Griechenland bleibt Sorgenkind - Weiterhin Kurskapriolen möglich

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Wirtschaft im Euro-Raum nimmt Fahrt auf – Griechenland bleibt Sorgenkind
  2. EZB voll auf Kurs – Knappheit am Anleihenmarkt?
  3. Chartanalysen – Weiterhin Kurskapriolen möglich
  4. Termine der kommenden Woche

 

›› Wirtschaft im Euro-Raum nimmt Fahrt auf
– Griechenland bleibt Sorgenkind
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Wirtschaft im Euro-Raum nimmt Fahrt auf. Von Januar bis März wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 19 Staaten des Euroraums im Vergleich zu den drei Monaten davor um 0,4 Prozent, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch berichtete. Im Vorquartal hatte das Wachstum 0,3 Prozent betragen.

Die EU-Kommission rechnet nun damit, dass die Wirtschaft der Euro-Zone im laufenden Jahr insgesamt um 1,5 Prozent wachsen wird. Für das kommende Jahr werden +1,9 Prozent erwartet.

Wachstumsraten des BIP - EU28, Euroraum und Vereinigte Staaten
(Quelle: Eurostat) Wachstumsraten des BIP - EU28, Euroraum und Vereinigte Staaten

Ehemalige Krisenstaaten mausern sich zu Musterschülern

Die Wachstumszahlen in den einzelnen Mitgliedstaaten wichen stark voneinander ab. Zypern erreichte zum Beispiel nach einer Rezession im Vergleich zum Vorquartal nun ein sattes Plus von 1,6 Prozent, Spanien kam auf sehr ordentliche 0,9 Prozent und Italien lässt die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich. Im ersten Quartal 2015 legte dort die Wirtschaft um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hatte zuvor eine lange Durststrecke ohne Wachstum in 14 aufeinanderfolgenden Quartalen. – Es zeigt sich also, dass die Reformen, die während der Schuldenkrise in diesen Ländern beschlossen wurden, Wirkung zeigen.

Auch Frankreich überraschte positiv mit einem Wachstum von 0,6 Prozent, nachdem dort im Schlussquartal 2014 die Wirtschaft stagnierte. Deutschland schnitt dagegen mit 0,3 Prozent leicht unter den Markterwartungen von +0,5 Prozent ab, nachdem im 4. Quartal 2014 noch ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal angefallen war.

Griechenlands Wirtschaft leidet unter Schuldenstreit

Aber das Sorgenkind bleibt eindeutig Griechenland. Wohl auch, weil man hier einfach keinen Willen zu Reformen an den Tag legt – trotz der inzwischen unzähligen Positivbeispielen aus anderen Ländern. Nach jahrelanger Schrumpfung war die griechische Wirtschaft in 2014 erstmals wieder gewachsen – das Bruttoinlandsprodukt kletterte um rund 0,8 Prozent. Doch in Folge des anhaltenden Schuldenstreits ist die griechische Wirtschaft inzwischen wieder in die Rezession zurückgefallen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von Januar bis März um 0,2 Prozent zum Vorquartal, nachdem am Jahresende 2014 die Wirtschaftsleistung bereits um 0,4 Prozent gefallen war. Der anhaltende Schuldenstreit belastet die wirtschaftliche Gesundung.

Die EU-Kommission erwartet für dieses Jahr nur noch ein griechisches Wirtschaftswachstum von 0,5 statt bislang 2,5 Prozent (wir berichteten bereits vor einer Woche, siehe „Griechische Hängepartie dämpft Prognosen“). Dies erleichtert nicht gerade die weiteren Verhandlungen mit den Geldgebern, denn der IWF beteiligt sich zum Beispiel nur an Hilfsprogrammen, wenn der Haushalt eines Landes tragfähig ist. Immerhin gab es dazu eine positive Meldung aus Athen, wonach in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ein Primärüberschuss von 2,16 Mrd. Euro erzielt wurde.

Griechenland muss immer tiefer in die Trickkiste greifen

Und in dieser Woche konnte Griechenland erneut die Rückzahlung von Krediten an den IWF melden. Allerdings gelang dies nur durch den Rückgriff auf eigene IWF-Reserven.
IWF-Mitglieder unterhalten zwei Konten. Auf einem sind die Einlagen des Landes bei dem Fonds geparkt, im Falle Griechenlands etwa 1,36 Milliarden Euro, das zweite Konto ist für Notfälle gedacht.
Ein griechischer Regierungsvertreter sagte, die Regierung habe für die Rückzahlung des Kredits in Höhe von insgesamt rund 750 Mio. Euro auf dieses zweite Konto zugegriffen. 650 Mio. Euro kamen so zusammen, die restlichen 100 Mio. Euro aus eigenen Barreserven. Das Konto beim IWF muss allerdings innerhalb weniger Wochen wieder aufgefüllt werden.

Linke Tasche, rechte Tasche

Es ist ein ewiges Hin und Her nach dem Motto „Linke Tasche, rechte Tasche“. Im Laufe des Jahres soll Griechenland dem IWF noch knapp 10 Mrd. Euro zurückzahlen – rund 2 Mrd. davon bereits im Juni und Juli. Von den 7,2 Mrd. Euro ausstehender Hilfen der Troika sollen 3,5 Mrd. Euro vom IWF kommen. Der Währungsfonds würde Griechenland also 3,5 Mrd. Euro leihen, nur damit das Land im Juni und Juli 2 Mrd. an ihn zurückzahlen kann.

Ohne die 7,2 Mrd. wären diese Rückzahlungen aktuell nicht zu leisten. Die Cash-Reserven des Landes sollen inzwischen auf nur noch rund 90 Mio. Euro geschrumpft sein. Aber im laufenden Monat Mai wird die Regierung in Athen insgesamt 1,7 Mrd. Euro brauchen, um Pensionen und Beamtengehälter zu bezahlen. Griechenland ist also noch längst nicht auf Kurs.

 



›› EZB voll auf Kurs
– Knappheit am Anleihenmarkt?
von Sven Weisenhaus

Auf Kurs hält Griechenland aktuell eigentlich nur die Europäische Zentralbank (EZB). Sie hat laut Insidern den Notkreditrahmen für griechische Banken abermals erhöht. Das Gesamtvolumen der Ela-Hilfen wurde um 800 1,1 Milliarden Euro auf inzwischen 80 Milliarden Euro aufgestockt.

EZB voll auf Kurs

Und auch sonst ist die EZB voll auf Kurs. Die bisherigen geldpolitischen Maßnahmen scheinen ihre Wirkung nicht nur in der Wirtschaft zu entfalten (siehe aktuelle BIP-Daten oben), inzwischen lässt sich auch eine Rückkehr der Inflation feststellen. In der Eurozone ist der Abwärtstrend der Preisraten gebrochen. Seit dem Tief im Januar von -0,6 Prozent sind die Preisraten kontinuierlich gestiegen bis auf aktuell 0,0 Prozent im April, womit erstmals seit Dezember 2014 keine deflationären Tendenzen mehr gemessen wurden.

Inflationsraten seit Januar 2008
(Quelle: Eurostat) Inflationsraten seit Januar 2008

In Deutschland sind die Verbraucherpreise im April sogar schneller als erwartet und so kräftig wie seit einem halben Jahr nicht mehr gestiegen. Die jährliche Inflationsrate erhöhte sich hier von 0,3 Prozent im März auf 0,5 Prozent.

Inflationsraten Deutschland
(Quelle: Eurostat) Verbraucherpreisentwicklung in Deutschland

Auch mit ihrem über eine Billion Euro schweren Programm zum Kauf von Staatsanleihen liegt die Notenbank laut Mario Draghi voll auf Kurs. Das Vorhaben laufe reibungslos und Sorgen über die Knappheit von Anleihen seien nicht gerechtfertigt.

Knappheit am Anleihenmarkt?

Dazu habe ich Ihnen heute ein paar Zahlen mitgebracht: Ein Großteil der Staatsanleihen im Nominalwert von 6.700 Mrd. Euro (Stand Januar 2015) ist in der Eurozone in festen Händen. Da die Euro-Länder 2015 rund 675 Mrd. Euro zur Refinanzierung alter Schulden und 264 Mrd. Euro zur Finanzierung der Defizite emittieren dürften und die EZB von März bis Dezember 2015 für monatlich 60 Mrd. Euro bzw. insgesamt für 600 Mrd. Euro Anleihen kaufen will, müssen rund zwei Drittel dieser neuen Anleihen vom Zentralbanksektor der Eurozone absorbiert werden. Sorgen über eine gewisse Knappheit von Anleihen sind da durchaus berechtigt. Entsprechend sind Kurskapriolen weiterhin möglich – nicht nur am Anleihemarkt.

 



›› Chartanalysen
– Weiterhin Kurskapriolen möglich
von Sven Weisenhaus

Neben dem Anleihemarkt ist auch der Aktienmarkt noch nicht über den Berg. Zwar haben sich die Anleihenmärkte in dieser Woche wieder beruhigt und die US-Indizes stehen erneut kurz vor einem bullischen Ausbruch, der auch inzwischen charttechnisch sehr wahrscheinlich ist (siehe exemplarisch Chart des S&P500), doch dieser ist ihnen noch nicht (nachhaltig) gelungen. Und es sah schon mehrfach danach aus, aber anschließend kam es immer wieder zu Rücksetzern, die dann das Chartbild wieder sehr schnell bärisch aussehen ließen.

S&P500 - Chartanalyse

Auch der DAX rutschte am Freitag aufgrund erneut schwacher US-Konjunkturdaten wieder tief in seinen Abwärtstrendkanal zurück, womit es einen Fehlausbruch gab und ein erfolgreicher Ausbruch in Ferne gerückt ist.

DAX - Chartanalyse

Kursbewegungen passen zu fundamentalen Entwicklungen

Doch insgesamt passen die Kursbewegungen in den verschiedenen Märkten zu den konjunkturellen Entwicklungen dieser Woche. Gute fundamentale Daten zur Eurozone führten im DAX sowie im Euro zu Kursgewinnen bzw. einer Unterbrechung der Abwärtsbewegung und schwache Daten zur US-Wirtschaft ließen eine Zinsanhebung in weitere Ferne rücken und damit die US-Indizes und die Edelmetalle im Kurs steigen.

Wobei die Edelmetalle auch von steigenden Inflationsraten (siehe oben) partizipieren konnten. Wie Sie wissen, profitieren die Preise der Edelmetalle Gold und Silber von der Liquiditätsflut der Notenbanken und von höheren Inflationserwartungen.

Edelmetalle waren die Highflyer dieser Woche

Die Edelmetallpreise waren in dieser Woche sogar die Highflyer. Der Goldpreis konnte von knapp 1.180 auf über 1.220 USD ansteigen und damit einige Widerstandslinien überwinden.

Gold - Chartanalyse

Der Silberpreis konnte seine Widerstandslinien im Bereich von 17 USD überwinden (rote Linien im folgenden Chart) und strebt damit wieder in Richtung seines oberen Endes der Seitwärtsrange bei 18,50 USD (hellblaues Rechteck).

Silber - Chartanalyse

Musterdepot profitiert erheblich

Das Schöne daran: Durch unsere aktuelle Depotzusammensetzung profitieren wir sowohl von steigenden Aktienkursen als auch von den Kursgewinnen in Silber oder auch beim Öl- und Erdgaspreis. Diese Woche war daher eine der gewinnträchtigsten für das „Geldanlage Premium Depot“ seit längerer Zeit. Schon vor einer Woche schrieben wir unseren Abonnenten: „Es geht nun seit Wochen stetig vorwärts. So darf es gerne weitergehen.“ Die nun abgelaufene Woche hat aber alle Erwartungen übertroffen. Um mehr als 619 Euro hat unser Musterdepot innerhalb weniger Tage zulegen können.

Zudem ist es genau so, wie wir es geplant hatten: Während der DAX korrigiert, erzielt unser Depot insbesondere durch die Währungstrades hohe Gewinne. Nicht ohne Grund haben wir hier im Geldanlage-Brief zuletzt wiederholt provokant geschrieben, dass bei steigenden Kursen quasi jeder am Aktienmarkt Gewinne erzielen kann. Schauen Sie sich jetzt einmal einige Depots von Börsendiensten an, die zuletzt mit hohen Gewinnen geprahlt haben. Von ihnen ist derzeit nichts mehr zu hören, weil die Korrektur im DAX deren gute Performance der Vergangenheit zu Großteilen zerstört hat. Unser „Geldanlage Premium Depot“ hat hingegen während der aktuellen Korrektur im DAX kontinuierlich zugelegt. Daher:

Bei steigenden Kursen kann jeder Gewinne erzielen, aber bei fallenden…

Keine Frage, bei steigenden Kursen kann quasi jeder Börsenlaie hohe Gewinne erzielen. Doch trauen Sie es sich zu, Geld an den Aktienmärkten zu verdienen, wenn sich Trends plötzlich umkehren oder es zumindest zu heftigen Korrekturen kommt? Oder wollen Sie lieber auf einen Börsendienst setzen, der nachweislich alleine in der vergangenen Woche für seine Abonnenten Gewinne in Höhe von über 600 Euro erzielen konnte, während der DAX konsolidiert hat?! Zögern Sie nicht! 2015 könnte das Jahr der platzenden Blasen werden! Melden Sie sich jetzt hier zum „Geldanlage Premium Depot“ an.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 21: Handelswoche vom 18.05.2015 bis 22.05.2015)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen
Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.


Montag, 18.05.2015

  • 12:00 - DE Bundesbank-Monatsbericht Mai
  • 16:00 - US NAHB-Hausmarktindex Mai

Dienstag, 19.05.2015

  • 11:00 - DE ZEW-Konjunkturerwartungen Mai
  • 11:00 - EU ZEW-Konjunkturerwartungen Mai
  • 11:00 - EU Verbraucherpreise April (endgültig)
  • 14:30 - US Wohnbaugenehmigungen April
  • 14:30 - US Wohnbaubeginne April

Mittwoch, 20.05.2015

  • 01:50 - JP BIP Q1 (vorläufig)
  • 08:00 - DE Erzeugerpreise April
  • 16:30 - US Rohöllagerbestände
  • 20:00 - US Protokoll der geldpolitischen Notenbanksitzung

Donnerstag, 21.05.2015

  • 09:30 - DE Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe Mai
  • 09:30 - DE Dienstleistungsindex Mai
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen Eurozone Mai
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe Eurozone Mai
  • 13:30 - EU Protokoll der letzten EZB-Sitzung
  • 14:30 - US Chicago Fed National Activity Index April
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 16:00 - US Philadelphia-Fed-Index Mai
  • 16:00 - US Verkauf bestehender Häuser April
  • 16:00 - US Frühindikatoren April
  • 16:30 - US EIA Erdgasbericht (Woche)

Freitag, 22.05.2015

  • 08:00 - DE BIP Q1 (2. Veröffentlichung)
  • 10:00 - DE ifo-Geschäftsklimaindex Mai
  • 14:30 - US Verbraucherpreise April

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