So ist die Stimmung nach dem Brexit

Inhalt dieser Ausgabe

  1. EZB behält die Ruhe
  2. Brexit trübt die Stimmung
  3. Gelingt dem DAX der Sprung auf das Vor-Brexit-Niveau?
  4. Termine der kommenden Woche

 

›› EZB behält die Ruhe
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdie Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen unverändert belassen. Sie behielt den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 0,00 Prozent und den Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität 0,25 Prozent. Die Einlagefazilität, also der Strafzins, den Banken und Sparkassen zahlen müssen, blieb bei -0,40 Prozent.

Der EZB-Rat geht weiterhin davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und sogar weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden.

Auch keine Änderungen am Anleihekaufprogramm

Darüber hinaus gab es auch keine Änderungen am Volumen der Ankäufe von Anleihen. Der Umfang bleibt mit monatlich 80 Mrd. Euro bis Ende März 2017 bzw. insgesamt 1,74 Billionen Euro unverändert. Die EZB wies erneut darauf hin, dass die Käufe erforderlichenfalls verlängert werden und in jedem Fall so lange anhalten, bis eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennbar wird, die mit dem Inflationsziel der EZB im Einklang steht.

Im Vorfeld der Sitzung galt zwar eine erneute Zinssenkung bereits als unwahrscheinlich, vor dem Hintergrund des Brexit-Votums gab es jedoch Spekulationen über eine Änderung der Regeln für die Anleihekäufe. Aktuell darf die Notenbank keine Titel kaufen, deren Rendite unter dem Einlagenzins von minus 0,4 Prozent liegt. Da man hier Engpässe kommen sieht, waren einige Marktteilnehmer von einer Anpassung der Modalitäten ausgegangen.

EZB-Zinsentscheid ging an den Börsen spurlos vorüber

Weil aber letztlich die mehrheitlichen Erwartungen des Marktes getroffen wurden, ging die Zinsentscheidung an den Börsen spurlos vorüber. Erst zur Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid kam etwas mehr Bewegung in den Markt, doch auch dabei traten die Kurse auf der Stelle. Letztlich konnten die Aktienmärkte damit ihr erreichtes Niveau halten, womit sie die Risiken weiterhin zu ignorieren scheinen (siehe Geldanlage-Brief vom vergangenen Mittwoch).

Mario Draghis Sicht auf die Dinge

EZB-Chef Mario Draghi sagte in der Pressekonferenz, die vorliegenden Daten würden auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2016 hindeuten, auch wenn dieses unter der Rate des ersten Quartals liegen könnte. Die Wirtschaft erhole sich jedoch weiterhin in einem moderaten Tempo. Sie werde weiterhin vom relativ niedrigen Ölpreis gestützt. Die Inflation werde in den kommenden Monaten voraussichtlich niedrig bleiben, jedoch weiter anziehen und auch in 2017 und 2018 weiter steigen. Der Anstieg im Juni sei vor allem auf höhere Energiepreise zurückzuführen. Das Brexit-Votum hätten die Märkte gut verkraftet, man könne die Auswirkungen auf die Wirtschaft jedoch erst besser beurteilen, wenn die Daten der kommenden Wochen und Monate zur Verfügung stünden. Das Wachstum der Geldmenge sei robust und die Kreditbedingungen für Unternehmen und Haushalte hätten sich weiter verbessert. Den schwarzen Peter schob Draghi erneut der Politik zu, weil diese das Tempo bei der Umsetzung von Strukturreformen erhöhen und den Stabilitäts- und Wachstumspakt einhalten müsse. Nur so können die geldpolitischen Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten.

Keine Quelle für neue Informationen

Damit hat Herr Draghi eigentlich alles das sehr gut zusammengefasst, was Ihnen aus den vorangegangenen Ausgaben des Geldanlage-Briefs längst bekannt war. Insofern waren der Zinsentscheid sowie die Pressekonferenz keine Quelle für neue Informationen. Interessant war zusammenfassend lediglich, dass die EZB im Brexit-Votum derzeit kein kritisches Risiko für den Wachstumspfad sieht. Vielmehr hat man die Ruhe, die kommenden Daten abzuwarten und erst auf der nächsten Sitzung im September die Lage neu zu bewerten.

 



›› Brexit trübt die Stimmung
von Sven Weisenhaus

Während die EZB die weiteren Entwicklungen noch abwarten will, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft besser beurteilen zu können, sind sich die meisten Finanzexperten offenbar einig: Die ersten Stimmungsindikatoren, die seit dem Brexit-Votum veröffentlicht wurden, sind zum Teil deutlich eingebrochen. So fielen die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland, die auf einer Umfrage unter 220 Analysten und Anlegern basiert, im Juli um 26 Punkte auf minus 6,8 Zähler und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2012.

ZEW-Index
(Quelle: ZEW)

Finanzexperten und Einkaufsmanager uneinig

Ein etwas anderes Bild zeichnen allerdings die Einkaufsmanagerindizes. Wie das Markit-Institut zu seiner jüngsten Umfrage unter 1000 Dienstleistungs- und Industrieunternehmen mitteilte, steckt die deutsche Wirtschaft den Brexit-Schock überraschend gut weg. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Juli sogar überraschend um 0,9 Punkte auf das Jahreshoch von 55,3 Zählern. Von Reuters befragte Ökonomen hatten stattdessen mit einem Rückgang auf 53,7 Punkte gerechnet.

Einkaufsmanagerindex für Deutschland

Einen kleinen Dämpfer musste allerdings die Industrie hinnehmen, deren Teil-Index um 0,8 auf 53,7 Punkte fiel. Dafür kletterte der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister um 0,9 auf 54,6 Punkte.

Deutschland hui, Euro-Zone auch nicht schlecht

Während die Einkaufsmanager für Deutschland optimistisch sind, signalisiert das entsprechende Konjunkturbarometer nach dem Brexit-Votum für die Euro-Zone das schwächste Wachstum seit anderthalb Jahren. Der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister, der aus einer Umfrage unter 5000 Unternehmen ermittelt wird, fiel im Juli um 0,2 auf 52,9 Punkte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem noch stärkeren Rückgang auf 52,5 Zähler gerechnet.

Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone

Allerdings hält sich das Barometer damit weiterhin über der Marke von 50, ab der es Wachstum anzeigt, und das nun schon seit mehr als drei Jahren. (Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie verlor 0,9 auf 51,9 Punkte. Das Barometer für die Dienstleister verlor 0,1 auf 52,7 Zähler.)

Brexit hat dramatische Auswirkungen für Großbritannien

Deutlich dramatischer sind die Auswirkungen des Brexits auf die Wirtschaft in Großbritannien. Insbesondere die Dienstleister sind so skeptisch wie seit mehr als sieben Jahren nicht mehr. Der entsprechende Index brach auf 47,4 Punkte ein, nach 52,3 Zählern im Vormonat (siehe Grafik).

Einkaufsmanagerindex für Großbritannien

Der gemeinsame Einkaufsmanager-Index für Industrie und Dienstleister rutschte im Juli von 52,4 auf 47,7 Punkte ab. Demnach lässt das Brexit-Votum die britische Wirtschaft voraussichtlich so scharf abstürzen wie seit der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Ob die Konjunktur in der Euro-Zone und Großbritannien aufgrund des britischen Brexit-Votums tatsächlich derartigen Schaden nimmt, muss sich aber erst noch zeigen. Aus einem einzelnen Rückgang bei den Stimmungsindikatoren sollte man noch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Erst wenn die einzelnen Stimmungsindikatoren auch in den kommenden Monaten schwach bleiben, deutet dies auf tatsächliche Probleme der Realwirtschaft hin. Da größere Finanzmarktturbulenzen jedoch ausblieben, ist durchaus denkbar, dass Konjunkturbarometer wie der ZEW-Index bereits im kommenden Monat wieder zulegen.

EZB und ZEW ohne nachhaltigen Einfluss auf die Kurse

Und daher verwundert es auch nicht, dass nicht nur die EZB-Zinsentscheidung nahezu spurlos an den Märkten vorbei gegangen ist, sondern auch die Stimmungsindikatoren keinen nachhaltigen Einfluss auf die Kurse hatten. Und so halten sich die Aktienmärkte auf ihren erreichten Niveaus.

 



›› Gelingt dem DAX der Sprung auf das Vor-Brexit-Niveau?
von Sven Weisenhaus

Der DAX macht sich derweil daran, seinen Durchhänger nach dem Brexit-Votum der Briten vollständig zu egalisieren. Vor dem Brexit-Votum stand der Index bei 10.257 Punkten. Am Donnerstag wurde ein neues Trendhoch bei 10.195,65 Punkten markiert, am Freitag kam der DAX auf 10.181 Punkte.

Kann der DAX seine aktuelle Aufwärtsdynamik fortsetzen, wozu ein Sprung über eine Abwärtslinie (rot im Chart) nötig wäre, dann könnte das obere Ende seiner Seitwärtsrange (blau) erreicht werden.

DAX - Chartanalyse

Hier müsste man dann wohl zunächst mit einer Konsolidierung rechnen, weil dort auch die wichtige Linie des übergeordneten Abwärtstrendkanals verläuft.

Kommt es dort jedoch zum Ausbruch, dürfte der DAX einen Großteil des Aufholpotentials zu den bereits auf Allzeithoch notierenden US-Indizes ausreizen. Fallen hingegen die US-Indizes unter ihre ehemaligen Allzeithochs zurück und senden damit ein Fehlsignal, dann dürfte die Seitwärtsrange im DAX wohl noch eine Weile anhalten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

Tradingchancen im DAX

Für weiter steigende Kurse im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein:
DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 5,41, Briefkurs: 18,79 Euro
Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 6,10, Briefkurs: 16,59 Euro

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›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 30: Handelswoche vom 26.07.2016 bis 29.07.2016)

Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Termine der kommenden Woche
(Quelle: Investing.com)

Die weiteren Termine der Woche finden Sie auf unserer Internetseite im Wirtschaftskalender.

 


 

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