Gold – Was bewegt den Goldpreis wirklich? – Wo steht der Goldpreis Ende 2015?

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Gold – Was bewegt den Goldpreis wirklich?
  2. Fundamentale Gründe für den Goldpreisverlauf 2014
  3. Ausblick zum Goldpreis – Wo steht der Goldpreis Ende 2015?
  4. Hören Sie nicht auf Dauer-Goldbullen, betrachten Sie die Fakten!
  5. Goldpreismanipulation? – Ohne Notenbanken wäre der Goldpreis eingebrochen

 

›› Gold
– Was bewegt den Goldpreis wirklich?
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefim Verlauf des Jahres 2014 ist der Goldpreis zunächst angestiegen (grüner Trendkanal im folgenden Chart), dann aber wieder kontinuierlich in sich zusammengefallen (roter Trendkanal). Anhand eines aktuellen Berichts des World Gold Council, einer globalen Lobby-Organisation der Goldminenindustrie, können wir Ihnen die fundamentalen Fakten dazu liefern, die diesen Kursverlauf erklären können.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Wir werden Ihnen sehr klar aufzeigen, dass es einen simplen Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage und dem Kursverlauf des Goldpreises gibt.

Gold - Preisentwicklung in 2014
Chart 1: Entwicklung des Goldpreises im Jahre 2014

Fakten gegen das Argument der Goldpreismanipulation

Und wir werden aufräumen mit den Gerüchten, Spekulationen und Verschwörungstheorien, die immer wieder in Diskussionen darüber enden, dass der Goldpreis im großen Stil manipuliert wird. Insbesondere die weltweiten Notenbanken sollen angeblich den Goldpreis drücken, um die eigene Währung zu erhalten. Am Ende der Lektüre werden Sie jedoch feststellen, dass diese Theorien sehr wahrscheinlich ins Land der Märchen gehören.


Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Fundamentale Gründe für den Goldpreisverlauf 2014
von Sven Weisenhaus

Aus dem aktuellen Bericht des World Gold Council geht hervor, dass sich die Goldnachfrage im Gesamtjahr 2014 auf 3.923,7 Tonnen (t) belief und damit deutlich unter dem Angebot in Höhe von 4.278,2 t lag (siehe folgende Tabelle). – Wir hatten es also in 2014 mit einem Überangebot in Höhe von mehr als 9 % zu tun.

Zudem lag die Nachfrage 4 % unter dem Vorjahr (2013: 4,087.6 t, 2014: 3.923,7 t), während das Angebot praktisch unverändert blieb (2013: 4.273 t, 2014: 4.278 t). Eine Rekordjahresminenproduktion (3.114 t, + 2% gegenüber 2013), die den 6. Jahresanstieg in Folge markierte, stand einem Rückgang in der Recyclingmenge gegenüber, die auf ein Sieben-Jahres-Tief fiel, womit sich das Angebot insgesamt um 5 Tonnen erhöhte.

Gesamtmengen von Angebot und Nachfrage 2012 bis 2014
Tabelle 1: Gesamtmengen von Angebot und Nachfrage 2012 bis 2014 (Quelle: World Gold Council)

Diese Gesamtzahlen für das Jahr 2014 erklären schon den leichten Preisrückgang auf Jahressicht: Bei 1.196 USD beendete Gold das Jahr 2013, der letzte Kurs am 31.12.2014 lautete 1.183 USD, womit der Goldpreis um 13 USD bzw. 1,1% fiel.

Kursverlauf passt zur Nachfrageentwicklung

Entwicklung des Goldpreises im Jahre 2014Und auch der unterjährige Kursverlauf des Goldpreises, also der Anstieg zu Jahresbeginn und der anschließende Abwärtstrend, passt exakt zur Nachfrageentwicklung (siehe folgende Tabelle):

Wurde im 1. Quartal 2014 mit 1.063,8 Tonnen noch deutlich mehr nachgefragt als im 4. Quartal 2013, was den starken Anstieg zu Jahresbeginn (grüner Trendkanal im Chart) erklärt, so sank die Nachfrage in den beiden Folgequartalen deutlich ab (2. Quartal 2014: 936,7 t, 3. Quartal 2014: 935,6 t), womit sich der anschließende Abwärtstrend (rot) begründen lässt.

Der Anstieg zum Jahresende (ab Anfang November) war dann wieder bedingt durch eine deutlich anziehende Nachfrage (987,5 t im 4. Quartal 2014).

Quartalsweise Entwicklung von Angebot und Nachfrage in 2014
Tabelle 2: Quartalsweise Entwicklung von Angebot und Nachfrage in 2014 (Quelle: World Gold Council)

 



›› Ausblick zum Goldpreis
– Wo steht der Goldpreis Ende 2015?
von Sven Weisenhaus

Nachdem wir nun wissen, warum sich der Goldpreis in 2014 möglicherweise so bewegt hat, wie es im Chart oben zu sehen ist, stellt sich natürlich vielmehr die Frage, wie es in 2015 weitergehen könnte. Bislang zeigte der Goldpreis auch hier deutliche Schwäche. Vom Jahresendstand 2014 bei 1.183 USD ging es zunächst bis auf über 1.307 USD um mehr als 10 % aufwärts, nur um dann genau wie in 2014 wieder einzubrechen auf aktuell unter 1.600 USD. Damit liegt der Goldpreis in 2015 schon wieder deutlich im Minus.

Entwicklung des Goldpreises 2014 bis heute
Chart 2: Entwicklung des Goldpreises 2014 bis heute

World Gold Council erwartet Angebotshoch in 2015

Der World Gold Council erwartet jedenfalls, dass das Angebotswachstum (seit 2008 durchschnittlich 4,7 %) voraussichtlich im Jahr 2015 sein Hoch erreichen wird. Denn aus Sicht der Organisation leiden einige Goldproduzenten aufgrund des gesunkenen Goldpreises unter Kostendruck und könnten daher weniger in die Entwicklung neuer Projekte zu investieren. Dieser Mangel an neuen Projekten könnte die Minenproduktion in den nächsten paar Jahren belasten, so der World Gold Council.

Der World Gold Council ist eine Lobbyorganisation

Diese Überlegung zum Gold-Angebot ist durchaus plausibel. Doch man sollte beachten, dass es das Ziel des World Gold Council ist, die Nachfrage nach Gold zu stimulieren und zu erhalten. Entsprechend muss man davon ausgehen, dass die Aussagen der Organisation tendenziell immer etwas zu optimistisch in Bezug auf den Goldpreis sind.

Recycling-Angebot dürfte mit steigenden Goldpreisen zunehmen

Fraglich ist nämlich auch, wie sich das Angebot durch Gold-Recycling entwickeln wird. Zuletzt ist dieses Angebot wohl auch als Folge der gesunkenen Preise zurückgegangen. Steigt der Goldpreis aber wieder, könnte eine höhere Abgabebereitschaft entstehen, wodurch das Recyclingangebot steigen dürfte.

Entwicklung der Nachfrage offen

Fraglich ist auch, wie sich die Nachfrage weiter entwickelt. Bekannt ist, dass besonders in China und Indien die Nachfrage in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. In den letzten 10 Jahren stieg sie dort um 71 % und damit sehr stark. Doch in 2014 ging die Nachfrage im Vergleich zu 2013 in beiden Regionen sehr deutlich zurück (siehe Grafik 2).

Entwicklung der Goldnachfrage in Indien und China
Grafik 2: Entwicklung der Goldnachfrage in Indien und China (Quelle: World Gold Council)

Auch die weltweite Nachfrage nach Barren und Münzen (siehe folgende Grafik 3) ist in 2014 gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen (-40 %) und befand sich damit sogar auf einem 4-Jahres-Tief.

Nachfrage nach Barren und Münzen
Grafik 3: Nachfrage nach Barren und Münzen (Quelle: World Gold Council)

Zwar ließen die Abflüsse aus Gold-ETF (siehe folgende Grafik 4) inzwischen deutlich nach, dennoch ist auch hier nach wie vor ein klarer Abwärtstrend erkennbar. Und gerade in diesem Bereich dürfte sich die Entwicklung fortsetzen, wenn die Zinsen ab diesem Jahr wieder steigen – die US-Notenbank Fed wird die Zinswende in diesem Jahr einleiten.

Entwicklung der Goldbestände in ETF
Grafik 4: Entwicklung der Goldbestände in ETF (Quelle: World Gold Council)

Da verwundert es kaum, dass von den 159 t, die im Laufe des Jahres 2014 aus Gold-ETF abgezogen wurden, satte 100 t aus Nordamerikanischen ETF geflossen sind.

Fazit zum Ausblick

Nicht ohne Grund haben wir mehrfach hier im Geldanlage-Brief geschrieben, dass wir langfristig bei Gold (und Silber) lediglich eine längere (mehrjährige) Seitwärtsbewegung unter abnehmender Volatilität erwarten und dass dies dazu führen sollte, dass Gold und Silber als Investments weiter an Attraktivität verlieren.

Fakt ist, dass wir es zuletzt auf Jahressicht mit einer abnehmenden Nachfragemenge nach Gold bei gleichzeitig steigendem Angebot zu tun hatten. In 2014 führte diese Entwicklung zu einem Überangebot in Höhe von über 9 %. Und dies, obwohl wir es mit diversen geopolitischen Krisen (Griechenland, Ukraine, Terrorismus) und einer extrem expansiven Geldpolitik der weltweiten Notenbanken zu tun hatten. Wenn Gold schon in diesem Umfeld nicht deutlich nachgefragt wird, dann wohl erst recht nicht, wenn sich die Krisen entspannen und die Zinsen ab 2015 zumindest in den USA wieder steigen.

2015 wird Gold voraussichtlich nicht glänzen können

Das einzige, was Gold noch auf die Beine helfen kann, wäre ein deutliches Anziehen der Inflation oder eine Verschärfung der Krisen, insbesondere der Problematik der extrem hohen Staatsverschuldungen. Ein solches Szenario sehen wir aber auf absehbare Zeit (bis weit in das Jahr 2016 hinein) nicht.

 



›› Hören Sie nicht auf Dauer-Goldbullen, betrachten Sie die Fakten!
von Sven Weisenhaus

Es ist schon komisch: In der Vergangenheit erhielt man fast jeden Tag irgendwelche Wortmeldungen von Gold-Dauerbullen, dass die Nachfrage doch immer neue Rekordhöhen erreichen würde. Insbesondere sollte demnach die Nachfrage nach physischem Gold ach so hoch sein. Vielleicht haben auch Sie diese Medienberichte gelesen oder die Argumente der Goldbullen gehört, die stets behauptet haben, der Goldpreis müsse einfach steigen, weil gerade die wachsende Nachfrage in China und Indien den Preis treiben müsse?! (siehe zum Beispiel einen Handelsblattartikel von Juli 2014)

Angeblich hohe Nachfrage hat nicht stattgefunden

Die Realität sieht aber offenbar anders aus (siehe Tabelle 3 unten): In Goldbarren und -münzen fielen die Investitionen im Jahr 2014 um satte 40 %. Und auch die Nachfrage nach Schmuck sank auf Jahressicht um immerhin 10 % Prozent. Selbst in China und Indien, den beiden größten Goldmärkten, wurde weniger Edelmetall gekauft. Nanu?!

Neben der Nachfrage ist auch das Angebot entscheidend

Und lassen Sie sich bitte nicht erzählen, dass der Goldpreis wieder auf 2.000 US-Dollar durchstartet, weil die aktuelle Nachfrageschwäche bald vorüber sein und dann die Nachfrage wieder den Preis treiben wird! Denn nicht ganz unwichtig sind auch die Entwicklungen auf der Angebotsseite.
Im Vergleich zu den Vorjahren stieg das Angebot zuletzt jeweils um durchschnittlich 4,7 %. Es wurde über viele Quartale hinweg stets mehr Gold angeboten als gekauft, was vor allem daran lag, dass die Goldförderer die Produktion ausgeweitet haben. Die Angebotsmenge dürfte auch in Zukunft hoch sein, auch wenn das Angebotswachstum nachlässt.

Selbst wenn die Nachfrage wieder steigt, wird auf längere Sicht stets ein ausreichendes Goldangebot vorhanden sein. Das World Gold Council erwartete bereits für das Jahr 2014, dass die Produktion ihren Höhepunkt erreichen wird und sich über die kommenden zwölf bis 18 Monate auf diesem Niveau halten wird. Nun soll es halt das Jahr 2015 sein. Vielleicht hören wir Anfang 2016 mit dem Bericht zum Jahr 2015, dass der Peak in 2016 erreicht sein wird…

Es zeigt sich, dass wir mit unserer Erwartung an eine langweilige Seitwärtsbewegung im Goldpreis schon seit Monaten richtig liegen und wohl auch in einigen Wochen und Monaten wohl noch richtig liegen werden.

 



›› Goldpreismanipulation? 
– Ohne Notenbanken wäre der Goldpreis eingebrochen
von Sven Weisenhaus

Kommen wir zum Schluss noch zum Thema der angeblichen Goldpreismanipulation. Es mag zwar sein, dass einzelne Banken hier Absprachen getroffen haben – entsprechende Ermittlungen gibt es dazu bereits – das Ergebnis ist jedoch noch offen. Abgesehen davon ist es aber aufgrund der vorliegenden Fakten kaum nachweisbar, dass die Zentralbanken dieser Welt den Goldpreis drücken und nach unten manipulieren, nur um ihre eigenen Währungen zu schützen. Dazu muss man nur auf die folgende Tabelle blicken und sich die Entwicklung der Nachfrage in den einzelnen Bereichen anschauen.

Entwicklung von Angebot und Nachfrage nach Sektoren
Tabelle 3: Entwicklung von Angebot und Nachfrage nach Sektoren (Quelle: World Gold Council)

Nachfrage der Notenbanken stützte den Goldpreis in 2014

Für die Schmucknachfrage war 2014 ein schwieriges Jahr, verglichen mit dem starken Jahr 2013. Nach einem starken Rückgang im 2. Quartal 2014 erholte sich die Nachfrage nach Goldschmuck im Jahresverlauf allmählich wieder. Das 4. Quartal 2014 war sogar das stärkste seit 2007. Dennoch sank die Schmucknachfrage in 2014 insgesamt um 10 % auf 2.152,9 t (von 2.384,6 in 2013), womit sie lediglich noch über dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre (2.053 t) blieb.

Die Netto-Investmentnachfrage von 904,6 t im Jahr 2014 lag um 2% über der im Jahr 2013 (885,4 t). Die Abflüsse aus ETF (-159 t) verlangsamten sich deutlich gegenüber den kräftigen Rückgängen in 2013 (-880 t). Die Nachfrage nach Barren und Münzen sank aber um 40 %, was allerdings auf die extrem hohe Nachfrage in 2013 zurückzuführen ist.

Die Gold-Nachfrage im Technologiesektor sank um 5 % und erreichte mit 389 t den niedrigsten Stand seit 2003 (11-Jahres-Tief).

Die Zentralbanken erworben im Jahr 2014 477,2 t Gold und damit noch einmal 17 % (!) mehr als die bereits beeindruckenden 409 t in 2013. Dies war das zweitstärkste Jahr von Zentralbank-Nettokäufen seit 50 Jahren (!), nach den 544 Tonnen an zusätzlichen globalen Goldreserven im Jahr 2012.
Insbesondere im letzten Quartal des Jahres 2014 griffen die Notenbanken beherzt zu – die Nachfrage stieg um 40% gegenüber dem Vorjahresquartal auf 119 t, wodurch das 4. Quartal 2014 das 16. Quartal in Folge und das Gesamtjahr 2014 das fünfte Jahr in Folge waren, in denen die Zentralbanken Nettogoldkäufe tätigten.
Russland hatte dabei den weitaus größten Appetit auf Gold und erhöhte seine Goldreserven um 173 t, womit Russland für 36 % der gesamten Zentralbanknachfrage im Jahr 2014 verantwortlich war.

Gold-Käufe und -Verkäufe der Notenbanken im Jahr 2014
Grafik 1: Gold-Käufe und -Verkäufe der Notenbanken im Jahr 2014 (Quelle: World Gold Council)

Ohne Nachfrage der Notenbanken wäre der Goldpreis eingebrochen

Diese Zahlen deuten kein bisschen auf eine Manipulation des Preises hin. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Hätten einige Notenbanken im vergangenen Jahr nicht so beherzt zugegriffen, wäre für den Goldpreis 2014 ein rabenschwarzes Jahr geworden.

Lassen Sie sich doch mal von den Verschwörungstheoretikern, die Manipulations-Aussagen tätigen, erklären, wie die Zentralbanken den Preis drücken können, wenn deren Nettokäufe gleichzeitig ein 50-Jahres-Hoch erreicht haben und die Notenbanken bereits das 16. Quartal in Folge und das 5. Gesamtjahr in Folge als Nettokäufer auftreten…


In jedem Fall wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

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