurse des Bund Futures.

Konkrete Handlungsempfehlungen im „Geldanlage Premium Depot“

Unseren Abonnenten des Geldanlage Premium Depots haben wir vor diesem Hintergrund heute eine Eilmeldung geschickt, die eine ganz konkrete Handlungsempfehlung enthielt. Um zu verstehen, welchen Hintergrund und welches Ziel dieser Trade hat, muss man erst einmal wissen, was eigentlich der Bund Future ist und wie man ihn traden kann. Genau dies haben wir den Abonnenten sehr genau erklärt.

Wenn Sie wissen möchten, was der Bund Future ist, wie man ihn traden kann und welche konkrete Handlungsempfehlung unsere Leser erhalten haben, dann testen Sie doch unseren Börsendienst „Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement.

Auch im Euro sind wir derzeit mit einigen Trades aktiv. Und gemäß der Euro-Chartanalyse oben werden wir in Kürze weitere Trades eröffnen. Auch diese könnten Sie im Rahmen des einmonatigen Probe-Abos mitmachen. Melden Sie sich jetzt hier an.

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