Fünf Faktoren begründen DAX-Schwäche

Inhalt dieser Ausgabe

  1. DAX bestätigte bärische Prognose
  2. Euro-Stärke, Öl-Schwäche und US-Indizes in Flaggenformation
  3. Hinweise auf frühere Zinsanhebung der Fed
  4. Interview bei „Der Aktionär TV“
  5. Termine der kommenden Woche

 

›› DAX bestätigte bärische Prognose
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin dieser Woche ist die Konsolidierung im DAX in eine Korrektur übergegangen. Vor einer Woche hatten wir davor gewarnt, dass der DAX seine Seitwärtsrange nach unten auflösen könnte. Denn angesichts der charttechnischen Situation der US-Indizes – sie hatten das obere Ende potentieller Flaggenformationen erreicht – erschien uns dieses bärische Szenario als das wahrscheinliche.

Als Grund für die anhaltende relative Schwäche des deutschen Leitindex gegenüber den US-Indizes hatten wir den Euro ausgemacht, der zum US-Dollar Stärke zeigte. Heute werde ich Ihnen vier weitere Faktoren nennen, die für die aktuellen Kursverluste im DAX verantwortlich gemacht werden können.


Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Euro-Stärke, Öl-Schwäche und US-Indizes in Flaggenformation
von Sven Weisenhaus

Mit zwei großen Abwärtslücken (rote Pfeile im folgenden Chart) hat der DAX unsere zuletzt bärischen Erwartungen bestätigt. Über die erste Abwärtslücke, die zu einem Ausbruch aus der kurzfristigen Flaggenformation geführt hatte, berichteten wir bereits in der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom vergangenen Sonntag (siehe „Bärischer Ausbruch im DAX“). Zwar konnte sich der DAX am Montag noch einmal zurückarbeiten, doch noch am selben Tag rutschten die Kurse erneut unter die Aufwärtslinie. Und am nächsten Tag wurden die bearishen Signale durch eine zweite Abwärtslücke und ein dadurch verursachtes neues Trendtief bestätigt.

DAX - Ausbruch aus einer Flaggenformation

Zur Euro-Stärke kommt Öl-Schwäche

Grund für die DAX-Schwäche war neben dem starken Euro (siehe „Bärischer Ausbruch im DAX“) ein erneut schwächelnder Ölpreis. Schon seit Mitte März tendiert das schwarze Gold wieder abwärts, der Trend hatte sich aber Anfang April verschärft. In nur zwei Handelstagen verlor der Ölpreis der Sorte Brent fast 7 Prozent. Seit dem Hoch am 18. März waren es zwischenzeitig fast 14 Prozent.

Rohöl der Sorte Brent seit Mitte März unter Druck

Ölpreis bestätigt Abwärtstrendkanal

Und die Verluste kamen aus charttechnischer Sicht nicht überraschend. Denn mit dem März-Hoch hatte der Kurs exakt das obere Ende eines Trendkanals erreicht. Entsprechend musste man dort mit einem Rücksetzer rechnen.

Rohöl der Sorte Brent im Abwärtstrendkanal

Daher passt die Entwicklung des Ölpreises recht gut zum Ende der jüngsten Aufwärtsbewegung im DAX: Unser heimischer Leitindex bildete zeitgleich mit dem Hoch im Ölpreis durch nur noch moderat steigende Hochs die kurzfristige Flaggenformation aus, aus der er dann mit der steigenden Abwärtsdynamik des Ölpreises nach unten ausgebrochen ist.

Euro-Stärke, Öl-Schwäche und US-Indizes in Flaggenformation

Erinnern Sie sich noch an den Geldanlage-Brief vom 20. März? Der Titel der Ausgabe lautete „Euro-Stärke wird zur DAX-Schwäche“. Nun gesellte sich also zur Euro-Stärke noch eine Öl-Schwäche. Und dann darf man die Flaggenformationen in den US-Indizes nicht vergessen (siehe „Bärischer Ausbruch im DAX“), die mit den auch dort in dieser Woche gesehenen Kursverlusten weiter Form angenommen haben. Diesem Druck konnten die DAX-Bullen nicht standhalten. Sie mussten den Bären das Feld überlassen, die im DAX deutliche Spuren interlassen haben.

Als DAX-Anleger müssen wir also derzeit an drei Fronten kämpfen: Neben dem EUR/USD-Wechselkurs muss man auch den Ölpreis und die US-Indizes im Auge behalten. Ein schwacher Euro könnte dem DAX wieder auf die Beine helfen, aber nur, wenn der Ölpreis und die US-Indizes nicht weiter fallen. Steigt der Ölpreis, könnten sich die US-Indizes erholen. Davon könnte auch der DAX profitieren, aber nur wenn der Euro nicht weiter zulegt. Grünes Licht erhält der DAX also derzeit eigentlich nur, wenn der Euro nicht weiter zulegt, der Ölpreis nicht weiter fällt und die US-Indizes ihre jüngst eingeschlagene Abwärtsbewegung schnell abbrechen.

Zwischenfazit

Neben dem Euro muss man jüngst wieder verstärkt den Ölpreis im Auge behalten. Dieser hat innerhalb des Trendkanals theoretisch sogar Abwärtspotential bis auf ein neues Trendtief unter 29 USD. Bricht er aber in kürze die Abwärtstrendkanallinie, dürfte sich dieser Belastungsfaktor in einen Kurstreiber wandeln.

Da der DAX unter 9.750 Punkte und damit aus der Seitwärtsrange (dunkelblau im folgenden Chart) gerutscht ist, gilt das kurzfristige Chartbild gemäß unseren vorangegangenen Analysen als angeschlagen bzw. bärisch.

DAX - Ausbruch aus einer Seitwärtsrange

Erst eine Rückkehr über diese Marke würde das Bild wieder aufhellen. Wobei es sich dann auch lediglich um ein Schließen der zweiten Abwärtslücke (rote Pfeile im Chart oben) handeln kann. Eine Rückkehr in die Flagge (grün im DAX-Chart oben) bzw. Kurse oberhalb von 9.860 Punkten wären also besser. Klar bullisch wird es sogar erst wieder bei Kursen oberhalb von 10.150 Punkten, also bei einem neuen Trendhoch.

Tradingchancen im DAX

Für eine anhaltende Aufwärtsbewegung im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein: DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 6,94, Briefkurs: 13,99 Euro

Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 4,19, Briefkurs: 23,03 Euro

Tradingchancen im Ölpreis

Für eine Aufwärtsbewegung im Ölpreis könnte folgendes Produkt interessant sein:
Brent Crude Oil Future (ICE) WAVE XXL Call, WKN: XM93XJ, aktueller Hebel: 2,34, Briefkurs: 15,58 Euro

Für weiter fallende Kurse im Ölpreis könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
Brent Crude Oil Future (ICE) WAVE XXL Put, WKN: XM9TV3, aktueller Hebel: 11,77, Briefkurs: 3,17 Euro


Brauchen Sie Unterstützung bei der Umsetzung dieser Trades? Sie möchten wissen, wann und wie wir mit der Situation im DAX umgehen? Dann testen Sie unseren Börsendienst „
Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement. Melden Sie sich jetzt hier an.

 



›› Hinweise auf frühere Zinsanhebung der Fed
von Sven Weisenhaus

Mit dem starken Euro, dem schwachen Ölpreis und den Flaggenformationen in den US-Indizes haben wir bereits drei Faktoren ausgemacht, die den DAX belasten können. Doch damit nicht genug: Für Nervosität unter Investoren sorgten in dieser Woche zudem Aussagen des US-Notenbankers Eric Rosengren. Dieser zeigte sich überrascht, dass die Finanzmärkte bislang lediglich von einer oder zwei Zinsanhebungen im laufenden Jahr ausgehen.

(Zur Erinnerung: Vor einer Woche berichteten wir, dass eine US-Leitzinserhöhung im April am Terminmarkt nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent erwartet wurde. Und die Wahrscheinlichkeit eines Juni-Zinsschrittes wurde nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 31 nach zuvor 38 Prozent eingepreist. Eine Bloomberg-Umfrage unter Devisen-Händlern kam zu ähnlichen Ergebnissen.)

Aus Sicht von Rosengren könnten sich diese Einschätzungen als falsch herausstellen, womit er recht deutlich auf eine baldige Zinserhöhung hinwies. Doch niedrige Zinsen sowie die damit einher gehende hohe Liquidität sind nach wie vor Kurstreiber. Hinweise auf steigende Zinsen sind dementsprechend ein weiterer Belastungsfaktor für den DAX.

Dass es tatsächlich zu einer baldigen Zinsanhebung durch die US-Notenbank Fed kommt, ist mit Blick auf die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA gar nicht so unwahrscheinlich.

US-Arbeitsmarkt zeigt sich sehr stabil

Am vergangenen Freitag wurde gemeldet, dass im Monat März 215.000 neue Stellen in den USA geschaffenen wurden. Zwar stieg dabei die in einer separaten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote von 4,9 auf 5,0 Prozent, die Erwerbsquote legte aber auf 63,0 Prozent weiter zu, auch wenn der Anstieg seit dem Tief nach der Finanzkrise (September 2015: 62,4 Prozent) nach wie vor recht schleppend verläuft. Das Wachstum der Stundenlöhne im Vergleich zum Vorjahresmonat verharrte bei 2,3 Prozent. Die Arbeitsmarktdaten insgesamt lassen daher weitere Zinsanhebungen durchaus vertretbar erscheinen.

Einkaufsmanager sehen wieder Wachstum

Auch der ISM-Einkaufsmanagerindex für März verbesserte sich deutlich. Er ist erstmals seit sieben Monaten wieder über die Schwelle von 50 Zählern gestiegen, und das deutlich (aktueller Wert: 51,8). Werte über 50 weisen bei diesem Frühindikator auf ein zukünftiges Wachstum der US-Industrie hin. Der Wert für den Service-Sektor liegt schon länger über 50 Punkte und stieg im März ebenfalls weiter an (aktueller Wert: 54,5). Mit dem jüngsten Anstieg des ISM-Industrie-Index über die 50-Punkte-Marke wurde also eine weitere Hürde auf dem Weg zur nächsten Zinsanhebung überwunden.

Konsumlaune der Verbraucher dürfte US-Wirtschaft stützen

Und auch die Verbraucher, eine sehr wichtige Säule der US-Wirtschaft, sind weiterhin in Konsumlaune. So legte das Verbrauchervertrauen laut dem Conference Board überraschend zu und stieg von 94,0 Punkten im Februar auf 96,2 Punkte im März. Die Konsensschätzungen gingen nur von einem unveränderten Stand aus. Während die aktuelle Lage etwas schlechter beurteilt wurde (113,5 nach 115,0), kletterte die Erwartungskomponente von 79,9 auf 84,7 Punkte.

US-Konjunkturdaten lassen baldige Zinsanhebung der Fed zu

Der US-Arbeitsmarkt entwickelt sich seit Monaten stabil, die Einkaufsmanager sehen wieder zukünftiges Wachstum und die Verbraucher bleiben eine wichtige Stütze der US-Wirtschaft. Es stellt sich daher die Frage, warum die Notenbank Fed eigentlich die Zinsen nicht schon auf ihrer nächsten Sitzung im April weiter anheben sollte?!

Sollten sich die Anzeichen für ein baldiges Drehen an der Zinsschraube verdichten, könnten die Aktienmärkte ihre kürzlich eingeleitete Korrektur fortsetzen, weil sie dann einen späten Zinsschritt aus- und eine frühere Zinsanhebung einpreisen müssten.

Saisonalität deutet auf eine kurzzeitige Korrektur hin

Doch dies würde lediglich zum saisonalen Muster passen. Demnach erleidet der Dow Jones regelmäßig in einem US-Präsidentschaftswahljahr von Anfang April bis Ende Mai eine Schwächephase. Anschließend folgt eine Wahlrally.

Dow Jones - Saisonaler Kursverlauf in US-Wahljahren

Fazit

Aufgrund von fünf Belastungsfaktoren – einem starken Euro, einer Ölpreisschwäche, Flaggenformationen in den US-Indizes, dem Hinweis auf eine baldige Zinsanhebung der Fed und der Saisonalität – kam es jüngst zu fallenden Kursen im DAX. Diese passen zum saisonalen Verlauf des Dow Jones in US-Wahljahren. Und sie könnten sich daher noch eine Weile fortsetzen.

Doch in Anbetracht der weiteren Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft, die man aufgrund der Konjunkturdaten unterstellen kann, dürften die Kurse nach der Korrektur wieder zulegen und damit dem saisonalen Verlauf weiter folgen, der – ab Mitte des Jahres – eine US-Wahlrally in Aussicht stellt.

Wir bleiben grundsätzlich bei unserer inzwischen wieder optimistischen Haltung für die Aktienmärkte, fühlen uns aber mit den jüngsten Gewinnmitnahmen im Geldanlage Premium Depot, über die wir bereits vor einer Woche berichteten, weiterhin sehr wohl. Denn die Gefahr stärkerer Rücksetzer am Aktienmarkt ist durch die Kursentwicklungen in dieser Woche gewachsen.“ So lautete vor einer Woche ein Teil unserer Analyse (siehe „„Geldanlage Premium Depot“ - Die Korrektur kann kommen“). Inzwischen hat sich diese Erwartung bereits erfüllt. Und daher gilt unverändert: „Es muss nun entweder Schnäppchenkurse oder neue Signale der Stärke, damit wir neue Investments eingehen.

Tradingchancen im Dow Jones

Für eine anhaltende Aufwärtsbewegung im Dow Jones könnte folgendes Produkt interessant sein:
Dow Jones WAVE XXL Call, WKN: DE1137, aktueller Hebel: 2,63 Briefkurs: 5,89 Euro
Für fallende Kurse im S&P500 könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
Dow Jones WAVE XXL Put, WKN: XM19CX, aktueller Hebel: 5,17, Briefkurs: 2,97 Euro


Brauchen Sie Unterstützung bei der Umsetzung dieser Trades? Sie möchten wissen, wann und wie wir mit der Situation im DAX umgehen? Dann testen Sie unseren Börsendienst „
Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement. Melden Sie sich jetzt hier an.

 



›› Interview bei „Der Aktionär TV“
von Sven Weisenhaus

Am Mittwoch war ich zu einem Interview bei „Der Aktionär TV“ in Frankfurt eingeladen. In der gebotenen Kürze der Zeit habe ich dort genau das wiedergegeben, was Sie hier im „Geldanlage-Brief“ in aller Ausführlichkeit erhalten haben. Sie können sich das Video dazu hier ansehen (klicken):

Sven Weisenhaus beim Interview im

Anschließend hat mich Herr Tietze von X-Markets direkt noch auf ein Interview in die Deutsche Bank eingeladen. Auch dieses Gespräch können Sie sich als Video ansehen. Klicken Sie dazu hier:

Sven Weisenhaus beim Interview mit Nicolai Tietze von der Deutschen Bank

 



›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 15: Handelswoche vom 11.04.2016 bis 15.04.2016)

Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auch auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Sven Weisenhaus beim Interview mit Nicolai Tietze von der Deutschen Bank
(Quelle: Investing.com)

Die weiteren Termine der Woche finden Sie auf unserer Internetseite im Wirtschaftskalender.

 


 

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...