US-Indizes bremsen DAX aus +++ Staatsschulden: Sprengstoff für die Finanzmärkte

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Marktanalyse – US-Indizes bremsen DAX aus
  2. Griechenlands Staatsfinanzen – Meldungen werden immer kurioser
  3. Ukraine-Krise – Ein noch viel größeres Milliardenproblem?
  4. Panne bei der EZB – Kommunikationsfehler hat Konsequenzen
  5. Termine der kommenden Woche

 

›› Marktanalyse
– US-Indizes bremsen DAX aus
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefwährend sich unser „Geldanlage Premium Depot“ zuletzt im Turbogang vorwärts bewegte – mit drei Verkäufen haben wir alleine in dieser Woche 620,94 Euro Gewinn vom Tisch genommen (also realisiert), während sich die verbliebenen Depotpositionen, rechnet man die abgeschlossenen Trades heraus, um 227,54 Euro verbessert haben – gab es an den Börsen kein Vorankommen.

US-Indizes bremsen DAX aus

Vor einer Woche wiesen wir unsere Leser des „Geldanlage Premium Depot“ auf ein mögliches Ende der Konsolidierungen am Aktienmarkt hin. Tatsächlich gelang dem DAX anschließend der Sprung aus dem kurzfristigen Abwärtstrendkanal.

DAX - Chartanalyse

Doch die US-Indizes zogen nicht mit, und so wurde der DAX nach einem ersten impulsiven Anstieg ausgebremst.

Was nicht steigt, fällt

Sollte es nicht bald (weitere) bullishe Signale geben und können insbesondere die US-Indizes keine Anschlusskäufer aus dem Hut zaubern, dann könnte eine alte Börsenweisheit in Erfüllung gehen: Was nicht steigt, fällt.

 



›› Griechenlands Staatsfinanzen
– Meldungen werden immer kurioser
von Sven Weisenhaus

Euro-KriseZumal es derweil auch im Schuldenstreit um Griechenlands Staatsfinanzen nicht vorwärts geht. Obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande in Riga mehr als zwei Stunden mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras über Lösungsmöglichkeiten für Athens Schuldenkrise diskutiert haben, wurde kein Durchbruch erzielt. Und so könnte eine nahende Pleite Athens die Märkte weiter belasten.

Meldungen über Griechenland werden immer kurioser

Wenn man sich die aktuellen Medienberichte bezüglich der griechischen Schuldenpolitik anschaut, dann kann man teilweise nur mit dem Kopf schütteln. Wir selbst können uns keine klare Meinung über die reelle Arbeit und die Absichten der griechischen Regierung machen, da wir uns auch nur auf die Berichte der Medien stützen können. Doch was wir von dort an Informationen erhalten, wird immer kurioser.

Nun soll der ESM griechische Staatsanleihen bedienen

Dass weiterhin die bekannten Differenzen zwischen den Geldgebern und Griechenland bestehen, hatten wir eingangs bereits beschrieben. Derweil konnte man erfahren, dass Finanzminister Yanis Varoufakis eine neue interessante Idee hat, um die Schulden seines Arbeitgebers zu begleichen. Der Rettungsschirm ESM solle nun vorerst für die griechischen Staatsanleihen im Besitz der Europäischen Zentralbank (EZB) aufkommen, die von Juli und August an fällig werden. Sein Land würde dann das Geld nach einem Abkommen mit den internationalen Gläubigern über einen längerfristigen Zeitraum wieder an den ESM zurückzahlen.

Mehr Geld und mehr Zeit – längst gewährte Forderungen

Interessanter Vorschlag. Für mich klingt dies danach, dass Griechenland erstens mehr Geld und zweitens für dessen Rückzahlung mehr Zeit erhalten möchte. Beides hat das Land in der Vergangenheit von seinen Gläubigern schon erhalten – seit dem Antritt der neuen Regierung allerdings ohne Gegenleistung. Zudem will die neue Regierung offenbar bereits VOR einem neuen Abkommen neues Geld erhalten.

Kurz zur Erinnerung: Von den 320 Mrd. Euro Schulden, die Griechenland insgesamt vor sich herschiebt, haben die europäischen Partner im Rahmen der Schuldenkrise rund 240 Mrd. an Hilfskrediten geleistet. Dabei wurden nicht nur die Hilfsleistungen stets erhöht, sondern auch die Konditionen großzügig angepasst. Im Gegenzug hat man Forderungen an die Athener Regierung gestellt, die von der neuen Führung allerdings nicht mehr erfüllt werden.

Ich denke daher, es ist langsam an der Zeit, dass die neue griechische Regierung endlich ihre Arbeit aufnimmt und einen tragfähigen Haushalt anpeilt, bevor sie weitere Forderungen an ihre Geldgeber stellt.
Es sollte außer Frage stehen, dass nun endlich (die längst vereinbarten) Reformen umgesetzt werden, die kurzfristig zu einem tragbaren Haushalt führen, aus dem auch die Schulden zurückgezahlt werden können, und erst dann weitere Kredite fließen.

Griechenland ist sich keiner Verantwortung bewusst

Doch offenbar ist sich Griechenland keiner Verantwortung bewusst. So war ebenfalls in dieser Woche zu lesen, dass aus Sicht des Regierungschefs Tsipras der Mangel an Liquidität weder die Wahl noch die Verantwortung der griechischen Regierung sei. Da fragt man sich, wer denn für die Zahlungsfähigkeit des Landes verantwortlich ist, wenn nicht die Athener Regierung selbst?! Jedenfalls drohte Nikos Filis, Sprecher der Regierungsfraktion im griechischen Parlament, damit, die nächste Kreditrückzahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu verweigern. „Wenn es bis zum 5. Juni keine Vereinbarung gibt, werden sie [Anmerkung der Redaktion: die Geldgeber] kein Geld bekommen“, sagte er laut Handelsblatt am Mittwoch dem Fernsehsender ANT1.

Heimliche Tonaufnahmen

Finanzminister Varoufakis soll heimlich Tonaufnahmen von Treffen gemacht habenAber es geht noch skurriler: Der umstrittene Finanzminister Varoufakis soll heimlich Tonaufnahmen von Treffen der Eurogruppe gemacht haben. Die New York Times schreibt in einem ausführlichen Porträt über Varoufakis, das seit Mittwoch auf der Webseite der Zeitung nachzulesen ist: „Er sagte, er habe das Treffen mitgeschnitten, könne die Aufnahme aber wegen der Regeln zur Vertraulichkeit nicht veröffentlichen.“ Varoufakis selbst wollte seine Äußerungen weder dementieren noch bestätigen. Stattdessen sagte er, er sei glücklich darüber, dass manche Angst hätten, dass das, was sie bei dem Treffen der Eurogruppe gesagt haben, ans Tageslicht komme.

Geldquellen bleiben ungenutzt

Der eine oder andere wird sich vielleicht noch erinnern: Kurz nach seinem Wahlsieg versprach Athens Premier Alexis Tsipras: „Wir sind die Ersten, die Steuerflucht und Steuerhinterziehung in großem Stil stoppen wollen.“ Auch dazu gab es in dieser Woche neue erschütternde Meldungen, bei denen man nur mit dem Kopf schütteln kann: Seit 2010 besitzt Athen eine Liste aus der Schweiz, auf der Daten vieler griechischer Steuersünder stehen. Doch wie nun bekannt wurde, sind von 2092 Namen erst 49 geprüft worden. Dies gab Griechenlands Finanzminister Varoufakis in einem vertraulichen Schreiben an den SPD-Finanzpolitiker Joachim Poß zu. Das Handelsblatt schreibt dazu: „Kommentierung ist in diesem Fall unnötig. Nichtstun in dieser Lage kommentiert sich selbst.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wie bereits oben geschrieben, haben wir leider nicht die Gelegenheit, bei den jeweiligen Regierungsvertretern in Athen persönlich nach deren Beweggründen nachzufragen. Vielleicht gibt es für ihr augenscheinlich desaströses Verhalten ja eine logische Erklärung. Insofern halten wir uns mit Kritik bestmöglich zurück. Doch bei dem Bild, welches man unweigerlich durch die mediale Berichterstattung erhält, kann einem auch mit Blick auf die Finanzmärkte nur schwarz vor Augen werden.

 



›› Ukraine-Krise
– Ein noch viel größeres Milliardenproblem?
von Sven Weisenhaus

Aber es kommt noch dicker. Am Mittwoch war im Handelsblatt folgende Warnung zu lesen: „Wer nur auf die Griechen achtet, der übersieht ein viel größeres Milliardenproblem. In der Ukraine hat der Krieg die Wirtschaft zum Stillstand gebracht. Der Finanzbedarf der Ukraine wird den der Griechen um ein Mehrfaches übersteigen. Kiew dürfte deutlich mehr als 100 Milliarden Euro in den kommenden Jahren brauchen.“ Was bis hierher dramatisch klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen zumindest für die Finanzmärkte als deutlich harmloser.

Ukraine will bilaterale Kredite weiter bedienen

Sicherlich, das Land steckt ebenfalls in einer tiefen vor allem humanitären Krise. Mitte Juni will der IWF darüber entscheiden, ob Anfang Juli eine weitere Tranche eines Kredits über insgesamt 17,5 Milliarden US-Dollar an die Regierung in Kiew ausgezahlt wird. Und das Handelsblatt hat Recht: Da der Westen den Russen nicht das Feld überlassen will, sind die gewaltigen Milliardenzahlungen an die Ukraine gesetzt. Doch die Ukraine hat bei der EU „nur“ elf Milliarden Euro Schulden. Und die Regierung des Landes hat bereits verkündet, dass bilaterale Kredite weiter bedient würden.

Ukraine dreht Gläubigern Geldhahn zuGewissenlosen Gläubigern wird der Geldhahn zugedreht

Hingegen will Kiew „gewissenlosen Gläubigern“ Rückzahlungen verweigern. Gemeint sind damit insbesondere Russland und einige Hedgefonds. Angesichts der ins Stocken geratenen Verhandlungen über eine 23 Milliarden US-Dollar schwere Umschuldung hat das ukrainische Parlament am Dienstag ein entsprechendes Gesetz dazu verabschiedet.

Fazit: Was nicht steigt, fällt

Keine Frage, die Zahlungspläne von Griechenland und der Ukraine sollten aufhorchen lassen. Hier ist noch viel Sprengstoff für die Finanzmärkte drin. Entsprechend sind Kurskapriolen weiterhin möglich. Daher gilt, was wir oben bereits schrieben: „Sollte es nicht bald (weitere) bullishe Signale geben und können insbesondere die US-Indizes keine Anschlusskäufer aus dem Hut zaubern, dann könnte eine alte Börsenweisheit in Erfüllung gehen: Was nicht steigt, fällt.

Bei steigenden Kursen kann jeder Gewinne erzielen, aber bei fallenden…

Keine Frage, bei steigenden Kursen kann quasi jeder Börsenlaie hohe Gewinne erzielen. Doch trauen Sie es sich zu, Geld an den Aktienmärkten zu verdienen, wenn sich Trends plötzlich umkehren oder es zumindest zu heftigen Korrekturen kommt? Oder wollen Sie lieber auf einen Börsendienst setzen, der nachweislich alleine in der vergangenen Woche für seine Abonnenten Gewinne in Höhe von über 620 Euro realisieren konnte, während die Aktienmärkte konsolidiert haben?! Zögern Sie nicht! 2015 könnte das Jahr der platzenden Blasen werden! Melden Sie sich jetzt hier zum „Geldanlage Premium Depot“ an.

(Foto: REK / pixelio.de)

 



›› Panne bei der EZB
– Kommunikationsfehler hat Konsequenzen
von Sven Weisenhaus

Am Montag gab die Europäische Zentralbank (EZB) an, bei ihrem Programm zum massenhaften Ankauf von Staatsanleihen weiter voranzukommen. Seit dem Start am 9. März erwarben die Währungshüter demnach bis zum 15. Mai öffentliche Schuldtitel für insgesamt 122,4 Milliarden Euro.

Dennoch berichteten wir am Mittwoch hier im kostenlosen Börsennewsletter „Geldanlage-Brief“, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Mai und Juni mehr Staatsanleihen kauft. Allerdings nicht, um das Volumen der Käufe zu erhöhen, sondern um der umsatzschwächeren Zeit in den Ferienmonaten Rechnung zu tragen. So werden die Juli und August-Käufe lediglich teilweise vorgezogen.

MundEZB gesteht Kommunikationspanne ein

EZB-Direktor Coeure hatte diese Information bei einem Abendessen einer ausgewählten Gruppe von Bänkern und Hedgefondsmanagern in London mitgeteilt, bevor sie an die breite Öffentlichkeit gelangte. Dies führte zu heftiger Kritik, weil damit einzelne Marktakteure einen Wissensvorsprung hatten, der sich durch die anschließenden Kursreaktionen am Markt in bare Münze auszahlen konnte.

Inzwischen hat die EZB reagiert und verkündet, dass sie die Redetexte ihrer Ratsmitglieder ab sofort nicht mehr vorab mit Sperrfrist an Journalisten verteilen wird. Damit dürfte sie auf die Kommunikationspanne reagiert haben.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 22: Handelswoche vom 25.05.2015 bis 29.05.2015)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen
Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.


Montag, 25.05.2015

  • - DE Pfingstmontag
  • - US Feiertag - Memorial Day
  • - Feiertagsbedingt bleiben die Börsen in Europa und den USA geschlossen

Dienstag, 26.05.2015

  • 14:30 - US Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter April
  • 15:00 - US Case Shiller Composite-20 Hauspreisindex März
  • 15:45 - US Markit Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Mai (vorläufig)
  • 15:45 - EU Volumen der EZB-Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und ABS
  • 16:00 - US Verbrauchervertrauen Conference Board Mai
  • 16:00 - US FHFA Hauspreisindex März
  • 16:00 - US Verkäufe neuer Häuser April

Mittwoch, 27.05.2015

  • 01:50 - JP Protokoll der geldpolitischen Notenbanksitzung
  • 08:10 - DE GfK Konsumklima Studie Juni
  • 16:30 - US EIA Ölmarktbericht (Woche)

Donnerstag, 28.05.2015

  • 01:50 - JP Einzelhandelsumsatz April
  • 08:00 - DE Importpreise April
  • 11:00 - EU Wirtschaftsstimmung Mai
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 16:00 - US Anstehende Hausverkäufe April

Freitag, 29.05.2015

  • 00:30 - JP Verbraucherpreise April
  • 00:30 - JP Verbraucherpreise Tokio Mai
  • 08:00 - DE: Einzelhandelsumsatz April
  • 10:00 - EU Geldmenge M3 April
  • 10:00 - EU Kredite an den privaten Sektor April
  • 14:30 - US BIP Q1 (2. Veröffentlichung)
  • 15:45 - US Einkaufsmanagerindex Chicago Mai
  • 15:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan Mai

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