DAX & Co. - Die nächste Abwärtswelle rollt +++ Muss Portugal wieder gerettet werden?

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Die nächste Abwärtswelle rollt
  2. Muss Portugal bald wieder gerettet werden?
  3. Termine der kommenden Woche

 

›› Die nächste Abwärtswelle rollt
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefeigentlich hätten wir die Überschrift unverändert stehenlassen können, die vor einer Woche „Börsen ohne Notenbanken orientierungslos“ lautete. Denn der DAX setzte seine Konsolidierung in den vergangenen Tagen fort und befindet sich damit nun schon seit drei Wochen in der Ruhe-Phase.

Rollt die nächste Abwärtswelle?

Am Freitag gab es aber erste Anzeichen eines bärischen Ausbruchs aus der Seitwärtsbewegung (siehe roter Kreis im folgenden Chart), während die US-Indizes schon seit Wochenbeginn Schwäche zeigen. Daher könnte man behaupten, dass inzwischen die nächste Abwärtswelle rollt. Allerdings müssen wir zugeben, dass der heutige Titel dramatischer klingt, als es die aktuelle Situation eigentlich ist. Denn dem Ausbruch im DAX fehlt es (noch) an Dynamik, um wirklich gefährlich zu sein.

DAX - Chartanalyse

Zumal sich das Ganze direkt unterhalb einer wichtigen (roten) Abwärtstrendlinie entwickelte, die das bisherige Allzeithoch (12.390 Punkte) mit einem Zwischenhoch verbindet. Daher stellt sich nun die Frage, ob es sich nur um eine Konsolidierung an einem wichtigen Widerstand oder um ein Ende der Gegenbewegung im übergeordneten Abwärtstrend handelt.

Auch bei den US-Indizes ist diese Frage noch offen, denn auch sie haben (noch) keine Marken gebrochen, die auf einen neuen Abwärtstrend oder auch nur eine größere Korrektur hindeuten würden. Daher kann es sich auch lediglich um eine Gegenbewegung auf die vorangegangenen Kursgewinne handeln.

Anleger sind abhängig von Impulsen durch Notenbanken

Abhängen wird dies, wie so oft, von den Notenbanken. Auch den vorangegangenen Kursanstieg kann man damit begründen, dass einerseits die US-Notenbank Federal Reserve (Fed)eine Zinsanhebung herausgezögert hat und andererseits die Europäische Zentralbank (EZB) offen ausgesprochen hat, ihr geldpolitisches Programm im Dezember neu zu überdenken und gegebenenfalls auszuweiten. Beides war klar bullish für die Aktienmärkte. Und nun könnten sich die Anleger fragen, worauf sie als nächstes setzen sollen.

Geldpolitik der EZB bleibt bullisch für die Aktienmärkte

Noch vor der US-Notenbank Fed, die am 15. und 16. Dezember tagt, wird die EZB am 3. Dezember 2015 ihre zukünftige geldpolitische Richtung bekanntgeben. Grundsätzlich ist die Geldpolitik der EZB bullish für die Märkte. Die Anleger erwarten aber eine weitere Finanzspritze in Form von einer Verlängerung des Anleihekaufprogramms und/oder einer Reduzierung des Einlagezinses(aktuell -0,2%) und haben dies bereits eingepreist. Erfüllt oder übererfüllt die EZB diesen Wunsch, werden die Kurse steigen, kommt es zu einer Enttäuschung, sind Kursverluste vorprogrammiert.

Europas Wirtschaft kommt nicht in Schwung

Ein weiteres Lockern der Zügel durch die EZB ist aber durchaus wahrscheinlich, denn im Euro-Raum hakt es noch an vielen Ecken und Enden. Aus wirtschaftlicher Sicht wurde am Freitag zum Beispiel gemeldet, dass sich das Wachstumsmomentum im Euroraum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), von +0,4% im 2. Quartal 2015 auf +0,3% im dritten Quartal abgeschwächt hat.

Wachstumsraten des BIP - EU28, Euroraum, USA
(Quelle: Eurostat)

Und bereits am Donnerstag wurde gemeldet, dass nach einem um 0,1% rückläufigen Absatzvolumen im Einzelhandel auch die Industrieproduktion der Eurozone im September um 0,3% gegenüber dem Vormonat gesunken ist.

Entwicklung der Industrieproduktion - EU28, Euroraum
(Quelle: Eurostat)

Das BIP-Wachstum dürfte also schwach bleiben oder gar noch schwächer werden.

In den Krisenländern kriselt es wieder gewaltig

Zudem wären aus politischer Sicht neben der Flüchtlingsproblematik aktuell Portugal und Katalonien als Unsicherheitsfaktoren zu nennen. In Portugal steht ein Regierungswechsel an, der die Rücknahme wichtiger Reformen zur Folge haben könnte, Katalonien will sich von Spanien abtrennen und eigenständig werden.
Aber auch Griechenland sollte man nicht vergessen, wo die sowieso schon arg gebeutelte Wirtschaft im dritten Quartal um 0,5% geschrumpft ist und wo am Donnerstag aus Protest gegen den harten Sparkurs der Regierung in Athen umfangreiche Streiks begonnen haben. Dabei handelt es sich um den ersten Generalstreik während der Amtszeit von Alexis Tsipras. Zudem haben die Euro-Finanzminister erst am vergangenen Montag abermals einen Beschluss zur Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von zwei Milliarden Euro verschoben und Griechenland eine Woche mehr Zeit gegeben, geforderte Reformen umzusetzen.

Bei der Inflation ist keine Besserung in Sicht

Vor allem aber ist die Inflationsrate nach wie vor weit von der 2%-Zielmarke entfernt, die die EZB mittelfristig erreichen will. Der erneute Rückgang der Erzeugerpreise um auf Monatsbasis 0,3% im September deutet nicht auf eine baldige Besserung hin.

Entwicklung der Erzeugerpreise - EU28, Euroraum
(Quelle: Eurostat)

Eine Ausweitung des (bislang) noch bis Herbst 2016 laufenden QE-Programms erscheint daher immer wahrscheinlicher, weshalb stärker fallende Kurse mit Blick auf die EZB-Sitzung am 3. Dezember unwahrscheinlich erscheinen.

Zinsanhebung der Fed wäre tendenziell bearish für Aktien

Doch demgegenüber steht die mögliche Zinswende der Fed im Dezember, die tendenziell bearish für die Märkte ist. Jüngst waren einige US-Konjunktur- und vor allem die US-Arbeitsmarktdaten (wir berichteten) besser als erwartet ausgefallen. Die Märkte sehen daher inzwischen die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Dezember, insbesondere wegen dem jüngsten Arbeitsmarktbericht, bei über 70% (gemessen an den Fed-Fund-Futures).

Mögliches Szenario für den Kursverlauf bis Jahresende

Die Märkte sind ganz eindeutig weiterhin Spielbälle der Notenbanken. Ein aus unserer Sicht mögliches Szenario wäre, dass die Kurse bis zur EZB-Sitzung (3. Dezember) weiter seitwärts tendieren, mit zwischenzeitig kleineren Kurseinbrüchen und Kurserholungen. Kommt es dann zu einer Ausweitung der geldpolitischen Maßnahmen, könnte es zu einer Erleichterungsrallye kommen, die aber mit dem dann auf die Fed-Sitzung (15./16. Dezember) wandernden Blick schnell ausläuft. Eine Zinsanhebung könnte die Märkte dann kurzzeitig belasten, bis die Anleger das Positive darin sehen – nämlich die Tatsache, dass die US-Wirtschaft eine Zinswende verkraftet.

Fazit

All dies passt hervorragend zu unser bisherigen Prognose: Die übergeordneten Korrekturen sind noch nicht beendet und die Jahresendrallye könnte bereits in weiten Teilen hinter uns liegen. Der nach wie vor vorhandene Mangel an weitergehenden Kurszuwächsen bestätigt dieses Szenario in dieser Woche erneut. Die möglichen „rounding-tops“ im S&P 500 (linker Chart) und Dow Jones (mittlerer Chart) sind noch nicht vom Tisch, sondern wurden mit den jüngsten Kursverlusten sogar wahrscheinlicher.

Chartanalyse - S&P500, Dow Jones, DAX

Und der DAX (rechter Chart) blieb unter seinem 61,80%-Fibonacci-Retracement, womit seine Korrektur formal nicht beendet wurde.

Tradingchancen im DAX

Für fallende Kurse im DAX hatten wir Ihnen vor einer Woche folgendes Produkt vorgestellt:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 7,85
Durch den jüngsten Kursrutsch im DAX ist der Briefkurs binnen Wochenfrist von 10,82 Euro auf 13,62 Euro gestiegen – ein Gewinn von 25% war somit möglich. Und hier ist noch mehr drin, wenn sich der Ausbruch im DAX bestätigt.

Wenn Sie von wieder steigenden Kursen im DAX ausgehen, könnte folgendes Produkt interessant sein:
DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 4, Briefkurs: 25,90 Euro


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›› Muss Portugal bald wieder gerettet werden?
von Sven Weisenhaus

Portugal hat sein 78 Milliarden Euro-Hilfsprogramm bereits im Mai 2014 abgeschlossen und finanziert sich seitdem wieder über den Kapitalmarkt. Nach der bisherigen Erwartung der EU-Kommission wird das Staatsdefizit Portugals in diesem Jahr den Maastrichter Referenzwert von 3% der Wirtschaftsleistung ziemlich genau erreichen. Soweit scheint also alles in bester Ordnung.

Regierungswechsel birgt Gefahren

Dies könnte sich nach dem jüngsten Regierungswechsel aber schnell in Luft auflösen. Nach dem Sturz der Mitte-Rechts-Regierung in Lissabon kamen bereits Medienberichte auf, Portugal könne zu einem „neuen Griechenland“ werden. Und tatsächlich besteht die Gefahr, dass bei steigender politischer Unsicherheit auch die Finanzmärkte wieder unruhiger werden und sich dies in steigenden Zinsen bei portugiesischen Staatsanleihen auswirkt. Dann könnte das Land wieder genau die Probleme bekommen, wegen derer es schon einmal unter den europäischen Rettungsschirm fliehen musste.

Finanzierbarkeit des Staatshaushalts unsicher

Zumal ganz akut die Gefahr besteht, dass Portugal von der Finanzierung durch die EZB abgeschnitten wird. Die Währungshüter akzeptieren derzeit nur Anleihen mit einer bestimmten Mindestbonität. Dabei spielen nicht nur die Noten der drei großen Ratingagenturen (S&P, Moody's und Fitch) eine Rolle, sondern auch zum Beispiel die einer kanadischen Nischenagentur Namens DBRS, die seit 2007 offiziell von der EZB anerkannt ist. Während bei allen anderen Agenturen Portugals Staatsanleihen als „Schrott“ bewertet werden, gilt das Land bei den Kanadiern gerade noch als investierbar.

Das hätte sich am Freitag bereits ändern können, als DBRS bei seiner Rating-Entscheidung auch über die neue Situation in Lissabon zu befinden hatte. Doch die Ratingagentur hat das Rating „BBB“ und den Ausblick für Portugal trotz der jüngsten politischen Turbulenzen bestätigt. Dies kann sich aber jederzeit ändern. - Wir haben stets gemahnt, dass die Schuldenprobleme (weltweit) nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben sind.


Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 47: Handelswoche vom 16.11.2015 bis 20.11.2015)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 16.11.2015

  • 01:50 - JP BIP 3. Quartal
  • 11:00 - EU Inflation Oktober 2015
  • 12:00 - DE Bundesbank-Monatsbericht November
  • 14:30 - US Empire State Index November
  • 15:45 - EU Volumen der EZB-Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und ABS

Dienstag, 17.11.2015

  • 08:00 - EU ACEA Kfz-Neuzulassungen Oktober
  • 08:00 - DE Erwerbstätigenzahl Oktober
  • 11:00 - DE ZEW Konjunkturerwartung November
  • 14:30 - US Verbraucherpreise Oktober
  • 15:15 - US Industrieproduktion Oktober
  • 15:15 - US Kapazitätsauslastung Oktober
  • 16:00 - US NAHB/WF Hausmarktindex November

Mittwoch, 18.11.2015

  • 11:00 - EU Produktion Baugewerbe September
  • 14:30 - US Wohnbaugenehmigungen Oktober
  • 14:30 - US Wohnbaubeginne Oktober
  • 16:30 - US EIA Ölmarktbericht (Woche)
  • 20:00 - US Protokoll der geldpolitischen Notenbanksitzung

Donnerstag, 19.11.2015

  • 00:00 - JP Bekanntgabe der geldpolitischen Entscheidungen
  • 10:00 - EU EZB Leistungsbilanz Eurozone September
  • 13:30 - EU Protokoll der letzten EZB-Sitzung
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 16:00 - US Frühindikatoren Oktober
  • 16:00 - US Philadelphia Fed Index November

Freitag, 20.11.2015

  • 08:00 - DE Erzeugerpreise Oktober

 


 

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