Börsen im Sog der EZB-Sitzung +++ DAX schöpft Restpotential aus

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Börsen im Sog der EZB-Sitzung
  2. Sind weitere EZB-Maßnahmen überhaupt noch erforderlich?
  3. DAX schöpft Restpotential aus
  4. Termine der kommenden Woche

 

›› Börsen im Sog der EZB-Sitzung
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Börsen befinden sich derzeit sehr klar im Sog der nahenden EZB-Sitzung, auf der nach dem Wunsch und der Erwartung der Anleger eine Senkung des Einlagezinses sowie eine Ausweitung des QE-Programms bekanntgegeben wird. Anders lässt es sich kaum erklären, dass der Euro immer schwächer wird und die Aktien- und Rentenmärkte im Gleichklang steigen, während negative Nachrichten sehr schnell beiseite gewischt werden. Sowohl die Anschläge von Paris als auch der Abschuss einer russischen Militärmaschine im syrisch-türkischen Grenzgebiet konnten jeweils nur einen Tag lang für Verunsicherung an den Börsen sorgen. Und selbst ohne die sonst nötigen Impulse der US-Märkte, die am Donnerstag feiertagsbedingt geschlossen blieben, konnten die Aktienkurse hierzulande kräftig zulegen.

Was kann die Märkte nach der EZB-Sitzung noch treiben?!

Auch wir können uns vorstellen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag die Geldschleusen noch etwas weiter öffnen wird. Entsprechend hatten wir auch darauf hingewiesen, dass die Aktienkurse kurzfristig noch Potential haben. Doch ebenso hatten wir angemahnt, dass wir für die Zeit danach skeptisch sind. Und daran hat sich nichts geändert. Es stellt sich weiterhin die Frage, was die Märkte nach der EZB-Sitzung noch treiben könnte.

Geduldig bis zur EZB-Sitzung warten

Wir haben daher im „Geldanlage Premium Depot“ in dieser Woche bewusst keine Änderungen vorgenommen. Vor allem auf neue Aktien-Positionen haben wir verzichtet. Stattdessen nähern wir uns eher der Aufnahme einer Short-Position. Aber da die Kurse bis zum 3. Dezember noch etwas steigen können, warten wir noch etwas ab.

 



›› Sind weitere EZB-Maßnahmen überhaupt noch erforderlich?
von Sven Weisenhaus

Die Citigroup geht inzwischen davon aus, dass die EZB am kommenden Donnerstag den Einlagensatz um weitere 20 Basispunkte senken und ihr Anleihekaufprogramm ab Januar um 15 Mrd. Euro (auf dann 75 Mrd. Euro pro Monat) aufstocken und um sechs Monate verlängern wird. Obwohl auch wir uns vorstellen können, dass die EZB noch einmal aktiv wird, sehen wir eigentlich anhand der konjunkturellen Lage kaum eine Notwendigkeit dafür. Schauen wir uns einmal die jüngsten Daten aus Europa an:

Alle Indexwerte der Einkaufsmanager signalisieren Expansion der Wirtschaft Europas

Zu Beginn der Woche galt die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer zunächst den Stimmungsindikatoren. Am Montag wurde die erste Schnellschätzungen zu den Umfrageergebnissen unter den deutschen und europäischen Einkaufsmanagern veröffentlicht, die als guter Frühindikator für die Nachfrage der Unternehmen in den kommenden Monaten gelten. Und demnach befindet sich die Eurozone auf dem Weg zur stärksten Erholung in einem Quartal seit viereinhalb Jahren. Denn der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister (Composite PMI) legte im Berichtsmonat November um 0,5 auf 54,4 Zähler zu und kletterte damit überraschend auf den höchsten Stand seit 54 Monaten. Der Index für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone konnte ebenfalls um 0,5 auf aktuell 52,8 Punkte zulegen, was der höchste Stand seit 19 Monaten ist. Auch der Indexwert für den Dienstleistungssektor zeigte eine spürbare Verbesserung und stieg für den gemeinsamen Währungsraum von 54,1 auf 54,6 Punkte. Damit liegen alle Werte der Einkaufsmanagerindizes im Expansionsbereich (über 50 Punkte), weshalb sie als Vorlaufindikator auf eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone hindeuten. Optimistisch stimmt auch die Tatsache, dass die Dynamik bei der Schaffung neuer Stellen im Dienstleistungssektor in Deutschland auf dem höchsten Stand seit 2011 und in der Eurozone sogar seit 2010 liegt.

Ifo-Index bläst in das gleiche Horn

Für das europäische Zugpferd Deutschland stiegen der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe von 52,1 im Oktober auf 52,6 Punkte und der Indexwert für den Dienstleistungssektor von 54,5 auf 55,6 Zähler.

Entwicklung des Einkaufsmanagerindex

Am Dienstag überraschte dann ein weiterer Stimmungsindikator positiv. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im November auf 109,0 Punkte und damit den höchsten Stand seit Juni 2014 gestiegen. Analysten hatten im Konsens nur mit einem im Vergleich zum Vormonat Oktober unveränderten Indexwert von 108,2 Punkten gerechnet.

Entwicklung des ifo-Index

Damit bewegt sich auch dieser Indikator auf einem Niveau, das auf ein weiterhin solides BIP-Wachstum in Deutschland und Europa im vierten Quartal hindeutet.

Geldmenge und Kreditvergabe wachsen dynamisch

Am Donnerstag wurde dann bekannt, dass die Geldmenge im Euroraum im Oktober deutlicher stärker angewachsen ist als erwartet. Nach Angaben der EZB stieg die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von 5,3%, nachdem sie im Vormonat noch bei 4,9% gelegen hatte. Ökonomen hatten „nur“ mit einem Anstieg von 5,0% gerechnet. Im Durchschnitt der Monate August bis Oktober stieg die Geldmenge auf Jahressicht um 5,1% an. Seit dem Frühjahr 2014 hat sich die Wachstumsdynamik der Geldmenge M3 in der Eurozone kontinuierlich beschleunigt und zuletzt auf hohem Niveau gehalten.

Geldmengen- und Kreditentwicklung in der Eurozone

Das lag auch daran, dass mehr Kredite vergeben wurden. Im Oktober waren es 2,3% mehr als im Vorjahresmonat, womit sich auch hier das Wachstum beschleunigte. Im September hatte die Kreditvergabe im Vorjahresvergleich um 2,1% zugelegt. Die Kreditvergabe an Private nahm um 0,9% zu, nach 0,7% im September. Im Mai 2014 hatte die Jahresrate noch mit 2,3% im negativen Bereich gelegen.

Sind weitere EZB-Maßnahmen noch erforderlich?

Vor diesem Hintergrund ist es auch kein Wunder, dass insbesondere einige Vertreter Deutschlands inzwischen weiteren Geldpolitischen Maßnahmen der EZB skeptisch gegenüberstehen. Nach Bundesbank-Präsident Weidmann sprach sich in dieser Woche auch EZB-Direktorin Lautenschläger dagegen aus.

Rohstoffmarkt signalisiert Schwäche im Welthandel

Wir sehen angesichts der positiven Konjunkturaussichten aktuell nur einen einzigen Grund für neue Maßnahmen durch die EZB: die sehr wahrscheinlich am 16. Dezember stattfindende Zinswende in den USA. Denn diese könnte sich auch auf das Zinsniveau in Europa auswirken. Und da wird die EZB gegensteuern wollen. Zudem belastet der durch die anstehende Zinswende der Fed bereits stärker werdende US-Dollar den Rohstoffmarkt, auf dem die Preise für Basismetalle wie Kupfer, Nickel und Aluminium in den vergangenen Tagen erneut Mehrjahrestiefs erreichten. Der Kupferpreis fiel auf den tiefsten Stand seit 2009, Nickel rutschte sogar auf das tiefste Niveau seit 12 Jahren. Und auch mit dem für die Frachtschifffahrt wichtigsten Index ging es kräftig abwärts. Der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Charterraten auf den wichtigsten Seehandelsrouten widerspiegelt, brach alleine seit Mai um 60% ein und rutschte mit unter 500 Punkten sogar auf das Allzeittief seiner 30-jährigen Geschichte.

Baltic Dry Index

Da der Index als Frühindikator für die Entwicklung des Welthandels gilt, signalisiert dieser Einbruch eine Schwäche des weltweiten Wachstums.

Der Druck auf die Inflationsraten zwingt EZB zum Handeln

Und ein weltweit schwaches Wachstum führt zusammen mit sinkenden Rohstoffpreisen dazu, dass die Inflationsrate auch in Zukunft nicht in Richtung der EZB-Zielmarke steigen wird. Daher ist für Ökonomen inzwischen so gut wie sicher, dass die EZB am 3. Dezember noch einmal die Geldschleusen weiter öffnet. Zumal die Notenbanker ihre Hinweise darauf in den vergangenen Tagen wiederholt haben. Und in ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht, den die Anleger gestern bewerten durften, sieht die EZB, ganz im Gegensatz zur Deutschen Bundesbank, trotz der bisherigen Niedrigzinspolitik kaum systemische Risiken für das Finanzsystem. Sie verweist lediglich auf die Gefahr abrupter Veränderungen an den Finanzmärkten. Gemeint dürften damit schnelle und heftige Korrekturbewegungen sein. Und dies passt wiederum zu unserer DAX-Prognose:

 



›› DAX schöpft Restpotential aus
von Sven Weisenhaus

Trotz der positiven Stimmungsindikatoren gab der deutsche Leitindex zu Beginn der Woche zunächst kräftig nach. Grund dafür soll die Verunsicherung der Märkte durch einen Zwischenfall im syrisch-türkischen Grenzgebiet gewesen sein. Ein russischer Kampfjet wurde laut Medienberichten durch die türkische Luftwaffe an der Grenze zu Syrien abgeschossen.

Der DAX fiel daher unter die rote Abwärtslinie zurück (siehe rote Ellipse im folgenden Chart), womit es bei dem Ausbruch über die Linie (grüner Kreis) nach einem Fehlsignal aussah. Doch die Kurse finden sich sehr schnell und konnten im Rahmen der Welle 5 (siehe blaue Ziffern im Chart) deutlich ansteigen.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Und damit sind wir schon beim Kern des charttechnischen Problems. Denn während wir kurzfristig noch im Rahmen dieser Welle 5 Aufwärtspotential sahen (und sehen), waren wir mittelfristig skeptisch für die Aktienmärkte und wiesen auf die erhöhte Gefahr hin, dass es nach einer 5. Elliott-Welle und dem damit abgeschlossenen Aufwärtszyklus zu einer ABC-Korrektur kommt, die den DAX noch einmal in Richtung 10.600 Punkte führen kann.

Zwar hat der DAX inzwischen sein 61,80%-Fibonacci-Retracement bei 11.219,65 Punkten überwunden…

DAX - Fibonacci-Marken

…und damit ein Problem aus dem Weg geräumt, doch geschah dies im Rahmen einer möglichen Keilformation (blaue Linien), …

DAX - Chartanalyse

…die sich so ähnlich auch im Euro STOXX 50 zeigt, womit sich ein neues Problem auftut. Zumal in den US-Indizes S&P500 und Dow Jones (folgender Chart) die „rounding-tops“ nach wie vor noch nicht vom Tisch sind.

Dow Jones - Chartanalyse

Märkte halten sich an unser favorisiertes Szenario

Wir bleiben daher bei dem aus unserer Sicht wahrscheinlichsten Szenario, dass die Kurse nach der EZB-Sitzung, vielleicht noch nach einer Erleichterungsrally, im Hinblick auf eine Zinsanhebung der US-Notenbank Fed am 16. Dezember wieder den Rückwärtsgang einlegen.

Tradingchancen im DAX

Für steigende Kurse im DAX hatten wir Ihnen vor zwei Wochen folgendes Produkt vorgestellt:
DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 3,58, Briefkurs: 31,56 Euro
Durch den Anstieg im DAX ist der Briefkurs von 25,90 Euro über 29,85 Euro vor einer Woche auf nun 31,56 Euro gestiegen – ein Gewinn von über 21% war somit möglich.
Diese Gewinne sollten Sie angesichts des aus unserer Sicht inzwischen stark erhöhten Rückschlagpotentials weiterhin eng absichern. Und wenn Sie von fallenden Kursen im DAX profitieren möchten, könnte folgendes Produkt interessant sein:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 14,5, Briefkurs: 7,77 Euro


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Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Termine der kommenden Woche

(KW 49: Handelswoche vom 30.11.2015 bis 04.12.2015)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 30.11.2015

  • 00:50 - JP Einzelhandelsumsatz Oktober
  • 00:50 - JP Industrieproduktion Oktober
  • 08:00 - DE Einzelhandelsumsatz Oktober
  • 14:00 - DE Verbraucherpreise November
  • 15:45 - EU Volumen der EZB-Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und ABS
  • 15:45 - US Einkaufsmanagerindex Chicago November
  • 16:00 - US Anstehende Hausverkäufe Oktober

Dienstag, 01.12.2015

  • 07:45 - CH BIP 3. Quartal
  • 09:55 - DE Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe November
  • 09:55 - DE Arbeitsmarktdaten November
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Eurozone November
  • 11:00 - EU Arbeitslosigkeit Oktober
  • 15:45 - US Markit Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe November (endgültig)
  • 16:00 - US ISM Index November
  • 16:00 - US Bauausgaben Oktober

Mittwoch, 02.12.2015

  • 11:00 - EU Vorabschätzung Inflation Eurozone November
  • 11:00 - EU Erzeugerpreise Oktober
  • 14:15 - US ADP-Arbeitsmarktbericht November
  • 14:30 - US Arbeitsproduktivität 3. Quartal
  • 14:30 - US Lohnstückkosten 3. Quartal
  • 16:30 - US EIA Ölmarktbericht (Woche)
  • 20:00 - US Beige Book

Donnerstag, 03.12.2015

  • 09:55 - DE Dienstleistungsindex November
  • 10:00 - EU Einkaufsmanagerindex November
  • 11:00 - EU Einzelhandel Oktober
  • 13:45 - EU EZB Sitzungsergebnis
  • 14:30 - EU EZB PK zur Ratssitzung
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 15:45 - US Markit Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor November (endgültig)
  • 16:00 - US ISM Dienstleistungsindex November
  • 16:00 - US Industrieaufträge Oktober
  • 16:30 - US EIA Erdgasbericht (Woche)

Freitag, 04.12.2015

  • 08:00 - DE Auftragseingang Industrie Oktober
  • 14:30 - US Arbeitslosenquote November
  • 14:30 - US Beschäftigte ex Agrar November
  • 14:30 - US Stundenlöhne November

 


 

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