Folgen des Brexits erinnern an Finanzkrise +++ US-Arbeitsmarktbericht

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Folgen des Brexits erinnern an Finanzkrise
  2. US-Arbeitsmarktbericht macht Zinsanhebung wahrscheinlicher
  3. Gehen der EZB die kaufbaren Anleihen aus?
  4. Termine der kommenden Woche

 

›› Folgen des Brexits erinnern an Finanzkrise
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

zunächst ein wichtiger Hinweis: Die nächste Ausgabe des Geldanlage-Briefs erscheint am 20.07.2016.

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-BriefWie es um die Wirtschaft steht, seit Großbritannien den Brexit erklärt hat, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Die meisten Konjunkturdaten, die derzeit veröffentlicht werden, beziehen sich auf den Zeitraum vor dem Brexit.

Selbst Frühindikatoren, wie die Einkaufsmanagerindizes, zu denen in dieser Woche neue Daten bekanntgegeben wurden, sind kein Indiz. Denn auch hierzu fand die Befragung zu einem Großteil vor dem Brexit statt. Die Stimmung der Manager dürfte sich mit dem überraschenden Ergebnis des Referendums jedoch gewandelt haben.

Erinnerungen an die Finanzkrise 2008/2009

Und so muss man Ausschau halten nach anderen Indikatoren, die einen Hinweis auf den Zustand der Märkte geben können. Dabei fällt auf, dass seit dem Brexit inzwischen einiges an die Finanzkrise 2008/2009 erinnert. Vorneweg sind da natürlich die steigenden Kurse der „sicheren Häfen“, wie Edelmetalle und Anleihen, zu nennen, während die Aktienkurse wieder den Rückwärtsgang eingelegt haben. So setzte der Goldpreis seinen Aufschwung fort und notierte am vergangenen Mittwoch mit 1.375 US-Dollar je Feinunze auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren.

Gold - Chartanalyse

Die Rendite 10-jähriger Bundespapiere notierte derweil kurz nach Handelsstart am Mittwoch mit minus 0,19 Prozent so niedrig wie nie zuvor. Das Pendant zu dem Renditesturz sind neuerliche Kursgewinne beim Bund-Future. Mit 168,13 Punkten näherte sich der Kurs dem Brexit-Hoch, das bei 168,86 Punkten markiert wurde.

Bund-Future - Chartanalyse

Auf den Anleihemärkten anderer (aus Anlegersicht sicherer) Länder zeichnet sich ein ähnliches Bild. So ist in Japan die Rendite für 20-jährige (!) Papiere in den negativen Bereich gerutscht. Und die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen ist in dieser Woche zum ersten Mal überhaupt unter 1,4 Prozent gefallen.

Brexit bringt Immobilienfonds und italienische Banken in Bedrängnis

Die Auswirkungen des Brexit bringen aber auch neue Entwicklungen abseits der viel beachteten Märkte hervor. So leiden aktuell Immobilienfonds mit Schwerpunkt Großbritannien unter hohen Mittelabflüssen. Einige mussten deshalb bereits vorübergehend geschlossen werden. Und mit dem italienischen Bankensektor hat sich ein weiteres Sorgenkind gefunden. Die Geldhäuser des krisengeplagten Landes sitzen auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite, was knapp einem Viertel vom BIP des Landes entspricht. Problematisch ist das vor allem, weil laut der Berenberg Bank der Marktwert der notleidenden Kredite nur bei 18 bis 20 Prozent liegt. In den Bankbilanzen stehen sie jedoch derzeit mit 41 Prozent.

Um diese Lücke zu schließen, müssten die Kredite mit deutlichen Verlusten verkauft und/oder hohe Abschreibungen vorgenommen werden. Berenberg taxiert die Kapitallücke im italienischen Bankensektor auf 45 Milliarden Euro. Diesen Betrag können die Banken aber im aktuellen Umfeld nicht aufbringen. Denn Kapitalerhöhungen zum Beispiel würden derzeit wohl nicht genügend Investoren anziehen. Daher streiten Rom und Brüssel derzeit darum, wie man den Sektor stabilisieren kann.

Erste Bankaktien mussten vom Handel ausgesetzt werden

Natürlich lässt sich dieses Dilemma auch in den Aktienkursen ablesen. So ist der Marktwert der Banca Monte dei Paschi di Siena, die - im Jahre 1472 gegründet - immerhin als die älteste Bank der Welt gilt, in diesem Jahr schon rund 70 Prozent gefallen. In dieser Woche wurde das Papier sogar zeitweise vom Handel ausgesetzt, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) die Bank aufgefordert hatte, das Volumen der notleidenden Kredite zu verringern. Dadurch nahmen die Sorgen um die Kapitalausstattung am Markt noch einmal deutlich zu.

Monte dei Paschi bestätigte, dass man der EZB nun bis zum 3. Oktober einen neuen Geschäftsplan vorlegen solle, mit dem der Anteil der faulen Kredite bis 2018 von derzeit 41 Prozent auf 20 Prozent heruntergefahren werden soll. In Euro entspricht dies einer Reduzierung um 14,3 Milliarden Euro von derzeit 46,9 auf 32,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der Bank liegt aktuell nur bei 777 Mio. Euro. Diese Zahlen zeigen, wie groß die Probleme sind.

Die Schuldenprobleme von morgen sind heute

In der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom 22. Juni lautete die Frage „Was kommt nach dem Brexit-Referendum?“. Und mit dem Thema Verschuldung wurde auch gleich eine Antwort geliefert. Zwar hatten wir dabei den Blick auf China gelenkt, doch die weltweite Verschuldung im Allgemeinen kritisiert. Und nun erwischt es wohl zuerst die Banken Italiens. Das dortige Problem ist das gleiche: Das durch Schulden erkaufte Wachstum rächt sich nun, weil die Wirtschaft ohne (geld-)politische Unterstützung nicht stabil genug ist, um externe Ereignisse wie zum Beispiel den Brexit zu verkraften.

Die nächste Impulsbewegung brachte die Entscheidung

Entsprechend verwundert es auch nicht, dass die Aktienmärkte jüngst wieder deutlich unter Druck gerieten. Vor einer Woche hieß es hier an dieser Stelle: „Die Erholung vom Brexit-Schock setzte sich in dieser Woche unaufhaltsam fort. Doch nach wie vor ist das nichts weiter als eine „technische Gegenreaktion“. Die Entscheidung über die weitere Richtung der Märkte ist noch nicht endgültig gefallen.“ Weil aber das immer wiederkehrende Verhalten der Anleger die Charttechnik zu einem funktionierenden Werkzeug macht, wagte ich folgende Prognose: „Je länger der DAX nun in immer engeren Bahnen seitwärts tendiert […], desto dynamischer wird die nächste Ausbruchsbewegung ausfallen. […] gewöhnlich ist eine Seitwärtskonsolidierung trendbestätigend, so dass wir von bald wieder fallenden Kursen ausgehen müssen.“ Tatsächlich hat sich der DAX inzwischen für eine dynamische Abwärtsbewegung entschieden und stand zur Wochenmitte schon wieder kurz vor dem Brexit-Tief.

DAX - Chartanalyse

Es läuft die letzte Abwärtsbewegung dieser Korrektur

Damit könnte es noch eine Weile dauern, bis Aktien wieder attraktiver werden als Rohstoffe wie Gold und Silber. Aber ich erinnere gerne noch einmal an meine Erwartung, wonach es auf Sicht der kommenden Jahre das letzte Mal sein könnte, dass wir DAX-Aktien auf einem derartigen Kursniveau einsammeln können.

Mit anderen Worten: Ich glaube, dass aktuell die letzte Abwärtsbewegung der übergeordneten Korrektur läuft. Und diese könnte im schlimmsten Fall bis in den Bereich von 8.000 Punkten führen (roter Pfeil im Chart).

DAX - Chartanalyse / Elliott-Wellen-Analyse

Doch uns kann dies nur recht sein. Denn dann würde unsere Strategie der Schnäppchenkäufe im „Geldanlage Premium Depot“ weiter aufgehen und unser Depot richtig durchstarten, sobald die Kurse anschließend nach oben drehen.

Möchten auch Sie von unserer Investmentstrategie profitieren? Dann melden Sie sich jetzt hier an! Sie gehen kein Risiko ein, denn Sie können unseren Börsendienst „Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement testen. Melden Sie sich jetzt hier an.

 



›› US-Arbeitsmarktbericht macht Zinsanhebung wahrscheinlicher
von Sven Weisenhaus

Am vergangenen Freitag wurde der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für den Juni veröffentlicht. Und dieser fiel deutlich über den Erwartungen aus. Volkswirte hatten im Vorfeld mit einem Stellenaufbau von 165.000 bis 181.000 gerechnet, nach dem enttäuschenden Plus von nur (revidiert) 11.000 Stellen im Vormonat. Tatsächlich lag die Zahl der neugeschaffenen Stellen allerdings bei 287.000. Damit könnte der schwache Stellenaufbau im Mai nur eine kleine Delle in der ansonsten stabilen Entwicklung des US-Arbeitsmarktes gewesen sein.

neue Stellen in den USA

Macht der Arbeitsmarktbericht eine Zinsanhebung wahrscheinlicher?

Dies könnte Auswirkungen auf die nächste Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am 26. und 27. Juli haben. Auf der letzten Fed-Sitzung vom 14. und 15. Juni bestand noch eine erhöhte Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung. Dies geht aus dem Sitzungsprotokoll hervor, das die US-Notenbank am Mittwochabend (MEZ) veröffentlicht hat.

Die Fed-Mitglieder diskutierten demnach kontrovers die Verfassung des Arbeitsmarktes, die Inflationsentwicklung, den Wachstumsausblick und die Risiken für die Wirtschaft. Während die Notenbanker im April und Mai noch signalisierten, dass die Zinsen noch in diesem Sommer angehoben werden, war die Neigung zu derartigen Zinsanhebungen zu diesem Zeitpunkt relativ gering.

Zumal aus den Mitschriften hervorgeht, dass aus Sicht der Notenbanker die Abkehr der Briten von der EU (Brexit) nicht nur Finanzmarktturbulenzen auslösen, sondern auch die amerikanische Wirtschaft bremsen könne. Daher sei es nötig, zunächst weitere Daten über die Folgen der Abstimmung abzuwarten, bevor man sich an eine erneute Zinserhöhung heranwagt.

Weitere Konjunkturdaten können Hinweise liefern

Ob der überraschend starke Stellenaufbau nun schon für eine Fed-Zinsanhebung Ende Juli reicht, muss abgewartet werden. Schließlich ist der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator. Und wie Sie im ersten Kapitel der heutigen Ausgabe lesen konnten, beziehen sich die meisten Konjunkturdaten, die derzeit veröffentlicht werden, auf den Zeitraum vor dem Brexit. So auch der US-Arbeitsmarktbericht. Und daher könnte es sein, dass die US-Notenbank ihre abwartende Haltung noch etwas beibehält.

Allerdings ist bis zur Sitzung Ende Juli noch etwas Zeit, in der noch viele weitere Konjunkturdaten veröffentlicht werden. Bis dahin muss man also genau beobachten, ob die weiteren Daten den positiven Eindruck aus dem heutigen Arbeitsmarktbericht bestätigen und inwiefern der Brexit noch negativen Einfluss auf die Daten haben könnte.

 



›› Gehen der EZB die kaufbaren Anleihen aus?
von Sven Weisenhaus

Neben der Fed hat auch die EZB in dieser Woche ihr Protokoll zur jüngsten Ratssitzung veröffentlicht. Dieses hielt ein interessantes Detail parat, das zu neuen Gerüchten am Markt geführt hat. Denn aus der Mitschrift geht hervor, dass die Notenbanker mögliche Knappheitsprobleme bei ihrem Anleihekaufprogramm diskutierten haben.

Demnach führen unter anderem der extreme Anstieg des Bund-Future bzw. die damit verbundenen fallenden Renditen am Anleihemarkt dazu, dass der EZB die kaufbaren Anleihen ausgehen. Daher wurden erste Vermutungen laut, dass die EZB den Einlagezins von aktuell -0,4 auf -0,5 Prozent absenken wird, um das Volumen der kaufbaren Anleihen wieder zu erhöhen.

EZB kauft unter eigenen Auflagen

Fakt ist, dass die EZB derzeit jeden Monat Staatsanleihen im Wert von 80 Milliarden Euro kauft. Dabei hat sich die Notenbank eigene Grenzen gesteckt:

  1. Die EZB kann die Anleihen der verschiedenen Länder nur in dem Maße erwerben, wie diese der Notenbank Eigenkapital zur Verfügung stellen.
  2. Es dürfen nur Titel gekauft werden, die eine bestimmte Bonität aufweisen und deren Laufzeit zwischen zwei und 30 Jahren liegen.
  3. Der wichtige Punkt ist aber, dass die Renditen nicht niedriger als der aktuelle Einlagenzins von -0,4 Prozent liegen dürfen.

Renditen liegen vielfach unterhalb der Schwelle

Da Anleihen zurzeit unter Anlegern als „sichere Häfen“ gelten, sind sie aktuell sehr gefragt. Die hohe Nachfrage führt dazu, dass die Renditen vieler Papiere bereits unter der EZB-Schwelle von -0,4 Prozent liegen. Und das könnte für die Notenbank nun zum Problem werden: Mittlerweile sind fast ein Drittel aller von der Bonität her geeigneten Papiere wegen zu niedriger Zinsen für die EZB tabu. Ihr gehen also die kaufbaren Anleihen aus.

Fazit

Es wird demnach spannend, wie einerseits die Fed auf den Brexit, den US-Arbeitsmarktbericht und die weitere Daten auf Ihrer Sitzung Ende Juli reagiert und andererseits die EZB mit dem Problem der kaufbaren Anleihen umgeht. Beides sind Entwicklungen, die einen hohen Einfluss auf die Kurse haben können. Entsprechend genau werden wir hier im Geldanlage-Brief die weitere Entwicklung beobachten und analysieren.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 



›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 28: Handelswoche vom 11.07.2016 bis 15.07.2016)

Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Termine der kommenden Woche
(Quelle: Investing.com)

Die weiteren Termine der Woche finden Sie auf unserer Internetseite im Wirtschaftskalender.

 


 

Liebe Leser,

der Newsletter "Börse-Intern" (ehemals "Geldanlage-Brief") ist Ihre kostenlose Informationsquelle zur Börse, den Aktienmärkten und Finanzen.

Tragen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein und Sie sind kostenlos dabei!




Datenschutzhinweise anzeigen...