EZB: Sind Staatsanleihenkäufe überhaupt nötig? +++ Bund Future: Wenig Potential, hohes Risiko

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Geldpolitik der EZB – Sind Staatsanleihenkäufe überhaupt noch nötig?
  2. Bund Future – Wenig Aufwärtspotential, hohes Abwärtsrisiko

 

›› Geldpolitik der EZB
– Sind Staatsanleihenkäufe überhaupt noch nötig?
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefüber die aktuell stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Ergebnis morgen bekanntgegeben und von den Märkten sehnsüchtig erwartet wird, hatten wir bereits ausführlich berichtet.

Nicht mehr ob, sondern wie viel

Mittlerweile fragen sich die Anleger nicht mehr ob, sondern wie stark die Zentralbank die Märkte zusätzlich unterstützen wird. Erwartet wird ein großes Anleihekaufprogramm, wobei Bankanalysten im Durchschnitt ein Kaufvolumen von 550 Milliarden Euro prognostizieren. Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Range reicht dabei allerdings hoch bis zu einer Billion Euro.

Negatives Überraschungspotential überwiegt

Mehrfach hatten wir vor diesem Hintergrund bereits betont, dass das Überraschungspotential auf der Unterseite liegt, weil neue geldpolitische Maßnahmen in beträchtlicher Höhe bereits eingepreist sind und diese Positionen aufgelöst werden, wenn die EZB die Markterwartungen enttäuscht. Entsprechende Kursbewegungen wären die Folge. Aufgrund unserer Analysen sehen wir inzwischen eine deutliche Gefahr, dass die EZB nicht so stark in den Markt eingreift, wie es die Anleger gerne hätten.

Reicht das Inflations- bzw. Deflationsargument wirklich aus

So ist aktuell quasi das einzige Argument für Staatsanleihenkäufe oder sonstige neue Maßnahmen die rückläufige Inflationsrate, die im Dezember mit -0,2% sogar bereits deflationäre Tendenzen aufwies (wir berichteten). Doch diese ist besonders durch die gesunkenen Ölpreise beeinflusst, und diese haben keine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Entsprechend handelt es sich nicht um eine gefährliche Deflation, sondern eigentlich sogar um eine positive, zumal sie nur temporärer Natur sein dürfte.

Kreditgeschäft zieht deutlich an – Geldpolitik der EZB fruchtet bereits

Alle anderen Anzeichen deuten inzwischen darauf hin, dass die bisher bereits beschlossenen Maßnahmen der EZB bereits Früchte tragen, wenn auch nur langsam. So ist laut der EZB-Umfrage zum Kreditgeschäft im Euro-Währungsgebiet (Bank Lending Survey) vom Januar 2015 die Nachfrage nach Krediten aller Kategorien gestiegen. Die über den gesamten Euro-Raum aggregierten Ergebnisse des zeigen, dass die Banken ihre Vergabestandards im Firmenkundengeschäft wie auch in abgeschwächter Form im Bereich der privaten Bau- und Konsumfinanzierung geringfügig gelockert haben.

Die Nachfrage nach Krediten vonseiten der Unternehmen im Euro-Raum legte im Schlussquartal spürbar zu und zog so stark an wie zuletzt zu Jahresbeginn 2011. Die höhere Nachfrage der Unternehmen war in erster Linie durch Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen bedingt.
Ähnlich dynamisch wie im Vorquartal entwickelte sich der Kreditbedarf der privaten Haushalte. In diesem Segment stieg die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten deutlich, während die Zunahme des Mittelbedarfs zur Konsumfinanzierung im Vergleich hierzu etwas schwächer ausfiel.

Bereinigte Bilanzen geben Banken Spielraum für Kreditvergabe

Wie die Europäische Zentralbank (EZB) dazu heute noch mitteilte, wurden zudem die Kreditrichtlinien im vierten Quartal 2014 insbesondere aufgrund sinkender Refinanzierungskosten, nachlassender bilanzieller Restriktionen sowie eines stärkeren Wettbewerbsdrucks per saldo weiter gelockert. Sie sind zwar aus Sicht der Notenbanker historisch betrachtet noch immer recht restriktiv, die Angaben der Kreditinstitute ließen aber vermehrt den Schluss zu, dass sich die jüngsten regulatorischen und aufsichtlichen Maßnahmen positiv auswirken, etwa in Form von besseren Refinanzierungsbedingungen für die Banken und einer Lockerung der allgemeinen Kreditvergabebedingungen. Die Banken konnten in der zweiten Jahreshälfte 2014 ihre risikogewichtete Aktiva erneut etwas reduzieren und ihre Eigenkapitalposition stärken.

Auch die Langfristtender der EZB führen bereits zu höherer Kreditvergabe

Bei den Zusatzfragen zu den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (GLRGs) gaben die Banken an, die im Rahmen dieser Geschäfte aufgenommenen Mittel vornehmlich für die Ausreichung von Krediten sowie für die Substitution anderer Refinanzierungsquellen zu verwenden.
Wie schon das erste GLRG im September 2014 stieß auch das Geschäft im Dezember 2014 im Euro-Raum auf deutlich größeres Interesse als in Deutschland.

Die viermal im Jahr durchgeführte Umfrage zum Kreditgeschäft soll einen besseren Einblick in das Kreditvergabeverhalten der Banken im Euroraum geben. Die aktuelle Erhebung, an der 137 Banken beteiligt wurden, wurde vom 8. bis zum 30. Dezember 2014 durchgeführt. Die Rücklaufquote betrug 100 %.

Geldmengenwachstum zieht an

Neben der lockeren Kreditvergabe haben die bisherigen Maßnahmen der EZB auch auf die Geldmenge bereits positive Auswirkungen. Wie die Bundesbank bereits am 30. Dezember mitteilte, erhöhte sich die Jahreswachstumsrate der weit gefassten Geldmenge M3 im November 2014 auf 3,1% nach 2,5% im Oktober 2014. Der Dreimonatsdurchschnitt der Jahresänderungsraten von M3 im Zeitraum von September bis November 2014 stieg auf 2,7%, verglichen mit 2,3% in der Zeit von August bis Oktober 2014.

Fazit

Letztlich wird ein mehr an Krediten und eine wachsende Menge des im Umlauf befindlichen Geldes auch die Inflation befeuern und damit das aktuell noch große Problem der EZB lösen. Es ist daher durchaus zweifelhaft, ob die EZB wirklich noch zum Mittel der Staatsanleihenkäufe oder anderen zusätzlichen Maßnahmen greifen muss. – Morgen sind wir schlauer, aber bereits heute sollten Sie ihr Portfolio gegen eine Marktenttäuschung absichern.

Bedenken Sie auch, dass zwar der Gutachter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Anleihenkaufprogramm (unter bestimmten Bedingungen) grünes Licht gab, nicht jedoch der EuHG selbst. Zudem stehen am Sonntag noch die Griechenland-Wahlen an.


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Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Bund Future
– Wenig Aufwärtspotential, hohes Abwärtsrisiko
von Sven Weisenhaus

Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Ergebnis der Ratssitzung die hoch gesteckten Erwartungen der Anleger enttäuschen, so könnte dies besonders den Bund Future belasten – und zwar gleich aus zweierlei Hinsicht:

Anleger verlieren mit Bundesanleihen bereits real Geld

Einerseits befinden sich die Renditen deutscher Staatsanleihen bereits auf historischen Tiefständen und die Investoren verlieren schon jetzt real Geld.

So brachte eine Auktion vom 12. Januar 2015 für unverzinsliche Schatzanweisungen der Bundesrepublik Deutschland („Bubills“) mit einer Laufzeit von 6 Monaten (fällig am 15. Juli 2015, ISIN DE0001119360, WKN 111936) für die Bieter eine Durchschnittsrendite -0,1565%. Der Bund nahm damit 1,743 Mrd. Euro ein und die Auktion war 2,4fach überzeichnet.

Einen Tag später, am 13. Januar 2015, brachte eine weitere Auktion für eine 0,50% inflationsindexierte Anleihe des Bundes von 2014 (2030) mit Fälligkeit am 15. April 2030 (ISIN DE0001030559, WKN 103055) eine Durchschnittsrendite (real) von -0,19%. Hier lag die Überdeckung (cover ratio) bei 1,4 und der Bund nahm 772 Mio. Euro ein.

Erstmals fünfjährige Anleihen ohne Zinsen

Gab es im November des vergangenen Jahres erstmals keine Zinsen mehr auf eine Bundesschatzanweisung mit zweijähriger Laufzeit, so gibt es seit dieser Woche auch keine Zinsen mehr auf Bundesobligationen, also Anleihen des Bundes mit fünfjähriger Laufzeit. Der Bund hat erstmals eine fünfjährige Anleihe ohne Zinsen angeboten.

Auf die neue Bundesobligation mit Fälligkeit am 17. April 2020 und einem angestrebten Volumen von 5 Mrd. Euro werden keine Zinsen mehr gezahlt. Auf die vorangegangene Emission Anfang Dezember hatte der Bund wenigstens noch 0,25% Zinsen geboten.
Tatsächlich brachte die Auktion für die 0,00%-Bundesobligationen (ISIN DE0001141711, WKN 114171), bei der der Bund 4,042 Mrd. Euro einnahm, aber eine Durchschnittsrendite von immerhin 0,04%, weil nur Gebote unter dem Nennwert eingingen.

Bund Future – Wenig Aufwärtspotential, hohes Abwärtsrisiko

Man könnte also sagen, dass der Bund Future bereits heute schon übertrieben hoch steht und entsprechend wenig Aufwärtspotential vorhanden ist – dafür aber massig Abwärtsrisiko.

Bund Future - Chartanalyse

Weiterer Euro-Verfall könnte SNB zum Verkauf zwingen

Wie oben erwähnt, gibt es noch einen zweiten Aspekt, der den Bund Future belasten könnte – und zwar die jüngste Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Hierüber hatten wir bereits in der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom Sonntag berichtet („Bund Future – Durch die Entscheidung der SNB könnte die Aufwärtsbewegung enden“). Wir haben weitere Informationen dazu für Sie:

Devisenreserven der Schweiz verloren massiv an Wert

Ende des vergangenen Jahres sind die Devisen-Reserven der Schweizer Notenbank um mehr als 30 Milliarden Euro auf rund 500 Milliarden Euro gestiegen. Mit der Entscheidung vom Donnerstag, den festen Wechselkurs des Schweizer Franken von 1,20 gegenüber dem Euro freizugeben, haben diese schlagartig an Wert verloren.

SNB könnte zur Verlustbegrenzung Bundesanleihen verkaufen

Fast 50% der Schweizer Devisenreserven sind in auf Euro ausgestellte europäische Staatsschulden investiert. Ein weiterer Kursverfall des Euros dürfte die Verluste in gigantische Höhen steigen lassen. Die Schweizer Nationalbank könnte sich daher zur Verlustbegrenzung zum Verkauf der Assets gezwungen sehen.

Das dürfte nicht ohne Auswirkungen auf die Rendite der deutschen Staastanleihen sein. Denn die Schweizer Notenbank gilt als der größte deutsche Gläubiger. Sie hält nach Schätzungen von Experten 100 Milliarden an deutschen Staatsanleihen, rund ein Zwölftel der gesamten deutschen Staatsschulden.

Der Bund Future könnte aber auch noch weiter steigen

Wenn die EZB also weitere geldpolitische Maßnahmen beschließt, die den Euro noch stärker drücken, dann könnten SNB-Verkäufe den Bund Future belasten. Allerdings gibt es dazu ein Gegengewicht, so dass ein Crash eher unwahrscheinlich ist:

Es kursieren Gerüchte, dass sich die EZB beim Umfang der Anleihekäufe am Eigenkapitalschlüssel der EZB orientieren will. Damit würden 25,7% der gesamten Käufe auf deutsche Staatsanleihen entfallen. Bei einem erwarteten Kaufvolumen in Höhe von 500 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren müsste die EZB für rund 130 Milliarden deutsche Staatsanleihen kaufen. Angesichts eines geplanten Emissions-Volumens von 185 Milliarden Euro in diesem Jahr ist das ein beträchtlicher Anteil.

Fazit

Das Hoch des Bund Future dürfte bald erreicht sein. Abhängig ist dies auch von der morgigen EZB-Entscheidung. Während das Aufwärtspotential arg begrenzt ist, sind die Risiken relativ hoch. Ein Crash im Bund Future ist aufgrund der Gegebenheiten nicht zu erwarten, aber mit heftigen Rückschlägen sollte man rechnen.


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