Ende der Korrektur im DAX? +++ Die Probleme von übermorgen

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Anzeichen für ein Ende der Korrektur im DAX
  2. Die systemischen (Schulden-)Probleme von morgen
  3. Bundesverfassungsgericht erlaubt EZB-Staatsanleihenkäufe

 

›› Anzeichen für ein Ende der Korrektur im DAX
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Wettbüros taxierten die Wahrscheinlichkeit eines Brexits zu Beginn der Woche auf nur noch 30 Prozent, nach 40 Prozent in den Tagen zuvor. Der Brexit wurde daher am Montag an den Märkten entsprechend ausgepreist.

Dabei konnte der DAX ordentlich zulegen. Er arbeitete sich von unten mit einer riesigen Aufwärtslücke (grüner Pfeil im folgenden Chart) und Anschlusskäufen von der 9.631er Marke bis an die 10.000er Marke zurück. Gestern setzte sich die Erholungsbewegung fort.

Anzeichen für eine Trendwende im DAX

Im Kursverlauf des DAX lässt sich nun eine Insel-Umkehr (Island Reversal) identifiziert. Zu Beginn der vergangenen Woche entstand im DAX eine Abwärtslücke (roter Pfeil), als der Index unter seine enge Seitwärtsrange bei rund 9.750 Punkten fiel (blaues Rechteck). Und als der DAX am vergangenen Montag überraschend stark in den Handel startete, wurde die oben genannte Aufwärtslücke gerissen (grüner Pfeil). Damit wurde ein Teil des Kursverlaufs vom restlichen abgerissen, so dass exakt unterhalb der Seitwärtsrange eine Art Insel entstand (roter Kreis).

DAX - Island Reversal

Insel-Umkehr bestätigt ABC-Korrektur und Fibonacci-Marken

Derartige Kursmuster gelten als Trendwendeformationen. Bestätigt wird dies durch die DAX-Analyse vom vergangenen Mittwoch. Dort war zu lesen, dass im DAX eine ABC-Korrektur entstehen könnte, solange das 61,80-Prozent Fibonacci-Retracement bei 9.377,37 Punkten nicht unterschritten wird.

DAX - Chartanalyse

Wie sich in diesem Chart zeigt, blieb der Kurs oberhalb dieser Marke (zweite blaue Linie von unten) und befindet sich durch die Kurserholung bereits wieder in seiner engen Seitwärtsrange (blaues Rechteck). Damit könnte tatsächlich die Welle C (dunkelrotes Rechteck) der ABC-Korrektur (rote Buchstaben) zu Ende gegangen sein.

Da es gemäß der Eliott-Wellen-Regeln nach einer ABC-Korrektur zu einem neuen Trend kommt, passt dies perfekt zur Insel-Umkehr als Trendwendemuster. Und insbesondere wenn die Briten morgen für einen Verbleib in der EU stimmen, dann ist mit weiter steigenden Kursen zu rechnen. Im Fall eines „Brexit“ kann es zwar kurzfristig noch einmal deutlich abwärts gehen, solange der DAX aber nun nicht mehr unter das Tief der Welle C fällt, bleibt das Chartbild bullish.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

Tradingchancen im DAX

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Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten: DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 5,60, Briefkurs: 17,60 Euro.


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›› Die systemischen (Schulden-)Probleme von morgen
von Sven Weisenhaus

Der mögliche „Brexit“ ist natürlich auch ein Thema für den Euro. So sieht zum Beispiel der IWF in dem morgigen Votum der Briten eine Gefahr für die gesamte Eurozone. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU könne die Währungsunion erschüttern, so der IWF in einem aktuellen Bericht.

Die politischen Risiken seien enorm gestiegen, weil neben dem Brexit auch die Flüchtlingssituation ungelöst sei. Zudem leide das Euro-Währungsgebiet unter stellenweise hoher Arbeitslosigkeit, teils niedriger Produktivität, faulen Kredite in einigen Banken und hoher Verschuldung sowohl der öffentlichen als auch der privaten Haushalte. Ein Ausstiegsvotum oder selbst ein knappes Ergebnis für den Verbleib könne daher euroskeptische Tendenzen und Unsicherheiten verstärken.

Neue Milliarden für Griechenland sind keine Lösung

Vor diesem Hintergrund ist es zwar eine positive Meldung, dass das hochverschuldete Griechenland nach aktuellsten Beschlüssen mit 7,5 Milliarden Euro die zugesagten Hilfsgelder bekommen soll und damit über den Sommer hinweg finanziert ist, doch an dem Problem der zu hohen Verschuldung hat sich damit nichts geändert. Und das Thema Verschuldung könnte wieder prominenter werden, wenn der Brexit ab der kommenden Woche aus den Medien verschwindet.

Was kommt nach dem Brexit-Referendum?

Sie kennen die Börse, die ein Thema spielt, solange es eine gewisse Unsicherheiten birgt. Nach der Abstimmung zum Brexit ist diese Unsicherheit erst einmal aus dem Markt. Die Marktteilnehmer können sich auf die weiteren, möglichen Folgen einstellen. Das Thema wird uninteressant. Wenn Sie uns also fragen, was nach dem Brexit-Referendum die Gemüter der Anleger beeinflussen könnte, dann haben wir eine klare Meinung:

Die Verschuldung (Chinas)

Am vergangenen Mittwoch konnten Sie hier im Geldanlage-Brief unter der Zwischenüberschrift „Wir müssen uns an geringere Wachstumsraten gewöhnen“ lesen, dass es an wachstumsfördernden Innovationen mangelt. Das eigentliche Problem, das uns dadurch irgendwann noch auf die Füße fallen wird, ist allerdings die Verschuldung:

Solange die Wachstumsraten gering sind, versucht die Politik mithilfe von Schulden die Wirtschaft anzukurbeln. Das Problem kennen wir von den westlichen Industrieländern, doch sehen wir diesen Effekt nun auch zunehmend in China. Dort wächst die Verschuldung zurzeit mehr als doppelt so schnell wie die Wirtschaft. Jedem sollte klar sein, dass dies auf Dauer nicht gesund ist und in Zukunft zu enormen Problemen führen kann.

Schulden chinesischer Unternehmen - Gefahr für die Weltwirtschaft

Wie Sie wissen, wurde der mögliche EU-Ausstieg Großbritanniens von der Fed als einer der Faktoren genannt, die zu der Zurückhaltung bzw. dem unveränderten Leitzins geführt haben (wir berichteten). Der US-Notenbank bereitet aber nach eigenen Angaben auch die drohende Überschuldung vieler Unternehmen in China Kopfschmerzen. Und laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen die rasant steigenden Schulden sogar eine ernstzunehmende Gefahr für das Land und die Weltwirtschaft dar. Sie könnten die „systemischen Schuldenprobleme von morgen“ werden, so der IWF.

IWF-Vizechef David Lipton sagte in einer Rede vor Ökonomen in der Metropole Shenzhen, die Gesamtverschuldung (also die Staats-, Privat- und Unternehmensschulden) in China liege zwar mit 225 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im weltweiten Vergleich nicht außergewöhnlich hoch, doch seien die Unternehmen alleine bereits mit 145 Prozent des BIP verschuldet, und das sei ein hoher Wert.

Ambitionierte Ziele sollen mit Schulden erreicht werden

Die chinesische Regierung zahlt somit derzeit einen hohen Preis dafür, dass es nach vielen Jahren des Booms nicht zu einer sogenannten „harten Landung“ der chinesischen Wirtschaft kommt. Dabei hat sich die Regierung ambitionierte Ziele gesetzt: Von 2010 bis 2020 soll eine Verdopplung des Pro-Kopf-Einkommens und des BIP erreicht werden. Auch deshalb soll die BIP-Wachstumsrate zwischen 2016 und 2020 bei mindestens 6,5 Prozent liegen.

Wann die Rechnung aufgeht

Es stellt sich aber die Frage, ob es sich lohnt, die Wirtschaft mithilfe einer enormen Ausweitung der Schulden zu diesen Zielen zu führen. Die Rechnung geht nämlich nur dann auf, wenn Innovationen zukünftig dazu führen, dass die Wirtschaft auch ohne Stimuli seitens der Politik dynamisch wächst. Denn nur dann können die Staatsausgaben gesenkt, Haushaltsüberschüsse erzielt und die Schulden zurückgezahlt werden.

Auf mittelfristige Sicht ist damit aber nicht zu rechnen, wie Sie aus dem „Geldanlage-Brief“ vom vergangenen Mittwoch erfahren haben. Und die Schulden können in einem solchen Fall höchst unangenehme Folgen haben, wie man zum Beispiel in Griechenland gesehen hat und natürlich auch in vielen anderen westlichen Industrieländern miterleben muss.

Fazit

Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten, dafür ist es zu früh. Doch gewisse Risiken sollte man einfach im Hinterkopf behalten und kontinuierlich beobachten, um frühzeitig, also vor den anderen Marktteilnehmern, reagieren zu können. Und das Thema chinesische Verschuldung könnte eines der brisanteren Themen der kommenden Jahre werden. Wie stark mittlerweile die Probleme in China die Aktienmärkte auch in den USA und Europa beeinflussen können, haben wir im letzten Jahr gesehen.

Aktuell haben wir es durch den möglichen Brexit mit kurzfristigen Kursverwerfungen zu tun. Je nach Ausgang des Referendums muss man auch mittelfristig, über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren, mit Auswirkungen rechnen. Langfristig schweben jedoch die Schuldenberge wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Verschärft wird dieses Problem durch den Mangel an wachstumsfördernden Innovationen, womit die Analyse vom vergangenen Mittwoch mit den heute hier gelieferten Informationen ein rundes Bild der globalen Probleme ergibt.

Doch ein Großteil der Probleme ist den Märkten längst bekannt. Jeder weiß, dass die Abstimmung zum Brexit am morgigen 23. Juni stattfinden wird. Jeder weiß, dass die Auswirkungen, je nach Ergebnis, kurz- und mittelfristig gravierend sein können. Und seit die Euro-Schuldenkrise vor einigen Jahren begonnen hat, dürfte auch jedem das Problem der Verschuldung bekannt sein. Doch aktuell scheint dieses aus den Köpfen der Anleger verschwunden. Das könnte sich noch rächen.

Dennoch sind Aktien die Anlageklasse, die auf absehbare Zeit die höchsten Erträge abwerfen dürften. Daher bleibt es dabei: Langfristig ist der Ausblick weiterhin eindeutig bullish für die Aktienmärkte. Kurzfristig muss man jedoch noch mit Turbulenzen rechnen. Da bislang lediglich die Fed-Sitzung hinter uns liegt und der noch bevorstehende „Brexit“ inzwischen die gesamte Finanzwelt überschattet, rechnen wir erst ab der Woche nach dem Referendum mit einer Kursberuhigung. Dann wird sich zeigen, auf welches Thema sich die Märkte als nächstes stürzen. Uns würde es nicht wundern, wenn es Chinas Verschuldung wird.

 



›› Bundesverfassungsgericht erlaubt EZB-Staatsanleihenkäufe
von Sven Weisenhaus

Bundesverfassungsgericht weist Klagen gegen Euro-Rettungsprogramm der EZB zurückDas Bundesverfassungsgericht hat gestern die Klagen gegen ein umstrittenes Euro-Rettungsprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgewiesen. Anfang 2014 hatten die Verfassungsrichter noch schwerwiegende Bedenken geäußert und daraufhin zunächst den Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entscheiden lassen. Nun schlossen sich die Karlsruher Richter dem Urteil des EuGH aus dem Jahr 2015 an. Das sogenannte OMT-Programm (OMT = Outright Monetary Transactions) verstoße wegen der begrenzenden Auflagen des EuGH nicht gegen das Verbot der monetären Haushaltsführung in Eurokrisenstaaten, so die Richter.

Erlaubnis für ein nie angewendetes Programm

Entschieden wurde über einen Beschluss der Notenbank vom September 2012. Auf dem Höhepunkt der Krise, als nach Griechenland auch Italien und Spanien ins Visier von Spekulanten geraten waren, hatte EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt, wenn nötig unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenstaaten zu kaufen. Allein diese Ankündigung beruhigte damals auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise die Finanzmärkte, so dass das OMT-Programm bis heute nie angewandt wurde.

Erlaubnis mit Einschränkungen

Durch das Urteil ist nun sichergestellt, dass die EZB im Ernstfall kriselnde Euro-Staaten durch Staatsanleihenkäufe stützen und die Bundesbank sich an der Umsetzung beteiligen darf – allerdings unter den folgenden Bedingungen:

  • Die Ankäufe dürfen nicht angekündigt werden.
  • Ihr Volumen muss im Voraus begrenzt sein.
  • Zwischen Ausgabe einer Staatsanleihe und Aufkauf durch die EZB muss eine ausreichend lange Frist liegen, um die Ausgabebedingungen nicht zu verfälschen.
  • Es dürfen nur Anleihen von Staaten gekauft werden, die sich noch am Markt finanzieren können.
  • Bundestag und Bundesregierung müssen das dauerhaft überwachen und wenn notwendig einschreiten.

Urteil ging an den Märkten spurlos vorüber

Die Relevanz des Urteils gilt inzwischen allerdings als gering, weil die EZB längst alternative Maßnahmen beschlossen hat, um die Schuldenlast der Euro-Länder zu senken und die Wirtschaft sowie die Inflation anzukurbeln. So zum Beispiel die Senkung der Leitzinsen oder die aktuellen Anleihenkäufe, gegen die es ebenfalls Verfassungsklagen gibt, auf die das aktuelle Urteil allerdings nicht übertragbar ist. An den Märkten ging das Ereignis jedenfalls spurlos vorüber. Im Vorfeld der „Brexit“-Abstimmung in Großbritannien am morgigen Donnerstag scheinen solche Meldungen am Markt einfach unterzugehen.

 


 

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