EZB befeuert Kurserholung +++ Chinas Wirtschaft wächst immer langsamer

Inhalt dieser Ausgabe

  1. EZB befeuert Kurserholung
  2. Chinas Wirtschaft wächst immer langsamer
  3. Termine der kommenden Woche

 

›› EZB befeuert Kurserholung
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefohne Frage war das wichtigste Ereignis in dieser Woche die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Dies lässt sich auch an den Kursverläufen diverser Märkte ablesen. War es an den Tagen vor dem Termin zu Seitwärtsbewegungen unter relativ geringer Volatilität gekommen, so brachen die Kurse exakt zu dem Zeitpunkt deutlich aus, als Mario Draghi in der Pressekonferenz ab 14:30 Uhr sagte, man würde den Umfang der geldpolitischen Lockerung im Dezember prüfen und falls nötig das QE-Programm verlängern.

Ausweitung des QE-Programms im Dezember?

Offenbar deuteten die Märkte dies dahingehend, dass es im Dezember faktisch zu einer Ausweitung kommen wird. Denn während die Aktienmärkte deutlich zulegten, brach der Euro zum US-Dollar von über 1,135 auf rund 1,10 EUR/USD ein und fiel damit unter seine kurzfristige Aufwärtstrendlinie.

EUR/USD - Chartanalyse

Auch die EZB sieht Schwellenländer als neues Hauptproblem

Interessant war in diesem Zusammenhang, dass auch die EZB die Schwellenländer als neues Hauptproblem identifiziert hat – genau wie wir vor einer Woche (siehe „Schwellenländer – Neues Hauptproblem der Märkte?“). Blicken wir dazu nachfolgend auf die Details der EZB-Pressekonferenz.

Die Kernaussagen der EZB

Zunächst einmal beschloss der EZB-Rat auf der Sitzung, die in Malta stattfand, den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sowie die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität unverändert bei 0,05 %, 0,30 % bzw. -0,20 % zu belassen. Anschließend traf Mario Dragi auf der Pressekonferenz die folgenden Kernaussagen:

  • Das bisherige QE-Programm wirkt sich positiv auf die Kreditvergabe aus und die Kreditdynamik hat sich verbessert.
  • Die EZB wird das QE-Programm vollständig umsetzen. Der Umfang der Lockerung muss aber im Dezember geprüft werden. Falls notwendig, wird das QE-Programm verlängert. (Anmerkung der Redaktion: Im Dezember liegen die neuen Konjunkturprognosen des EZB-Stabs vor.)
  • Auch eine weitere Senkung des Einlagenzinses wurde diskutiert. (Anmerkung der Redaktion: Der Einlagenzins ist mit aktuell -0,2 % der Strafzins, den die Banken zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Die Notenbank will erreichen, dass die Finanzinstitute das viele billige Geld, das ihnen die EZB zur Verfügung stellt, an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen, damit es in Investitionen und Konsum fließt.)
  • Die Binnennachfrage ist weiter stabil und wird durch den schwachen Ölpreis sowie die Geldpolitik gestützt.
  • Die Inflationsraten sind kurzfristig weiter sehr niedrig, was ebenfalls auf den gesunkenen Ölpreis zurückzuführen ist. Die Kerninflation liegt stabil bei 0,9 %. Seit dem letzten Treffen sind die kurzfristigen Erwartungen für die Inflation gesunken, das mittelfristige Szenario ist hingegen weitgehend unverändert. (Anmerkung der Redaktion: Zuletzt hatte die Inflationsrate in der Eurozone im September –0,1 % betragen, nach plus 0,1 % im August.)
  • Die schwache Auslandsnachfrage dämpft den Ausblick und der schwache Ausblick für die Schwellenländer birgt Risiken.

Die Märkte haben bekommen, was sie wollten

Investoren hatten im Vorfeld auf positive Aussagen zur Geldpolitik gehofft. Neben einer Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms von derzeit monatlich 60 Milliarden Euro hatte die jüngste Stärke des Euros sogar Zinssenkungsspekulationen aufkommen lassen. Zwar rechnete kaum jemand mit einem solchen Beschluss bereits auf dieser Sitzung, allerdings hatte man sich Andeutungen in Richtung Dezember gewünscht. Und letztlich haben die Anleger mit den Aussagen zur Überprüfung des QE-Programms im Dezember und der Diskussion über den Einlagensatz auch bekommen, was sie wollten. Entsprechend fielen die ersten Kursreaktionen aus: DAX rauf, Euro runter.

DAX - Chartanalyse

Verbesserte Kreditvergabe vs. verschlechterte Aussichten für Schwellenländer

Ob es aber letztlich im Dezember wirklich zu neuen geldpolitischen Maßnahmen der EZB kommt oder sich die Märkte zu früh gefreut haben, bleibt abzuwarten. Letztlich hat die EZB einerseits auf den Umstand hingewiesen, dass der schwache Ausblick für die Schwellenländer Risiken birgt (womit sie unsere Themenwahl vor einer Woche wunderbar bestätigt hat), andererseits erklärte sie aber auch, dass die bisherigen Maßnahmen eine Wirkung entfalten.

Darauf deutete auch die jüngste Umfrage („Bank Lending Survey“) der EZB zur Kreditvergabe der Banken des Euroraums hin. Demnach haben die Institute wegen der seit Oktober 2014 durchgeführten Covered Bond-, ABS- und Staatsanleihenkäufe der Notenbank in den vergangenen sechs Monaten mehr und billigere Kredite vergeben, als das ohne die Quantitative Lockerung (QE) der Fall gewesen wäre. Die befragten Banken konstatierten aufgrund der QE-Maßnahmen eine leichte Verbesserung der Refinanzierungskosten, die zumindest teilweise an die Kunden weitergereicht wurden. Die Daten bekräftigen daher die Einschätzung, wonach man der Verhinderung einer drohenden Kreditklemme primär in den Peripherie-Ländern durch die QE-Beschlüsse erneut näher gekommen ist.

Hauptaufgabe eines Börsianers: Die Märkte genau beobachten

Insofern bleibt der EZB und uns nichts anderes übrig, als die weiteren Wirtschaftsdaten genau zu verfolgen, um die Entwicklung in den Schwellenländern und damit auch der Wirtschaft Europas beurteilen zu können. Zudem werden wir die Charts beobachten, um einerseits „hinter dem Markt“ zu bleiben und andererseits Anzeichen einer möglichen neuen Korrekturwelle frühzeitig zu erkennen. (Hieraus lässt sich sehr schön unsere kombinierte Investmentstrategie aus Fundamental- und Chartanalyse ablesen, die wir im „Geldanlage Premium Depot“ umsetzen.) Die Hauptaufgabe bzw. die Hauptarbeit eines jeden Börsianers liegt nun einmal darin, die Märkte genau zu beobachten. Recherche zu betreiben, um die nötigen Erkenntnisse zu erlangen, nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Aus den Erkenntnissen Trades abzuleiten, ist dagegen eine Sache von Minuten.

Für alle Eventualitäten gerüstet

Uns waren die Kursreaktionen der Märkte in dieser Woche in jeglicher Hinsicht recht, denn wir hatten unsere Positionen im „Geldanlage Premium Depot“ kurz vor der Pressekonferenz abgesichert und waren damit für alle Eventualitäten gerüstet. Bei fallenden Kursen hätten wir einen Gold- und einen DAX-Long-Trade beendet und Gewinne mitgenommen, durch die steigenden Notierungen am Aktienmarkt kam es aber dazu, dass wir die laufenden Gewinne deutlich ausweiten konnten. Unseren DAX-Long haben wir am Freitag mit 30 % Gewinn verkauft, ein Gold-Trade liegt über 13 % im Gewinn. Zudem zogen unsere neun Aktienpositionen kräftig an. Ich hoffe, Ihren Investments erging es ähnlich.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chinas Wirtschaft wächst immer langsamer
von Sven Weisenhaus

Bereits Anfang der Woche wurde gemeldet, dass Chinas Wirtschaft im vergangenen Quartal nur noch um 6,9 % gewachsen ist, was der niedrigste Quartalswert seit mehr als sechs Jahren ist. Zudem ist damit das Wachstum Chinas zum ersten Mal seit der Weltfinanzkrise 2009 auf unter sieben Prozent gefallen.
Auf Jahressicht wuchs die chinesische Wirtschaft im Jahr 2013 noch um 7,7 %. Und mit 7,5 % fiel das Wachstum in 2014 sogar bereits auf den niedrigsten Jahreswert seit fast 25 Jahren.

Wie aussagekräftig sind Wachstumszahlen aus Peking?

Aber die nun gemeldeten 6,9 % für das dritte Quartal sind immer noch mehr, als die meisten befürchtet hatten. Entsprechend blieben die Märkte auch zu Wochenbeginn ruhig und der Fokus der Anleger richtete sich schnell wieder in Richtung EZB-Sitzung.

Allerdings nehmen viele Beobachter Peking die offiziell gemeldeten Zahlen zum BIP-Wachstum nicht mehr ab. Sie erinnern sich vielleicht an die Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom 4. Oktober (siehe „Chinas Wirtschaft schwächelt weiter“). Darin berichteten wir, dass die Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen im August um 8,8 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind und damit noch einmal deutlich stärker als im Monat zuvor. Für September wurde inzwischen gemeldet, dass der chinesische Außenhandel ebenfalls um 8,8 % eingebrochen war, während die Importe sogar um 17,7 % im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken.

Zudem ist auffällig, dass die Wachstumsraten in China seit Jahren kaum schwanken, sondern kontinuierlich von Quartal zu Quartal leicht zurückgehen. Verblüffend ist auch, dass ein Land mit 1,5 Milliarden Einwohnern in der Lage ist, nach Ende eines jeden Quartals innerhalb von zwei Wochen seine Wachstumszahlen zu ermitteln, diese aber später nie wesentlich revidieren muss. Dagegen sieht die Sache zum Beispiel in den USA völlig anders aus. Dort werden die Zahlen zum BIP-Wachstum oft mehrfach und teils deutlich revidiert.

Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft werden überschätzt

Doch unabhängig von der Frage, wie aussagekräftig oder gar glaubwürdig die Daten aus China sind, wird laut Bundesbank die Rolle Chinas für die deutsche Wirtschaft überschätzt. Ihren Angaben zufolge würde ein um vier Prozentpunkte niedrigeres Wachstum in China das deutsche BIP lediglich um 0,25 Prozentpunkte reduzieren. Einen derart starken Rückgang der Wachstumsrate erwartet die Bundesbank aber nicht. Dass es jedoch zu moderateren Wachstumsraten bei aufstrebenden Volkswirtschaften kommt, sei eine völlig typische Folge eines Aufholprozesses. „Immerhin entspräche ein Wirtschaftswachstum von 7 % in China immer noch einem Zuwachs im Umfang des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Schweiz, und das sei auf Dauer einfach nicht zu halten“, so die Bank. Wer mathematisch ein bisschen bewandert ist, kann dem nur zustimmen.

Fazit

Insofern bleibt China zwar ein Thema für die Börsen, wie gehen aber derzeit nicht davon aus, dass sich die Aktienmärkte in Zukunft davon sonderlich belastet zeigen werden. Eine Trendwende sehen wir jedenfalls nicht auf uns zukommen. Wir bleiben bei unserer Erwartung, dass wir uns lediglich in eine Korrektur befinden bzw. befanden.

Kommt die US-Zinsanhebung im Oktober?

In der kommenden Woche steht übrigens schon die nächste Notenbanksitzung an. Die US-Notenbank Fed befindet sich bereits in der „Blackout Period“, in der sie sich mit Aussagen zu Themen mit Relevanz für die Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) am 27. und 28. Oktober zurückhalten muss. Kommt die Zinsanhebung der Fed im Oktober?

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 44: Handelswoche vom 26.10.2015 bis 30.10.2015)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 26.10.2015

  • 10:00 - DE ifo Geschäftsklimaindex Oktober
  • 15:00 - US Verkäufe neuer Häuser September
  • 15:45 - EU Volumen der EZB-Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und ABS

Dienstag, 27.10.2015

  • 10:00 - EU Geldmenge M3 September
  • 13:30 - US Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter September
  • 14:00 - US Case Shiller Composite-20 Hauspreisindex August
  • 14:45 - US Markit Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Oktober (vorläufig)
  • 15:00 - US State Street Investor Confidence Index Oktober
  • 15:00 - US Verbrauchervertrauen Oktober

Mittwoch, 28.10.2015

  • 08:00 - DE Importpreise
  • 19:00 - US Federal Reserve Bank Sitzungsergebnis

Donnerstag, 29.10.2015

  • 09:55 - DE Arbeitsmarktdaten Oktober
  • 11:00 - EU Geschäfts- u. Verbraucherstimmung Oktober
  • 13:30 - US BIP 3. Quartal
  • 13:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 15:00 - US Anstehende Hausverkäufe September
  • 15:30 - US EIA Erdgasbericht (Woche)

Freitag, 30.10.2015

  • 00:30 - JP Verbraucherpreise Tokio Oktober
  • 00:30 - JP Verbraucherpreise September
  • 01:30 - JP Arbeitsmarktdaten September
  • 08:00 - DE Einzelhandelsumsatz September
  • 11:00 - EU Vorabschätzung Inflation Eurozone Oktober
  • 11:00 - EU Arbeitslosigkeit September
  • 13:30 - US Persönliche Einkommen September
  • 13:30 - US Persönliche Auslagen September
  • 13:30 - US Arbeitskosten 3. Quartal
  • 14:45 - US Einkaufsmanagerindex Chicago Oktober
  • 14:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan Oktober

 



›› Von 27 Trades endeten 26 im Gewinn – Trefferquote über 96%
von Geldanlage-Brief-Team

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