Komplexe Korrektur erschwert DAX-Prognose +++ Euro erreicht Einführungskurs von 1999

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse – Börsen ändern sich nicht durch einen Jahreswechsel
  2. DAX (Chartanalyse / Elliott-Wellen-Analyse) – Komplexe Korrektur erschwert Prognose
  3. EUR/USD (Chartanalyse / Elliott-Wellen-Analyse) – Einführungskurs von 1999 erreicht
  4. Termine der kommenden Woche

 

›› Marktanalyse
– Börsen ändern sich nicht durch einen Jahreswechsel
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdas in diesen Tagen wird eines ganz deutlich: Viele Menschen sehen durch einen Jahreswechsel einen Neuanfang. Und viele Anleger und Anbieter setzen Ihre Depotperformance zum 01.01. zurück auf Null. Doch Börsen ändern sich nicht durch einen Jahreswechsel.

Als wäre nichts gewesen

Ist es etwa so, dass die Probleme des Jahres 2014 im neuen Jahr keine Rolle mehr spielen? Oder gelten die Trends des vergangenen Jahres in 2015 etwa nicht mehr? – Nein! Vielmehr setzen sich alle Entwicklungen fort, als wäre nichts gewesen. Im Geldanlage-Brief schrieben wir bereits am Mittwoch, dass sich das Handelsgeschehen im neuen Jahr genauso verhält, wie wir es aus dem vergangenen gewohnt sind: Unter hoher Volatilität geht es wild auf und ab. Wobei das „auf und ab“ nur auf die Aktienmärkte zutrifft, während es im Euro und bei den Ölpreisen nur „ab“ und mit den Anleihekursen nur „auf“ geht. Dies passt sehr gut zu dem sehr holprigen Jahresstart, den wir genau so prognostiziert hatten.

Nach verkorkstem Jahresauftakt folgte eine deutliche Erholung

Setzte sich zu Wochenbeginn der verkorkste Jahresauftakt noch fort, so erholten sich die Märkte ab Dienstag wieder und gerieten am Donnerstag sogar in Euphorie. Den DAX katapultieren die Anleger alleine an diesem Tag um satte 3,4% ins Plus, was der größte Tagesgewinn seit August 2012 war. Die Verluste vom Jahresstart spielten damit keine Rolle mehr.

Deuteten die Anleger das Fed-Protokoll positiv – grundlos?

Als Grund für diesen Kurssprung wurde die Aussicht auf eine behutsame Straffung der Geldpolitik in den USA genannt. Denn aus dem Protokoll der jüngsten Fed-Ratssitzung schlossen die Anleger angeblich, dass sich die US-Notenbank mit ihrer geplanten Zinserhöhung Zeit lassen wird. Grund dazu hatten sie eigentlich nicht, weil man das Protokoll auch durchaus gegenteilig deuten konnte.

Denn zu einem möglichen negativen Einfluss der aktuellen Dollar-Aufwertung auf die heimische Konjunktur äußerte sich die Fed verhalten. Sie ist vor allem nicht allzu besorgt über den starken US-Dollar, weil sich die US-Handelsbilanz verbesserte. Das Defizit verringerte sich im Monat November auf 39,0 Milliarden USD, während es im Oktober noch 43,4 Milliarden USD betrug.

Allerdings ist diese Verbesserung zur Gänze einem geringeren Defizit beim Öl geschuldet. Die Menge des in die USA importierten Rohöls war so niedrig ausgefallen, wie schon seit dem Jahre 1994 nicht mehr.

US-Arbeitsmarktbericht lässt frühere Zinsanhebung zu

Der Bericht zum jüngsten FOMC-Treffens zeigte aber auch, dass sich die Notenbanker mehr mit dem anziehenden Arbeitsmarkt beschäftigten, welcher auch am Freitag wieder bewies, dass er sich auf einem guten Weg befindet und ein Anheben der Zinsen zulässt. Denn die Zahl der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag im Dezember bei 252.000. Erwartet wurden „nur“ 241.000 nach 321.000 zuvor. Zudem sank die Arbeitslosenquote auf 5,6%. Erwartet wurden 5,7% nach 5,8% zuvor. Damit hat die US-amerikanische Wirtschaft im Verlaufe der letzten elf aufeinanderfolgenden Monate jeweils mindestens 200.000 neue Stellen geschaffen, was den größten jährlichen Zuwachs bei der Beschäftigung seit dem Jahre 1999 darstellt.

Ansonsten enthielt das Protokoll keine neuen Informationen und die Notenbanker formulierten gewohnt offen. Insofern lässt sich der jüngste Kursanstieg damit eigentlich nicht begründen. Stattdessen hätten die Kurse aus unserer Sicht aufgrund der fundamentalen Entwicklungen eher unter Druck stehen müssen. Tatsächlich zeigt sich inzwischen auch, dass die Anleger die fundamentalen Zeichen aus den USA für die Aktienmärkte negativ werten, denn die Kurse gaben am Freitag infolge der US-Arbeitsmarktdaten wieder kräftig nach.

Euroraum rutscht in die Deflation – EZB gerät unter Druck

Wahrscheinlicher für den zwischenzeitigen Kursanstieg ist daher, dass die Anleger mit weiteren Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen, weil die Inflationsrate im Dezember im Euro-Raum erstmals seit 2009, dem Jahr der globalen Rezession, wieder ins Minus gerutscht ist. Die Verbraucherpreise sanken um 0,2%, wie wir am Mittwoch bereits berichteten. Es ist daher deutlich plausibler, dass der Schritt in die Deflation die Erwartungen an die EZB erhöhte, schwerere Geschütze gegen die widerspenstige Teuerungsrate aufzustellen, was letztlich die Aktienkurse antrieb.

Eine „echte“ Deflation liegt aktuell nicht vor

Nicht wenige Ökonomen sehen in einer Deflation realwirtschaftliche Gefahren. In einigen Euroländern mag dies auch tatsächlich zutreffend sein, doch insgesamt ist der Rückgang der Lebenshaltungskosten in der jüngsten Vergangenheit im Wesentlichen dem Verfall der Rohölpreise geschuldet. Eine „echte“ Deflation, also ein Rückgang der Preise bei einer Vielzahl von Gütern und Dienstleistungen, liegt daher nicht vor.

Mit den bisher gesunkenen Preisen sind keineswegs die Umsätze und Gewinne der Unternehmen (außer vielleicht aus dem Ölsektor) weggebrochen. Stattdessen kommen ihnen und auch den Verbrauchern die gesunkenen Rohstoffpreise zugute – ein Konjunkturprogramm für die Wirtschaft. So sollte der private Verbrauch in 2015 erneut der wesentliche Wachstumstreiber insbesondere in Deutschland sein.

EZB könnte dennoch reagieren

Dennoch könnte die EZB am 22. Januar ihre geldpolitischen Maßnahmen ausweiten und unmittelbar nach der Wahl in Griechenland am 25. Januar mit dem Hinweis auf die immer deutlichere Verfehlung ihres bei knapp 2% liegenden Inflationsziels auch noch die angekündigten Staatsanleihenkäufe, das heftig umstrittene Quantitative-Easing-Programm, starten.

Fazit

Es gibt Gründe für steigende und für fallende Kurse. Und so dürfte sich der holprige Start ins Jahr 2015 fortsetzen, auch weil die vielen Probleme des Jahres 2014 nicht plötzlich gelöst sind, nur weil nun eine andere Jahreszahl auf dem Kalender steht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› DAX (Chartanalyse / Elliott-Wellen-Analyse)
– Komplexe Korrektur erschwert Prognose
von Sven Weisenhaus

Im DAX hatten wir es, wie oben bereits beschrieben mit einem wilden Auf und Ab zu tun. In Summe ist keine richtige Entscheidung gefallen. Wir halten daher an unserer Elliott-Wellen-Analyse, welche wir zuletzt am 14. Dezember 2014 beschrieben hatten, fest.

Überschneidung der Wellen 1 und 4 führt zu negativerem Ausblick

Damals schrieben wir: „Sollte der DAX unter das Hoch der Welle 1 fallen (9.467,36 Punkte), müsste man die aktuelle Aufwärtsbewegung nicht 5-gliedrig sondern 3-gliedrig als ABC-Bewegung zählen und mit deutlich tieferen Kursen rechnen, die sogar das Oktober-Tief (blaue Welle C bzw. umrandete Welle 4) unterbieten könnten.“ Schauen wir uns dazu noch einmal den Chart vom 14. Dezember an:

DAX - Elliott-Wellen-Analyse vom 14.12.2014

Zudem schrieben wir: „Aufgrund unserer aktuellen Beobachtungen halten wir dieses bärische Szenario inzwischen für durchaus wahrscheinlich. Die 9.467,38er-Marke ist die entscheidende „make or break“-Linie!“ Nur einen Tag später rutschte der DAX bereits unter diese Entscheidungs-Marke und markierte am 16. Dezember ein Tief bei 9.382 Zählern (siehe folgender Chart).

DAX - aktualisierte Elliott-Wellen-Analyse

Konsequenzen gezogen: Aktienpositionen reduziert, Gewinne realisiert

Daraufhin änderten wir die Elliott-Wellen-Zählung für unsere Abonnenten im „Geldanlage Premium Depot“ bereits am 19. Dezember entsprechend ab und zogen Konsequenzen aus dem negativeren Ausblick, indem wir unsere Aktien-Long-Positionen reduzierten. Wir verkauften unsere S&T- und Mensch und Maschine Aktien sowie einen DAX-Long und realisierten Gewinne in Höhe von 10%, 13,79% und 15%.

Komplexe Korrektur erschwert Prognose

Denkbar wäre nun zum Beispiel ein sogenanntes „double zigzag“. Dabei handelt es sich um zwei aufeinanderfolgende ABC-Formationen, verbunden durch eine Welle X.

Elliott-Wellen-Formation: double zig zag

Diese theoretische Formation findet sich auch bereits oben in dem angepassten DAX-Chart wieder. Doch sie ist nur eine Variante unter vielen nun möglichen Szenarien. Generell ist es in der Elliott-Wellen-Theorie so, dass Korrekturen meist in komplexen Formen ablaufen und damit deutlich schlechter bzw. schwerer zu prognostizieren sind, als (5-wellige) Trendbewegungen. Und übergeordnet betrachtet befinden wir uns im DAX derzeit in einer komplexen Korrektur-Welle 4 (rot umrandete Ziffer im oberen Chart, rote Ziffer im folgenden Chart).

DAX - längerfristige Elliott-Wellen-Analyse

Es ist also nicht ohne Grund seit mehr als einem Jahr – solange befindet sich der DAX bereits in der aktuellen Seitwärts- bzw. Korrekturphase – sehr schwer, Gewinne mit Aktien aus dem deutschen Markt zu erzielen.

 



›› EUR/USD (Chartanalyse / Elliott-Wellen-Analyse)
– Einführungskurs von 1999 erreicht
von Sven Weisenhaus

Die gesunkene US-Arbeitslosenquote belastete den Euro am Freitag zunächst leicht, der Kurs konnte sich aber letztlich relativ stabil halten und auf über 1,18 EUR/USD steigen. Zuvor war der Kurs des Euro zum Dollar erstmals seit 2005 wieder auf das Niveau zum Zeitpunkt der Einführung 1999 gefallen. Seinerzeit hatte die EZB den ersten Referenzkurs der neuen Währung am 4. Januar auf 1,1789 Dollar festgesetzt. Am Donnerstag notierte er Kurs bei nur 1,1754 – er befindet sich jetzt also wieder in etwa dort, wo alles begann.

EUR/USD - langfristige Chartanalyse

Euro wird aus geldpolitischen Gründen schwach bleiben

Und in jedem Fall spricht das FOMC über eine Zinserhöhung, während der Rest der Welt über quantitative Lockerungsmaßnahmen diskutiert. Diese geldpolitische Divergenz wird den Euro auch in Zukunft schwächen. Da ist es kein Wunder, wenn bereits Fragen aufkommen, ob wir uns sogar wieder auf das Tief vom 25. Oktober 2000 zubewegen, welches bei der Marke von 0,8255 lag.

Gegenbewegung überfällig

Wir halten es für wahrscheinlich, dass der Kurs bald seine Abwärtsbewegung unterbricht und eine Gegenbewegung startet. Diese Überlegungen passen in unser Elliott-Wellen-Szenario, wonach am Ende der Welle 5 eine starke ABC-Gegenbewegung folgen sollte (grüner Pfeil im Chart).

Sinkender Euro-Kurs wird sich auf Europa positiv auswirken

In den kommenden Konjunkturdaten für Europa könnte sich langsam abzeichnen, dass die bereits beschlossenen Steuerungsmaßnahmen zu wirken beginnen. Dies könnte Druck vom Wechselkurs nehmen und eine stärkere Gegenbewegung einleiten. Zudem wird sich der immer schwächer werdende Euro positiv auf den Außenhandel der Eurozone und damit stimulierend auf die Konjunktur auswirken. Dies könnte bald wieder Investoren nach Europa ziehen, die damit dann den Euro zum US-Dollar treiben. Vor diesem Hintergrund kann die Abwärtsbewegung im Euro nicht ewig laufen. Entsprechend macht ein Trade auf eine Gegenbewegung immer mehr Sinn, je weiter der Wechselkurs sinkt.

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 03: Handelswoche vom 12.01.2015 bis 16.01.2015)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen
Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.


Montag, 12.01.2015

  • 08:00 - DE Umsatz verarb. Gewerbe November

Dienstag, 13.01.2015

  • 08:00 - DE Insolvenzen Oktober
  • 08:00 - DE Großhandelspreise Dezember
  • 10:00 - EU EZB Leistungsbilanz Eurozone November
  • 20:00 - US Staatshaushalt Dezember

Mittwoch, 14.01.2015

  • 11:00 - EU Industrieproduktion November
  • 14:30 - US Einfuhrpreise Dezember
  • 16:30 - US EIA Ölmarktbericht (Woche)
  • 20:00 - US Beige Book

Donnerstag, 15.01.2015

  • 08:00 - DE BIP 2014
  • 08:00 - DE Maastricht-Defizit-Quote 2014
  • 11:00 - EU Außenhandel November
  • 14:30 - US Erzeugerpreisindex Dezember
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 14:30 - US NY Empire State Index Januar
  • 16:00 - US Philadelphia Fed Index Januar

Freitag, 16.01.2015

  • 08:00 - DE Verbraucherpreise Dezember
  • 11:00 - EU Inflation Dezember
  • 14:30 - US Verbraucherpreise Dezember
  • 15:15 - US Industrieproduktion Dezember
  • 15:15 - US Kapazitätsauslastung Dezember
  • 15:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan Januar

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...