METRO – Aufspaltung hebt Börsenwert

Inhalt dieser Ausgabe

  1. METRO GROUP – Aufspaltung hebt Börsenwert
  2. METRO-Aktie – Wie hoch ist das Kurspotential?
  3. METRO GROUP – Unternehmensgeschichte

 

›› METRO GROUP – Aufspaltung hebt Börsenwert
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin schon fast verlässlicher Regelmäßigkeit hat zuletzt ein Unternehmen nach dem anderen angekündigt, sich aufspalten zu wollen. In der vergangenen Woche folgte die METRO den Beispielen von E.ON, RWE und Bayer.

Der Handelsriese möchte sich in zwei eigenständige börsennotierte Gesellschaften aufteilen. Das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft um die Cash & Carry-Märkte und die Real-Supermärkte soll in eine eigene Gesellschaft abgespalten und damit von der Elektronikhandelskette Media-Saturn, die unter neuem Namen in der METRO verbleinen soll, getrennt werden und ab Mitte 2017 eigene Wege gehen. Ziel der Aufspaltung ist es, beiden Bereichen neue Wachstumsperspektiven zu eröffnen und den Börsenwert deutlich zu steigern. Das teilte der Düsseldorfer Konzern am vergangenen Mittwoch mit.

Olaf Koch und Pieter Haas – die Steuermänner der neuen Unternehmen

Pieter Haas, aktuell Geschäftsführungsvorsitzende der Media-Saturn-Holding, soll auch zukünftig den Consumer Electronics-Bereich führen. Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender der METRO GROUP, soll die Leitung des ausgegliederten Großhandels- und Lebensmittel-Geschäfts übernehmen. Zu der Aufspaltung sagte er: „Unsere Aktionäre würden Anteile an zwei hervorragend positionierten Marktführern erhalten, die sich noch stärker auf ihre jeweiligen Geschäfte konzentrieren und dadurch noch größeren Wert für Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner schaffen würden.“ Er betonte, dass die Sparten unabhängig voneinander dynamischer und effizienter agieren und ihr Wachstum beschleunigen könnten.

Aufspaltung als Lösung des langjährigen Streits?

Durch eine Abspaltung könnte es auch zu einer Lösung im langjährigen Streit mit dem Media-Saturn Minderheitsaktionär Erich Kellerhals kommen. METRO hält bei Europas größtem Elektronikhändler zwar drei Viertel der Anteile, kann aber dennoch nicht durchregieren, weil der letzte verbliebene Firmengründer Erich Kellerhals fast 22 Prozent der Anteile an der Media-Saturn-Holding hält und zudem über ein weitgehendes Veto-Recht in der Gesellschafterversammlung verfügt.

Überworfen hatte man sich vor fünf Jahren wegen einer geplanten Einrichtung eines Beirats, der weitgehend die Befugnisse des Gesellschafter-Ausschusses übernehmen sollte. Während die METRO nach eigenem Bekunden damit die „quälend langen Entscheidungsprozesse“ verkürzen wollte, sah sich Kellerhals seines Vetorechts beraubt.

Streit verhindert Neu-Ausrichtung im Online-Handel

Zwischen der METRO-Leitung und Kellerhals besteht stets Uneinigkeit über die Ausrichtung des Elektronikhandels. Gestritten wird – auch vor Gericht – unter anderem über die Besetzung von Führungspositionen. Der Versuch, Haas per einstweiliger Verfügung absetzen zu lassen, ist kürzlich erst gescheitert. Auch fast jede strategische Entscheidung, insbesondere mit dem Blick auf den Online-Handel, in dem Media-Saturn immer noch eine nachgeordnete Rolle spielt, wird zum Streitpunkt. Dies ist besonders bedenklich, weil sich gerade der Handel mit Elektronikartikeln immer mehr ins Internet verlagert. Während 2008 in dieser Warengruppe 9 Prozent der Umsätze über das Netz getätigt wurden, sind es heute weit über 20 Prozent. Der Anteil von Media-Saturn daran lag im vergangenen Geschäftsjahr jedoch nur bei rund 8 Prozent.

Entscheidung über Aufspaltung ist noch nicht endgültig

Bei einer eigenständigen Aufstellung von Media-Saturn und einer Neuordnung der Beteiligungsverhältnisse könnte eine Befriedigung des Dauerstreits erreicht werden. Noch sei aber weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine endgültige Entscheidung gefallen. Die Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim unterstützen aber laut der Unternehmensmeldung das Vorhaben.

SAT.1 NRW-Interview über „METRO-Aufspaltung“

Auch aus meiner Sicht macht es Sinn, nicht weiter an der bestehenden Struktur festzuhalten. Denn zwischen den beiden Unternehmenssparten gibt es nur sehr wenige operative Überschneidungen und sehr wenige Synergien.

Selbiges habe ich am Tag der Unternehmensmeldung dem TV-Sender SAT.1 NRW in einem kurzen Interview mitgeteilt. Wenn Sie das Interview interessiert, klicken Sie hier!
(Bei der Bearbeitung wurde mein Vorname verwechselt - also nicht wundern - ich heiße immer noch Sven Weisenhaus.)

Interview zur METRO-Aufspaltung

Aktienkurs macht Freudensprung

Auch die Aktionäre scheinen die Pläne positiv zu werten. Denn während die Stückaktie seit Jahren zwischen 73 Euro in 1999 und 16,50 Euro Anfang 2003 pendelt, stieg sie nach Bekanntgabe der Spin-Off-Pläne um 14 Prozent auf 28 Euro.

Kursentwicklung der Metro-Stückaktie

Ähnlich erging es der Vorzugsaktie, die langjährig zwischen 60 und 18 Euro seitwärts läuft und am vergangenen Mittwoch um 12 Prozent auf fast 24 Euro empor schnellte.

Kursentwicklung der Metro-Vorzugsaktie

Offenbar sehen auch die Aktionäre in zwei eigenständigen Unternehmen einen höheren Wert als in dem aktuellen Gemischtwarenladen.

METRO-Aktie – Wie hoch ist das Kurspotential?

Die METRO GROUP, die bis September 2012 auch im DAX enthalten war, zählt zu den bedeutendsten internationalen Handelsunternehmen. Sie ist in 29 Ländern an über 2.000 Standorten tätig und beschäftigt mehr als 220.000 Mitarbeiter. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung rund 9,5 Milliarden Euro. Es stellt sich jedoch die Frage, wie viel ein solches Unternehmen an der Börse wert sein kann oder sollte, insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Aufspaltung und Neu-Ausrichtung. Hat die Aktie noch Potential oder ist mit dem Kurssprung nun schon sämtliche Fantasie eingepreist? Antworten auf diese Fragen liefert Ihnen nachfolgend Sascha Huber.


Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› METRO-Aktie – Wie hoch ist das Kurspotential?
von Sascha Huber

Unternehmensprofil

Die Metro Group (vormals: Metro AG) ist die Muttergesellschaft mehrerer Groß- und Einzelhandelsunternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf. Das Unternehmen, das weltweit mit seinen Vertriebsmarken in mehr als 30 Ländern aktiv ist, beschäftigte zuletzt rund 230.000 Mitarbeiter (2011 waren es allerdings noch knapp 300.000), davon ca. 40% in Deutschland.

Geschäftszahlen und zukünftige Entwicklung

Im Geschäftsjahr 2013/2014 erzielte Metro einen Jahresumsatz von gut 63 Mrd. Euro sowie ein EBIT von knapp 1,12 Mrd. Euro (EBIT-Marge: knapp 1,8%). 2014/2015 sank der Umsatz um gut 6% auf ca. 59,2 Mrd. Euro bei einem EBIT von nur noch 541 Mio. Euro (EBIT-Marge: ca. 0,9%).

Geschäftszahlen der METRO

Die Geschäftszahlen für 2015/2016 liegen natürlich noch nicht vor, allerdings verlief der Start in das noch laufende Geschäftsjahr nach Aussagen des Managements durchaus zufriedenstellend.

Die Verteilung von Umsatz und Gewinn auf die beiden Konzernsparten zeigen dabei deutlich, warum sich der Vorstand zur Aufspaltung des Unternehmens entschieden haben dürfte. So steht das klassische Kerngeschäft zwar für mehr als 60% des Umsatzes und Gewinns, allerdings wächst dieser Bereich kaum noch. Ja, angesichts der Tatsache, dass der deutsche Lebensmittelmarkt als härtester Markt der Welt gilt (selbst Weltmarktführer Wal-Mart musste sich hier zurückziehen), stehen die ohnehin sehr geringen Margen sogar unter verstärktem Druck.

Ganz anders sieht dies bei Media Markt, Saturn und besonders redcoon aus, die trotz Profitabilität dynamisch wachsen. Dabei profitieren Media Markt und Saturn, trotz der leider regelmäßigen Streitereien mit Gründer und Minderheitsaktionär Erich Kellerhals von der sehr erfolgreichen Auslandsexpansion, wohingegen die Geschäfte bei redcoon vom Megatrend eCommerce befeuert werden. Dabei steht redcoon zwar einerseits unter starkem Druck vom weltgrößten eCommerce-Konzern Amazon, ist diesem jedoch in Sachen Cross-Selling sogar einen Schritt voraus. So hat Amazon zuletzt angekündigt erstmals auch in den stationären Handel durch Eröffnung eigener Geschäfte einzusteigen, was Metro durch die Zusammenarbeit von Media Markt und Saturn mit redcoon bereits verwirklicht hat. Umso spannender erscheint somit die weitere Entwicklung dieser Unternehmenssparte.

Umsatz- und Gewinnschätzungen bis 2016/2017

Auf Basis der bisher verfügbaren Informationen sowie unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Analystenerwartungen rechne ich für das laufende Geschäftsjahr 2015/2016 mit einem Jahresumsatz in Höhe von knapp 58,8 Mrd. Euro (-0,7%) bei einem EBIT von knapp 1,5 Mrd. Euro (+174%). Für das kommende Geschäftsjahr 2016/2017 kalkuliere ich dann mit einem Jahresumsatz von 59,8 Mrd. Euro (+1,7%) bei einem EBIT von knapp 1,6 Mrd. Euro (+6,9%). Weiter in die Zukunft möchte ich derzeit angesichts der jetzt angekündigten Aufspaltung des Konzerns noch nicht schauen.

Erwartete Geschäftszahlen der METRO

Aktuelle Bewertung

Nach der Ankündigung der Aufspaltung des Konzerns ist die Aktie des Unternehmens zuletzt deutlich gestiegen, so dass das Unternehmen an der Börse jetzt knapp 9 Mrd. Euro wert ist. Demgegenüber steht ein Konzernumsatz von immerhin rund 60 Mrd. Euro sowie ein EBIT um die 1,5 Mrd. Euro respektive ein Gewinn je Aktie von 1,95 Euro.

Somit ergibt sich für die Aktie ein aktuelles KUV von ca. 0,15 sowie ein aktuelles KGV von 14. Dies ist trotz des Kurssprungs zuletzt noch immer vergleichsweise günstig, denn:

Das klassische Geschäft (Großhandel, Lebensmittel-Einzelhandel) dürfte – vergleicht man es mit der Bewertung von Unternehmen wie Carrefour oder Wal-Mart (KGVs zwischen 14 und 16) – eigentlich einen Wert von mindestens 6,0 bis 6,5 Mrd. Euro aufweisen.

Hinzu addiert sich dann noch der Wert des Non-Food-Bereichs mit Media Markt, Saturn und redcoon, den man im Peer-Group-Vergleich recht konservativ auf 4,0 bis 4,5 Mrd. Euro beziffern kann. Zusammen dürfte der Wert der beiden Konzernteile somit zwischen 10,0 und 11,0 Mrd. Euro liegen, was einem Aktienkurs zwischen knapp 31,00 und 34,00 Euro entsprechen würde. Dies wiederum entspricht einem Kurspotenzial von durchschnittlich rund +16%. Hinzu kommt darüber hinaus auch noch eine aktuell wohl recht sichere Dividende in Höhe von 4% p.a, die im aktuellen Nullzins- bzw. Negativzinsumfeld ebenfalls nicht zu verachten ist.

Erwartete Geschäftszahlen der METRO

Fazit

Die Metro war zuletzt ein Unternehmen, das unter Führung des nüchternen Zahlenmenschen Olaf Koch als CEO sehr klar strukturiert aufgestellt wurde. Nun wagt der CEO den nächsten logischen Schritt und spaltet den Konzern auf, was positiv zu werten ist. Denn ähnlich wie bei der durch Carl Icahn betriebenen Aufspaltung von eBay in eBay und PayPal kommt es auch bei der Aufspaltung der Metro in Metro und MediaSaturn zu einer Trennung von Value und Growth.

Dabei ist die Metro das nur wenig wachstumsstarke Handelsunternehmen, das wohl auch in Zukunft eher für Dividendenfreunde interessant sein dürfte. MediaSaturn hingegen dürfte sich als Wachstumsunternehmen am Markt positionieren, dass aufgrund noch einige Zeit notwendiger Investitionen in das eigene Wachstum eine deutlich weniger aktionärsfreundliche Dividendenstrategie fahren sollte.

Durch die Aufspaltung wird diese unterschiedliche Entwicklung deutlich, so dass Investoren die beiden neu entstehenden Unternehmen viel besser bewerten können. Dabei ist zu erwarten, dass eher dem Value-Investing zugeneigte institutionellen Anleger in die neue Metro-Aktie investieren dürften, wohingegen die wachstumsorientierten institutionellen Anleger die Aktie von MediaSaturn bevorzugen sollten.

Alles in allem ist die alte Metro-Aktie daher im Zuge der angekündigten Aufspaltung zu Recht angesprungen, denn die beiden neuen Unternehmen dürften zusammen mehr Wert sein als der alte Konzern. Ich würde daher die Chance nutzen und die alte Metro-Aktie zu Kursen um 27 Euro einsammeln. Das Kursziel sehe ich bei mindestens 32,50 Euro auf Sicht der nächsten 12 Monate zzgl. einer ansehnlichen Dividende.

Dabei würde ich einen Stoppkurs knapp unterhalb der Marke von 24,00 Euro platzieren, der m.E. jedoch wohl nicht zur Ausführung kommen wird. Allerdings eignet sich die Aktie aufgrund der Aufspaltung nicht für konservative Anleger. Denn spätestens nach deren Vollzug müssen Sie sich eigentlich entscheiden, ob sie zukünftig auf die Value-Aktie Metro oder die Growth-Aktie MediaSaturn setzen möchten.

Obwohl ich persönlich dem Value-Investing nach Warren Buffett sehr zugeneigt bin, wäre meine persönliche Entscheidung dabei klar und ich würde MediaSaturn vorziehen. Denn das Problem auch der neuen Metro ist in meinen Augen, dass auch diese immer noch eine Art Gemischtwarenladen ist.

Erst eine nochmalige Aufspaltung in Metro und real respektive eine komplette Abspaltung und Trennung der mit extrem dünnen Margen operierenden real würde die Metro-Aktie m.E. so attraktiv machen, dass ich sie mir genauer ansehen würde. Bis dahin bevorzuge ich persönlich aus dem Einzelhandelssektor eher US-amerikanische Titel wie Dollar General, Macy's oder TJX Companies.

Tradingchancen zur METRO

Für eine anhaltende Gegenbewegung im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein:
METRO WAVE Unlimited Call, WKN: DX0QUD, aktueller Hebel: 2, Briefkurs: 1,34 Euro

Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
METRO WAVE Unlimited Put, WKN: DT0ZEU, aktueller Hebel: 2, Briefkurs: 1,32 Euro


Brauchen Sie Unterstützung bei der Umsetzung dieser Trades? Sie möchten wissen, wann und wie wir mit der Situation im DAX umgehen? Dann testen Sie unseren Börsendienst „
Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement. Melden Sie sich jetzt hier an.

 



›› METRO GROUP – Unternehmensgeschichte
von Sascha Huber

Gründung

Der heutige Konzern entstand letztlich aus dem erst am 8. November 1963 in Essen-Vogelsheim gegründeten ersten Metro SB-Großmarkt, der bis zum heutigen Tag existiert. Der lange Zeit als Wurzel des Unternehmens angenommene SB-Großmarkt in Mülheim an der Ruhr war hingegen bereits der zweite Laden.

Gründungsgesellschafter der Metro waren die beiden Brüder Ernst Schmidt und Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck. Der Name „Metro“, wohl abgeleitet von Metropole, war eine Idee von Schmidt-Ruthenbeck und wurde frühzeitig in Abstimmung mit dem Hollywoodstudio Metro-Goldwin-Mayer (MGM) als Marke geschützt. Das Geschäftsmodell der Metro (Selbstbedienungs-Großhandel) wurde dabei von den beiden Brüdern erfolgreich aus den USA nach Deutschland importiert.

Expansionsphase

1964, ein Jahr nach der Eröffnung des ersten Metro-Marktes in Essen, plante die Firma Stöcker & Reinshagen (Inhaber: Familie Schell) in der Nachbarstadt Mülheim an der Ruhr ebenfalls einen solchen SB-Großmarkt. Noch während der Bauphase lernten sich die Kaufleute Schmidt-Ruthenbeck, Schmidt und Schell kennen und beschlossen ihre Geschäftsaktivitäten zusammenzulegen. So kam es zur Gründung der Metro SB-Großmärkte GmbH & Co. KG mit Sitz in Mülheim an der Ruhr. Zum alleinverantwortlichen Geschäftsführer wurde Otto Beisheim, der bis dato als Prokurist der Firma Stöcker & Reinshagen tätig war, bestimmt.

1966 wurde dann in West-Berlin der dritte Metro-Markt eröffnet. Zufällig lernte Otto Beisheim auf einem Flug von West-Berlin nach Düsseldorf Friedrich Wilhelm Lenz, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Franz Haniel & Cie. GmbH in Duisburg, kennen und berichtete ihm von Metro. Da sich die beiden angesehenen Ruhrpott-Unternehmerfamilien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck ohnehin einander respektierten und vertrauten, gelang es Beisheim schließlich auch Haniel als Gesellschafter für die Metro zu gewinnen. So gehörte das Unternehmen schließlich zu je einem Drittel der Familie Schmidt-Ruthenbeck sowie den Gesellschaftern Beisheim und Haniel. Mit den Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck im Rücken gelang Beisheim schließlich die weitere Expansion des jungen Unternehmens, sowohl innerhalb Deutschlands als auch ab Ende der 1960er Jahre erstmals im Ausland (konkret: in den Niederlanden).

Große Konsolidierungsphase um den Jahrtausendwechsel herum

Im Laufe der Jahre entwickelte sich so immer mehr ein Konglomerat, so dass der Konzern um den Jahrtausendwechsel neu aufgestellt werden musste. So wurden bereits 1998 die Adler Modemärkte (späterer Börsengang), die beiden Computerhandelsunternehmen Maxdata (späterer Börsengang am Neuen Markt) und Vobis, der Discounter Tipp, der Möbelhändler Möbel Roller, die Schuhhandelskette Reno sowie einige unrentable Kaufhof-Filialen (nach dem Zusammenschluss mit Kaufhof im Jahr 1996) in das zusammen mit der Deutschen Bank gegründete Beteiligungsunternehmen Divavo KG eingebracht, um so neue Käufer zu finden. Dabei gerieten die Bilanzierungspraktiken der Divaco KG zeitweise heftig in die Kritik, was letztlich zur Abwahl des langjährigen Abschlussprüfers führte.

Ende 2003 trennte sich die inzwischen in Metro Group umbenannte Gesellschaft zum Preis von nur einem Euro schließlich endgültig von ihrer Beteiligung an der Divaco KG, nur um 2004 die Adler Modemärkte wieder zurückzukaufen. 2005 verabschiedete man sich dann aus dem Baumarktgeschäft durch den Börsengang der Tochtergesellschaft Praktiker AG (inzwischen insolvent), in die man zuvor noch die Extra Bau+Hobby und Top-Bau Baumärkte eingebracht hatte. Mitte 2006 übernahm Metro die 85 deutschen Supermärkte der in Deutschland wenig erfolgreichen US-amerikanischen Wal-Mart und gliederte diese in ihre real-Supermarktkette ein. 2009 trennte man sich erneut von den Adler Modemärkte und verkaufte diese an die Beteiligungsgesellschaft BluO.

Ende des Jahres 2011 übernahm der bis dato als Finanzvorstand agierende Olaf Koch den Posten des CEOs von Eckhard Cordes. Grund für den Wechsel auf dem Spitzenposten war sicherlich unter anderem die lange Zeit geplante, aber letztlich nie vollzogene, Fusion von Karstadt und Kaufhof zur Deutschen Warenhaus AG. Bereits wenige Monate nach dem Amtsantritt des neuen CEOs Olaf Koch musste die Aktie jedoch aus dem DAX in den MDAX absteigen.

Aufstellung des Konzerns zuletzt

Mitte 2015 veräußerte Metro daher seine Warenhaustochter Kaufhof für 2,8 Mrd. Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay. Übrig geblieben ist so zuletzt ein schlankerer Konzern mit einer klaren Gliederung. So stehen auf der einen Seite die klassischen Geschäfte der Metro AG (Großhandel, Lebensmittel-Einzelhandel) mit den Marken Metro, makro und real sowie auf der anderen Seite der Non-Food-Bereich mit den Marken Media Markt, Saturn und redcoon (Konsumentenelektronik).

In dieser Woche wagte CEO Olaf Koch daher endgültig den bereits lange erwarteten Schritt und kündigte die Aufspaltung des Unternehmens an. Dies erscheint schon deshalb logisch, weil die beiden Geschäftsbereiche so gut wie keinerlei Synergien boten und auch nicht zu erwarten ist, dass sich dies zukünftig ändern wird (denn was haben Lebensmittel und Konsumentenelektronik schon miteinander zu tun?).

 


 

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...