Mini-Crash zum Jahresbeginn - Darum wird China weiter belasten

Inhalt dieser Ausgabe

  1. China sorgt für Mini-Crash zum Jahresbeginn
  2. Chinesische Börsenaufsicht greift ein
  3. Konjunktursorgen um China drücken auch die Ölpreise
  4. Geschichtsträchtige Kursbewegungen im DAX
  5. Termine der kommenden Woche

 

›› China sorgt für Mini-Crash zum Jahresbeginn
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefam vergangenen Mittwoch berichteten wir noch über ein äußerst schwieriges Börsenjahr 2015, das dem bereits sehr anspruchsvollen Jahr 2014 folgte und mit geschichtsträchtigen Kursentwicklungen, wie dem massiven Einbruch des Schweizer Franken, daherkam. Nun können wir nach nur einer Woche im neuen Jahr 2016 schon feststellen, dass auch dieses Jahr in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Mini-Crash zum Jahresbeginn

Noch nie ist der DAX am ersten Handelstag des Jahres so schwach gestartet. Und noch nie wurde der Handel in China so schnell ausgesetzt wie am Donnerstag. Damit wird bereits sehr deutlich, dass die Herausforderungen für Anleger und der Schwierigkeitsgrad für erfolgreiches Investieren wohl noch einige Zeit extrem hoch bleiben werden.

Mini-Crash geht von China aus

Die Märkte gerieten zu Jahresbeginn gleich von vier Seiten unter Druck: von den abermals entfachten Sorgen über einen wirtschaftlichen Abschwung Chinas, dem erneuten Einbruch der Ölpreise, dem nordkoreanischen Test einer vermeintlichen Wasserstoffbombe und der sich verschärfenden Krise zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.
Beunruhigend für die Märkte in China war zudem die rasche Abwertung der chinesischen Währung, die von der Notenbank acht Mal in den vergangenen acht Handelstagen niedriger gefixt wurde.

Geschichtsträchtige Kursbewegungen in China

Dies hatte zur Folge, dass der Aktienhandel in China gleich zwei Mal innerhalb der ersten Handelswoche 2016 ausgesetzt wurde, weil die Märkte drohten, unaufhaltsam einzubrechen. Nachdem der Leitindex CSI 300 am Montag bereits um fast 7% eingebrochen war und entsprechend den gerade erst neu eingeführten Regeln der Handelstag vorzeitig endete, um weitere Verluste zu vermeiden (wir berichteten am Mittwoch), setzte der Handel an der Börse in Shanghai auch am frühen Donnerstagmorgen deutscher Zeit aus demselben Grund aus. Allerdings dieses Mal bereits nach nur 30 Minuten, weshalb dies der kürzeste Handelstag in der 25-jährigen Geschichte der Aktienmärkte Chinas wurde.

Für Charttechniker kam der Einbruch nicht überraschend

Völlig überraschend kamen diese Abschläge für Charttechniker nicht. Vielleicht erinnern Sie sich noch an das Prinzip der Wellengleichheit, über das wir schon mehrfach hier berichtet haben, zuletzt in der Geldanlage-Brief-Ausgabe vom 20.12.2015?! Im Sommer 2015 wirkte sich ein Crash am chinesischen Aktienmarkt auf die Weltbörsen aus. Es folgte eine Marktberuhigung in Form einer Gegenbewegung (grün im Chart). Als diese Konsolidierung im Shanghai Composite Index nun zu Ende ging und der Aufwärtstrendkanal gebrochen wurde, setzten erneut dynamische Kursverluste ein. Diese könnten ähnlich verlaufen, wie die vorangegangenen Abwärtswellen (siehe rote Pfeile).

Shanghai Compoite Index - Kurseinbruch Anfang 2015

Einen Kurseinbruch bis auf ca. 1.500 Punkte erwarten wir zwar aktuell nicht, ein Kursniveau von fast 2.500 Zählern im Shanghai Composite ist aber durchaus realistisch für die kommenden Monate. Die Korrektur in China könnte auch unsere heimischen Börsen noch eine Weile beschäftigen bzw. belasten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Chinesische Börsenaufsicht greift ein
von Sven Weisenhaus

Verhindert werden könnte dies allerdings durch die chinesische Börsenaufsicht, die als erste Reaktion neue Regeln für Großaktionäre beschloss. Aktionäre, die mehr als 5% der Anteile eines Unternehmens halten, dürfen in den kommenden drei Monaten maximal 1% der ausstehenden Aktien verkaufen. Zudem müssen die Verkaufsabsichten 15 Tage im Voraus offengelegt werden. Daneben will die Börsenaufsicht den Handel zukünftig nicht mehr automatisch aussetzen. Der neu eingeführte Mechanismus werde bereits ab heute ausgesetzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am gestrigen Donnerstag berichtete.

Zuvor hatte der Ausverkauf an den asiatischen Aktienmärkten bereits die Währungshüter in Peking auf den Plan gerufen. N-tv berichtete, dass China mit einer energisch dosierten Geldspritze versuchte, die Wogen an den Börsen zu glätten. Die chinesische Notenbank People's Bank of China (PBoC) pumpte demnach frische Mittel im Umfang von umgerechnet 19,9 Milliarden US-Dollar in Form von siebentägigen „Reverse Repos“ mit einem Zinssatz von 2,25% in den Markt. Zusätzlich griff die chinesische Zentralbank auch am Devisenmarkt ein, um ein weiteres Abrutschen des Yuan zu verhindern.

Chinas Reserven schmelzen dahin

Doch derartige Maßnahmen sind inzwischen extrem Teuer für das Land, dessen Reserven im Multimilliardenmaßstab an Höhe verlieren, wie es n-tv so treffend formulierte. Wie die chinesische Notenbank mitteilte, beliefen sich die Währungsreserven der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft im Dezember auf insgesamt noch 3,33 Billionen US-Dollar, was der niedrigste Stand seit drei Jahren ist. Und verglichen mit einem Vormonat November verringerten sich die Reserven um 108 Milliarden Dollar und damit so stark wie noch nie. Im gesamten Jahr 2015 sanken die Devisenreserven um mehr als um eine halbe Billionen Dollar. – Es ist daher fraglich, ob der Staat die Anleger tatsächlich dauerhaft von Verkäufen abhalten kann. Die Kurskapriolen in China könnten auch unsere heimischen Börsen noch eine Weile beschäftigen bzw. belasten.

 



›› Konjunktursorgen um China drücken auch die Ölpreise
von Sven Weisenhaus

Die Probleme in China wirkten sich auch auf die Ölpreise aus, die erneut dynamisch abrutschten. Am Donnerstag sackte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar auf 32,16 US-Dollar und stand damit so tief wie seit April 2004 nicht mehr. Der Preis für US-Öl (WTI) stand zeitweise bei 32,10 US-Dollar und damit so tief wie seit Dezember 2003 nicht mehr.

Bei den Ölpreisen ist übrigens charttechnisch ein ganz ähnlicher Verlauf zu sehen, wie am chinesischen Aktienmarkt (siehe oben). Es sind also ganz typische Kursmuster, die immer wiederkehren.

Rohöl (WTI) - Chartanalyse

Freilich erwarten wir hier keine Preise im negativen Bereich, wie es der rote Pfeil im Chart andeuten könnte. Stattdessen gehen wir auch bei den Ölpreisen, ähnlich wie beim Shanghai Composite Index, von einer kürzeren zweiten Abwärtsbewegung aus. Zudem erwarten wir unverändert schon sehr bald eine deutliche Gegenbewegung.

Extrem hohes Angebot belastet fundamental die Ölpreise

Doch aktuell drückt neben der Chinaproblematik das extrem hohe Angebot noch auf die Notierungen. Wie laut Handelsblatt, das sich auf die Nachrichtenagentur Bloomberg bezieht, die neuesten Statistiken des amerikanischen Energieministeriums belegen, haben sich die Reserven der Vereinigten Staaten allein in der vergangenen Woche um 10,6 Millionen Barrel auf 232 Millionen Barrel erhöht. Das wäre der höchste Anstieg in einer Woche seit 1993. Allein im größten Öllager der USA, in Cushing im Bundesstaat Oklahoma, hätten sich die Vorräte in der vergangenen Woche um 1,37 Millionen Fässer erhöht. Das geht laut Handelsblatt aus einem Bericht des American Petroleum Institute hervor. Analysten der Schweizer Bank UBS schätzen, dass sich die gesamten Vorräte damit mehr als 130 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Schnitt hielten. – Aktuell erwartet niemand stark steigende Ölpreise. Oft passiert dann das Gegenteil.

Tradingchancen im Ölpreis

Für steigende Ölpreise (Brent) erscheint folgendes Produkt geeignet: Brent Crude Oil Future (ICE) X-pert Zertifikat, WKN: DB3CTQ, Briefkurs: 19,65 Euro
Sollten Sie von weiter fallenden Ölpreisen (Brent) ausgehen, könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten: Faktor 2x Short Brent Future Index-Zertifikat, WKN: DT2BST, Hebel: 2, Briefkurs: 529 Euro


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›› Geschichtsträchtige Kursbewegungen im DAX
von Sven Weisenhaus

Einbrechende Kurse in China und am Ölmarkt – dem konnte sich der Dax natürlich nicht entziehen. Er sackte am ersten Handelstag des neuen Jahres in der Spitze um mehr als 4% ab und musste damit den größten Jahresauftaktverlust in seiner Geschichte hinnehmen. Selbst wenn man die bis 1959 zurückgerechnete Kurshistorie des DAX berücksichtigt, sahen wir am Montag den zweitgrößten Kursrückgang an einem Jahresbeginn. Zudem war das der größte Kursrutsch seit dem 24. August 2015, als ebenfalls die Sorge um Chinas Konjunktur den DAX zeitweise um fast 8% einbrechen ließ.

DAX folgte dem angepassten Elliott-Wellen-Szenario

Insgesamt hat der DAX in den vergangenen Tagen bis zum Tief bei 9.810 Punkten vom Schlusskurs des Vorjahres (10.743) satte 8,7% verloren. Damit hat das wichtigste deutsche Börsenbarometer bereits einen Großteil seines Jahresgewinns 2015 (9,57%) eingebüßt. Und es folgte damit dem angepassten Elliott-Wellen-Szenario, welches wir unseren Abonnenten des „Geldanlage Premium Depot“ in einer Depotinformation am Montag präsentiert hatten. Da hatten wir das Tief der Welle C genau bei 9.800 Punkten gesehen.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Und auch hier sieht man übrigens genau den Korrekturverlauf, der auch in den beiden Charts oben (Shanghai Composite, Ölpreis) zu erkennen ist. – Wie gesagt: Es sind ganz typische Kursmuster, die immer wiederkehren.

Fazit

Sowohl im „Geldanlage Premium Depot“ als auch hier im Geldanlage-Brief haben wir wiederholt mahnende Worte zum DAX formuliert. Weil der DAX an den roten Abwärtslinien scheiterte und es dabei zu einer Überschneidung gekommen war, musste man aus unserer Sicht bereits vorsichtig werden. Zudem hatten wir mehrfach die fundamentalen Risiken betont und zudem noch auf die möglichen „rounding tops“ in den US-Indizes hingewiesen (siehe u. a. „US-Indizes wechseln in den Korrekturmodus“). Entsprechend skeptisch sahen wir den mangelnden Aufwärtsdrang im DAX zum Jahresende und die Kursschwäche zum Jahresstart. Dazu hatten wir Ihnen die passenden Produkte vorgestellt:

Tradingchancen im DAX

Für weiter fallende Kurse im DAX hatten wir Ihnen folgendes Tradinginstrument wiederholt vorgestellt, nach dem 20. Dezember (damals noch zu einem Kurs von 14,75 Euro) erneut am vergangenen Mittwoch (zu 17,55 Euro): DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 4,57, Briefkurs: 21,47 Euro. Gewinne in Höhe von 45,6% bzw. 22,3% wären möglich gewesen. Sagen Sie also nicht, wir hätten Sie nicht ausreichend vorbereitet.

Für eine nun wahrscheinlich werdende Gegenbewegung im DAX erscheint folgendes Produkt geeignet: DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 5,69, Briefkurs: 17,12 Euro


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›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 02: Handelswoche vom 11.01.2016 bis 15.01.2016)


Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Montag, 11.01.2016

  • 15:45 - EU Volumen der EZB-Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und ABS

Dienstag, 12.01.2016

  • 00:50 - JP Kreditvergabe Dezember

Mittwoch, 13.01.2016

  • 00:50 - JP Geldmenge M2 Dezember
  • 11:00 - EU Industrieproduktion November
  • 16:30 - US EIA Ölmarktbericht (Woche)
  • 20:00 - US Staatshaushalt Dezember
  • 20:00 - US Beige Book der Fed

Donnerstag, 14.01.2016

  • 08:00 - DE Großhandelspreise Dezember
  • 10:00 - DE BIP 2015
  • 13:00 - GB BoE Sitzungsergebnis
  • 14:30 - US Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
  • 14:30 - US Importpreise Dezember
  • 16:30 - US EIA Erdgasbericht (Woche)

Freitag, 15.01.2016

  • 08:00 - DE Großhandelspreise Dezember
  • 14:30 - US Erzeugerpreisindex Dezember
  • 14:30 - US Einzelhandelsumsatz Dezember
  • 14:30 - US NY Empire State Index Januar
  • 15:15 - US Industrieproduktion Dezember
  • 15:15 - US Kapazitätsauslastung Dezember
  • 15:55 - US Verbraucherstimmung Uni Michigan Januar
  • 16:00 - US Lagerbestände November

 


 

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